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Gegendarstellung zum Beitrag „Wissenschaftlicher Boulevard“ auf Tagesanzeiger.ch vom Samstag, dem 8. Oktober 2011

fög/Kurt Imhof, Samstag, 8.10.2011, 16:00 Uhr, update 10.10.2011 17:00 Uhr

Der Chefredaktor von Tagesanzeiger.ch Peter Wälty hat sich zu einem Angriff auf das Jahrbuch Qualität der Medien – Schweiz Suisse Svizzera Schwabe 2011 hinreissen lassen. Dabei ist viel falsch herausgekommen.

Sucht man in dem mit Bezug auf das 568 Seiten umfassende Jahrbuch verfassten Artikel, der im Gestus der Empörungsbewirtschaftung geschrieben ist, nach des Pudels Kern, dann bleiben fünf Vorwürfe:

  1. Peter Wälty schreibt, in der Untersuchung würde behauptet, die Nutzung von Newssites sei 2010 erstmals rückläufig und wir hätten diese Aussage nicht berichtigt. Richtig ist, dass uns bei der Erstellung der Darstellung auf S. 75 über die Abdeckung der Bevölkerung durch alle Gattungen der Informationsmedien und auf S. 311 über die Abdeckung der Bevölkerung durch die Gattung Online tatsächlich ein Fehler unterlaufen ist. Dadurch lassen sich die Zeitreihen vor 2009 mit den Angaben bezüglich 2010 nicht vergleichen. Völlig falsch ist der Vorwurf, dass wir das nicht berichtigt hätten: Im Gegenteil, der Fehler wurde vor der Herausgabe des Jahrbuches entdeckt und wir haben gleichzeitig mit der Herausgabe mit einem Corrigendum auf der Homepage des Jahrbuches reagiert und in der Medienkonferenz anlässlich der Herausgabe am Donnerstag dem 6.10.2011 auf diesen Umstand hingewiesen. An demselben Tag wurde Peter Wälty in einem Telefongespräch mit Patrik Ettinger, einem Mitarbeiter des fög – Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft, explizit über beides informiert und auf das Corrigendum verwiesen. Entsprechend ist seine Aussage bezüglich „Unterschlagung“ wider besseres eigenen Wissens falsch.
  2. Zu unserem Bedauern befindet sich nun ausgerechnet bei der Lesehilfe zur Darstellung auf S. 75 ein Tippfehler. Das macht die Lesehilfe unbrauchbar, hat jedoch keine Auswirkungen auf die Darstellung selbst.
  3. Beim Vergleich der sogenannten Newssites (etwa NZZ Online) und Onlineportalen (etwa bluewin.ch) sei der Befund falsch, moniert Peter Wälty. Ausserdem würden wir unterschlagen, „dass Onlineportale wie Bluewin, anders als Presseerzeugnisse, in der Regel nicht nur in einem Landesteil benutzt werden, sondern gesamtschweizerisch“. Beides ist falsch. Alle Sites werden jeweils für die drei Sprachgruppen berechnet, weil in der Untersuchung die jeweilige Nutzung in den drei grossen Sprachregionen interessiert. Unterschieden werden dabei die Typen Abonnement-Online, Boulevard-Online, Gratis-Online sowie Onlineportale, also die Newssites der Abonnementszeitungen, der Boulevardzeitungen, der Gratiszeitungen und von Dienstleistungsanbietern mit News (z.B. bluewin.ch) bzw. von Rundfunkanbietern (z.B. sf.tv). Grosse Verbreitung finden in allen Sprachregionen diese Onlineportale. In der deutschen wie französischen Sprachregion werden vor allem die Newssites des Typs Boulevard (etwa Blick.ch) und Gratis (etwa 20minuten.ch) viel genutzt, während jene des Typs Abonnement hinterherhinken. Nun liegen diese Onlineportale in ihrer Verbreitung gesamthaft deutlich vor den Newssites der Abonnementszeitungen. Auch im Einzelnen zeigt sich, so etwa im 4. Quartal 2010, dass die Newssite mit grösster Wochennutzung 20minuten.ch (deutsch: 563’000) in der deutschen Sprachregion im Vergleich mit dem am meisten genutzten Onlineportal bluewin.ch (deutsch: 961'000) deutlich zurückliegt. Die Kritik an den Aussagen zum Vergleich von Onlineportalen und Newssites von Peter Wälty ist nicht haltbar.
  4. Peter Wälty behauptet auch, wir hätten die Umsatzzahlen für die Gattung Online nicht beachtet. Das ist falsch, wir haben diese Bruttoangaben (Werbeeinnahmen) sehr wohl einbezogen und kommentiert (S. 71, 72). Ausserdem insinuiert er mit Bezug auf Tagesanzeiger.ch es sei möglich, auf Titelebene Angaben über Werbeeinnahmen zu erhalten. Für das Jahr 2010, das Untersuchungsjahr des Jahrbuches, ist dies nicht möglich. Möglich ist es erst ab 2011 und die Angaben beziehen sich überhaupt nur auf Bruttowerbezahlen, d.h. die tatsächlichen Einkünfte sind nicht eruierbar (vgl. Link zu weiteren Informationen).
  5. Schliesslich behauptet Peter Wälty die Aussage im Jahrbuch sei falsch, dass der Informationskonsum auf Newssites von Suchmaschinen gesteuert sei. Tatsächlich sagen wir im Jahrbuch auf S. 84 folgendes: „Wird ferner berücksichtigt, dass der Informationskonsum im Internet sehr selektiv und stark von Suchmaschinen gesteuert ist, dann wird klar, dass sich hier keine den anderen Gattungen [d.h. Presse, Radio und Fernsehen] vergleichbare Publikumsbindung erzielen lässt“. Dass der Informationskonsum auf Newssites stark von Suchmaschinen geprägt ist, ist ein branchenweit verankertes und durch Untersuchungen in den USA bestätigtes Wissen, freilich geben dies die Newssites ungern bekannt. Zum Glück liefert nun Peter Wälty in seinem Furor gleich selbst die Zahl von 20% der Klicks die nur schon via Google bei Tagesanzeiger.ch landen.

Fazit: Wir bedanken uns für den Hinweis auf den Tippfehler und meinen, dass er die Untersuchung tatsächlich ernst nehmen sollte.

Link zum Beitrag „Wissenschaftlicher Boulevard“ auf Tagesanzeiger.ch vom Samstag, dem 8. Oktober 2011