Ziel und Vorgehen
Das Ziel des Jahrbuchs ist es, sowohl die strukturellen Verhältnisse der Mediengattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz als auch die Vermittlungsleistungen der bedeutendsten Medientitel zu validieren. Es geht somit um die publizistische Versorgung und den Inhalt:
1. Publizistische Versorgung: Die Validierung der Medienstrukturen zeigt anhand von Medientiteln aus den Gattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online die publizistische Versorgung und damit die Topografie der schweizerischen Medienlandschaft. Die Datengrundlage bilden hier Sekundärdaten der einschlägigen Forschung zur Nutzung und Verbreitung von Medientiteln. Darüber hinaus sind auch recherchierte Daten zu den Medienunternehmen als Kontrolleure und Produzenten der relevanten Medientitel sowie allgemeine medienökonomische Daten zum Medienmarkt in die Untersuchung eingegangen.
2. Inhaltliche Qualitätsvalidierung: Auf der Basis der Strukturvalidierung werden die bedeutendsten Medientitel der Mediengattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz ausgewählt und einer inhaltlichen Qualitätsvalidierung auf zwei Ebenen unterzogen: Qualitätsvalidierung des Informationsangebots der Medientitel und Programmveranstalter sowie Qualitätsvalidierung der Berichterstattung. Beide basieren auf eigener Datenerhebung.
Grundlegend für die Qualitätsvalidierung ist 1. der Universalitätsanspruch an die öffentliche Kommunikation, der den prinzipiellen Ausschluss von Personen und Gruppen, Meinungen und Themen verhindern soll (Vielfalt); 2. der Anspruch an Relevanz und damit verbunden 3. an Aktualität, die beide gewährleisten sollen, dass die für die Allgemeinheit bedeutenden Dinge und nicht das Private bzw. das Episodische und Partikuläre im Zentrum der öffentlichen Auseinandersetzungen stehen; sowie 4. schliesslich der Anspruch an Ausgewogenheit und Objektivität, der sich unter anderem in der Forderung nach Sachgerechtigkeit widerspiegelt (Professionalität) (vgl. Einleitung).
Medienarena, -gattungen und -typen
Ausgangspunkt für das Jahrbuch bilden die drei grossen sprachregionalen Medienarenen. Durch die gattungsübergreifende Erfassung aller weitverbreiteten Titel der Informationsmedien in den Jahren 2001, 2005 und 2009 wird die Bedeutung der einzelnen Gattungen (synchron) sowie die Veränderung über die Zeit hinweg (diachron) ersichtlich.
Da in diesem Jahrbuch die demokratietheoretisch relevante öffentliche Kommunikation analysiert wird, wurden nur Titel von Informationsmedien berücksichtigt. Um den Vergleich über die Gattungen hinweg zu ermöglichen, standen für dieses Jahrbuch nicht gattungsspezifische Strukturen wie das Gesamtprogramm eines Rundfunkveranstalters im Mittelpunkt, sondern die Gefässe, in denen die Berichterstattung stattfindet.
Um ein vollständiges Bild der Schweizer Medienarena zu erhalten, wurden alle für die gesellschaftspolitische Vermittlungsleistung entscheidenden Mediengattungen, also Presse, Radio, Fernsehen und Online, untersucht. Pro Gattung wurden verschiedene Medientypen unterschieden, die sich von ihrer Entstehungsgeschichte her in zwei Gruppen teilen: zum einen die Presse und Newssites (Online) als vorwiegend textorientierte Medien; zum zweiten die Rundfunkmedien, die in der Schweiz aufgrund ihrer rechtlichen Regelung grundlegend in öffentlich-sprachregionale und private meist lokal-regionale Veranstalter unterteilt sind.
Gattung Presse und ihre Medientypen
Aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte, ihrer Verbreitung und ihrer formalen Kriterien lassen sich die Medientitel der Presse in die vier Medientypen Abonnements-, Boulevard-, Gratiszeitungen sowie Sonntagszeitungen und Magazin unterteilen.
Die Bezeichnung Abonnementszeitung verweist auf die Vertriebsform dieses Zeitungstyps. Sie ist eine vorwiegend im Abonnement bezogene Zeitung, oft in werktäglicher Erscheinungsform. Abonnementszeitungen zeichnen sich darüber hinaus durch strukturell-inhaltliche Merkmale aus: Sie weisen eine Ressortstruktur auf, die den Politik-, Wirtschafts-, Sport- und Regional-/Lokalteilen besonderes Gewicht einräumt. Vor allem die regionalen und überregionalen Abonnementszeitungen haben auch einen Kulturteil, der über einen Veranstaltungskalender hinausgeht, Kulturkritik beinhaltet bzw. ein Feuilleton darstellt.
Die Boulevardzeitung ist meist sprachregional verbreitet und wird häufig im Strassenverkauf (Boulevard) abgesetzt. Die Aufmachung der Boulevardzeitungen zeichnet sich durch plakative Überschriften und grossflächige Fotos aus. Der Bildanteil ist deutlich höher als bei den Abonnementszeitungen, die Texte sind in der Regel kurz und auf wenige aktuelle Themen begrenzt. Inhaltlich weisen Boulevardzeitungen kaum eine differenzierte Ressortstruktur auf. Im gemischten Teil der «News» haben Human Interest-Inhalte einen hohen Anteil und werden häufig mit Inhalten aus den Bereichen Politik und Wirtschaft vermischt.
Gratiszeitungen sind meist täglich, manchmal wöchentlich erscheinende, kostenlos verteilte Pressetitel mit redaktionellen Inhalten. Das auf Werbeeinnahmen basierende Finanzierungsmodell der Gratiszeitungen setzt eine möglichst hohe Verbreitung voraus. Durch die Strassenverbreitung vor allem an Orten des öffentlichen Verkehrs (Pendlerzeitungen) ähneln die Gratiszeitungen den Boulevardzeitungen. Allerdings sind sie inhaltlich überwiegend in Ressorts strukturiert und damit eine Mischform von Abonnements- und Boulevardzeitung. Neben den klassischen Ressorts mit einem Grossteil an Agenturübernahmen differenzieren sie vergleichsweise grosse Teile zum Human Interest aus, und ihre Kulturressorts bestehen vor allem aus Veranstaltungskalendern.
Sonntagszeitungen und Magazin: Diesen beiden Pressetypen gemeinsam sind die wöchentliche Erscheinungsform und damit ihr Fokus auf das Wochengeschehen. Der Erscheinungsrhythmus grenzt sie von den anderen täglich erscheinenden Pressetypen ab. Sie unterliegen dem Aktualitätsdruck in einem geringeren Masse und bieten entsprechend mehr Hintergrundinformation. Während die Sonntagszeitungen ihren werktäglich erscheinenden «Schwesterblättern» ähneln, gestalten Magazine ihre Strukturen und Inhalte unterschiedlich.
Es existieren zwei Medientypen im Rundfunkbereich, nämlich der öffentliche Rundfunk, der komplett Teil der SRG SSR idée suisse ist, und der Privatrundfunk, der von privaten Medienunternehmen getragen wird. In seltenen Fällen gibt es Mischformen wie z.B. beim Fernsehsender Léman Bleu, an dem auch die Stadt Genf beteiligt ist. Hier wird der Medientyp danach entschieden, wer die hauptsächliche wirtschaftliche und organisatorische Kontrollmacht ausübt (der so genannte Kontrolleur).
Bei den zwei Rundfunkgattungen interessieren nur die Informationssendungen. Als Informationssendungen gelten Sendungstitel, die die klassische Form der Informationsvermittlung und Meinungsbildung aufweisen: die Formate Nachrichten, Magazin und Forum (vgl. dazu: Informationsformate und ihre inhaltliche Klassifizierung). Das derart bestimmte Informationsangebot schliesst fiktionale und non-fiktionale Unterhaltungsformate aus.
Gattungen Online und ihre Medientypen
Die zunehmende Bedeutung des Internet brachte sehr unterschiedliche Angebote hervor, die im Sinne öffentlichkeitsrelevanter Informationsvermittlung in Betracht gezogen werden müssen. Neben den klassischen Produzenten öffentlichkeitsrelevanter Medien – Portale der Gattungen Presse, Radio, Fernsehen – entstanden auch «branchenfremde» Portale.
Von Bedeutung als Informationsmedien sind so genannte Newssites. Der Begriff der Newssites (oder lange Version: «News Website») wird hier für Onlineangebote verwendet, die folgende Kriterien aufweisen: Die Newssites vermitteln aktuelle Nachrichten, die mehrmals täglich aktualisiert werden. Sie beinhalten nicht nur vorgefertigte Agenturberichte, sondern redaktionell aufbereitete bzw. selbst produzierte Information. Ihr Angebot umfasst insbesondere Informationen aus dem gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Bereich.
Onlineangebote, die diesen Kriterien genügen, entstammen alle dem Pressebereich. Die relevanten Onlinetypen sind daher Abonnement-Online, Boulevard-Online und Gratis-Online. Die Websites der Sonntagszeitungen und des Magazins haben kein aktuelles Newsangebot und scheiden daher aus.
Von diesen drei Medientypen unterscheidet sich der Typ des Onlineportals. Onlineportale sind entweder dadurch gekennzeichnet, dass sie praktisch ausschliesslich vorgefertigte Inhalte ihrer «Muttermedien» übernehmen (vor allem Bild- und Tonmaterial) und/oder dass sie auf die Bereitstellung gemischter Dienstleistungen ausgerichtet sind (Agenturticker, multimediale Unterhaltungsformate, Services wie E-Mail u.a.). Solche Onlineportale stammen von Rundfunkmedien und von branchenfremden Anbietern. Sie sind Konkurrenten der Newssites auf dem digitalen Informationsmarkt, werden aber aufgrund ihrer spezifischen Eigenheiten keiner Qualitätsvalidierung unterzogen. Es sind dies Angebote von Radio- bzw. Fernsehsendern (insbesondere öffentliche Veranstalter wie z.B. sf.tv oder rsi.ch), die hauptsächlich Material des jeweiligen Radio- und Fernsehprogramms anbieten, und branchenfremde Anbieter wie GMX.ch oder Bluewin.ch, bei denen E-Mail-Dienste im Vordergrund stehen.
Publizistische Versorgung: Recherchierte und sekundär verwendete Daten
Auflagen und Nutzungszahlen
Für die Untersuchung der publizistischen Versorgung sind die Sekundärdaten zur Verbreitung und Nutzung der Medientitel entscheidend. Bezüglich der Auflagezahlen der Pressetitel bzw. der Nutzungszahlen (Reichweite, Marktanteil) der Medientitel sind drei Quellen von zentraler Bedeutung. Für den Pressebereich ist dies die WEMF AG, für den Radio- und Fernsehbereich Mediapulse (Radio- und Fernsehpanel) und für den Onlinebereich NET-Metrix. Im Folgenden werden die verwendeten Daten und Erhebungsmethoden kurz vorgestellt.
Für die Auflagezahlen der einzelnen Pressetitel sowie die Reichweite der Mediengattung Presse insgesamt wurden Daten der WEMF AG verwendet. Die Erfassung der Auflagezahlen basiert auf einer beglaubigten Selbstdeklaration: Nach der Meldung durch die Verlage werden die gemeldeten Auflagezahlen von der WEMF überprüft. So muss das Medienhaus, das den Pressetitel verlegt z.B. Abonnenten-, Personallisten sowie Listen bezüglich Gratisverteilung, Speditionslisten bzw. -abrechnungen oder Abrechnungen mit Zeitungsvertriebsfirmen und Buchhandlungen vorlegen. Bezüglich der Reichweitenmessung von Pressetiteln führt die WEMF eine repräsentative Befragung der Schweizer Wohnbevölkerung in Privathaushalten ab 14 Jahren durch. Die Auswahl der Haushalte findet auf der Basis einer zweistufigen Zufallsauswahl statt, die zunächst Telefonnummern privater Haushalte aus einem Telefonverzeichnis und dann eine zu befragende Person des Haushalts wählt.
Die Mediapulse AG ermittelt die Nutzung von Fernsehsendungen im Rahmen der so genannten Radio- und TV-Panel mit dem elektronischen Messsystem Telecontrol, das – in repräsentativ ausgewählten Panelhaushalten – an den Fernsehapparaten angeschlossen wird. Die jeweils eingeschalteten Fernsehprogramme werden in einem Intervall von 30 Sekunden in Verbindung mit der Uhrzeit automatisch registriert. Mit diesem Messsystem kann Beginn und Ende der individuellen Fernsehnutzung ermittelt werden. Diese Einzeldaten werden dann in einem zentralen Computer zusammengeführt und zu Durchschnittsdaten über das Einschalt- und Sehverhalten bezüglich aller in der jeweiligen Region empfangbaren Fernsehsender verarbeitet. Mit diesen Daten kann die Reichweite, also der Anteil der Personen, die einen bestimmten Fernsehsender innerhalb einer definierten Zeiteinheit mindestens 30 Sekunden lang gesehen haben, hochgerechnet werden. Auch der Marktanteil, also der Prozentanteil der Sehdauer für ein bestimmtes Fernsehprogramm im Vergleich zur Sehdauer für das Medium Fernsehen total, kann so bestimmt werden.
Das Erhebungsverfahren ist im Radiobereich prinzipiell ähnlich. Das dortige Radiokontrollsystem besteht aus einer Armbanduhr (Mediawatch) mit eingebautem Mikrofon, das die Radioprogramme, die die Person hört, aufnimmt. Während der Tragewoche erfasst die Uhr dreimal pro Minute 4 Sekunden lang die Umgebungsgeräusche, die dann gespeichert werden. In derselben Zeit werden an 18 Standorten in der Schweiz rund 135 Radioprogramme aufgenommen. Damit wird der für die Schweiz relevante Radiomarkt fast vollständig abgedeckt. Diese Radioprogramme werden nach demselben Verfahren gespeichert wie mit Telecontrol und in die Studiozentrale des Marktforschungsinstitutes GfK Switzerland weitergeleitet. Kommt eine Uhr nach einer Woche Tragezeit von einer Testperson zurück, vergleicht der Computer die Daten aus der Uhr mit denjenigen der Studiozentrale. So kann die Radionutzung (Reichweite, Marktanteil) hochgerechnet werden.
Im Onlinebereich werden durch NET-Metrix rein technische Computerabfragedaten mit soziodemografischen und Befragungsdaten kombiniert. In einem ersten Schritt werden über angeschlossene Computer (so genannte Unique Clients) Site-Visits gezählt und gespeichert. Da diese Messung noch Ungenauigkeiten aufweisen kann, wird sie durch eine «Onsitebefragung» ergänzt. Hier geben die Nutzer unter anderem an, wie oft sie das Internet nutzen und welche Websites besucht werden. Diese stichprobenartige Messung kann allerdings noch Verzerrungen aufweisen (z.B. hinsichtlich Demografie). Um diese Verzerrungen auszugleichen, wird auf einer dritten Messebene eine Ausgleichsgruppe telefonisch oder online befragt. Aus diesen drei Messungen wird dann die Nutzung von Onlinemedien ermittelt.
Medientitel und ihre Medienunternehmen
Um die organisatorische Einbindung und die Besitzverhältnisse der einzelnen Medientitel zu klären, wurden Eigenangaben der Medientitel und medienökonomischen Daten recherchiert. Dabei wurden neben den bereits angegeben Datenprovidern (WEMF, Mediapulse, NET-Metrix) folgende Primärquellen herangezogen:
– die Medientitel selbst, hier vor allem die Websites der jeweiligen Medientitel und Medienunternehmen (Impressum, Selbstbeschreibungen, Angebote zum Werbeverkauf durch die Medientitel);
– Zeitschriften, die sich mit der Medienbranche und den Entwicklungen auf dem Medienmarkt beschäftigen. Hier vor allem das Media Trend Journal und die Werbewoche oder Edito;
– Angaben des Bundesamts für Kommunikation (BAKOM) oder des Bundesamts für Statistik (BfS);
– wirtschaftliche Register wie z.B. kantonale Handelsregister;
– Geschäftsberichte oder Medienmitteilungen der Medienunternehmen;
– Angaben und Daten von Verbänden der Medienbranche (z.B. Verband Schweizer Presse).
Durch diese Quellen konnten Aussagen zur ideellen und organisatorischen Einbettung der Medientitel vorgenommen werden, z.B. Selbstdeklaration des Medientitels als «unabhängige Tageszeitung», organisationsrechtliche Form des Medienunternehmens wie z.B. Genossenschaft, privates Unternehmen oder Stiftung. So konnte ausserdem die wirtschaftliche Einbettung des Verlags oder der Betreibergesellschaft in Medienunternehmen eruiert werden. Weiter konnten Aussagen über die Finanzierung, Gewinne und Aufsichtsregeln der entsprechenden Medientitel und -unternehmen gemacht werden. Wo immer möglich, wurden die Ergebnisse der Quellenanalyse mit vorhandenem Sekundärmaterial (wissenschaftliche Studien, Handbücher) abgeglichen. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse untereinander verglichen, um so eine möglichst gute Evaluation und kritische Würdigung der jeweiligen Quellen zu gewährleisten.
Bezüglich der Veränderung der Redaktionsstrukturen waren neben der Literaturrecherche vor allem die Onlineangebote von persoenlich.com und comedia.ch wertvoll. Bei persoenlich.com wurde vor allem der Blog ausgewertet, in dem Medienschaffende über ihre Arbeit und die Veränderungen in ihren Redaktionen oder Medienhäusern berichten. Comedia.ch ist die Website der Mediengewerkschaft Comedia, die ebenfalls über organisatorische und redaktionelle Veränderungen im Medienbereich berichtet. Darüber hinaus sind hinsichtlich dieser Forschungsfrage auch die Zeitschriften Edito und Media Trend Journal ausgewertet worden.
Die Erfassung der Topografie der Medienlandschaft zeigt die publizistische (Grund-)Versorgung der Bevölkerung in den sprachregionalen Medienarenen. Das Grundsample besteht aus allen Medientiteln der Gattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online, die die folgenden Erfassungskriterien erfüllen:
1. Periodizität: Der Medientitel muss regelmässig und in bestimmten, enggefassten Zeitintervallen erscheinen, um das aktuelle gesellschaftliche und politische Geschehen zu beleuchten. Als Mindestmass hinsichtlich der Erscheinung wurde eine Woche festgelegt. Bei Onlinemedien muss täglich mindestens ein Update stattfinden. Dabei wurden nur solche Medientitel berücksichtigt, die in den jeweiligen Untersuchungsjahren mindestens sechs Monate erschienen bzw. gesendet worden sind.
2. Verbreitung: Der Medientitel muss in (Teilen) der Sprachregion verbreitet sein, d.h., die tatsächliche Verbreitung bzw. der Vertrieb (Presse) und die Ausstrahlung des Titels müssen gewährleistet sein (terrestrisch/Kabel/digital).
3. Abdeckungsquote: Der Medientitel muss ein Mindestmass an Publizität bzw. Publikumsbindung aufweisen. Für das Jahrbuch muss der Medientitel mindestens 0.5% des so genannten Universums (Personen ab 15 Jahren) der jeweiligen Sprachregion erreichen, um ins Grundsample aufgenommen zu werden. In der Mediengattung Presse wird hierbei die Auflage des jeweiligen Medientitels berücksichtigt, bei Fernsehen, Radio und Online die Zahl der Nutzer.
4. Universalität: Bei den untersuchten Medientiteln handelt es sich um solche, die heterogene (Welt-)Nachrichten mit gesellschaftspolitischem Fokus zum Inhalt haben, d.h. eine inhaltlichen Ausrichtung auf News- und Politikvermittlung aufweisen. Damit scheiden Unterhaltungsmedien aus.
5. Aktualität: Die Medientitel müssen sich zeitnah mit dem aktuellen Geschehen beschäftigen. Des Weiteren muss das aktuelle Zeitgeschehen redaktionell bearbeitet werden. Medien ohne jede redaktionelle Eigenleistungen, wie z.B. reine Linksammlungen im Onlinebereich, werden diesem Kriterium nicht gerecht.
6. Relevanz: Inhaltlich müssen die Titel auf General Interest ausgerichtet sein, Medien zum Special Interest (Auto, Mode usw.) werden ausgeschlossen. Auch Firmenzeitschriften scheiden aus.
Medienunternehmen: Organisation/Betreibergesellschaft/Kontrolleur
Die Datenrecherche (vgl. Publizistische Versorgung: Recherchierte und sekundär verwendete Daten) erlaubte medienökonomische Klassifikationen vorzunehmen. Erfasst wurde zunächst die sogenannte Betreibergesellschaft, d.h. diejenige Organisation, die in technisch-organisatorischer Hinsicht den Medientitel tatsächlich produziert. Darüber hinaus wurde der sogenannte Kontrolleur eruiert, d.h. der Akteur, dem die Betreibergesellschaft gehört bzw. der als (Mehrheits-)Eigentümer die Kontrolle ausübt (Heinrich, 2001, S. 125). Die Bestimmung des Kontrolleurs ermöglicht, im häufig unübersichtlichen Geflecht von Eigentumsrechten Konzentrationstendenzen im Medienmarkt nachzuzeichnen. Analysiert wurden auch Minderheitenbeteiligungen, um aufzuzeigen, inwieweit Konzernverflechtungen existieren bzw. entstehen, und um den Einfluss branchenfremder Akteure zu eruieren.
Weiter wurden die Medienunternehmen (Kontrolleure), die die analysierten Medientitel produzieren, je nach ökonomischer und organisatorischer Verfasstheit klassifiziert. Unterschieden wurde nach öffentlichen, intermediären und ökonomischen Medienunternehmen bzw. Akteuren.
1. Intermediär: Die Betreibergesellschaft wird überwiegend von einem intermediären Träger, wie z.B. Parteien, Kirchen, Gewerkschaften usw., im Alleineigentum oder in überwiegender Beteiligung kontrolliert.
2. Ökonomisch: Der oder die Eigentümer sind keine gesellschaftlichen Organisationen, sondern Wirtschaftsakteure mit Gewinninteressen. Das investierte Kapital kann dabei z.T. auch von branchenfremden Unternehmen stammen.
3. Öffentlich: Die Eigenschaft eines Kontrolleurs als öffentlich bemisst sich nicht nach der Rechtsform, sondern nach der Finanzierungsgrundlage. So ist die SRG SSR idée suisse zwar z.B. ein privatrechtlicher Verein und ein eigenständiges Unternehmen; sie hat jedoch einen gesetzlichen Auftrag für die Erbringung bestimmter publizistischer Leistungen (Service Public). Dafür wird sie zu einem Grossteil aus öffentlichen Geldern finanziert (Gebühren zu etwa 70%).
Es wurden auch Mischformen zwischen diesen drei Kategorien erfasst. Diese Klassifizierung erlaubt es, auch aus diachroner Perspektive zu beleuchten, wie sich das Mediensystem insgesamt entwickelt bzw. ob es sich weiter kommerzialisiert und damit von seinen bisherigen gesellschaftlichen und politischen Trägern loslöst.
Auswahlsample für die Qualitätsvalidierung
Aus dem Grundsample der publizistischen Versorgung wurden die umfangreichsten und am weitesten verbreiteten Medientitel für die Qualitätsvalidierung ausgewählt. Dabei wurde auf eine möglichst breite regionale Abdeckung durch die ausgewählten Medientitel geachtet. Weiter wurden möglichst alle Medientypen der jeweiligen Gattungen als Repräsentanten einbezogen. So wurden z.B. im Rundfunkbereich mindestens ein öffentliches und ein privates Informationsformat berücksichtigt. Die Auswahl orientierte sich zudem am Aufkommen der Informationsformate in den drei Sprachregionen und bedeutet eine proportionale Reduktion innerhalb der Sprachregionen. Berücksichtigt wurden somit die umfangreichsten und am weitesten verbreiteten Pressetitel vom Typ Abonnements-, Boulevard- und Gratiszeitung sowie Sonntagszeitung und Magazin, Hauptinformationssendungen des öffentlichen sowie privaten Radios und die Newssites vom Typ Abonnement-, Boulevard- und Gratis-Online.
Die Qualitätsvalidierung der Gattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online wird für die im folgenden Kasten dargestellten Medientitel vorgenommen. Die Darstellung ist nach den Sprachregionen und den Medientypen der einzelnen Gattungen gegliedert.
Für die Qualitätsvalidierung der Gattungen Presse und Online wurden die ausgewählten Medientitel hinsichtlich des Informationsangebots als Gesamtprodukt analysiert. Bei den Gattungen Radio und Fernsehen wurde die Einbettung des ausgewählten Medientitels im Gesamtprodukt aller Informationssendungen des veranstaltenden Senders untersucht. Das Vorgehen bei den einzelnen Gattungen wird im Folgenden detailliert dargestellt.
Die Informationsangebotsanalyse der Gattungen Presse und Online besteht aus einer Ressortanalyse des Medientitels sowie einer Beitragsanalyse der Standardressorts bzw. der für die öffentliche Kommunikation relevanten Kernressorts (Politik, Wirtschaft, Kultur, News).
Zuerst wurde eine Ressortanalyse vorgenommen, um den Umfang der Standardressorts in Absetzung zu Spezialseiten bzw. Beilagen zu erheben.
Ressortanalyse
Ressorts sind Berichterstattungsbereiche, die die Redaktion auf der Seite der Produktion strukturieren und das Produkt mit Blick auf den Pressetitel gliedern. Die Presse als älteste Gattung formte in ihrer historischen Entwicklung eine Struktur aus, deren wichtigste Ressorts – Politik, Wirtschaft und Kultur – die öffentliche Kommunikation gliedert. Weil zum einen die Strukturierung der Redaktion in Ressorts mit speziellen Wissens- und Erfahrungsbeständen seitens der Journalisten nicht mehr vorausgesetzt werden kann und zum anderen die Redaktionsstrukturen Unterschiede aufweisen, werden alle Beiträge gemäss einer festgelegten Ressortgliederung geordnet. Diese sogenannten Standardressorts sind Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Human Interest und News.
Die klassischen Ressorts Politik (Ausland, Inland und Region), des Handelsteils bzw. der Wirtschaft und des Feuilletons bzw. der Kultur sind auf die Beobachtung von Gesellschaftssphären und ihrer Institutionen, Organisationen und Rollen spezialisiert. Neben diesen klassischen Ressorts wurde auch das Ressort Sport zu einem festen Bestandteil der Presseberichterstattung. Darüber hinaus erweiterte sich mit Blick auf die Pressegliederung das Vermischte (Seiten mit vermischten Meldungen) im Zuge des Strukturwandels der Öffentlichkeit immer mehr zu einem Angebot für Subjektives, Lebensweltliches, Privates und Intimes. Dieses Stoffgebiet verdichtete sich zunehmend zum Ressort des Human Interest. Schliesslich ist vermehrt eine Entdifferenzierung, also eine Zusammenführung, von Stoffgebieten zu beobachten. Meist auf Kosten der in den klassischen Ressorts Politik, Wirtschaft und Kultur differenzierten Berichterstattung überformen «neuste Nachrichten» die Gliederung der Presseprodukte. Dieses gemischte Nachrichtenressort wird hier als News bezeichnet.
In unterschiedlicher Gewichtung sind die Ressorts Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Human Interest und News feste Elemente der Presseberichterstattung. Diese Standardressorts vereinen jeweils die vergleichbaren Berichterstattungsteile der Pressetitel, die anhand von Seitenüberschriften und/oder Bundstrukturen ermittelt werden. Zudem werden diese Standardressorts von Spezialseiten bzw. Beilagen abgegrenzt, die eine thematische Zentrierung (Auto, Mode usw.) aufweisen und nicht in jeder Ausgabe erscheinen. Diese Spezialseiten werden nicht in die Analyse einbezogen, der Anteil an solchen Beilagen wird aber für jeden Pressetitel ausgewiesen (vgl. Anhang: Medienprofile).
Ressorts zeigen sich einerseits in der Struktur von Presse- und Onlinemedien in Form von Zeitungsbünden, Seitenüberschriften und Reitern. Andererseits sind sie Produktionseinheiten der Redaktionen und oft verbunden mit differenzierten Berufsrollen bzw. journalistischen Expertenkulturen. Die Vergabe der Variable Ressort richtet sich nach den Seitenüberschriften (Presse) bzw. Subrubriken (Online) der Medientitel.
Beitragsanalyse der Standardressorts
Die Standardressorts wurden ausserdem einer vertiefenden Beitragsanalyse unterzogen, um mit Blick auf den Qualitätsindikator Professionalität die Quellentransparenz und die Anteile redaktioneller Eigenleistung sowie – nur für die Presse – die journalistischen Darstellungsformen und Kompetenz zu untersuchen. Dadurch lässt sich aufzeigen, inwieweit die Professionalitätsnormen Transparenz, journalistische Kompetenz und Neutralität Geltungskraft entwickeln und in welchen Standardressorts journalistische Ressourcen eingesetzt werden.
Quellentransparenz und Eigenleistung
Die Variable Quelle/Autor erfasst hinsichtlich journalistischer Professionalitätskriterien zum einen, ob ein Beitrag über einen Quellennachweis verfügt. Zum anderen interessiert im Zusammenhang mit dem demokratietheoretischen Gebot der Meinungsvielfalt der Grad der redaktionellen Eigen- im Vergleich zur übernommenen Fremdleistung (Redaktion versus Agentur). Dabei interessiert auch, inwieweit Experten bzw. Gastautoren bei Medien eine Plattform für die öffentliche Meinungsäusserung finden (Forumsfunktion).
Zur Redaktion werden alle Mitarbeitenden gerechnet, die zum festen redaktionellen Stab gehören oder als freie Mitarbeitende engagiert sind. Dazu gehören auch Korrespondenten, die ausserhalb der Redaktion bzw. im In- und Ausland vor Ort sind. Ebenfalls zum redaktionellen Inhalt werden Experten/Gastautoren gerechnet, die im Auftrag oder zuhanden der Redaktion Beiträge verfassen. Zur Agentur zählen Meldungen, die von Nachrichten- oder Presseagenturen vorgefertigt sind und von Medien vollständig oder überwiegend übernommen werden. Keine Zeichnung steht für Beiträge ohne Angabe der Quelle bzw. des Autors.
Darstellungsformen, Kompetenz und Ressourcen
Die Variable Darstellungsformen erfasst die Form der inhaltlichen Aufbereitung von Beiträgen als Merkmal der Professionalität. Grundsätzlich lassen sich zwei Gruppen von Darstellungsformen, nämlich tatsachen- und meinungsbetonte Darstellungsformen unterscheiden: Bei der ersten Gruppe handelt es sich um deskriptive, informierende und tatsachenbetonende Formen. Diese lassen sich nach einem steigenden Grad der Meinungsbetonung gewichten: Meldung > Bericht > Reportage/Porträt > Interview. Die zweite Gruppe umfasst einordnende, interpretierende und daher meinungsbetonende Darstellungsformen. Zu diesen zählen insbesondere Rezensionen und Kommentare.
Eine Meldung – auch Kurznachricht – ist eine Sonderform des klassischen Berichts, die sich insbesondere in einer kurzen Darstellung äussert. Der Bericht ist eine tatsachenbetonte Form, die über das aktuelle Geschehen von allgemeinem Interesse in einer objektiv gehaltenen Form informiert. Sie gibt Antwort auf die journalistischen W-Fragen: Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum? Woher? Die Reportage und das Porträt haben hingegen einen stärker subjektiven Charakter. Die Reportage beschreibt Ereignisse, Erlebnisse und Beobachtungen, ist also eine erlebnishafte Darstellungsform. Sie vermittelt neben Fakten Stimmungen und Hintergründe aus der persönlichen Perspektive des Journalisten. Im Porträt stehen Akteure (Personen, Gruppen, Organisationen, Institutionen) im Vordergrund. Ein Interview liegt dann vor, wenn sich das Zwiegespräch als solches erkennen lässt. Die strenge (gebundene) Form des Interviews gibt ein Gespräch im (bearbeiteten) Originalton bzw. -text wieder, das von einem oder mehreren Journalisten mit dem Interviewpartner in Frage-und-Antwort-Form geführt wird. Die Rezension ist eine Deskription sowie kritische Auseinandersetzung mit einem kulturellen oder wissenschaftlichen Thema, Gegenstand oder Produkt (Bücher, Filme, Kunstwerke, Theateraufführungen, Konzerte, Bild- und Tonträger usw.). Der Kommentar ist – wie die eher satirisch bis polemisch sowie kürzer gehaltenen Kolumnen und Glossen – eine meinungsbetonte Form journalistischer Darstellung. Der Kommentar nimmt im Regelfall zu einer aktuellen Nachricht Stellung. Auch der nur im Pressebereich auftretende Leitartikel gehört zu dieser Kategorie der meinungsorientierten Darstellungsformen. Beim Leitartikel gibt der Verfasser nicht «nur» seine persönliche Meinung wieder, sondern beansprucht, die redaktionelle Meinungsbildung zu repräsentieren.
Beitragsanalyse der Kernressorts
Die Kernressorts Politik, Wirtschaft, Kultur und News sind die für die öffentliche Kommunikation relevanten Ressorts. Daher wurden diese in einer Tagesstichprobe innerhalb des gesamten Medientitels einer Beitragsanalyse unterzogen. Diese Beitragsanalyse der Kernressorts entspricht der Beitragsanalyse der Frontseiten/Aufmacher (vgl. dazu: Frontseiten-/Aufmacheranalytik aller Gattungen). Hinsichtlich der Qualitätsindikatoren Vielfalt, Relevanz, Aktualität und Professionalität wird dadurch ein Vergleich der Berichterstattungsqualität in den Kernressorts innerhalb des gesamten Medientitels und auf den Frontseiten ermöglicht.
Stichproben und Beitragssamples
Aufgrund der gattungsspezifischen Veröffentlichungslogiken unterscheiden sich die Stichproben für die Informationsangebotsanalytik der Presse und des Onlinebereichs. Bei der Presse wurden eine Wochen- (23.–29. November 2009) und eine Tagesstichprobe (25. November 2009 bzw. 29. November 2009 bei sonntäglichem Erscheinen) gezogen, während die Analyse des Onlinenewssites nur auf einer Tagesstichprobe (27. November 2009) basiert. Denn das Gesamtangebot eines Pressetitels wird nur transparent, wenn die unterschiedlichen Gewichtungen der Standardressorts und der Spezialseiten über eine Woche hinweg berücksichtigt werden. Demgegenüber wird das Gesamtangebot einer Newssite zwar täglich aktualisiert, allerdings bleiben zum einen das grundsätzliche Frame und das Volumen relativ konstant, und zum anderen bleiben viele Beiträge über mehrere Tage hinaus in den Standardressorts Teil des aktuell abrufbaren Angebots. Bei den Spezialseiten geschieht dies sogar über Monate hinweg.
Die Fallzahl der Beiträge in den Kernressorts der Tagesstichprobe bei den Gratiszeitungen fällt unter das gewünschte Mindestmass von 100. Trotzdem wird die Analyse im Wissen vorgenommen, dass zukünftig eine Fallzahlenerhöhung angestrebt werden sollte.
Die Informationsangebotsanalyse der Gattungen Radio und Fernsehen besteht aus der Eruierung aller Informationsformate des jeweiligen Rundfunkprogramms sowie ihrer inhaltlichen Klassifizierung.
Da sich die Struktur des Angebots der Mediengattungen Radio und Fernsehen grundsätzlich von jener der Presse und des Onlinebereichs unterscheidet, wurde im Rahmen der Informationsangebotsanalytik der Gattungen Radio und Fernsehen nicht nur der ausgewählte Medientitel, sondern das gesamte Informationsangebot des Rundfunkveranstalters untersucht. Neben den Informationsformaten mit gesellschaftspolitischem Fokus, wie sie im Rahmen der publizistischen Versorgung eruiert wurden, fanden dabei alle Informationsformate des Programmveranstalters Berücksichtigung, unabhängig davon, ob sie sich auf Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Human Interest oder News (gemischte Nachrichten) beziehen. Denn das Gesamtinformationsangebot ergibt sich beim Rundfunk nicht wie bei Presse und Online aus dem einzelnen Medientitel und seiner Strukturierung in Ressorts, sondern aus allen Informationsformaten.
Informationsformate und ihre inhaltliche Klassifizierung
Das Informationsangebot im Rundfunk wird aufgrund der zunehmenden Vermischung von Information und Unterhaltung (Infotainment) wie folgt eruiert und inhaltlich klassifiziert.
Als Informationsformate im engeren Sinn werden Sendungstitel berücksichtigt, die die klassischen Formate der Informationsvermittlung und Meinungsbildung darstellen. Anhand formaler Kriterien werden die Informationsformate «Nachrichten», «Magazin» und «Forum» unterschieden und ihr Aufkommen gemessen.
Ausserdem werden alle eruierten Informationsformate des Typs Nachrichten, Magazin und Forum inhaltlich evaluiert und als Sendungen gemäss ihrem Fokus auf die Gesellschaftssphären Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Human Interest bzw. auf News (gemischte Inhalte) klassifiziert.
Nachrichten bieten Rezipienten faktengestützte Informationen über Ereignisse, die neu sowie wichtig und/oder interessant sind. Nachrichten informieren über das aktuelle Geschehen von allgemeinem Interesse und sind «objektiv gehaltene» Mitteilungen. Die Nachricht gibt Antwort auf die journalistischen W-Fragen: Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Wie? Woher/welche Quelle? Klassische Nachrichten im Hörfunk werden von einem Sprecher in einem «vermeldenden» Sprachstil präsentiert und haben wenige Einspielungen. Manchmal werden O-Töne eingeblendet, die der «akustischen Bebilderung» dienen und an die Stelle von Zitaten treten. Allerdings werden für diese Analyse Nachrichten ausgeschlossen, wenn sie auf Serviceleistungen (Wetter, Verkehr, Presseschau) spezialisiert sind. Bei Magazinen im Rundfunk muss ein Aufriss des behandelten Problems bzw. eine spezialisierte Behandlung eines gesellschaftspolitischen, kulturellen Aspekts gegeben sein. Dieses Problem muss redaktionell aufgearbeitet und mit entsprechenden Meinungen und Wertungen in Beziehung gesetzt werden. Magazine werden regelmässig gesendet (täglich, wöchentlich, monatlich) und beinhalten Hintergrundinformationen, die über die aktuellen Nachrichtensendungen hinausgehen. Magazine sind offen gestaltet. Gäste und Interviews sind ebenso möglich wie Filmbeiträge. In der gesellschaftspolitischen Problembehandlung wie der vertiefenden Wissensvermittlung sind neben Interessenvertretern Experten wesentliche Öffentlichkeitsakteure. Das Forum ist ein Format der diskursiven Auseinandersetzung in Gestalt von Diskussions-/Talksendungen. Die Diskussionsanlage und -teilnehmer solcher Foren sind vielfältig. Neben Lagerkontroversen und Sofarunden im Studio werden Foren auch als Hörer- und Seherbeteiligungssendungen inszeniert. In der Regel weisen sie eine Länge auf, die eine ausgiebige Vertiefung erlaubt (von 20 Minuten bis zu über einer Stunde). Allerdings sind die kürzesten Formen im Radio Zwiegespräche von knapp einer Viertelstunde. Befragungen mit Pro und Kontra sind üblich.
Die gemischten News im Format der Nachrichten sind beim Rundfunk die gängigste Weise der Informationsvermittlung. Im Zuge der Diversifizierung der Medieninhalte hat sich das Format Nachrichten spezialisiert, indem auch Sendungen bezüglich Wirtschaft, Kultur oder Sport im Nachrichtenformat ausgestrahlt werden. Das vertiefende Format des Rundfunkmagazins sowie das Forum als Format der Diskussion sind im Rundfunk Chamäleons. Sie können sich beide innerhalb einer Sendung oder über diese hinweg verschiedenen Themen zuwenden (ihr Inhalt wird dann als gemischte News klassifiziert) oder sich ausschliesslich auf bestimmte Gesellschaftssphären fokussieren.
Die Eruierung der Informationsformate und damit des relevanten Informationsangebots wird zuerst anhand von Programmrastern (Eigendeklaration des Veranstalter und/oder von Programmzeitschriften) vorgenommen. Dabei werden insbesondere die fiktionalen und non-fiktionalen Unterhaltungsformate ausgeschieden. Mittels dieses erstellten Informationsrasters wird die formale Validierung und inhaltliche Klassifizierung durch audiovisuelle Stichproben vorgenommen. Das Wiederholprogramm insbesondere des Fernsehens findet dabei keine Berücksichtigung. Zum Informationsprogramm gehören alle Ausgaben der als Nachrichten, Magazin oder Forum identifizierten Sendungstitel.
Die Informationsangebotsanalytik bei Radio und Fernsehen basiert auf einer Wochenstichprobe (23.–29. November 2009), in der das Informationsprogramm aller Rundfunksender analysiert wurde, die Produzenten der bedeutendsten und damit für die Qualitätsvalidierung ausgewählten Medientitel sind.
Für die Qualitätsvalidierung der kontinuierlichen Berichterstattung und damit der Untersuchung der Aufmerksamkeitslandschaften der schweizerischen Medienlandschaft aller Gattungen – Presse, Radio, Fernsehen und Online – wurde der folgende Zeitraum untersucht. Mittels der Frontseitenanalyse der Presse und der Onlinenewssites sowie der Aufmacheranalyse bei Radio und Fernsehen wurden alle Beiträge im Zeitraum vom 5. Oktober bis zum 31. Dezember 2009 analysiert, die zum einen auf der Frontseite (Newssites: nur oberste im Bildschirmfenster sichtbare Beiträge, die meist auch formal abgetrennt sind, z.B. durch Werbebanner) erschienen sind bzw. als Aufmacherbeiträge der Hauptinformationssendungen identifiziert wurden. Diese Analyse ermöglicht daher nicht nur, die Medientypen innerhalb der Gattungen zu vergleichen, sondern auch die Gattungen untereinander (vgl. Kapitel I). Diese Qualitätsanalyse validiert die Beitragsinhalte (vgl. Frontseiten-/Aufmacheranalytik aller Gattungen) sowie die Themenbildung über die Beiträge hinweg (vgl. Kommunikationsereignisanalytik aller Gattungen).
Die Beitragsanalyse zur Qualitätsvalidierung der Inhalte ist deckungsgleich mit jener im Rahmen der Informationsangebotsanalyse hinsichtlich der Kernressorts (vgl. dazu oben: Beitragsanalyse der Kernressorts). Die im Folgenden dargestellten Variablen wurden daher auch für die Beitragsanalyse der Kernressorts angewendet.
Frontseiten-/Aufmacheranalytik aller Gattungen
Die gattungsübergreifend durchgeführte Qualitätsvalidierung besteht aus einer Inhaltsanalyse aller Frontseiten- und Aufmacherbeiträge. Die Variablen dieser Inhaltsanalyse rekurrieren auf die grundlegenden Qualitätsanforderungen an die öffentliche Kommunikation (vgl. Einleitung). Diese Ansprüche an Vielfalt, Relevanz, Aktualität und Professionalität wurden mit Hilfe von fünf Variablen operationalisiert. Die Grundlage für diese Kodierung bildete jeweils die hauptsächliche Fokussierung des Beitrags anhand von Dachzeile, Titel, Untertitel, Lead bzw. Anmoderation. Wenn diese Elemente keine hinreichend eindeutige Information lieferten, wurde der gesamte Beitrag als Kodiergrundlage beigezogen. Im Untersuchungszeitraum vom 5. Oktober bis zum 31. Dezember 2009 wurden insgesamt 12 129 Beiträge erfasst und kodiert.
Vielfalt: Gesellschaftssphäre und geografischer Bezugsraum
Das Kriterium der Vielfalt wurde erstens anhand der Variablen Gesellschaftssphäre operationalisiert, in der systematisch codiert wurde, ob ein Beitrag die Gesellschaftssphäre Politik, Wirtschaft, Kultur (inklusive Kunst, Medien, Religion, Wissenschaft), Sport oder Human Interest thematisiert. Zweitens wurde auch der geografische Bezugsraum codiert, der im Beitrag fokussiert wird. Dabei reicht das Kontinuum von «lokal/regional», «national», «CH Ausland» (bi- oder multilaterale Prozesse mit prominenter Beteiligung der Schweiz), «Ausland national» bis hin zu «multinational» (Prozesse zwischen einzelnen Staaten bzw. Staatengemeinschaften oder globale Prozesse).
Relevanz: Sozialebene
Die Anforderung an die Relevanz wird über die Variable Sozialebene umgesetzt. Mit dieser Variablen wird erfasst, auf welcher der drei Bezugsebenen – Makro (Gesellschaft, Gesellschaftssphären), Meso (Organisationen, Institutionen) und Mikro (Personen) – das Geschehen im Beitrag hauptsächlich thematisiert wird. Entscheidend für die Vergabe ist die Frage, ob ein Beitrag in der Handlungsdimension hinsichtlich Akteuren auf 1. die gesamte Bevölkerung oder alle Bürger, Gemeinschafts- bzw. Gesellschaftsmitglieder oder auf das Abstraktum aller gleich Handelnden (z.B. «alle Bahnfahrer» usw.), auf Merkmalsträger («Schöne», «Dicke», «Frauen», «Männer» etc.) oder auf Funktionsträger in ihrer Gesamtheit («Manager», «Politiker» etc.) (Makro), 2. auf konkrete Organisationen und Akteursgruppen (Meso) oder 3. auf das Handeln von einzelnen Personen fokussiert (Mikro). Dabei können Personen anonym dargestellt werden (z.B. «drei junge Männer verunfallten gestern auf der A 1»), konkret in ihren Rollen (z.B. «Bundesrätin Doris Leuthard bringt Reform zu Fall») oder in rollenfernen, privaten Kontexten (z.B. «Ma priorité, le bébé»).
Aktualität: Temporalität
Die Qualitätsanforderungen zur Aktualität wurden mit der Variablen Temporalität operationalisiert. Diese erfasst, ob ein Beitrag Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge aufzeigt und abstrakte Einordnungen vornimmt oder inwieweit er sich punktualistisch an singulären Ereignissen orientiert, ohne diese in längerfristige Prozesse oder übergeordnete Bezugsprobleme einzuordnen («episodisch») (für diese Unterscheidung vgl. Iyengar, 1991).
Professionalität: Berichterstattungsstil
Die Orientierung an den Qualitätsanforderungen zur Professionalität leitet die Konzeptionierung der Variablen Berichterstattungsstil an. Mit dieser Variablen wird die zentrale Argumentationsform eines Beitrags erfasst. Hier steht die Frage im Zentrum, ob ein Beitrag primär im kognitiv-normativen Modus verfasst ist, d.h., ob Darstellungen oder Problematisierungen mit Angaben von Begründungen und daraus abgeleiteten Rechtfertigungen dominieren, oder ob ein Beitrag primär im moralisch-emotionalen Modus verfasst ist, d.h., ob der Beitrag darauf ausgelegt ist, Stimmungslagen wiederzugeben, Entäusserungen von Individuen ins Zentrum zu rücken und Emotionen auszulösen.
Diese fünf Variablen wurden herangezogen, um alle Frontseiten- und Aufmacherbeiträge des Mediensamples systematisch zu codieren.
Forschungsteams und Intercoderreliabilität
Alle Analysen und Kodierungen wurden von Forschungsteams durchgeführt, an denen insgesamt über 20 Personen beteiligt sind. Die Teams umfassen erfahrene studentische und wissenschaftliche Mitarbeitende mit den notwendigen Sprachkompetenzen, d.h. Personen deutscher, französischer und/oder italienischer Muttersprache. Die aufwendigen Intersubjektivierungsleistungen im Forschungsprozess wurden meist in wöchentlichen Sitzungen durchgeführt. Dabei wurden die Kodebücher nach den jeweiligen Prätests laufend mit Konventionen ergänzt sowie allfällige Mängel hinsichtlich Definitionen, Konventionen und Umsetzung mit Hilfe von Datenkontrollen geprüft.
Um die Reliabilität, das heisst die Zuverlässigkeit der Kodierungen der verschiedenen Kodierer zu überprüfen, wurden Intercoderreliabilitätstests durchgeführt. Insbesondere für die Erfassung und Kodierung der kontinuierlichen Berichterstattung der Frontseiten- bzw. Aufmacherbeiträge wurden solche Tests fortlaufend angesetzt. Dafür wird eine Zufallsauswahl von Medienbeiträgen aus allen Mediengattungen von allen Kodierenden kodiert. Um die Übereinstimmung der Kodierungen zu überprüfen und einschätzen zu können, wurden für jede Variable die paarweisen Übereinstimmungen analysiert und anschliessend aggregiert.
Intercoderreliabilität
Zur Bestimmung der Übereinstimmungen der Kodierer und Kodierungen wird ein in den Sozialwissenschaften breit eingesetztes Reliabilitätsmass nach Holsti verwendet, das folgende Formel aufweist:
CR = 2 x Ü / (C1 + C2)
CR = Kodiererreliabilität
Ü = Anzahl der übereinstimmenden Kodierungen
C1 = Anzahl der Kodierungen von Kodierer 1 (z.B. x Kodierungen der Variable Sozialebene bei x Artikeln)
C2 = Anzahl der Kodierungen von Kodierer 2
Weil das Team grösser als zwei Personen ist, wird der Mittelwert aller paarweisen Übereinstimmungen errechnet. Der Koeffizient bzw. das Reliabilitätsmass nach Holsti drückt dann das Verhältnis der mittleren Übereinstimmung aller paarweisen Kodierkombinationen zur durchschnittlichen Gesamtzahl aller Kodierungen (Nennungen) aus: Je höher dieser Wert, desto höher ist die Übereinstimmung der Kodierungen bzw. die Reliabilität der Kodierungen.
Über die Tests hinweg und nach den Besprechungen von Abweichungen und Definitionsmängeln wurde die Intersubjektivität verbessert und insbesondere die Kodierungssicherheit gesteigert. Der jüngste Test, der im März 2010 durchgeführt wurde, lieferte für die Variablen folgende Werte: Gesellschaftssphäre 0,82; geografischer Bezugsraum 0,82; Sozialebene 0,70; Temporalität 0,75 und Diskursstil 0,83. Eine fixe Grösse, welcher exakte Wert nun eine sehr hohe oder nur eine genügende Reliabilität anzeigt, existiert nicht. Dies hat mehrere Gründe:
Erstens basieren alle Analysen und Kodierungen auf Interpretationen, die auch bei hoher definitorischer Anleitung und regelmässiger Intersubjektivierung einen Spielraum haben. Mit anderen Worten: Es ist nicht zu erwarten, dass aufgrund des Verfahrens und der Zahl der Forschungsbeteiligten je ein Wert von 1 und damit hundertprozentige Übereinstimmung erreicht wird.
Zweitens ist die Übereinstimmung auch abhängig von der Gestalt und der Komplexität einer Variablen. So wäre eine vermeintlich hohe Übereinstimmung von 0,90 tief, wenn die Variable nur zwei Ausprägungen hätte und deren Kodierung sehr leicht wäre (z.B. Beantwortung der Frage, ob im Titel eines Beitrags der Bundesrat thematisiert ist oder nicht). Auf der anderen Seite können auch tiefere Werte als gut eingeschätzt werden, wenn die Variable mehr als zwei Ausprägungen aufweist und deren Beantwortung deutlich schwieriger ist. Vor diesem Hintergrund können die Werte zur Gesellschaftssphäre (8 Ausprägungen) und zum geografischen Bezugsraum (7 Ausprägungen) als sehr gut und zum Diskursstil (2 Ausprägungen) als gut eingeschätzt werden. Die Werte zur Variablen Sozialebene (6 Ausprägungen) und Temporalität (2 Ausprägungen) sind genügend. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse wurden die kodierten Beiträge nochmals systematisch anhand grosser Stichproben von erfahrenen wissenschaftlichen Mitarbeitenden besonders auf die Vergabe bei den Variablen Sozialebene und Temporalität überprüft und vereinheitlicht.
Kommunikationsereignisanalytik aller Gattungen
Diese Operationalisierung der Variablen auf der Ebene von einzelnen Beiträgen wurde durch eine Erfassung und Analyse von Kommunikationsereignissen ergänzt.
Kommunikationsereignisse, Kommunikationsereignisanalytik
Kommunikationsereignisse bestehen aus allen Beiträgen, die in sachlicher, sozialer, zeitlicher und räumlicher Hinsicht dasselbe thematisieren. In der Zeitdimension werden spezifische Ereignisse oder Vorgänge zu einer laufenden Geschichte gefügt, die sich über kurze (Tod Papst Johannes Pauls II.) oder lange Zeit (Klimawandel) erstrecken kann. In der Sachdimension beziehen sich Kommunikationsereignisse auf spezifische Ereignisse (Fussball-WM 2010), Vorgänge (Gesundheitsreform Schweiz) oder abstrakte Probleme (globale Wirtschaftskrise). In der Raumdimension fokussiert das Kommunikationsereignis auf einen bestimmten Geltungsraum (z.B. die Schweiz). Schliesslich aktualisieren Kommunikationsereignisse in der Sozialdimension spezifische Akteursensembles (z.B. Roman Polanski, Max Göldi, Bundesrat Merz, Muammar al-Gaddafi). Zentral für die Methodik der Kommunikationsereignisanalytik ist die induktive Vorgehensweise. Das heisst, es wird nicht nach vorgefassten Themen gesucht, sondern die Kommunikationsereignisse werden aus der Perspektive der journalistischen Weltbeobachtung rekonstruiert.
Mit der zusätzlichen Erfassung von insgesamt 3116 Kommunikationsereignissen im Untersuchungszeitraum vom 5. Oktober bis zum 31. Dezember 2009 können die medialen Aufmerksamkeitsstrukturen – von der Ebene der gesamten Medienarena bis zum einzelnen Medium – erfasst werden.
Kommunikationsereignisse werden als Beitrags-/Berichterstattungsketten generiert, indem bei jeder Kodierung eines Beitrags gefragt wird, ob er ein neues Kommunikationsereignis anzeigt, oder ob der Beitrag Teil einer bereits bestehenden Berichterstattungskette ist. Damit kann ein Kommunikationsereignis höchst episodisch sein und nur von einem einzigen Medientitel bestritten werden (z.B. ein Unfall in einer Kleinstadt). Oder aber ein Kommunikationsereignis kann aus einer langen Berichterstattungskette bestehen, an der sich mehrere Medientitel beteiligen (z.B. Minarettinitiative). Aus der Summe der Beiträge, die in einem bestimmten Zeitraum zu einem Kommunikationsereignis gehören, ergibt sich die Grösse eines Kommunikationsereignisses.
Diese Aggregation von Beiträgen zu Kommunikationsereignissen bildet die Grundlage für die Hierarchie von Kommunikationsereignissen, also die Darstellung von «Themen»-Agenden der Mediengattungen und -typen in den jeweiligen Kapiteln zur Qualitätsvalidierung mit den Frontseiten- bzw. Aufmacherbeiträgen. Mit solchen Kommunikationsereignisagenden lässt sich zeigen, welche die resonanzstärksten Themen in den schweizerischen Medien sind. In Kombination mit den kodierten Variablen lässt sich zudem analysieren, aus welchen Gesellschaftssphären und geografischen Räumen diese Themen stammen, auf welche Sozialebenen fokussiert bzw. wie stark personalisiert diese Themen dargestellt werden, welche Sprachregionen und welche Mediengattungen, -typen und -titel zu diesen Themen beitragen (Vielfalt und Relevanz), in welchem Mass diese einzelnen Themen jeweils mit Hintergrundinformationen aufbereitet werden (Aktualität) und inwiefern diese einzelnen Themen jeweils eher kognitiv-normativ oder moralisch-emotional dargestellt werden (Professionalität).
Ausserdem wurden die Kommunikationsereignisse mit der Beitragskodierung kombiniert. Dadurch lässt sich beispielsweise zeigen, ob das Kommunikationsereignis zur Verhaftung Roman Polanskis ausschliesslich Beiträge zur Sphäre Politik enthält (z.B. Frage der bilateralen Rechtshilfe), oder ob eine Mehrzahl der Beiträge auf die Sphäre Human Interest fokussiert (z.B. auf das «Verbrechen» selbst und/oder die Präsenz Polanskis am Fenster seines Chalets in Gstaad). Dann wurden alle Kommunikationsereignisse hinsichtlich der Variablen Gesellschaftssphäre und geografischer Bezugsraum kodiert, indem das Hauptaufkommen der Beiträge gattungsübergreifend hinsichtlich Gesellschaftssphäre und geografischer Bezugsraum eruiert wurde. Die Kodierung von Gesellschaftssphäre und geografischem Raum auf der Ebene der Kommunikationsereignisse erlaubt es, zu untersuchen, ob die Themenvielfalt Ausdruck von einigen wenigen resonanzstarken Kommunikationsereignissen zur Politik oder vielen resonanzschwachen Kommunikationsereignissen zum Human Interest ist.