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3. Radio
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3. Radio

  • Infotainment, öffentliches Radio als Qualitätsträger: Durch die Konkurrenz der Gratis- und Online-Medien und durch die weitere Deregulierung des Radiomarktes seit der Neufassung des RTVG im Jahr 2007 kommt die Informationsvermittlung im Radio in jüngster Zeit unter Druck. Allerdings kann der gebührenfinanzierte Hörfunk in den Magazinformaten und den Hauptnachrichtensendungen eine qualitativ gute Informationsvermittlung betreiben, auch wenn die Nutzung dieser Formate sinkt. Die Tradition der Hintergrundberichterstattung und der gesetzliche Leistungsauftrag begünstigen im öffentlichen Radio eine gesamtgesellschaftlich relevante, sprachregional übergreifende und vielfältige Abdeckung von Themen politischer, wirtschaftlicher und kultureller Provenienz. Die öffentlichen Radiosender halten einen Service Public aufrecht, der für die öffentliche Kommunikation unverzichtbar ist. Jenseits dieser Informationsformate der öffentlichen Sender sind die privaten Radioangebote durch den Dauerstrom von Kurzinformation und Unterhaltung, eine episodische Aktualitätsorientierung, geringe Spezialisierung sowie Infotainment gekennzeichnet.
  • Dualisierung und Deregulierung: Bislang hat die Deregulierung des Rundfunks in Form der Dualisierung 1983 und der Liberalisierung von weiteren Marktsegmenten im RTVG von 2007 kaum relevanten Informationsjournalismus bei den Privatanbietern hervorzubringen vermocht. Die redaktionellen Ressourcen sind zu schmal. Vom Standpunkt journalistischer Qualität bleiben die öffentlichen Sender bei den Nachrichten und den auf Hintergrundinformation spezialisierten Informationsformaten konkurrenzlos. Die Privatsender müssen teilweise sogar in ihrer Domäne, den Lokal- und Regionalnachrichten, Qualitätseinbussen hinnehmen. In einem wenig strukturierten Fliessprogramm beschränkt sich der Informationsjournalismus der privaten Sender vorwiegend auf die Vermeldung von Kurznews.
  • Mangelnde Spezialisierung, Eventisierung: Beim Radio generell Mangelware sind Informationsangebote, die auf die für das Gemeinwesen, die Integration und die Demokratie besonders bedeutsamen Gesellschaftssphären der Politik, Wirtschaft und Kultur mit je spezifischen Formaten eingehen. Die öffentlichen Radiostationen schaffen primär in den Magazinen und in den Hauptinformationssendungen die Voraussetzung für eine thematische, einordnende Berichterstattung. Bei den Privaten besteht für eine einordnende Berichterstattung kaum Raum.
  • Integrationsfunktion der Radioangebote: Mit ihren Magazinformaten und den Hauptnachrichtensendungen leisten die öffentlichen Radiosender einen substanziellen Beitrag zur nationalen Integration. Die drei grossen Sprachregionen werden im Vergleich zu anderen Mediengattungen durch die Radiosender der SRG substanziell und in ähnlicher Weise über wichtige nationale, internationale bzw. globale Themen informiert. Dagegen ist der Beitrag zu nationalen oder internationalen Ereignissen der privaten Anbieter auf die Vermittlung von kurzen Agenturbeiträgen limitiert, oder es werden Konflikte, Affären, Bedrohungen oder identitätspolitische Auseinandersetzungen akzentuiert. Im Quervergleich aller Mediengattungen verschaffen die öffentlichen Radiosender am häufigsten Kommunikationsereignissen Geltung, die sich auf parlamentarische Prozesse beziehen (z.B. Gesundheitsreform, ALV-Debatte). Hier übernehmen die öffentlichen Radiosender eine für die Demokratie zentrale Vermittlungsleistung.
  • Vielfalt und Relevanz: Themen von gesellschaftspolitischer Relevanz stammen vor allem von den öffentlichen Radiosendern. Wenn private Radiostationen relevante Themen (Politik, Kultur, Wirtschaft auf Makro- oder Mesoebene) aufgreifen, so handelt es sich überwiegend um eine übernommene Relevanz, die auf Agenturbeiträge abstellt. Die öffentlichen Sender kompensieren ihr Defizit an spezialisierten Sendungen über Politik, Wirtschaft und Kultur durch ein insgesamt vielfältiges Angebot an relevanten Themen aus Politik, Wirtschaft und (weniger ausgeprägt) Kultur im Nachrichtenformat. Die Privatsender sind demgegenüber gleich doppelt eingeschränkt. Werden nationale Vorgänge thematisiert, so spielen Hintergrundinformationen kaum eine Rolle. Und bei einer Mehrzahl der privaten Radiosender ist die Lokal- und Regionalberichterstattung kaum politisch, wirtschaftlich oder kulturell relevant. Bemerkenswert ist, dass die globale Finanz- und Wirtschaftskrise – trotz ihrer Tragweite – nicht auf der Radioagenda der 20 grössten Kommunikationsereignisse im letzten Quartal 2009 figuriert. Auch die öffentlichen Radiosender räumen diesem Thema einen nur unterdurchschnittlichen Stellenwert ein.
  • Lokalisierung, Partikularisierung, Eventisierung: Die profilgebende, weil exklusiv bewirtschaftete lokalregionale Themenstruktur ist bei den Privaten durch eine starke Human Interest-Orientierung charakterisiert. Im Gegensatz zu den öffentlichen Sendern produzieren die privaten Radiosender zudem deutlich weniger nachhaltige Berichterstattungsfolgen, d.h., sie lösen das Geschehen in einzelne Episoden auf. Diese regionale Boulevardisierung und Eventisierung der Berichterstattung ist in Verbindung mit höherer Personalisierung und Privatisierung Ausdruck eines ressourcenarmen Allroundjournalismus, der Aufmerksamkeit mittels Inszenierungslogiken bindet. Obwohl dieser Journalismus primär von Agenturen und der Beobachtung der Medienarena seine eigenen Themen gewinnt, sind die anderen Medien kein Thema der Berichterstattung.