5. Online
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Nivellierung publizistischer Qualität in der Medienarena: Die jüngste aller untersuchten Mediengattungen lenkt die Publikumsflüsse erfolgreich von den traditionellen Trägern der Publizistik, den Abonnementszeitungen und dem öffentlichen Radio, weg. Newssites sind – als Folge der unzureichenden finanziellen und personellen Ressourcenausstattung – durch eine weniger vielfältige und relevante sowie eine stark ereignisgetriebene Auswahl-, Darstellungs- und Interpretationslogik gekennzeichnet. Es dominiert ein aktualitätsgetriebener 24/7-Journalismus, der im Vergleich aller Gattungen der Informationsmedien am stärksten vom Einkauf und der Mehrfachverwertung vorgefertigter Inhalte lebt. Von den Newssites geht zusammen mit den Gratiszeitungen die grösste Veränderungskraft in der Schweizer Medienarena aus. Die Newssites konkurrenzieren als Gratisprodukte ihre auf Einnahmen angewiesenen Pressetitel, ohne dabei selbst ausreichend finanzielle Mittel zu erwirtschaften. Die tieferen Qualitätsstandards im Onlinesegment nivellieren traditionelle publizistische Qualitätsstandards in der Medienarena und es besteht die Gefahr eines negativen Reputationstransfers auf die Mutterblätter, gerade weil die Newssites von der Reputation der Mutterblätter leben. Schliesslich schmälert die Nutzungszunahme von Newssites durch jüngere Bürgerinnen und Bürger die Abonnementseinnahmen der Printtitel und bewirkt negative Sozialisationseffekte bezüglich des Qualitäts- und Kostenbewusstseins für Journalismus.
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Finanzierungsprobleme, Selbstkannibalisierung: Durch die Einführung der Gratiszeitungen und die Lancierung der Newssites ist es zu einer Selbstkannibalisierung des traditionellen Pressesektors gekommen. Die Stammmedien verlieren an Leserschaft, während sich auf der anderen Seite die Onlineangebote nicht in ausreichendem Mass durch Werbung refinanzieren können. Es sind deshalb wieder verstärkt Bestrebungen im Gang, kostenpflichtige Onlineangebote zu lancieren (international u.a.: Times und Sunday Times der News Corp; New York Times; Schweiz: kostenpflichtige iPad-Ausgabe des Tages-Anzeigers). So lange konzertierte Aktionen ausbleiben, die diese Informationsleistungen mit einem Preis versehen, sind die Erfolgsaussichten dieser Vorhaben jedoch skeptisch zu beurteilen.
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Vielfalt, Relevanz und Aktualität: Die finanziell und personell schlecht ausgestatteten Onlineredaktionen stehen unter enormem Aktualitätsdruck. Doppelzeichnungen von minimal abgeänderten, «aufgepeppten» Agenturbeiträgen sowie die Rezyklierung vorgefertigter Inhalte prägen die Arbeitskultur. Die Vielfalt und Relevanz des Themenspektrums ist in Onlinemedien stark eingeschränkt. Es dominieren einige wenige Topthemen mit Vorliebe aus dem Human Interest- und dem Sportbereich. Auffallend ist auch eine überdurchschnittlich starke Fokussierung auf die emotional aufgeladene Identitätspolitik. Hintergrundinformationen sind im Onlinesegment Mangelware, und der Aktualitätsdruck in Form des 24/7-Journalismus prägt die journalistischen Produktionsroutinen so stark, dass längerfristige politische und wirtschaftliche Zusammenhänge kaum reflektiert werden. Nutzer, die die Welt über die Newssites wahrnehmen, erhalten kaum einordnende Erklärungsmuster für den rasend erscheinenden Verlauf der Dinge.
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Nivellierung der Qualität im Abonnement-Online: Auch in den Newssites der Abonnementszeitungen wird der im Online dominierende Boulevardisierungstrend nicht gebrochen. Die relevanten Sphären Politik, Wirtschaft und Kultur werden in den Onlineausgaben der Abonnementszeitungen mit wenigen Ausnahmen (NZZ Online) deutlich weniger häufig thematisiert als in ihren Mutterblättern. Die Newssites der Abonnementsmedien fokussieren im Quervergleich aller Onlinemedien zwar am stärksten auf gesamtgesellschaftlich relevante Sachverhalte. Der Typus Abonnement-Online weist aber im Vergleich zu den Presseausgaben auch eine ausgeprägte Nivellierung dieser relevanten Themenbereiche nach unten auf, d.h., Abonnement-Online passt sich den Mustern der Themenbewirtschaftung der Gratis- und Boulevardzeitungen an. Sehr stark in diese Richtung positionieren sich Tagesanzeiger.ch und die Newssites von Tribune de Genève und 24 heures, umgekehrt orientiert sich das Onlineportal der NZZ am meisten an der Mutter.
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Boulevard-Online und Gratis-Online: In den Newssites der Boulevardmedien dominiert die Sport- sowie die Human Interest-Berichterstattung über Unfälle, Verbrechen und lebensweltliche Kuriositäten. Politische und wirtschaftliche Themenbereiche werden dagegen vernachlässigt, ausser sie eignen sich zur Personalisierung, Dramatisierung oder Skandalisierung. Die im Vergleich zu ihren Offlineausgaben sogar leicht höheren Anteile an Politik-, Wirtschafts- und Auslandthemen im Boulevard-Online und Gratis-Online sind eine Folge der Verwertung von Agenturbeiträgen.
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Agendarelevanz der Newssites: Durch ihre intensive Beachtung durch Journalisten generell, durch die leicht messbare Nutzung der Informationseinheiten und durch den hohen Aktualitätsdruck zum Zwecke einer möglichst hohen Clickrate werden die Newssites wichtig für die laufende Neubestimmung der Agenda der Medienarena insgesamt.
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