I.2.2 Relevanz
Linards Udris
Der Qualitätsindikator Relevanz begründet sich durch den Anspruch, dass das Allgemeine gegenüber dem Privaten bzw. das Gesellschaftliche gegenüber dem Individuellen und Partikulären Vorrang hat. Vorab interessieren bezüglich Relevanz die zentral beobachteten Sozialebenen (Makro, Meso, Mikro). Dieser Indikator erfasst, inwieweit die Berichterstattung auf die Makroebene der Gesamtgesellschaft und auf gesellschaftliche Teilbereiche (Gesellschaftssphären wie Politik, Wirtschaft, Kultur) fokussiert ist oder inwieweit sich die Aufmerksamkeit der Medien auf die Mesoebene der Institutionen und Organisationen oder auf die Mikroebene von Personen bezieht. Darüber hinaus ermöglicht die Kommunikationsereignisanalyse zu untersuchen, welche Themen in der Pressearena im vierten Quartal 2009 die meiste Aufmerksamkeit erlangen. Dabei werden die Kommunikationsereignisse ebenfalls hinsichtlich ihrer Makro-, Meso- und Mikrothematisierung analysiert.
Eine solche Analyse der thematischen Bezüge zu den Sozialebenen wird auf den Frontseiten und in den Aufmacherbeiträgen der Medien durchgeführt, die im letzten Quartal 2009 erfasst wurden. Darüber hinaus werden die 20 bedeutendsten Kommunikationsereignisse untersucht. Dieser Relevanzindikator konzentriert sich auf die thematisch gebündelte Berichterstattung (Kommunikationsereignisse) und prüft folgende Fragen: Auf welche Gesellschaftssphären beziehen sich die relevantesten Themen und welche Sozialebenen werden darin fokussiert? Was tragen die verschiedenen Mediengattungen zu diesen Themen bei? Erzeugen bestimmte Mediengattungen im Vergleich zur gesamten Medienarena spezielle Kommunikationsereignisse?
Relevanz
Relevant sind Thematisierungen auf der Ebene der Gesamtgesellschaft und von gesellschaftlichen Teilbereichen, den Gesellschaftssphären (also die Makroebene). Ebenfalls von Bedeutung sind Thematisierungen von entsprechenden Institutionen und Organisationen (also die Mesoebene). Liegt der Fokus der Berichterstattung auf Einzelpersonen (also auf der Mikroebene), gilt es verschiedene Arten der Personenthematisierung zu unterscheiden: Die anonyme Thematisierung von Personen (Mikroebene anonym) ist häufig ein rhetorisches Mittel der Problemthematisierung, und die Berichterstattung über Personen in ihren Funktionsrollen (Mikroebene rollennah) im Rahmen von Institutionen und Organisationen ist von einer auf das Private und Partikuläre abhebenden Thematisierung (Mikroebene rollenfern) zu unterscheiden. Insgesamt nimmt die Relevanz der Berichterstattung ab mit einer Gewichtung, die sich von Makro-Meso auf Meso-Mikro verlagert und einen hohen Anteil an privater Personenfokussierung (Mikroebene rollenfern) aufweist.
Frontseiten und Aufmacherbeiträge: Beitragsfokus auf Sozialebenen
Die Mediengattungen und -typen mit einer starken Themenbildung im Bereich der Politik (vgl. Kapitel I.2.1) fokussieren am häufigsten auf die für die Allgemeinheit bedeutenden Makro- und Mesoebenen (vgl. Darstellung I.2.4 und Tabelle I.2.2). Daher ist die Reihenfolge der Medientypen ähnlich wie bei der Reihenfolge hinsichtlich der Anteile an relevanten Sphären, was die Fokussierung auf die Makro- und Mesoebene betrifft. In der Summe ist diese Thematisierung der Makro- und Mesoebene besonders im Radio (Öffentliche) und in der Presse ausgeprägt (v.a. Abonnementszeitungen, aber nicht Gratis- und Boulevardzeitungen), während das Fernsehen (v.a. Private) etwas und die Onlinemedien (generell) mit ihren vielen Human Interest-Themen den Blick in ihren Beiträgen deutlich stärker auf einzelne Personen richten. Besonders die Onlinemedien zeichnen sich hierbei durch eine privatisierende Berichterstattung aus (hohe Anteile an Mikro rollenfern), wobei sich die Newssites der Abonnementszeitungen im Vergleich zur Presse an die höheren Privatisierungswerte der Typen Boulevard und Gratis annähern.
Diese unterschiedlich hohen Werte der Personalisierung (Mikroebene) kommen aber nicht nur dadurch zustande, dass einzelne Mediengattungen, -typen und -titel unterschiedliche Themen auswählen (z.B. Radio vor allem Politik und damit eine generell höhere Thematisierung der Makroebene, Online vor allem auf Personen fokussierten Human Interest). Auch in der Darstellung ähnlicher Themen lassen sich grosse Unterschiede beobachten.
In der Boulevardpresse ist beinahe die Hälfte der Beiträge über Politik auf einzelne Personen gerichtet, und auch bei den Newssites der Gratis- und Boulevardzeitungen sind diese Werte hoch (rund 40%). Während die Onlineausgaben der Abonnementszeitungen, die Gratiszeitungen, private und öffentliche Fernsehsender sowie der Typ Sonntagszeitung/Magazin rund 30% ihrer Politikbeiträge auf Personen ausrichten, ist diese Art der Personalisierung der Politik bei den Abonnementszeitungen sowie bei den Radionachrichtensendungen des öffentlichen und privaten Hörfunks mit rund 20% deutlich tiefer. In der Analyse der Gattungen und Typen heisst dies, dass sowohl Gattungen als auch die unterschiedlich hohe Qualitätsorientierung der Medientypen entscheidend sind: Onlinemedien spitzen im Kampf um hohe Klickraten generell die Politik am meisten auf das Handeln von Personen zu. Innerhalb der heterogenen Gattung Presse zeigt die Gratispresse ähnlich wie die Boulevardpresse eine personalisierte Berichterstattung. Während die tieferen Personalisierungsraten bei den Abonnementszeitungen (19%) und dem öffentlichen Radio (23%) erwartbar sind, fällt das private Radio bei den Aufmacherbeiträgen bezüglich Personalisierung mit dem tiefsten Wert (19%) aus der Reihe. Beim privaten Radio liegt das an den von Agenturmeldungen geprägten Nachrichten.
Fazit
Analysiert man die Frontseiten und Aufmacherbeiträge daraufhin, welche Bedeutung die Sozialebenen Makro, Meso und Mikro haben, zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei der Analyse der Relevanz: Sendungen des öffentlichen Rundfunks (v.a. Radio, weniger TV) und Abonnementszeitungen, die vor allem relevante Themen berücksichtigen, richten den Fokus in ihren Frontseiten- und Aufmacherbeiträgen auf die Ebene der Gesellschaft und der Organisationen, weniger auf die Personen. Dagegen finden bei den Boulevard- und Gratiszeitungen sowie den Onlinemedien generell personenzentrierte Human Interest-Themen Aufmerksamkeit, und auch die Politik wird viel stärker über Geschichten von einzelnen Personen aufbereitet. Je stärker gleichzeitig die Ereignisse wie in diesen Medien episodisch und nicht thematisch (vgl. Kapitel I.2.3), also in ihren Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen, eingebettet werden, desto weniger werden politische Strukturen und Verfahren beleuchtet und desto mehr erscheint die Politik als etwas, in dem einzelne Personen reüssieren oder versagen.
Frontseiten und Aufmacherbeiträge: Relevante Themen
Welches sind die relevanten Themen und Kommunikationsereignisse in der schweizerischen Medienarena, die im letzten Quartal 2009 auf den Frontseiten Aufmerksamkeit finden? Diese Aufmerksamkeitslandschaft ergibt sich aus dem Zusammenspiel der einzelnen Gattungen, Typen und Titel im Zuge der jeweiligen Themendynamiken. Allerdings tragen die Gattungen, Typen und Titel in unterschiedlichem Mass zu dieser Agenda der wichtigsten 20 Kommunikationsereignisse bei (s.u.).
Der Anspruch auf Relevanz zielt dabei vor allem darauf, inwieweit Kommunikationsereignisse aus Politik und Wirtschaft und Kultur die Agenda bestimmen, und inwiefern bei der Thematisierung dieser Gesellschaftssphären die Makro- und Mesoebene statt des Persönlichen und Partikulären (Mikroebene) im Zentrum stehen.
Auf der Agenda der schweizerischen Medien insgesamt sind politische Themen und einige wirtschaftliche Themen vorherrschend (vgl. Darstellung I.2.5). Während eine kulturelle Themenbildung diese Agenda nicht zu bestimmen vermag, gehören drei Sportereignisse sowie ein Sportskandal zu den 20 wichtigsten Themen der Arena aller Informationsmedien. Reine Human Interest-Themen schaffen es auf die Agenden bestimmter Medientitel und -typen, aber nicht auf diese Gesamtagenda. Dies bedeutet aber nicht, dass die wichtigsten Kommunikationsereignisse nicht auch zu einem gewissen Grad von Human Interest-Aspekten geprägt wären. Bezüglich der Relevanz der thematisierten Sozialebenen lässt sich festhalten, dass politische Themen tendenziell stärker durch eine Fokussierung auf Kollektivakteure und gesellschaftliche Bezugsprobleme gekennzeichnet sind als Sportthemen, in denen Personen (z.B. einzelne Skifahrer) oder Gruppen (z.B. das schweizerische U17-Fussballteam) im Mittelpunkt stehen. Jedoch sind auch diejenigen Politik- und Wirtschaftsereignisse sehr prominent auf der Agenda, die sich durch eine starke Fokussierung auf einzelne Personen auszeichnen. Dies trifft besonders auf die Verhaftung Roman Polanskis, die Personaldiskussion um die Leitung der Post (Affäre Béglé), die Libyenaffäre und die Integrationspolitik zu. Zumindest in der Libyenaffäre wie auch in der Integrationspolitik verbindet sich dabei die Personalisierung und zum Teil auch Privatisierung der Berichterstattung mit einer Emotionalisierung und Moralisierung (vgl. Kapitel I.2.4).
Neben dieser Personalisierung und Privatisierung in einigen Politik- und Wirtschaftsthemen fällt darüber hinaus auf, welche wirtschaftlichen Probleme, Fragen und Teilbereiche überhaupt auf die Agenda gelangen. Wirtschaftlich relevante Themen sind, wie seit den 1990er Jahren in der Wirtschaftsberichterstattung generell zu beobachten ist, vor allem auf Finanzunternehmen und die Finanzbranche ausgerichtet (vgl. Kapitel VI.2). Die – gemessen am Bruttosozialprodukt wichtigere – Realwirtschaft gelangt nur selten prominent auf die Agenda, und wenn, dann vor allem in Form von Skandalen, hier in einem Betrieb des Service Public. Die Konzentration auf die Finanzindustrie ist dabei nicht nur auf einzelne Unternehmen wie die UBS ausgerichtet, sondern sie wird auch anhand von (politisierten) Debatten über den Druck auf den schweizerischen Finanzplatz mit Bezügen auf die gesamtgesellschaftliche Ebene geführt, aber an ganz konkreten Ereignisketten aktualisiert und nicht immer in allen Sprachregionen diskutiert. Neben dieser Fokussierung auf die bilateralen Beziehungen zu Italien und Frankreich in der Frage möglicher Steuerhinterziehung fehlt allerdings eine breitere Reflexion über die Ursachen und Lösungen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise. Zumindest auf die Frontseiten dringen solche reflexiven Kommunikationsereignisse kaum vor. Dass eine solche Thematisierung aber prinzipiell möglich wäre, zeigen die Beispiele der Neuen Zürcher Zeitung und des Corriere del Ticino, wo etwa die Finanzmarktregulierung zu den resonanzstärksten Kommunikationsereignissen auf der Agenda gehört.
Berücksichtigt man die resonanzstarken Kommunikationsereignisse mit starken Bezügen auf der Makroebene (Gesellschaftsrelevanz), dann finden sich auf der Gesamtagenda auch wichtige Themen. Die Diskussion über die Minarettinitiative zeigt eine hohe Brisanz und Konfliktivität: Während die Berichterstattung vor der Abstimmung neben grundlegenden Fragen und Problematisierungen (Bedrohung des Rechtstaats durch Fundamentalismus; Religionsfreiheit) zuweilen personalisiert ist (Fokus auf einzelne Befürworter und betroffene Muslime), erlangt die Grundfrage über das Verhältnis von Demokratie und Rechtsstaat (direkte Demokratie; Völkerrecht) erst nach der Abstimmung breitere Resonanz (vgl. Kapitel VI.1). Ebenfalls als überwiegend gesellschaftsrelevant, mithin auf der Makroebene, werden die Klimapolitik, der Druck auf den Finanzplatz Tessin und der Konjunkturverlauf Schweiz thematisiert. Das Thema der Klimapolitik ist von starken Problematisierungen geprägt, während die Lösungen kaum greifbar sind. Der Druck auf den Finanzplatz Tessin ist vor allem eine Systemfrage im Tessin (vgl. besonders Kapitel II.2.2.2), und der Konjunkturverlauf erhält Brisanz durch den Kontext der Finanz- und Wirtschaftskrise, wobei keine Ursachen- oder Lösungsthematisierung der Krise stattfindet.
Fazit
Die Agenda der 20 grössten Kommunikationsereignisse im letzten Quartal 2009 zeigt, welche Ereignisse oder Vorgänge gute Resonanzchancen haben und mithin die kollektive Aufmerksamkeitslandschaft bestimmen können. Themen aus Politik und Wirtschaft dominieren die Agenda, aber auch Sportereignisse erscheinen häufig auf den Frontseiten. Mehrere wichtige Politik- und Wirtschaftsthemen lassen sich dabei als personalisierbare und skandalisierbare Konflikte beschreiben, was deren hohe Resonanz miterklärt. Die politisch und wirtschaftpolitisch relevanten Themen erhalten durch die direkte Demokratie und nur im Kontext hoher Entscheidungsdrücke und Konflikte Resonanz. Gerade in den zugespitzten Konflikten treten jedoch Grundfragen wie Lösungswege in den Hintergrund. Reflexive Thematisierungen wie das Ende des Kalten Krieges oder die Rechtstaatsproblematik bei der Minarettdebatte haben erst als Erinnerungsereignis oder nach geschlagener Schlacht Entfaltungschancen.
Frontseiten und Aufmacherbeiträge: Themenbildung im Vergleich der Mediengattungen
Die Themenbildung im Vergleich der Gattungen zeigt sich, wenn pro Medientyp die Abweichung vom Durchschnitt der gesamten Medienarena berechnet wird. Auf diese Weise lässt sich feststellen, inwieweit die einzelnen Mediengattungen ähnliche oder unterschiedliche Aufmerksamkeitslandschaften ausbilden und was sie zur Themendynamik insgesamt beitragen.
Jenseits der grossen Unterschiede innerhalb der einzelnen Mediengattungen lässt sich die unterschiedlich hohe Aufmerksamkeit für die verschiedenen Themen wie folgt auf den Punkt bringen (vgl. Darstellung I.2.6): Die Onlinemedien haben im Gattungsvergleich die am stärksten boulevardisierte Agenda, da sie vor allem zu Themen des Sports und zu personalisierten Politikereignissen viel beitragen (Verhaftung Roman Polanskis, Libyenaffäre). Damit positioniert sich diese junge Gattung im Informationsbereich vor allem mit Themen und Beiträgen, die den Logiken der Redaktionen entgegenkommen und hohe Klickraten und Feedback-Postings versprechen. Des Weiteren fällt auf, dass die Minarettinitiative, die Libyenaffäre und die Integrationspolitik, bei der vor allem auf fremde und vermeintlich fundamentalistische Akteure fokussiert wird, in den Onlinemedien sowie im Fernsehen besondere Aufmerksamkeit erhalten. Gerade solche identitätspolitische Fragen erhalten, wie auch die Forschung in anderen europäischen Ländern zeigt (vgl. z.B. Mazzoleni, 2008; Mudde, 2007: S. 248–253), besonders oft in denjenigen Medien Resonanz, die sich stark an den Nachrichtenwerten ausrichten. In diesem Sinne verbinden sich Elemente eines Boulevardjournalismus mit Elementen eines politischen Populismus, der das Fremde in komplexitätsreduzierter Weise als das Bedrohliche, Abweichende zum Problem erhebt.
Vor allem das (öffentliche) Radio – etwas weniger die Presse – schenkt dagegen im Gattungsvergleich denjenigen Themen mehr Beachtung, die auf gesellschaftsrelevante längerfristige, abstrakte Bezugsprobleme gerichtet sind und darüber hinaus auch das Ausland thematisieren (Klimapolitik, Gesundheitsreform, Krieg in Afghanistan, z.T. auch Rüstungsprogramm).
Dies bedeutet, dass die Nutzer bestimmter Medientitel, -typen und -gattungen mit unterschiedlichen Aufmerksamkeitslandschaften konfrontiert werden. Zwar thematisieren die meisten Medien gemeinsam die grössten «Topthemen» und sorgen damit für geteilte Aufmerksamkeit bzw. gesellschaftliche Koorientierung, doch werden diese Themen unterschiedlich stark gewichtet und präsentiert, und neben diesen wenigen Topthemen setzen die verschiedenen Medien unterschiedliche Schwerpunkte. Im Gattungsvergleich ist Online umso weniger dabei, je stärker eine Thematik Einordnung erfordert, wie die Klimapolitik, die Auseinandersetzungen um den Tessiner Finanzplatz, die Konjunktur, die Gesundheitsreform, das Ende des Kalten Krieges oder die schweizerische Sicherheitspolitik (Rüstungsprogramm).
Frontseiten und Aufmacherbeiträge: Spezielle Themen der Mediengattungen
Dieser Befund unterschiedlicher Aufmerksamkeitslandschaften bestätigt sich, wenn die Gesamtagenda mit den jeweiligen Agenden der einzelnen Mediengattungen verglichen wird. Für diesen Vergleich wurden aus den Agenden der Gattungen diejenigen Kommunikationsereignisse ausgewählt, die nur in einer der vier Gattungen zu den 20 grössten der jeweiligen Agenda gehören (vgl. Darstellung I.2.7).
Die Gattungen mit hohen Anteilen an Politik-, Wirtschafts- und Kultur- (vgl. Kapitel I.2.1) und mit einer weniger personalisierten Berichterstattung (s.o.) bilden ebenfalls starke Schwerpunkte bei Politik- und Wirtschaftsthemen. Das (öffentliche) Radio hebt den Nahostkonflikt, die Situation der Arbeitslosenversicherung oder die Hintergründe zum Friedensnobelpreis an US-Präsident Obama stark hervor. Dagegen gelangen boulevardeske Themen im stärker Human Interest-orientierten Fernsehen und vor allem in der Gattung Online viel eher auf die Agenda. Dazu gehören Geschichten über vermeintliche Prominente, Unfälle sowie über Gewalt. Sowohl die innere Sicherheit als auch der Terrorismus werden dort anhand spektakulärer Ereignisse wie bei Fanausschreitungen bzw. beim versuchten Anschlag in einem Flugzeug dargestellt und kaum anhand von längerfristigen Prozessen wie der Hooliganproblematik generell bzw. der Situation in Afghanistan. Die heterogene Gattung Presse schliesslich sorgt durch die Abonnementszeitungen für eine Höhergewichtung der Situation der SBB und durch die Rolle des Boulevards für einen Fokus auf die repetitive Thematisierung von halbnackten Frauen auf der Titelseite (Blick Girls).
Fazit
Die verschiedenen Mediengattungen und Medientypen beteiligen sich alle an den allergrössten Themen der schweizerischen Medienarena. Die besonders gesellschaftsrelevanten Themen der Agenda, die einer politischen Problembearbeitung bedürfen, sowie die Beleuchtung aussen- und wirtschaftspolitisch relevanter Themen sind auf das (öffentliche) Radio und auf die (Abonnements-)Presse beschränkt. Das Fernsehen (besonders die Privaten) und vor allem die Onlinemedien generell weisen andere Aufmerksamkeitslandschaften auf und lassen den Sport sowie personalisierbare Konflikte, Bedrohungen und Themen des Human Interest hervortreten. Insofern sind die Vielfalt und Relevanz bei diesen Typen eingeschränkt und die Forumsfunktion nur bedingt erfüllt.