4. Fernsehen
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Dualisierung und Deregulierung: Das Scheitern der nach der Dualisierung des Rundfunks ab 1983 entstandenen sprachregionalen Privatsender und der Programmfenster ausländischer Sender belegt die grundsätzlichen Schwierigkeiten des begrenzten Fernsehmarkts in der Schweiz. Auch die weitere Liberalisierung des Werbemarkts hat die ökonomische Situation für die privaten Anbieter nicht verbessert. Informationsjournalismus im Fernsehen bleibt auf die gebührenfinanzierten öffentlichen Angebote angewiesen, allein schon weil die Werbeeinnahmen nicht vorwiegend dem Privatfernsehen in der Schweiz, sondern den zur Unterhaltung genutzten ausländischen Privatprogrammen zufliessen. In der Schweiz hat sich deshalb bislang kaum ein relevanter Informationsjournalismus privater Anbieter entwickeln können.
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Liberalisierung und Publikumsverschiebungen: Während von der Werbeliberalisierung in der Neufassung des RTVG 2007 vor allem die Werbefenster ausländischer Anbieter profitieren, ist die SRG durch ein Defizit belastet, wobei weder eine Gebührenerhöhung noch steigende Werbeeinnahmen in Aussicht stehen. Das öffentliche Fernsehen kommt zusätzlich durch den Wandel der Publikumsnutzung unter Druck. Junge Publikumssegmente wenden sich vom öffentlichen Fernsehen ab und den Onlinemedien und Gratiszeitungen zu, die Nutzung der Informationsformate sinkt. Dasselbe gilt für Migrantenpopulationen, die immer stärker ihre Herkunftsmedien nutzen.
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Infotainment, Personalisierung und Emotionalisierung: Die Bedeutung des Infotainment im Bildmedium Fernsehen zeigt sich im Informationsprogramm an der Ausdifferenzierung von spezialisierten Human Interest-Sendungen, nicht nur bei den Privaten, sondern auch bei den öffentlichen Anbietern. Das Fernsehen neigt in allen Formaten zu einer stärkeren Vermittlung von Softnews. Auch die Magazine der öffentlichen Programme weisen einen erheblichen Boulevardisierungsanteil auf. Aber auch in den Hauptinformationssendungen wird eine zunehmende Human Interest-Orientierung deutlich, und im Vergleich zum Radio werden die Mittel der Emotionalisierung und Personalisierung häufiger eingesetzt.
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Integrationsfunktion: Vor allem die ersten Programme des öffentlichen Fernsehens tragen zu einer Fernsehagenda mit Themen von gesellschaftsweiter Relevanz bei. Aufgrund der stärker personalisierenden, emotionalisierenden und episodischen Berichterstattung ist die Integrationsleistung des öffentlichen Fernsehens verglichen mit dem Radio geringer. Die Privatsender konzentrieren sich auf einige wenige Topthemen, häufig aus dem Human Interest und Sport. Aufgrund des hohen Anteils an regionalen und lokalen Themen ist die überregionale und nationale Integrationsleistung der allerdings für Regionen konzessionierten Privatsender sehr bescheiden.
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Spezialisierung: Die Spezialisierung des Informationsangebots ist im Fernsehen im Vergleich zum Radio deutlich grösser. Das Fernsehen widmet den zentralen Sphären Politik und Kultur eigene Sendeformate. Auffallend ist aber, dass auch im öffentlichen Fernsehen spezialisierten Angeboten zum Wirtschaftsgeschehen wenig Raum und damit Bedeutung zugemessen wird.
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Vielfalt und Relevanz: Relevante Themen werden wesentlich häufiger von den öffentlichen Sendern beigesteuert als von den Privaten. Dies bezieht sich sowohl auf innenpolitische wie auf internationale Vorgänge. Die Aufbereitung dieser Themen ist weniger episodisch als bei den Privaten und trägt stärker zur Forums-, zur Legitimations- und Kontroll- sowie zur Integrationsfunktion öffentlicher Kommunikation bei. Auch die öffentlichen Kulturmagazine und kulturellen Foren gewährleisten eine einordnende Berichterstattung. Allerdings fallen Vielfalt und Relevanz der Auslandsberichterstattung des Fernsehens gegenüber jener des Radios ab. Im Privatfernsehen ist der Umfang des Informationsangebots deutlich geringer, was die mögliche Vermittlungsleistung von vornherein einschränkt. Zudem spezialisieren sich die Privaten auch beim vertiefenden Magazinformat überwiegend auf Human Interest.
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Lokalisierung, Partikularisierung und Eventisierung: Das Qualitätsgefälle zwischen den öffentlichen und privaten Fernsehveranstaltern präsentiert sich in analoger Weise wie beim Radio. Die Agenden der Privatfernsehen sind stark mit Human Interest-Themen durchsetzt: (Lokal-)Prominenz und Affären, Wetter, Unfälle sowie Mord und Totschlag. Darüber hinaus werden bei den Privatsendern der Deutschschweiz die Politik- und Wirtschaftsthemen stärker personalisierend, skandalisierend und privatisierend aufbereitet. Die Vermittlung von Hintergründen und die Einordnung der Ereignisse finden kaum statt. Der bei den Privatsendern verbreitete Allroundjournalismus muss die zu wenig spezialisierten redaktionellen Strukturen und die knappen Ressourcen kompensieren. Dies fördert die Softnewsorientierung.
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