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Hauptbefunde
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Hauptbefunde

Mark Eisenegger, Esther Kamber, Kurt Imhof

Bereits im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung entstand im Stadtstaat Athen eine der wirkmächtigsten Utopien der Menschheit, nämlich jene, dass eine freie Gesellschaft eine freie öffentliche Kommunikation voraussetzt, in der sich das bessere Argument durchsetzen kann. In der Tat zeigt die Geschichte der Demokratie, dass diese ohne qualitativ gute Öffentlichkeit zerfällt. Die Öffentlichkeit dient der Wahrnehmung und Diskussion der allgemeinverbindlich zu lösenden Probleme (Forumsfunktion). Sie erfüllt eine Legitimations- und Kontrollfunktion gegenüber den Staatsgewalten und den Machtträgern der Gesellschaft. Und ohne Öffentlichkeit liesse sich die zwischen den Bürgerinnen und Bürgern notwendige Loyalität nicht erzeugen, die für eine sich selbst regulierende Rechtsgemeinschaft unverzichtbar ist (Integrationsfunktion). Die Qualität der Demokratie ist somit untrennbar mit der Qualität der Öffentlichkeit verknüpft, die durch die Vermittlungsleistungen von Informationsmedien hergestellt wird.

Allerdings entbehrt das seit dem Niedergang der Parteizeitungen und seit der Dualisierung der audiovisuellen Medien in den 1980er Jahren zu einer eigenständigen Sphäre ausdifferenzierte Mediensystem einer kritischen Beobachtungsinstanz, die die Veränderungen dieses Mediensystems und der Qualität der öffentlichen Kommunikation nachzeichnet und dem öffentlichen Diskurs aussetzt. Um diese Lücke zu schliessen, wurde das Jahrbuch «Qualität der Medien – Schweiz Suisse Svizzera» geschaffen. Es verschafft im Jahr 2010 erstmalig, und danach, solange sich hierfür die nötigen Mittel finden, jedes Jahr neu einen Überblick über die Veränderungen der publizistischen Versorgung und der Medienqualität in der Schweiz. Sprachregionale Unterschiede der publizistischen Versorgung, die Publikumsflüsse zwischen verschiedenen Mediengattungen, die Eigentums- und Einnahmestrukturen der Verlage, Konzentrationsprozesse sowie die Veränderungen des Medienkonsums werden ebenso aufgezeigt wie der Wandel der Inhalte und der Berichterstattungsqualität. Berücksichtigt werden sämtliche Gattungen der Informationsmedien, das heisst Pressetitel, Informationssendungen der privaten und öffentlichen Radio- und Fernsehanbieter sowie die Newssites des Onlinesegments.

Das Jahrbuch wird erarbeitet durch den fög – Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft/Universität Zürich (www.foeg.uzh.ch). Es wird gefördert von der gemeinnützigen Stiftung Öffentlichkeit und Gesellschaft (www.oeffentlichkeit.ch) und von vielen Donatoren. Sein Ziel ist die Stärkung des Bewusstseins für die Qualität der Medien in der Schweiz. Das Jahrbuch bildet eine Quelle für Medienschaffende, Akteure aus Politik und Wirtschaft, die Wissenschaft und für alle Interessierten, die sich mit der Entwicklung der Medien und ihren Inhalten auseinandersetzen. Die Forschungsbefunde werden nicht nur in diesem Jahrbuch publiziert, sie sind zusätzlich auf der Website www.qualitaet-der-medien.ch abrufbar. Hier finden sich auch zusätzliche Analysen, die dann jeweils wieder im nächsten Jahrbuch Beachtung finden.

Die Untersuchung der Schweizer Medienarena vollzieht sich auf zwei Ebenen. Erstens wird die publizistische Versorgung, d.h. die Merkmale und die Veränderungsdynamik der medialen Infrastruktur in der Schweiz, untersucht. Zweitens werden die bedeutendsten Medientitel aller Gattungen (Presse, Radio, Fernsehen, Online) einer inhaltlichen Qualitätsvalidierung unterzogen.

1. Analyse der publizistischen Versorgung in der Schweiz: Vergleichbar dem Verkehrsnetz ist die mediale Infrastruktur der Informationsmedien ein zentraler Teil der gesellschaftlichen Infrastruktur und bildet einen für die demokratische Selbstregulation unverzichtbaren Service Public. Vom Zustand der medialen Infrastruktur hängt ab, ob die Öffentlichkeit den für das Funktionieren des Gemeinwesens notwendigen Qualitätsansprüchen genügen kann. Deshalb werden in diesem Jahrbuch in einem ersten Schritt die wesentlichen Merkmale und Veränderungen der publizistischen Versorgung in der Schweiz untersucht. Datengrundlage bilden Sekundärdaten der einschlägigen Forschung zur Nutzung und Verbreitung derjenigen Medientitel, die mindestens 0.5% des sogenannten «Universums» (d.h. alle Personen in den grossen Sprachregionen ab 15 Jahren) erreichen. Im Jahre 2009 handelte es sich hierbei um 148 Titel. Darüber hinaus werden aus verschiedenen Quellen medienökonomische Daten sowie Daten zu den Medienunternehmen als Kontrolleure und Produzenten der relevanten Medientitel in die Untersuchung einbezogen.

2. Qualitätsvalidierung der bedeutendsten Schweizer Medientitel: Die Validierung der Qualität der Berichterstattung erfolgt anhand der vier Dimensionen Vielfalt, Relevanz, Aktualität und Professionalität. Diese Qualitätsdimensionen leiten sich aus den Anforderungen an die öffentliche Kommunikation ab, wie sie ursprünglich von der Aufklärungsbewegung geprägt wurden (vgl. Einleitung). Sie sind in den journalistischen Leitbildern und Ethiken, in der Medienpolitik sowie in der sozialwissenschaftlichen Qualitätsforschung weiterentwickelt worden. Aus dem Grundsample der 137 Medientitel wurde ein Teilsample der 46 bedeutendsten Medientitel der Mediengattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz ausgewählt und einer inhaltlichen Qualitätsvalidierung unterzogen (vgl. Anhang: Methodik).

Im Folgenden werden die Hauptbefunde der Untersuchung zur publizistischen Versorgung und zur Berichterstattungsqualität in der Schweiz zusammengefasst. Die Hauptbefunde werden analog zur Struktur des Jahrbuchs in folgende Abschnitte unterteilt:

1. Medienarena (Kapitel I): Dieser Abschnitt bilanziert die Hauptbefunde zur publizistischen Versorgung und zur Berichterstattungsqualität für die gesamte Medienarena Schweiz. Von besonderem Interesse sind hier die Unterschiede zwischen den Mediengattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online.

2. Gattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online (Kapitel II–V): Im Anschluss an die gattungsübergreifenden Befunde zur Medienarena Schweiz folgen die spezifischen Analyseresultate für die einzelnen Gattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online, auch im sprachregionalen Vergleich.

3. Vertiefungsstudien (Kapitel VI): Schliesslich werden die Hauptbefunde der beiden Vertiefungsanalysen bilanziert. Für dieses Jahrbuch wurden die Berichterstattung über die Minarettinitiative sowie die Wirtschaftsberichterstattung unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Krise einer detaillierten Untersuchung unterzogen.