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Mark Eisenegger, Esther Kamber

Abdeckungsquote

Verhältnis der kumulierten Auflage- bzw. Nutzungszahlen einer Mediengattung, eines Medientyps oder eines Medientitels zur jeweiligen Bevölkerungszahl einer Sprachregion (Bevölkerung ab 15 Jahre).

Abschichtung

Vgl. Schichtung.

Aktualität, Aktualitätsprinzip

Aktualität ist ein Qualitätsanspruch, der auf der Norm basiert, dass Informationsmedien zwar aktuell berichten, aber auch Kontext- und Hintergrundinformation bereitstellen sollen. Aktualität bemisst sich daher nicht bloss daran, über Ereignisse zuerst bzw. rasch zu berichten (vgl. Rager, 2000, S. 80). Vielmehr soll der schnelle Nachrichtenfluss im weltumspannenden sowie im auf Realzeit getakteten Informationsgeschäft nicht zu einer punktualistischen, kontextlosen Berichterstattung führen. Um den Qualitätsanspruch der Aktualität zu überprüfen, wird deshalb in diesem Jahrbuch auf die von Iyengar (1991) eingeführte Unterscheidung von «episodic frame» und «thematic frame» zurückgegriffen. Qualitativ gut ist eine thematisch orientierte Berichterstattung, die Ereignisse entlang der Zeitachse verortet und Ursache- und Wirkungszusammenhänge aufzeigt. Eine episodisch orientierte Berichterstattung stellt das Geschehen dagegen auf Messers Schneide der Gegenwart dar und beleuchtet nur die unmittelbaren Ereignisse. Aktualität ist eine der in diesem Jahrbuch untersuchten Qualitätsdimensionen.

Ausgewogenheit, Ausgewogenheitsprinzip

Ausgewogenheit ist ein im Aufklärungsverständnis verankerter Anspruch an die Qualität öffentlicher Kommunikation. Die in der Öffentlichkeit debattierenden Akteure werden mit dieser Norm zur Fairness und Verbindlichkeit angehalten, damit Argumente gegen Argumente und nicht Personen gegen Personen antreten, Vereinseitigungen verhindert werden und Emotionen sowie Privates/Intimes die Selbstaufklärung auf der Basis vernünftiger Diskurse nicht trüben. In diesem Sinne sind auch die Darstellungslogiken der Personalisierung, Privatisierung und Konfliktstilisierung der Qualität der öffentlichen Diskussion abträglich. Mit dem Ausgewogenheitsprinzip ist zudem ein spezieller Habitus in der öffentlichen Diskussionsführung verbunden, der sich an Objektivität bzw. am Objektivitätsprinzip orientiert.

Boulevardisierung

Der Begriff Boulevardisierung beschreibt einen Entwicklungsprozess in Form einer verstärkten Orientierung der Massenmedien an den Funktionslogiken des Boulevardgenres. Kennzeichnend ist ein Rückgang an Hardnews – auf Recherche abgestützte politische, wirtschaftliche und kulturelle Berichte/Reportagen/Kommentare – zugunsten einer Aufwertung der Softnews – Human-Interest-Themen, Skandale, Privates und People-Stories. Die Herkunft der Boulevardmedien geht auf die Zeit der Französischen Revolution zurück, als die Strassencafés und Promenaden – die «Boulevards» – das Forum zur Diskussion von Gerüchten und Neuigkeiten bildeten. Aus dieser Tradition resultiert ein Medienformat, das sich an den Mustern der alltäglichen Klatschkommunikation orientiert. Dazu zählen unter anderem die gezielte Meinungsmache sowie personalisierende, privatisierende und skandalisierende Darstellungsformen.

Differenzsemantiken

Differenzsemantiken sind wichtige Elemente zur kommunikativen Konstruktion sozialer Ordnung. Sie definieren gesellschaftliche Unterschiede und alimentieren dadurch Konflikte. Differenzsemantiken lassen sich in vier Typen unterscheiden: 1. Segmentäre Differenzsemantiken betonen Unterschiede auf der Basis von u.a. ethnischen Merkmalen (z.B. Schweizer vs. Ausländer). 2. Stratifikatorische Differenzsemantiken fokussieren auf Unterschiede auf der Basis von Macht, Besitz und Einfluss (z.B. Viel- vs. Normalverdiener). 3. Funktionale Differenzsemantiken betonen Unterschiede zwischen den Handlungsfeldern (z.B. Werkplatz vs. Finanzplatz; Politik vs. Wirtschaft). 4. Temporale Differenzsemantiken schliesslich betonen Unterschiede zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (z.B. der «Kalte Krieg» und die Zeit danach).

Eventisierung

Der Begriff Eventisierung beschreibt einen Entwicklungsprozess, in dem der gesteigerte Aktualitätsdruck im Medienwesen zu einer zunehmenden Orientierung an Einzelereignissen führt. Statt einer Vermittlung von längerfristigen Prozessen und UrsacheWirkungs-Zusammenhängen dominiert eine episodische Berichterstattung, die einzelne Ereignisse und Fälle ins Zentrum stellt und damit ein isoliert betrachtetes Geschehen vermittelt. Einer episodischen Berichterstattung steht eine thematische gegenüber, die längerfristige Prozesse beleuchtet, Ereignisse kontextualisiert und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge aufgezeigt. Auf der Basis der Unterscheidung zwischen einer thematischen und einer episodischen/eventisierenden Berichterstattung wird in diesem Jahrbuch die Qualitätsdimension der Aktualität überprüft.

Forumsfunktion der Öffentlichkeit

Die Forumsfunktion bildet neben der Legitimations- und Kontrollfunktion sowie der Integrationsfunktion eine der drei Leistungsfunktionen öffentlicher Kommunikation, die für die demokratische Selbststeuerung unabdingbar sind. Die öffentliche Kommunikation erfüllt ihre Forumsfunktion, wenn sie eine offene Plattform zur Auswahl und Diskussion jener Probleme bildet, die politisch bearbeitet werden sollen. Die Problemauswahl und -diskussion soll primär auf der Basis von Argumentationen stattfinden und auch zivilgesellschaftliche Akteure in ausreichendem Mass berücksichtigen. Mit allen ihren über Kommunikationsflüsse verbundenen Arenen bildet die öffentliche Kommunikation auf diese Weise den Entdeckungszusammenhang von Problematisierungen, und sie sorgt, abgestützt auf die elementaren Grundrechte der Meinungs-, Versammlungs-, Presse- bzw. Medienfreiheit, für eine begründbare Rationalitätserwartung gegenüber der Auswahl und Bearbeitung von Problemen.

Frontseite/Aufmacher – Frontseiten-/Aufmacheranalytik

Auf den Frontseiten (Presse/Online) oder in den Aufmacherbeiträgen (Radio/TV) manifestieren sich die wichtigsten redaktionellen Entscheide über die Agenda eines Mediums. Diese prominent platzierten Beiträge sind ein valider Indikator für die redaktionellen Auswahl- und Interpretationslogiken und geben Aufschluss darüber, welchen Themen und Darstellungsformen die Redaktionen besondere Bedeutung verleihen. Das Instrument zur Analyse dieser prominent platzierten Beiträge ist die Frontseiten- (Presse/Online) und Aufmacheranalytik (Radio/TV). Die Frontseite bildet in den Pressetiteln die erste Seite der jeweiligen Zeitungsausgabe bzw. die Startseite bei den Onlinemedien. Das Pendant beim Radio und Fernsehen sind die Aufmacherbeiträge, die mittels Schlagzeilen oder Anmoderation als die wichtigsten Beiträge der jeweiligen Sendung herausgehoben werden.

General Interest

Als General-Interest-Medien werden diejenigen Medientitel bezeichnet, die in ihren Inhalten eine prinzipiell unbegrenzte Themenvielfalt mit aktuellen Bezügen aufweisen und eine regelmässige Erscheinungsform haben (mindestens einmal pro Woche) (z.B. Tages- und Wochenzeitungen). Special-Interest-Medien hingegen spezialisieren sich in ihren Inhalten auf bestimmte gesellschaftliche Teilbereiche bzw. auf bestimmte Stoff- und Lebensgebiete (z.B. Mode-, Automagazine, Fachzeitschriften usw.).

Hardnews

Hardnews beziehen sich auf die besonders relevanten Sphären Politik, Wirtschaft und Kultur. Sie dienen der Meinungsbildung in Bezug auf die gemeinsam zu lösenden Probleme (Forumsfunktion), der Legitimation und Kontrolle der Herrschaftsträger (Legitimations- und Kontrollfunktion) sowie der Integration der Bürgerinnen und Bürger (Integrationsfunktion). Davon zu unterscheiden sind Softnews (Sport, Human Interest; Skandale/Affären; People-Stories), die sich hauptsächlich an den Unterhaltungsbedürfnissen des Publikums orientieren, der Aufmerksamkeitsmaximierung dienen und in der Regel billiger zu produzieren sind.

Informationsangebot, Informationsangebotsanalytik

Im Gegensatz zur Frontseiten- und Aufmacheranalytik untersucht die Informationsangebotsanalytik das gesamte Informationsangebot eines Medientitels bzw. eines Programmveranstalters auf der Basis einer Stichprobenziehung (Presse/Radio/TV: 1 Woche; Online: 1 Tag). Das Informationsangebot gliedert sich beim einzelnen Pressetitel in die verschiedenen Ressorts. Vom Standpunkt einer qualitativ guten Publizistik interessiert hier insbesondere die Bedeutung der gesellschaftlich besonders relevanten Kernressorts Politik, Wirtschaft und Kultur. Das Informationsangebot der elektronischen Medien (Radio/TV) umfasst alle Informationsformate eines Programmveranstalters, die der Informationsvermittlung und der Meinungsbildung dienen (Nachrichten, Magazine, Forumssendungen). Hier interessiert unter anderem das Gewicht der Programmierung von Nachrichten als Gefässe der Informationsvermittlung sowie eine angemessene Berücksichtigung von hintergrundvermittelnden, meinungsbildenden und diskursiven Formaten (Magazine, Foren) in den jeweiligen Medientypen und -titeln.

Informationsformat

Der Begriff des Informationsformats bezieht sich ausschliesslich auf die elektronischen Medien Radio und Fernsehen. Gemeint sind Sendungstitel, die die klassischen Formate der Informationsvermittlung und Meinungsbildung darstellen. Dazu zählen die Informationsformate Nachrichten, Magazin und (Diskussions-)Forum. Denn hinsichtlich der Qualitätsvalidierung öffentlicher Kommunikation sind jene Sendungstitel von besonderer Bedeutung, die Informationen aus dem gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Bereich vermitteln, dem General Interest verpflichtet sind und zur Meinungsbildung beitragen.

Informationsmedien

Regelmässig erscheinende (minimal einmal wöchentlich) General-Interest-Medien, die sich mit einem vielfältigen Informationsangebot an ein breites Publikum richten und die gesellschaftlichen Kernbereiche Politik, Wirtschaft und Kultur regelmässig auf die Agenda setzen. Dazu zählen General-Interest-Medien im Presse- und Onlinebereich sowie die Informationsformate der elektronischen Medien (Radio/TV).

Informationsportal

Vgl. Onlineportal.

Infotainment

Der Begriff (Neologismus aus den Worten «Information» und «Entertainment») wird zur Charakterisierung einer Entwicklung verwendet, durch die in thematischer, stilistischer, gestalterischer und/oder bildästhetischer Hinsicht die medialen Auswahl- und Darstellungslogiken aus den Bereichen «Unterhaltung» und «Information» verschmelzen. Die Verbreitung von Infotainment ist an die Dualisierung des Rundfunks geknüpft. Die damit verbundene kommerzielle Konkurrenz der Anbieter elektronischer Medien führte zu einer forcierten Etablierung neuer Formate ebenso wie zu einer Vermischung bereits etablierter politiknaher wie politikferner Formate. Die Inszenierungslogiken des Infotainments bei der Thematisierung und Darstellung von Politik und Wirtschaft bedienen sich der Personalisierung, Emotionalisierung, Konfliktstilisierung und der Skandalisierung.

Integrationsfunktion der Öffentlichkeit

Die Integrationsfunktion bildet neben der Legitimations- und Kontrollfunktion sowie der Forumsfunktion eine der drei Leistungsfunktionen öffentlicher Kommunikation, die für die demokratische Selbststeuerung unabdingbar sind. Die öffentliche Kommunikation erfüllt ihre Integrationsfunktion, wenn sie der gesellschaftlichen Selbstbeobachtung sowie der Selbstwahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger als Mitglieder einer Gesellschaft dient. Zur Erfüllung dieser Funktion darf die öffentliche Kommunikation nicht vom Partikulären geleitet sein. Sie soll stattdessen Themen von gesamtgesellschaftlicher – z.B. sprachregional übergreifender – Relevanz bereitstellen.

Kernressort

Ressorts sind Berichterstattungsbereiche, die auf der Seite der Produktion die Redaktion strukturieren und das Produkt gliedern. Die für die Leistungsfunktionen öffentlicher Kommunikation – d.h. die Legitimations- und Kontrollfunktion, die Integrationsfunktion und die Forumsfunktion – zentralen Kernressorts werden durch die Ressorts «Politik» (Ausland, Inland und Region), «Wirtschaft» und «Kultur» (Feuilleton) gebildet. Diese sind auf die Beobachtung der gesellschaftlich relevanten Sphären sowie ihrer Institutionen, Organisationen und Rollen spezialisiert.

Kommunikationsereignisse, Kommunikationsereignisanalytik

Kommunikationsereignisse bestehen aus allen Beiträgen, die in sachlicher, sozialer, zeitlicher und räumlicher Hinsicht dasselbe thematisieren. In der Zeitdimension werden spezifische Ereignisse oder Vorgänge zu einer laufenden Geschichte gefügt, die sich über kurze (Tod Papst Johannes Pauls II.) oder lange Zeit (Klimawandel) erstrecken kann. In der Sachdimension beziehen sich Kommunikationsereignisse auf spezifische Ereignisse (Fussball-WM 2010), Vorgänge (Gesundheitsreform Schweiz) oder abstrakte Probleme (globale Wirtschaftskrise). In der Raumdimension fokussiert das Kommunikationsereignis auf einen bestimmten Geltungsraum (z.B. die Schweiz). Schliesslich aktualisieren Kommunikationsereignisse in der Sozialdimension spezifische Akteursensembles (z.B. Roman Polanski, Max Göldi, Bundesrat Merz, Muammar al-Gadaffi). Zentral für die Methodik der Kommunikationsereignisanalytik ist die induktive Vorgehensweise. Das heisst, es wird nicht nach vorgefassten Themen gesucht, sondern die Kommunikationsereignisse werden aus der Perspektive der journalistischen Weltbeobachtung rekonstruiert.

Konfliktstilisierung

Als Konfliktstilisierung wird der Prozess verstanden, wonach im Wettbewerb um knappe Aufmerksamkeit in der öffentlichen Kommunikation vermehrt auf das Mittel der Zuspitzung von Konflikten gesetzt wird. Mediale Konfliktstilisierung rekurriert auf die Bedeutung des Konflikts als Nachrichtenwert. Sie ist ein Inszenierungsmittel, das sowohl von den Medienmachern als auch von den in den Medien auftretenden Öffentlichkeitsakteuren eingesetzt wird (Medialisierung). Konfliktstilisierung erfolgt durch Personalisierung und Emotionalisierung sowie durch die Darstellung einer Sieg-Niederlage-Dynamik.

Legitimations- und Kontrollfunktion der Öffentlichkeit

Die Legitimations- und Kontrollfunktion bildet neben der Forumsfunktion und der Integrationsfunktion eine der drei Leistungsfunktionen öffentlicher Kommunikation, die für die demokratische Selbststeuerung unabdingbar sind. Die öffentliche Kommunikation erfüllt ihre Legitimations- und Kontrollfunktion, wenn die Staatsgewalten und damit die rechtsstaatlichen Institutionen, Prozesse und Rollenträger im Medium öffentlicher Kommunikation kontrolliert und kritisiert werden. Die Legitimations- und Kontrollfunktion setzt das Transparenzprinzip des Politischen voraus. Darin kommt die auf die Aufklärungszeit zurückreichende Norm zum Ausdruck, dass «alle auf das Recht anderer Menschen bezogenen Handlungen, deren Maxime sich nicht mit der Publizität verträgt, unrecht sind» (Kant, 2008).

Makro, Meso, Mikro

Eine Berichterstattung auf der Makroebene bezieht sich auf die Gesellschaft insgesamt und/oder ihre gesellschaftlichen Teilsphären (u.a. Politik, Wirtschaft, Kultur). Eine Berichterstattung auf der Mesoebene fokussiert Organisationen oder Institutionen. Mikrozentriert ist die Berichterstattung, wenn einzelne Personen ins Zentrum gerückt werden, entweder rollennah (als Funktionsträger) oder rollenfern (als Privatpersonen). Auf der Basis der Unterscheidung Makro-Meso-Mikro wird in diesem Jahrbuch die Relevanz der Medienberichterstattung bewertet. Dabei nimmt die Relevanz der Berichterstattung mit einer Gewichtung ab, die sich von Makro-Meso auf Meso-Mikro verlagert und die einen hohen Anteil an privaten Personenfokussierungen (Mikroebene rollenfern) aufweist.

Medialisierung

Der Begriff der Medialisierung beschreibt einen Prozess innerhalb von Mediengesellschaften, der dazu führt, dass Akteure (Personen, Organisationen) innerhalb gesellschaftlicher Sphären (z.B. Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Sport) ihr Handeln immer stärker nach der medialen Logik ausrichten. Aufgrund der medialen Durchdringung der Gesellschaft führt die Medialisierung dadurch zu einer Ausrichtung politischen und wirtschaftlichen Handelns an den Logiken des Mediensystems.

Medienarena

Medienarenen werden durch Medien konstituiert, die im Wettbewerb um gleiche Publikumsmärkte und in einem wechselseitigen Beobachtungszusammenhang stehen. Medienarenen in modernen Gesellschaften sind weitgehend deckungsgleich mit politischen und sprachlichen Räumen. Die Medienarena der Schweiz ist in die drei grossen Sprachregionen Deutschschweiz, Suisse romande und Svizzera italiana aufgeteilt. Diese Teilarenen bilden den Ausgangspunkt für diese Studie, um dann auch die Frage nach der Integrationsfunktion öffentlicher Kommunikation zu stellen. Inwiefern kann in der sprachregional gegliederten Schweiz von einer sprachregional übergreifenden, gesamtschweizerischen Medienarena gesprochen werden? Medienarenen sind durch folgende Merkmale gekennzeichnet: 1. In der Sachdimension zeichnen sich Medienarenen durch in hohem Mass konvergente Themenhaushalte aus, weil sich die Medien wechselseitig beobachten und die wichtigsten Kommunikationsereignisse nach vergleichbaren Relevanzgesichtspunkten auswählen. 2. In der Zeitdimension zeigt sich eine rasche Antwortbereitschaft zwischen den Medien der jeweiligen Arena (Responsivität). Das heisst, es besteht eine hohe Chance, dass diese Thematisierungsleistungen parallel ablaufen. 3. In der Sozialdimension ist die Kommunikationsdynamik einer Medienarena durch charakteristische Akteursgruppen gekennzeichnet, die repetitiv Resonanz auslösen (z.B. Bundesräte, Schweizer Grosskonzerne usw.). 4. In der sozialräumlichen Dimension schliesslich sind Medienarenen durch eine Zentrierung ihrer Aufmerksamkeitsstrukturen auf spezifische politische Geltungsräume charakterisiert.

Mediengattung, Gattung

Eine Mediengattung ist durch das Ensemble von Medientypen und -titeln definiert, die durch gleiche Vermittlungsformen Öffentlichkeit herstellen. In diesem Jahrbuch werden die folgenden vier Gattungen untersucht: Presse, Radio, Fernsehen und Onlinemedien. Im Einzelnen handelt es sich dabei um regionale und überregionale (Sonntags-)Zeitungen und um Wochenmagazine (Presse), um die Informationsformate des öffentlichen und privaten Radios, um die Informationsformate des öffentlichen und privaten Fernsehens sowie um Newssites und Onlineportale.

Medienstruktur, Medienstrukturanalyse

Medienstrukturen werden als Ensemble von Elementen im Medienwesen sowie als Arrangement der Beziehungen dieser Elemente untereinander definiert. Medienstrukturen haben einen entscheidenden Einfluss darauf, wie Medieninhalte entstehen. Wesentliche Strukturelemente im Medienwesen sind die Medienorganisationen bzw. -unternehmen und ihre Organisations- und Produktionsstrukturen sowie die einzelnen Medientitel selbst. Entscheidend für das Beziehungsarrangement dieser Elemente sind unter anderem die ökonomischen Bedingungen, die Abhängigkeiten in Bezug auf Informationszulieferanten, die Verfügbarkeit redaktioneller Ressourcen, die regulatorischen Bedingungen sowie die Besitzverhältnisse der Medientitel in Form von Betreibergesellschaften und Kontrolleuren. In diesem Sinn verstandene Medienstrukturen geben Auskunft über die Marktsituation, Konzentrationstendenzen, ökonomische Verflechtungen und die publizistische Versorgung des Publikums mit unterschiedlichen Mediengattungen, -typen und -titeln.

Medientitel

Bei den Medientiteln handelt es sich um einzelne Zeitungen, Magazine, Radio- bzw. Fernsehsendungen oder Newssites, die sich mit einem spezifischen Angebot, zu spezifischen Zeiten oder rund um die Uhr an ein spezifisches Publikum wenden (z.B. Tages-Anzeiger, Rendez-vous, 10vor10, 20minutes.ch). Im Rahmen dieses Jahrbuchs wurden 146 Medientitel der Gattungen Presse, Radio, TV und Online im Hinblick auf die publizistische Versorgung der Schweiz untersucht. 46 Medientitel wurden einer detaillierten Qualitätsvalidierung unterzogen und hinsichtlich der Qualitätsdimensionen Vielfalt, Relevanz, Aktualität und Professionalität bewertet.

Medientyp, Typ

Die vier Mediengattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online lassen sich je in verschiedene Medientypen aufgliedern. Für die Zuordnung zu den verschiedenen Medientypen waren in diesem Jahrbuch die Selbstetikettierung und die Merkmale der jeweiligen Medientitel ausschlaggebend (vgl. Methodik im Anhang). Im Bereich der Gattung Presse wurden folgende Typen unterschieden: Abonnementszeitungen, Boulevardzeitungen, Gratiszeitungen sowie Sonntagszeitungen und Magazine. Bei den Gattungen Radio und Fernsehen wurde zwischen öffentlichen und privaten Anbietern unterschieden. Schliesslich wurden bei der Gattung Online (vgl. Anhang: Methodik) Abonnement-Online, Boulevard-Online, Gratis-Online sowie Onlineportale der audiovisuellen Medien und der Telekommunikationsunternehmen (z.B. Bluewin) differenziert.

Nachrichtenwert

Nachrichtenwerte sind journalistische Auswahl- und Interpretationsregeln, die steuern, welche Ereignisse von Medienredaktionen als besonders berichterstattungswürdig betrachtet und gemäss welchen Routinen sie ausgewählt, interpretiert und dargestellt werden. Seit dem neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit, d.h. der Kommerzialisierung des Mediensystems, haben sich die journalistischen Auswahl- und Interpretationsregeln fundamental verändert. Nachrichtenwert besitzen vor allem jene Ereignisse, die Publikumsaufmerksamkeit maximieren, d.h. hohe Auflagenzahlen, Klickraten oder Einschaltquoten versprechen. Diese ökonomische Logik verstärkt den Einsatz der Mittel Personalisierung, Skandalisierung, Privatisierung, Konfliktstilisierung und Eventisierung. Der Einsatz dieser Mittel führt oft zu Widersprüchen in Bezug auf die Einhaltung publizistischer Qualitätsnormen.

Newssites

Dieser Begriff der Newssites (oder lange Version: «News Website») wird für Onlineangebote verwendet, die aktuelle Nachrichten vermitteln, täglich mindestens einen Update erfahren, selbst Information «produzieren» und dem General Interest verpflichtet sind. Onlineangebote, die diesen Kriterien genügen, entstammen alle dem Pressebereich. Von den drei Medientypen an Newssites (Abonnement-Online, Boulevard-Online, Gratis-Online) unterscheiden sich die Onlineportale.

Objektivität, Objektivitätsprinzip

Objektivität ist ein im Aufklärungsverständnis des 18. Jahrhunderts verankerter Qualitätsanspruch, der die Teilnehmer des öffentlichen Räsonnements auf die präzise und faktengetreue Darstellung von Sachverhalten, die sorgfältige Begründung von Normen und die Berücksichtigung bereits genannter Argumente jenseits ihrer persönlichen Interessen verpflichtet. Dieser grundsätzliche Habitus der Diskussionsführung hat sich in den Binnennormen des Journalismus im Qualitätskriterium der Professionalität niedergeschlagen. Das Objektivitätsprinzip ist mit dem Ausgewogenheitsprinzip verbunden.

Öffentlichkeit, öffentliche Kommunikation

Öffentlichkeit besteht aus einer Vielzahl von Kommunikationsforen, deren Zugang prinzipiell offen und nicht an Mitgliedschaftsbedingungen gebunden ist und in denen sich individuelle und kollektive Akteure vor einem Publikum zu verschiedenen Themen äussern. In modernen, ausdifferenzierten Gesellschaften vollzieht sich öffentliche Kommunikation am folgenreichsten in Form von Medienöffentlichkeit. Öffentliche Kommunikation wird auf Dauer gestellt und institutionell auf der Basis von Medienorganisationen abgesichert. Demokratie ist ohne funktionstüchtige Öffentlichkeit undenkbar. Die Öffentlichkeit dient der Wahrnehmung und Diskussion der allgemeinverbindlich zu lösenden Probleme. Sie erfüllt eine Kontrollfunktion gegenüber den Staatsgewalten und sie ist Voraussetzung dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Gesellschaft jene Loyalität ausbilden können, die für die Akzeptanz von Mehrheitsentscheiden nötig ist. Die Qualität der Demokratie ist somit untrennbar mit der Qualität der Öffentlichkeit verknüpft, die in modernen Gesellschaften zentral über die Massenmedien hergestellt wird.

Onlineportale

Onlineportale (auch: Informationsportale) sind in Abgrenzung zu Newssites Onlineangebote, die in der vorliegenden Studie keiner Qualitätsvalidierung unterzogen werden. Solche Portale bieten zwar Information an, aber die redaktionelle Tätigkeit und die Aufbereitung aktueller Nachrichten sind äusserst limitiert. In der empirischen Evaluation der publizistischen Versorgung der Gattung Online zeigten sich zwei unterschiedliche Typen solcher Onlineportale: Zum einen handelt es sich um die Sites der Rundfunkmedien, die vor allem Inhalte ihrer «Muttermedien» übernehmen (Bild- und Tonmaterial) sowie Programmübersichten, Podcasts sowie weiteres Dokumentationsmaterial zur Verfügung stellen. Zum anderen sind Onlineportale von branchenfremden Anbietern festzustellen, die gemischte Dienstleistungen anbieten. Neben Agenturmeldungen und multimedialen Formaten stehen Dienstleistungen wie E-Mail u.a. im Zentrum.

Personalisierung

Im Modus der Personalisierung wird der grundsätzliche Zusammenhang von Struktur und Handlung einseitig zugunsten handelnder Personen aufgelöst (Eisenegger/Wehmeier, 2010). Der Lauf der Dinge erscheint auf diese Weise systematisch als das Produkt der Handlungen von Helden und Bösewichten, also als das Ergebnis von Menschen und Taten und nicht von Verhältnissen, Strukturen und Prozessen (Imhof, 2010, S. 45). Als Folge der Personalisierung verschiebt sich der Berichterstattungsfokus weg von der Makro-/Mesoebene (Systeme/Institutionen/Organisationen) auf die Meso-/Mikroebene (Organisationen/Personen). Dabei werden Personen zunehmend stärker auch in rollenfernen Zusammenhängen als Privatpersonen fokussiert (Mikro rollenfern). Die Personalisierungstendenz der öffentlichen Kommunikation hat nicht nur zur Folge, dass gesellschaftliche Systemprobleme auf der Makroebene aus dem Blick geraten, sondern dass die soziale Wirklichkeit verzerrt wird. Personalisierung beeinträchtigt damit die Ausgewogenheit der Berichterstattung.

Privatisierung

Privatisierung umschreibt einen Prozess, in dem Personen in verstärktem Mass jenseits ihrer funktionalen Rollenbezüge in den Fokus öffentlicher Kommunikation rücken (Mikro rollenfern). Das enthüllte Private und Intime war immer schon ein beliebtes Mittel zur Erregung öffentlicher Aufmerksamkeit, insbesondere dann, wenn sich das Private mit dem Skandalösen verbinden lässt. In der Folge des neuen Strukturwandels der Öffentlichkeit haben privatisierende Personendarstellungen in der öffentlichen Kommunikation markant zugenommen. Dadurch wird das allgemein Relevante durch das Partikuläre zurückgedrängt und das Prinzip der Ausgewogenheit der Berichterstattung wird beeinträchtigt.

Professionalität, Professionalitätsprinzip

Professionalität ist ein Qualitätsanspruch, der sich auf das Gebot der Objektivität bezieht. In den Binnennormen des Journalismus (vgl. etwa www.impressum.ch) wird Objektivität (Professionalitätsprinzip) mit Ansprüchen auf Sachgerechtigkeit, Sachlichkeit, Neutralität, Faktentreue, Transparenz, Ausgewogenheit und thematische Kompetenz eingefordert. Professionalität ist eine der vier in dieser Studie zentral untersuchten Qualitätsdimensionen und wird über vier Indikatoren erfasst: Bedeutung eines sachlich-argumentativen (kognitiv-normativen) gegenüber einem emotionalisierenden (moralisch-emotionalen) Berichterstattungsstil; Quellentransparenz und Eigenleistungsanteile (Verhältnis redaktionelle Beiträge vs. Agenturbeiträge) sowie Verhältnis zwischen tatsachen- und meinungsbezogenen Darstellungsformaten.

Publizistische Versorgung

Publizistische Versorgung bedeutet in dieser Studie die Grundversorgung des Publikums mit weitverbreiteten Medientiteln der Gattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online. Durch die Erfassung der publizistischen Versorgung der am weitesten verbreiteten Medientitel lässt sich zeigen, wie die Sprachregionen ausreichend medial erschlossen werden. Darüber hinaus lässt sich anhand der Medienunternehmen (und bei Aktiengesellschaften des dahinter stehenden Kontrolleurs) und der Medientitel zeigen, wer diese publizistische Versorgung leistet und inwieweit hier Konzentrationstendenzen festzustellen sind.

Qualität, Qualitätsdimension

Die Qualitätsanforderungen an die öffentliche Kommunikation gehen auf die Aufklärungsbewegung im 18. Jahrhundert zurück. Diese Qualitätsnormen begleiten die Moderne seither und sind auch für dieses Jahrbuch leitend. Es handelt sich um die Qualitätsmerkmale Universalität, Ausgewogenheit, Objektivität und Relevanz. Die Universalitätsansprüche sollen den prinzipiellen Ausschluss von Personen und Gruppen, Meinungen und Themen verhindern. Sie werden mit dem Begriff Vielfalt zum Ausdruck gebracht. Mit dem Anspruch auf Ausgewogenheit verbindet sich sowohl die angemessene Berücksichtigung dieser Vielfalt als auch die von Normen wie Fairness und Gleichmässigkeit. Die klassischen Objektivitätsansprüche münden in Begriffe wie Professionalität, Sachgerechtigkeit, Neutralität und Faktentreue. Und in den Anforderungen an die Relevanz und der damit verbundenen Aktualität steckt der Anspruch, dass die für die Allgemeinheit bedeutenden Dinge und nicht das Private, Episodische und Partikuläre im Zentrum der öffentlichen Auseinandersetzungen zu stehen haben. Ohne die Universalitäts-, Ausgewogenheits-, Objektivitäts- und Relevanznormen können die drei Leistungsfunktionen der Öffentlichkeit nicht erfüllt werden. Ein systematischer Ausschluss von Personen, Parteien oder Minderheiten, Meinungen und Themen sowie die Nichtbeachtung der Objektivitäts- und Relevanznormen verhindern die Meinungsbildung über die gemeinsam zu lösenden Probleme (Forumsfunktion), die Kontrolle und Legitimation der staatlichen Institutionen (Legitimations- und Kontrollfunktion) und die Integration der Bürgerinnen und Bürger (Integrationsfunktion). Die Demokratie ist ohne diese Normen schlechthin nicht möglich. Die vier hier untersuchten zentralen Qualitätsdimensionen sind jene der Vielfalt, Relevanz, Aktualität und Professionalität.

Regelkreise demokratischer Selbststeuerung

Im Modus aktivierter Öffentlichkeit, d.h. bei intensiven Problematisierungen in der Medienarena, entsteht Definitionsmacht, die Druck auf das politische System ausübt. Wenn dieser Druck gross genug ist, muss sich die Politik dem Problem annehmen und die in der öffentlichen Kommunikation entstandene Definitionsmacht verwandelt sich im Parlament in politische Macht, die auf allgemeinen Wahlen gründet. Die Politik reguliert dann in der Sprache des Rechts und mittels administrativer Macht. Diese Verwandlung von Definitionsmacht in politische Macht, in Rechtsetzung und in administrative Macht bildet den aktiven Regelkreis demokratischer Regulierung bei intensiven Problematisierungen. Im Modus passiver Öffentlichkeit, d.h. in der einfachen Beobachtung des politischen Systems, kommt der medienvermittelten Öffentlichkeit eine Legitimations- und Kontrollfunktion zu. In dieser Abfolge passiver und aktiver Öffentlichkeit vollziehen sich fortlaufend die Integration der Gesellschaft und die demokratische Selbstregulierung (Dahrendorf, 1969; Habermas, 1992, S. 399–467; Imhof, 2005).

Reichweite

Die Reichweite gibt an, wie viele Personen in einem bestimmten Zeitintervall (i.d.R. pro Tag) von bestimmten Mediengattungen, -typen bzw. Medientiteln erreicht werden. Zu unterscheiden ist die Reichweite von der Nutzungszeit, die angibt, wie lange eine Mediengattung, ein -typ oder -titel am Tag durchschnittlich genutzt wird.

Relevanz, Relevanzprinzip

Der Qualitätsindikator Relevanz begründet sich durch den Anspruch, dass das Allgemeine gegenüber dem Privaten bzw. das Gesellschaftliche gegenüber dem Individuellen und Partikulären Vorrang hat. Relevanz ist eine der vier zentral untersuchten Qualitätsdimensionen in diesem Jahrbuch. Relevant sind Thematisierungen auf der Ebene der Gesamtgesellschaft und ihrer Teilbereiche (Makroebene). Ebenfalls von Bedeutung sind Thematisierungen von Institutionen und Organisationen (Mesoebene). Liegt der Fokus der Berichterstattung auf Einzelpersonen (Mikroebene) gilt es verschiedene Arten der Personenthematisierung zu unterscheiden: Die anonyme Thematisierung von Personen (Mikroebene anonym) ist häufig ein rhetorisches Mittel der Problemthematisierung. Die Berichterstattung über Personen in ihren Funktionsrollen (Mikroebene rollennah) im Rahmen von Institutionen und Organisationen ist von einer auf das Private und Partikuläre abhebenden Thematisierung (Mikroebene rollenfern) zu unterscheiden. Insgesamt nimmt die Relevanz der Berichterstattung mit einer Gewichtung ab, die sich von Makro-Meso auf Meso-Mikro verlagert und einen hohen Anteil an privater Personenfokussierung (Mikroebene rollenfern) aufweist. Darüber hinaus bezieht sich der Anspruch auf das Allgemeine und Gesellschaftliche in der öffentlichen Kommunikation auf die Thematisierung der zentralen Sphären der Politik, Wirtschaft und Kultur (in Gestalt von Hardnews) gegenüber Sport und Human Interest (Softnews).

Ressort

Ressorts sind Berichterstattungsbereiche vorab der Gattungen Presse und Online, die die Redaktion auf der Seite der Produktion strukturieren und das Produkt mit Blick auf den Medientitel gliedern. Die klassischen Ressorts «Politik» (Ausland, Inland und Region), des Handelsteils bzw. der «Wirtschaft» und des Feuilletons bzw. der «Kultur» sind auf die Beobachtung der gesellschaftlich relevantesten Sphären und ihrer Institutionen, Organisationen und Rollen spezialisiert. Neben diesen klassischen Ressorts wurde auch das Ressort Sport zu einem festen Bestandteil der Medienberichterstattung. Das Vermischte (Seiten mit vermischten Meldungen) erweitert sich im Zuge des neuen Strukturwandels der Öffentlichkeit immer mehr zu einem Angebot für Subjektives, Lebensweltliches, Privates und Intimes und verdichtet sich zu einem eigenständigen Ressort des «Human Interest». Darüber hinaus ist vermehrt eine Entdifferenzierung, also eine Zusammenführung von Stoffgebieten, zu beobachten: Meist auf Kosten der in den klassischen Ressorts Politik, Wirtschaft und Kultur differenzierten Berichterstattung überformen «neuste Nachrichten» die Gliederung der Medienprodukte. Dieses gemischte Nachrichtenressort wird hier als «News» bezeichnet.

Schichtung des Medienangebots/Medienkonsums

Unter Schichtung des Medienangebots wird eine Orientierung der Medien an sozioökonomischen bzw. schichtspezifischen Merkmalen (Einkommen/Bildung) ihrer Zielgruppen verstanden.

Segmentierung des Medienangebots/Medienkonsums

Unter Segmentierung wird eine Orientierung der Medien an kulturellen, ethnischen und demografischen Merkmalen ihrer Zielgruppen verstanden.

Skandalisierung

Der Begriff Skandal bezeichnet empörungsträchtige Enthüllungen. Er markiert den «Sündenfall» im Fluss korrekten Handelns, d.h. den Einbruch von Unordnung in die soziale Ordnung (Imhof, 2002, 73). Der Begriff der Skandalisierung bezeichnet die öffentliche Anprangerung eines Normverstosses durch einen Skandalisierer. Im Strukturwandel der Öffentlichkeit ist eine Veränderung der tripolaren Struktur des Skandals zu beobachten. Während sich die klassische Akteurskonstellation aus einem Skandalisierer, einem Skandalmedium und einem Skandalisierten zusammensetzt, übernehmen häufiger die Medien auch die Rolle des Skandalisierers. Die Empörungsbewirtschaftung ist zu einem wichtigen Instrument im medialen Wettbewerb um knappe Aufmerksamkeit geworden. Entsprechend multiplizieren sich die Skandale.

Softnews

Vgl. Hardnews.

Standardressort

In unterschiedlicher Gewichtung sind die Ressorts Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Human Interest und News feste Elemente der Medienberichterstattung. Diese Standardressorts werden in Printmedien anhand ihrer Seitenüberschriften und/oder Bundstrukturen gekennzeichnet. Zudem werden diese Standardressorts von Spezialseiten bzw. Beilagen abgegrenzt, die eine thematische Zentrierung (Auto, Mode usw.) aufweisen und nicht in jeder Ausgabe erscheinen.

(Neuer) Strukturwandel der Öffentlichkeit

Insbesondere seit den 1970er Jahren haben sich die Medien in der Schweiz von ihren herkömmlichen Trägern, den Parteien, Verbänden, Kirchen und den sozial eingebetteten Verlegerfamilien in Stadt und Land, gelöst. Seit der Dualisierung des Rundfunks in die Segmente öffentlicher sowie privater Radio- und Fernsehveranstalter in den 1980er Jahren bilden die Medien ein weitgehend eigenständiges Teilsystem, das sich primär am Medienkonsumenten und nicht (mehr) am Staatsbürger orientiert und entsprechende Auswahl-, Interpretations- und Darstellungslogiken entwickelt hat.

Universalität, Universalitätsprinzip

Universalität ist ein auf die Aufklärung zurückgehender Anspruch an die Qualität öffentlicher Kommunikation. Wenn die Vernunft an die Stelle der Herkunft gesetzt wird, dann darf kein Thema, keine Meinung und kein Akteur prinzipiell von der öffentlichen Kommunikation ausgeschlossen sein. Das Universalitätsprinzip soll also den prinzipiellen Ausschluss von Personen und Gruppen, Positionen und Themen verhindern. Weder die Auswahl der allgemeinverbindlich zu lösenden Probleme (Forumsfunktion) noch die Validierung der rechtsstaatlichen Institutionen (Legitimations- und Kontrollfunktion) oder die Selbstwahrnehmung der Bürger (Integrationsfunktion) wären ohne Norm der Universalität öffentlicher Kommunikation gewährleistet. Das Universalitätsprinzip hat sich im Qualitätsanspruch der Vielfalt niedergeschlagen. Diese wird in Form der Dimensionen Meinungsvielfalt, Themenvielfalt und Akteursvielfalt operationalisiert.

Vielfalt

Vielfalt ist ein Qualitätsanspruch, der sich auf das Gebot der Universalität bezieht und eine der vier in dieser Studie untersuchten Qualitätsdimensionen darstellt. Hinsichtlich des Anspruchs auf Vielfalt sind drei Aspekte von besonderer Bedeutung für die öffentliche Kommunikation: 1. Meinungsvielfalt: Für den Regelkreis demokratischer Selbststeuerung ist die Meinungsvielfalt in der öffentlichen Kommunikation unabdingbar für die Meinungsbildung und Entscheidungsfindung. 2. Akteursvielfalt: Zur Problemerkennung und für die Problemthematisierung ist die Berücksichtigung der Vielfalt der relevanten Akteure notwendig. 3. Themenvielfalt: Für die Wahrnehmung der Gesellschaft mit all ihren Teilbereichen ist eine angemessene Themenvielfalt in der öffentlichen Kommunikation unverzichtbar. Die Akteurs- und Meinungsvielfalt in der öffentlichen Kommunikation wird in diesem Jahrbuch im Rahmen der Vertiefungsstudie zur Minarettinitiative untersucht. Die Themenvielfalt wird in den Standardressorts der Gattungen Presse und Online sowie in den Informationsformaten der Gattungen Radio und Fernsehen ebenso analysiert wie im Rahmen der Themenagenden (Kommunikationsereignishierarchien) von Presse, Radio, Fernsehen, Online. Dabei gilt es, die Vielfalt mit dem Relevanzprinzip zu verbinden.

Literatur

Dahrendorf, Ralf, 1969: Aktive und passive Öffentlichkeit, in: Das Publikum, hg. von Löffler, Martin, München.

Eisenegger, Mark/Wehmeier, Stefan (Hg.), 2010: Personalisierung der Organisationskommunikation. Theoretische Zugänge, Empirie und Praxis, Wiesbaden.

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