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II.2 Qualitätsvalidierung
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II.2.4 Professionalität

Die Qualitätsansprüche, die mit Professionalität verknüpft werden, gründen im klassischen Gebot der Objektivität auf dem öffentlichen Räsonieren. In den Binnennormen des Journalismus (vgl. etwa http://www.impressum.ch) wird die Professionalität der Berichterstattung mit Ansprüchen auf Sachgerechtigkeit, Sachlichkeit, Neutralität, Transparenz, Ausgewogenheit und thematische Kompetenz entsprechend eingefordert. Im vorliegenden Jahrbuch wird die Professionalität der Berichterstattung – neben den Vertiefungsanalysen zur Minarettinitiative und zur Wirtschaftberichterstattung (vgl. Kapitel VI) – in allen Pressetypen und -titeln über vier Indikatoren erfasst: Zeichnung der Beiträge, Anteil der redaktionell verantworteten Leistung gegenüber Agenturleistungen, Verhältnis der journalistischen Darstellungsformen zwischen tatsachen- und meinungsbezogenen Beiträgen sowie die Bedeutung des kognitiv-normativen gegenüber des moralisch-emotionalen Stils der Berichte. Wie alle Qualitätsvalidierungen in diesem Jahrbuch wird diese auf zwei Ebenen vorgenommen:

1. Informationsangebotsanalytik: Die Validierung der Professionalität der Berichterstattung auf der Ebene des Informationsangebots basiert auf allen Beiträgen der Standardressorts (vgl. Kapitel II.2.1) der Wochen- bzw. Tagesstichprobe im Zeitraum vom 23. bis zum 29. November 2009. Geprüft wird das Verhältnis von ungezeichneten, übernommenen und redaktionellen Beiträgen sowie das Aufkommen von unterschiedlichen journalistischen Darstellungsformen in allen Standardressorts und des Berichterstattungsstils in den Kernressorts Politik, Wirtschaft und News.

2. Frontseitenanalytik: Die Validierung der Professionalität der Berichterstattung hinsichtlich des Berichterstattungsstils wird ebenfalls für alle Frontseiten im letzten Quartal 2009 durchgeführt (5. Oktober bis 31. Dezember 2009). Dabei wird geprüft, welcher Berichterstattungsstil vorherrscht. Ausserdem interessiert der Unterschied zwischen den Berichterstattungsstilen in den Pressetypen und -titeln mit Bezug auf die wichtigsten Kommunikationsereignisse im genannten Zeitraum.

Professionalität

Professionalität wird mit Hilfe der Indikatoren Beitragszeichnung, Redaktions- versus Agenturleistung, journalistische Darstellungsformen und kognitiv-normativer versus moralisch-emotionaler Berichterstattungsstil untersucht. Diese Indikatoren beziehen sich auf die Professionalitätsnormen Transparenz, thematische Kompetenz, Sachgerechtigkeit, Ausgewogenheit, Neutralität und Sachlichkeit.

Die Zeichnung der Berichterstattung ist die Bedingung von Transparenz und ein zentrales Informationsfaktum. Der Anteil der Eigenleistungen verweist auf die Verantwortlichkeit der Redaktion, aber ebenso auf den Anspruch auf thematische Kompetenz von Redaktionen in der eigenständigen Auswahl, Recherche, Darstellung und Interpretation des Geschehens.

Das Verhältnis der journalistischen Darstellungsformen zwischen tatsachen- und meinungsbezogenen Beiträgen rekurriert auf die Sachgerechtigkeit und Ausgewogenheit journalistischer Vermittlungsleistungen bezüglich kognitiver Sachverhalte genauso wie mit Bezug auf normative Positionen. Weitergehend basiert die Trennung von Nachricht und Meinung auf dem Gebot der Neutralität und der Transparenz.

Und schliesslich bezieht sich die Unterscheidung von kognitiv-normativen Berichterstattungsstilen gegenüber moralisch-emotionalen Stilen in Gestalt subjektivistischer und moralisierender Artikel direkt auf die Sachlichkeit journalistischer Vermittlung.

Professionelle Qualität – wie sie hier gemessen wird – bedeutet: Quellentransparenz, redaktionelle Eigenleistung, sachgerechter und ausgewogener Einsatz journalistischer Darstellungsformen und sachliche Vermittlung in einem überwiegend kognitiv-normativen Stil.

II.2.4.1 Informationsangebotsanalytik

Pascal Bürgis

Bei der Untersuchung des Informationsangebots interessiert der Quellennachweis in Form der Zeichnung der Beiträge sowie der Grad der redaktionellen Eigenleistung im Vergleich zu Agenturleistungen. Die Transparenz der Quelle ist für die Glaubwürdigkeit von Information entscheidend und ein wesentliches Informationsfaktum für sich. Ausserdem erschöpft sich journalistische Leistung nicht in der Auswahl vorgefertigter Beiträge, sondern zeichnet sich durch eine eigenständige Auswahl, Recherche, Darstellung und Interpretation relevanten Geschehens aus.

Vertiefend untersucht werden die einzelnen Standardressorts, um die Anteile an journalistischen Ressourcen festzustellen, die in die einzelnen Ressorts einfliessen. Ebenfalls von Interesse ist das Verhältnis zwischen tatsachen- und meinungsbezogenen Beiträgen. Schliesslich wird der Berichterstattungsstil (kognitiv-normativ versus moralisch-emotional) in den Kernressorts Politik, Wirtschaft und News geprüft.

Quellentransparenz und redaktionelle Eigenleistung

Eine Professionalitätskluft besteht hinsichtlich der Quellentransparenz: Das Qualitätsgefälle zwischen den Pressetypen Gratis- (69% ohne Quellenangaben) und Boulevardmedien (55%) einerseits und den Sonntagszeitungen bzw. dem Magazin (28%) sowie der Abonnementspresse (20%) andererseits ist gross. Damit fehlen jedoch auch in den Sonntagszeitungen und dem Magazin sowie in der Abonnementspresse bei rund einem Viertel bis einem Fünftel der Beiträge die Quellenangaben. Die höchste Quellentransparenz haben die Pressetitel NZZ, NZZ am Sonntag, Berner Zeitung sowie die Weltwoche (alle unter 2% ungezeichnete Beiträge). Die Mehrzahl der Beiträge ohne Angaben (über 60%) publizieren Blick, 20 Minuten, 20 minutes sowie Corriere del Ticino.

Ein ähnliches Gefälle zwischen den Pressetypen zeigt sich auch hinsichtlich des Anteils redaktioneller Eigenleistungen: Eine bedeutend höhere redaktionelle Eigenleistung haben die Sonntagszeitungen und das Magazin (66%) sowie die Abonnementszeitungen (58%) gegenüber den Boulevard- (40%) und Gratismedien (27%) vorzuweisen. Auf der Ebene der einzelnen Pressetitel sind die NZZ, der Tages-Anzeiger, die Berner Zeitung, die Neue Luzerner Zeitung, Tribune de Genève, die NZZ am Sonntag sowie die Weltwoche mit einem Anteil von über 70% redaktioneller Eigenleistung führend. Sehr wenig redaktionelle Eigenleistungen bieten 20 Minuten, 20 minutes und Corriere del Ticino mit einem Anteil von unter 30%.

Fazit

Setzt man die Resultate bezüglich Quellentransparenz und Eigenleistung mit der Abdeckungsquote, d.h. der kumulierten Auflagenzahl eines Pressetyps im Verhältnis zur Bevölkerungszahl pro Sprachregion (vgl. Kapitel II.1), in Zusammenhang, so bedeutet der Siegeszug der Gratispresse in der Deutschschweiz und noch stärker in der Suisse Romande einen grundsätzlichen Professionalitätsverlust in der schweizerischen Presselandschaft. Dies gilt sowohl hinsichtlich der Quellentransparenz als auch hinsichtlich der redaktionellen Eigenleistung.

Quellentransparenz und redaktionelle Eigenleistung in den Standardressorts

Inwieweit Quellentransparenz und redaktionelle Eigenleistung in den einzelnen Standardressorts gegeben sind, zeigt die folgende Analyse (vgl. Darstellungen II.2.27, II.2.28, II.2.29, II.2.30, II.2.31 und II.2.32). Die Professionalitätskluft zwischen den Sonntagszeitungen, dem Magazin und der Abonnementspresse auf der einen, und der Boulevard- und Gratispresse auf der anderen Seite, akzentuiert sich dabei. Sie ist am grössten im Politik-, Wirtschafts- und Newsressort, also in den Kernbereichen öffentlicher Kommunikation. Die Boulevard- und Gratispresse mit einer personalisierenden, privatisierenden und episodischen Politikberichterstattung (vgl. Kapitel II.2.2 und II.2.3) machen die Quellen der Berichterstattung in allen Kernressorts − ausser in der Kulturberichterstattung − nur in geringem Masse transparent und produzieren wenig redaktionelle Eigenleistung.

Im Gegensatz dazu stehen die Abonnements- sowie Sonntagszeitungen und das Magazin, wobei erstere einen leicht geringeren Anteil redaktioneller Eigenleistung aufweisen. Führend sind die Abonnementszeitungen im Politikressort. Dabei fliesst bei vielen Titeln ein beachtlicher Teil der journalistischen Ressourcen in die Regionalberichterstattung: Insgesamt ist der Eigenleistungsgrad der Abonnementspresse hier mit 74% am höchsten. Diese Konzentration von journalistischen Ressourcen auf die Regionalberichterstattung ist in den regionalen und überregionalen Abonnementzeitungen unterschiedlich (vgl. Kapitel II.2.1.1): Bei Le Temps und der NZZ ist die Regionalberichterstattung am geringsten und entsprechend fliessen mehr journalistische Ressourcen in die nationale und internationale Politikberichterstattung. Die meisten Abonnementszeitungen haben aber einen Schwerpunkt der redaktionellen Eigenleistung in der Lokal- und Regionalberichterstattung. Die lokale bzw. regionale Zielgruppenfokussierung kennzeichnet diese als regionale Abonnementszeitungen.

Die grösste redaktionelle Eigenleistung erbringen die Sonntagszeitungen und das Magazin in den Ressorts Wirtschaft, Sport, Human Interest und News. Im Vergleich dazu sind bei der Abonnementspresse die Eigenleistungen im Human-Interest-, Sport- und Wirtschaftsressort unterdurchschnittlich. Im Wirtschaftsressort leisten Sonntagszeitungen und das Magazin − mit Ausnahme des Sonntagsboulevards − nicht nur den höchsten Anteil an eigenständiger Auswahl, Darstellung und Interpretation von Vorgängen in der Welt, sondern sie gewichten die Wirtschaftsberichterstattung auch am stärksten (vgl. Kapitel II.2.1.1).

Einen deutlich geringeren Anteil an selbstrecherchierten und verfassten Beiträgen als die Abonnements- sowie Sonntagszeitungen und das Magazin weist die Boulevardpresse im Politik-, Wirtschafts- und Newsressort auf. Die Politik- und Wirtschaftsberichterstattung wird nicht nur strukturell (vgl. Kapitel II.2.1.1), sondern auch bezüglich journalistischer Eigenleistung vernachlässigt. Trotz ihrer Ausrichtung auf Human Interest (vgl. Kapitel II.2.1.1 und II.2.1.2) ist der Eigenleistungsbeitrag selbst im Kernbereich der Boulevardmedien tiefer als bei den Pressetypen Abonnements- sowie Sonntagszeitungen und Magazin. Den höchsten Eigenleistungsanteil haben die Boulevardmedien im Kulturressort. Allerdings ist die Kulturberichterstattung marginal (vgl. Kapitel II.2.1.1) und besteht primär aus TV-Programmhinweisen.

Die Gratismedien weisen mit Ausnahme der Wirtschaftsberichterstattung in allen Standardressorts die geringste redaktionelle Eigenleistung sowie den höchsten Anteil an Beiträgen ohne Quellentransparenz auf. Trotz Ressortdifferenzierung setzt die Gratispresse in den Kernbereichen öffentlicher Kommunikation kaum redaktionelle Ressourcen zur eigenständigen Berichtverfassung ein, und der professionelle Wert der Quellentransparenz wird weitgehend ignoriert.

Fazit

Die äusserst geringe Quellentransparenz der Gratiszeitungen (und der Boulevardpresse) vermindert die Glaubwürdigkeit von Information. Durch den tiefen Anteil an redaktioneller Eigenleistung besonders im Politik- und Wirtschaftsressort wird die journalistische Professionalität nach unten nivelliert. Information hat hier im Grunde «Warencharakter» angenommen, sie wird anonym erstellt und gehandelt. Dagegen bewahren die Sonntagszeitungen, das Magazin sowie die Abonnementspresse professionelle Qualitätsstandards und vermitteln zu einem wesentlich höheren Anteil selbsterstellte und zuzuordnende Beiträge. Damit tragen sie wesentlich zur Forumsfunktion, zur Kritik- und Kontrollfunktion und zur Integrationsfunktion öffentlicher Kommunikation bei.

Journalistische Darstellungsformen, journalistische Kompetenz und redaktionelle Ressourcen

Lässt sich die Nivellierung nach unten, wie sie sich anhand der Quellentransparenz und der redaktionellen Eigenleistung zeigt, auch am Einsatz von journalistischen Darstellungsformaten beobachten? Unterschiedliche journalistische Darstellungsformen dienen in der öffentlichen Kommunikation der Informationsvermittlung und der Meinungsbildung. Die Vermittlung von Information und Meinung unterliegt zudem dem Neutralitätsgebot der Trennung von Nachricht und Wertung. Bei Berichten und (Agentur-)Meldungen handelt es sich vorwiegend um tatsachenbetonte Darstellungsformen. Im Gegensatz dazu haben meinungsbetonte Darstellungsformen eine einordnende und interpretierende Funktion. Zwischen den Polen von tatsachen- und meinungsbetonten Darstellungsformaten variiert der Bedarf an journalistischer Kompetenz. Für Reportagen und Porträts ist der Rechercheaufwand hoch, weil Hintergrundberichterstattung ohne detaillierte Wissensaneignung nicht möglich ist. Kommentare und Leitartikel müssen Fachwissen mit analytischen Kompetenzen kombinieren, um eine differenzierte Meinungsbildung über Folgeeffekte zu ermöglichen.

Die Gratis- und Boulevardmedien nutzen die meinungsbetonten Formate am wenigsten und darüber hinaus ist der Eigenleistungsanteil auch bei den tatsachenbetonten Formaten am geringsten (vgl. Darstellung II.2.33). So ist der Anteil eigenständiger Verfassung von tatsachenbetonten Berichten bei den Gratis- (36%) und Boulevardblättern (64%) geringer als bei der Abonnementspresse (74%) und den Sonntagszeitungen sowie beim Magazin (86%). Allerdings sorgt auch die Sonntagsboulevardpresse für eine Nivellierung nach unten: 75% der Berichte sowie der (Kurz-)Meldungen stellen keine redaktionelle Eigenleistung dar. Die besonders rechercheintensiven Darstellungsformate der Reportage und des Porträts werden bei den Sonntagszeitungen und beim Magazin (92%) sowie den Abonnementszeitungen (88%) fast ausschliesslich auf der Basis von journalistischen Eigenleistungen produziert. Im Vergleich dazu handelt es sich bei den Boulevard- und Gratismedien um 44 bzw. 62% Eigenleistung.

Nicht nur bei den rechercheintensiven Reportagen und Porträts, sondern auch bei den Fachwissen und analytische Kompetenz erfordernden Kommentaren, Leitartikeln und Interviews zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Pressetypen: Kommentare und Leitartikel, Reportagen und Porträts sowie Interviews sind bei der Abonnementspresse hauptsächlich im Politikressort verortet. Bei den Sonntagszeitungen und beim Magazin finden diese meinungsbildenden Darstellungsformen in erster Linie im Newsressort statt; sie bilden in ihren Ressortstrukturen gemischte Analyse- und Meinungsseiten aus.

Demgegenüber fokussieren die Gratiszeitungen auf den Human Interest: Interviews mit und Porträts von Prominenten aus dem Showbusiness («People») sowie Ratgeberkolumnen («Doktor Sex») vermitteln den 15- bis 34-jährigen Zielgruppenkonsumenten (vgl. Kapitel II.1), wer oder was gerade «in» oder «out» ist. In der Boulevardpresse werden meinungsbildende Formate schwerpunktmässig im Sport- und im vom Human Interest durchwirkten Newsressort (vgl. Kapitel II.2.1.1 und II.2.2.1) eingesetzt.

Fazit

Generell finden sich rechercheintensive Reportagen und Porträts sowie meinungsbetonte Beiträge selten. Bei diesen ressourcenintensiven Darstellungsformaten lässt sich neben den Sonntagszeitungen, die mit einem Anteil von 25% noch am besten abschneiden, eine eigentliche Marginalisierung feststellen. Manifest ist hier ein Mangel an redaktionellen Ressourcen und journalistischer Kompetenz. Dies ist in der Presse besonders misslich, weil der vertiefende Journalismus in dieser Gattung nicht nur die grösste Tradition, sondern im Gegensatz zu den linearen Medien Radio und Fernsehen auch die besten Möglichkeiten hat. Der Stellenabbau der Verlagshäuser (Kapitel II.1) wird die deskriptive Logik und die sinkende redaktionelle Eigenleistung weiter fördern.

Politik-, Wirtschafts- und Newsressorts: Berichterstattungsstil

Inwieweit ist ein sachlich gehaltener Berichterstattungsstil in den Kernressorts öffentlicher Kommunikation gewährleistet? Zur Beantwortung dieser Frage wird der Berichterstattungsstil in den Kernressorts Politik, Wirtschaft und News als vierter Qualitätsindikator hinsichtlich der Professionalität auf der Basis einer Tagesstichprobe geprüft. Öffentliche Kommunikation soll gemäss Neutralitätsgebot von einer objektiv nachvollziehbaren, argumentativ geleiteten und Werthaltungen abwägenden Berichterstattung dominiert sein. Ein solcher kognitiv-normativer Stil setzt sich von einem moralisch-emotionalen Stil ab, der durch Subjektivität und moralische Attribution gekennzeichnet ist.

Das Politikressort (vgl. Darstellung II.2.34) ist generell von einem kognitiv-normativen Berichterstattungsstil dominiert, insbesondere die Abonnements- und Gratiszeitungen erreichen hier einen Anteil von über 90%. Bei den Gratiszeitungen dominiert in den vielen ungezeichneten und übernommenen Beiträgen der sachliche Modus. Diesbezüglich unterscheiden sich die Gratiszeitungen deutlich vom Berichterstattungsstil der Boulevardmedien. Die Human-Interest-Orientierung und die schwache Ressortdifferenzierung bzw. die Dominanz des gemischten Newsressorts überformt die gesamte Berichterstattung.

Der unterdurchschnittliche Anteil kognitiv-normativer Berichterstattung bei den Sonntagszeitungen erklärt sich durch die grosse Heterogenität innerhalb des Pressetyps: Die einzelnen Titel orientieren sich in ihrem Berichterstattungsstil an den jeweiligen «Schwesterblättern». Dies lässt sich gut an Le Matin Dimanche illustrieren, der im Sinne einer klaren Markenpositionierung wie Le Matin auf Moralisierung, Emotionalisierung und Skandalisierung als Absatzstrategie setzt und den höchsten Anteil moralisch-emotionaler Berichterstattung aufweist. Allerdings tendieren Sonntagszeitungen mit ihrem Enthüllungsjournalismus generell zu einer emotionalisierenden und moralisierenden Lancierung von Themen und Skandalisierung von Akteuren.

Dem Professionalitätsgebot der objektiven Nachvollziehbarkeit wird bei allen Pressetypen im Wirtschaftsressort (vgl. Darstellung II.2.35) am stärksten Rechnung getragen. Überdurchschnittlich stark setzen auch hier die Sonntagszeitungen auf einen moralisch-emotional aufgeladenen Berichterstattungsstil. Der sachliche Sprachstil der Boulevard- und Gratispresse in der Wirtschaftsberichterstattung betrifft allerdings ein sehr marginales Ressort (vgl. Kapitel II.2.1.1), bei dem kaum redaktionelle Eigenleistung einfliesst und eine episodische Berichterstattung überwiegt (vgl. Kapitel II.2.3). Demgegenüber leisten die Abonnements- und noch stärker die Sonntagszeitungen im Wirtschaftsressort – mit Ausnahme des Sonntagsboulevard – eine Kontextuierung von Ereignissen auf Basis höherer redaktioneller Eigenleistung.

Wie auch im Politikressort lassen sich die Boulevardmedien im Newsressort (vgl. Darstellung II.2.36) durch eine Logik der moralischen und emotionalen Aufladung von Themen und Akteuren charakterisieren. Dieser Befund akzentuiert sich, wenn man die strukturell hohe Bedeutung des Newsressorts bei den nur geringfügig differenzierten Boulevardblättern berücksichtigt (vgl. Kapitel II.2.1.1). Der überdurchschnittlich hohe Objektivitätsgrad der Gratiszeitungen lässt sich – wie beim Politik- und Wirtschaftsressort auch – auf die Praxis der primären Übernahme von (ungezeichneten) Agenturmeldungen zurückführen.

Fazit

Im Vergleich der Pressetypen haben wir es bei den Boulevardmedien, unter Einbezug des Sonntagsboulevard, wesentlich stärker mit emotionalisierenden und moralisierenden Berichten im Politik- und Newsressort zu tun. Hier manifestiert sich der punktuelle interventionistische Stil der Boulevardmedien in Form einer moralisch-emotionalen Lancierung oder Aufladung von gesellschaftspolitischen Problemen (Medienpopulismus). Dies geht mit der Fokussierung auf den Human Interest und einer ausgeprägten Tendenz zu Personalisierung und Privatisierung einher. Die Sonntagszeitungen neigen aufgrund ihres Enthüllungsjournalismus in der Politik- und Wirtschaftsberichterstattung ebenfalls zur Skandalisierung von Akteuren und damit zur moralisch-emotionalen Aufladung von Themen.

Die Wirtschaftsberichterstattung ist sowohl bei den Boulevard- als auch bei den Gratisblättern marginal, episodisch und aus Agenturberichten zusammengesetzt. Diese beiden Pressetypen tragen besonders wenig zur Wahrnehmung der grundlegenden Probleme der Weltwirtschaftskrise bei (vgl. Kapitel VI.2). Eine Frühwarnfunktion hinsichtlich Erkennung und Thematisierung gravierender, gesellschaftlicher Probleme ist in diesen Pressetypen nicht zu beobachten.

II.2.4.2 Frontseitenanalytik

Patrik Ettinger

Der moralisch-emotionale Berichterstattungsstil ist ein Mittel, Leser über Gefühle anzusprechen. Da Frontseiten verkaufsfördernde Aufmerksamkeit erhalten sollen, ist ein im Vergleich zur Informationsangebotsanalytik höherer Anteil moralisch-emotionaler Berichte zu erwarten. Dies gilt insbesondere für die Gratispresse, die von der Aufmerksamkeitsbindung durch die Leserinnen und Leser hinsichtlich ihrer Werbefinanzierung abhängig ist, und für die Boulevard- und Sonntagszeitungen, die massgeblich auf den Strassenverkauf ausgerichtet sind. Diese These wird anhand aller Beiträge auf den Frontseiten der Presse im letzten Quartal 2009 und der 20 wichtigsten Themen im gleichen Zeitraum überprüft.

Frontseiten: Berichterstattungsstil

Im Gattungsvergleich hat die Presse den zweithöchsten Anteil an kognitiv-normativer Berichterstattung aller Mediengattungen; nur das Radio weist – insbesondere aufgrund des Agenturmeldungsstils der Nachrichten in den Privatradios – höhere Werte auf (vgl. Kapitel I.2.4.1 und III.2.4).

Für die Presse zeigt sich, dass der moralisch-emotionale Berichterstattungsstil grundsächlich mit der Ausrichtung der Berichterstattung auf die verschiedenen Gesellschaftssphären zusammenhängt. Vor allem die Berichterstattung über Human Interest (40%), Sport (34%) und Kunst/Kultur (24%) ist durch moralisch-emotionale Beiträge gekennzeichnet, während jene über Politik (14%) und Wirtschaft (10%) eine geringe moralisch-emotionale Durchdringung aufweist. Die am stärksten auf Human Interest und Sport fokussierten Pressetypen der Boulevard- und Gratiszeitungen (vgl. Kapitel II.2.1.2) tendieren auch zu einer moralisch-emotionalen Berichterstattung.

Auf den Frontseiten kippt der Berichterstattungsstil in den Gratis- und Sonntagszeitungen im Vergleich zum gesamten Informationsangebot (vgl. Kapitel II.2.4.1) ins Moralisch-Emotionale (vgl. Darstellung II.2.37). Lediglich die Abonnementszeitungen zeigen ein ähnliches Bild einer überwiegend kognitiv-normativen Berichterstattung in den Kernressorts und auf den Frontseiten. Trotz der grossen Streuung innerhalb des Pressetyps Abonnementszeitungen – den grössten Anteil moralisch-emotionaler Berichterstattung hat 24 heures mit 33%, den geringsten Anteil die NZZ mit 2% – bleibt der moralisch-emotionale Stil insgesamt untergewichtig.

Die Boulevardmedien weisen auf den Frontseiten einen bedeutend stärkeren moralisch-emotionalen Stil (50%) auf als in ihrem bedeutendsten Ressort News (vgl. Kapitel II.2.4.1: 26%). Allerdings liegt das deutschschweizerische Boulevardmedium Blick hinsichtlich der Frontseitenberichterstattung mit 64% Emotionalisierung und Moralisierung weit über dem Vertreter der französischsprachigen Schweiz (Le Matin: 36%). Damit liegt das französischsprachige Boulevardblatt nahe an den Werten der Abonnementszeitung 24 heures.

Die Gratiszeitungen setzen das Mittel des moralisch-emotionalen Berichterstattungsstils auf den Frontseiten gezielt ein. Während sie in den Kernressorts einer sachlichen Sprache den Vorzug geben – insbesondere auch aufgrund ihrer vielen ungezeichneten und übernommenen Beiträge (vgl. Kapitel II.2.4.1) –, ist die Frontseitenberichterstattung in hohem Mass (45%) und ähnlich den Werten der Boulevardpresse moralisch-emotional aufgeladen. Die sachliche Berichterstattung weicht auf den Frontseiten der absatzträchtigen Aufmachung der Themen, insbesondere auch bei Politik- und Wirtschaftsthemen. Im Vergleich mit dem Pressedurchschnitt ist die Politikberichterstattung um 24% und die Wirtschaftsberichterstattung um 20% stärker moralisch-emotional. Angesichts geringer redaktioneller Eigenleistungen wird Emotionalität und Moralisierung auf der Frontseite zum Absatzvehikel.

Mit Ausnahme des Sonntagsboulevard haben die Sonntagszeitungen und das Magazin auf den Frontseiten einen leicht höheren Anteil an moralisch-emotionaler Berichterstattung als in den Kernressorts (vgl. Kapitel II.2.4.1). In der Politik- und Wirtschaftsberichterstattung ist dies akzentuierter der Fall. Dieser Befund ist auf die skandalisierende Aufmachung politischer und wirtschaftlicher Themen in den Sonntagszeitungen bzw. auf die emotionsbewirtschaftende Zuspitzung in der Weltwoche zurückzuführen. Auch hier lässt sich bei den Sonntagszeitungen eine Parallelität mit ihren «Schwesterblättern» beobachten. Der boulevardeske Le Matin Dimanche hat mit 54% den grössten Anteil an moralisch-emotionaler Berichterstattung; die NZZ am Sonntag mit 11% den tiefsten. Der Weltanschauungsjournalismus der Weltwoche mit polemischer Zuspitzung auf den Frontseiten führt mit 39% zur zweithöchsten Rate an moralisch-emotionaler Berichterstattung. Dieser Wert liegt noch über demjenigen des SonntagsBlick (37%).

Fazit

Der scharfe Absatzwettbewerb führt generell zu einer stärker moralisch-emotionalen Aufladung der Frontseitenberichterstattung gegenüber den Kernressorts. Diese Kluft zwischen Frontseiten und Kernressorts ist bei den Gratiszeitungen am grössten, weil die hohen Anteile an eingekauften (und ungezeichneten) Informationsbeiträgen kognitiv-normativ orientiert sind. In der Boulevardpresse ist diese Kluft kleiner: Wo Moral und Emotion draufsteht, sind beide auch drin. Abonnementszeitungen neigen am wenigsten zur moralisch-emotionalen Aufladung der Frontseiten, insbesondere die überregional orientierten Pressetitel NZZ und Le Temps enthalten sich weitgehend dieser Aufmerksamkeitsoptimierung. Zwischen der Gratis- sowie der Boulevardpresse und den Abonnementszeitungen liegen die Sonntagszeitungen mit ihren Skandalisierungstendenzen. Die Weltwoche verkauft sich ausgesprochen stark über dem moralisch-emotionalen Modus auf der Frontseite, sie schlägt diesbezüglich sogar den SonntagsBlick.

Frontseiten: Berichterstattungsstil in den relevanten Themen

Die Analyse des Berichterstattungsstils in jenen Kommunikationsereignissen, die in der Pressearena am meisten Aufmerksamkeit generierten (vgl. Darstellung II.2.38), zeigt ebenfalls typenspezifische Unterschiede. Kommunikationsereignisse, die überdurchschnittlich stark durch Boulevard- und Gratiszeitungen befördert werden (vgl. Kapitel II.2.2.2), weisen nicht nur einen deutlich höheren Anteil an episodischer Berichterstattung auf (vgl. Kapitel II.2.3.2), sondern sind auch durch einen stark moralisch-emotionalen Berichterstattungsstil geprägt. Dies gilt sowohl für Sportereignisse (Fussballweltmeisterschaft in Südafrika, Titelgewinn der schweizerischen U17-Fussballmannschaft) und die Human-Interest-Themen (Blick-Girls) als auch für die Libyenaffäre.

In Kommunikationsereignissen, die vor allem in der Abonnementspresse prominent behandelt werden, überwiegt hingegen ein kognitiv-normativer Berichterstattungsstil. Eine entscheidende Ausnahme bilden konfliktive Kommunikationsereignisse wie die Minarettinitiative und die Integrationspolitik der Schweiz. Solche Kommunikationsereignisse sind nicht nur durch eine stärkere Personalisierung und Privatisierung der Berichterstattung (vgl. Kapitel II.2.2.2), sondern auch durch einen vergleichsweise höheren Anteil moralisch-emotionaler Berichterstattung geprägt.

Fazit

Das Qualitätskriterium kognitiv-normativer versus moralisch-emotionaler Berichterstattungsstil zeigt bei der Analyse der Pressetypen und -titel, dass diejenigen, die ausgeprägt den moralisch-emotionalen Stil favorisieren, eine episodische Informationsvermittlung betreiben und auch Human-Interest- und Sportthemen überdurchschnittlich bewirtschaften. Diese Medien, d.h. die Gratis- und Boulevardzeitungen und der Sonntagsboulevard, beleuchten darüber hinaus auch politische und wirtschaftliche Themen auf den Frontseiten überwiegend im Modus des episodischen und bereiten sie moralisch-emotional auf. Demgegenüber sind insbesondere die Abonnementszeitungen auch bei konflikthaltigen Themen deutlich zurückhaltender. Insgesamt werden die umstrittenen Themen der schweizerischen Politik jedoch generell stärker personalisiert und sind durch einen höheren Anteil moralisch-emotionaler Beiträge charakterisiert. Damit neigt die Berichterstattung über zentrale politische Konflikte zu einer doppelten Verkürzung, indem das Individuelle im Vergleich zum Gesellschaftlichen und das Moralisch-Emotionale im Vergleich zum Kognitiv-Normativen vermehrt Gewicht erhält.

Literatur

Blumler, Jay G./Kavanagh, Dennis, 1999: The Third Age of Political Communication: Influences and Features. S. 209–230, Political Communication, 16.

Imhof, Kurt, 2008: Aufklärung quo vadis? Öffentliches Wissen in der Wissensgesellschaft. S. 73–110 in: K. Arnold/M. Brehmer/B. Semrad (Hrsg.), Kommunikationsgeschichte. Positionen und Werkzeuge. Ein diskursives Hand- und Lehrbuch. Münster: Lit.

Iyengar, Shanto, 1991: Is Anyone Responsible? How Television Frames Political Issues. Chicago: University of Chicago Press.

Rager, Günther, 2000: Ethik – eine Dimension von Qualität? S. 76–89 in: Ch. Schicha/C. Brosda (Hrsg.), Medienethik zwischen Theorie und Praxis. Normen für die Kommunikationsgesellschaft. Münster: Lit.

Tresch, Anke, 2008: Öffentlichkeit und Sprachenvielfalt. Medienvermittelte Kommunikation zur Europapolitik in der Deutsch- und Westschweiz. Baden-Baden: Nomos.

Lesehilfe II.2.27
Lesehilfe II.2.27

Politikressort – Quellentransparenz und redaktionelle Eigenleistung

Die Darstellung zeigt für das Politikressort jeden Pressetyps die prozentualen Anteile von redaktioneller Eigenleistung, Agenturleistungen sowie ungezeichneten Beiträgen. Sie basiert auf allen Beiträgen des Politikressorts der Wochenstichprobe vom 23. bis zum 29. November 2009 (n = 4193).

Lesebeispiel: Im Vergleich der Pressetypen weist die Gratispresse im Politikressort den geringsten Anteil redaktioneller Eigenleistung (21%) und den höchsten Anteil ungezeichneter Beiträge (74%) auf.

Lesehilfe II.2.28
Lesehilfe II.2.28

Wirtschaftsressort – Quellentransparenz und redaktionelle Eigenleistung

Die Darstellung zeigt für das Wirtschaftsressort jeden Pressetyps die prozentualen Anteile von redaktioneller Eigenleistung, Agenturleistungen sowie ungezeichneten Beiträgen. Sie basiert auf allen Beiträgen des Wirtschaftsressorts der Wochenstichprobe vom 23. bis zum 29. November 2009 (n = 1132).

Lesebeispiel: Im Vergleich der Pressetypen weist die Boulevardpresse im Wirtschaftsressort den geringsten Anteil redaktioneller Eigenleistung (6%) und den höchsten Anteil ungezeichneter Beiträge (85%) auf.

Lesehilfe II.2.29
Lesehilfe II.2.29

Kulturressort – Quellentransparenz und redaktionelle Eigenleistung

Die Darstellung zeigt für das Kulturressort jeden Pressetyps die prozentualen Anteile von redaktioneller Eigenleistung, Agenturleistungen sowie ungezeichneten Beiträgen. Sie basiert auf allen Beiträgen des Kulturressorts der Wochenstichprobe vom 23. bis zum 29. November 2009 (n = 884).

Lesebeispiel: Im Vergleich der Pressetypen weist die Gratispresse im Kulturressort den geringsten Anteil redaktioneller Eigenleistung (44%) und den höchsten Anteil ungezeichneter Beiträge (56%) auf.

Lesehilfe II.2.30
Lesehilfe II.2.30

Sportressort – Quellentransparenz und redaktionelle Eigenleistung

Die Darstellung zeigt für das Sportressort jeden Pressetyps die prozentualen Anteile von redaktioneller Eigenleistung, Agenturleistungen sowie ungezeichneten Beiträgen. Sie basiert auf allen Beiträgen des Sportressorts der Wochenstichprobe vom 23. bis zum 29. November 2009 (n = 2094).

Lesebeispiel: Im Vergleich der Pressetypen weist die Gratispresse im Sportressort den geringsten Anteil redaktioneller Eigenleistung (38%) und den höchsten Anteil ungezeichneter Beiträge (62%) auf.

Lesehilfe II.2.31
Lesehilfe II.2.31

Human Interest-Ressort – Quellentransparenz und redaktionelle Eigenleistung

Die Darstellung zeigt für das Human Interest-Ressort jeden Pressetyps die prozentualen Anteile von redaktioneller Eigenleistung, Agenturleistungen sowie ungezeichneten Beiträgen. Sie basiert auf allen Beiträgen des Human Interest-Ressorts der Wochenstichprobe vom 23. bis zum 29. November 2009 (n = 1155).

Lesebeispiel: Im Vergleich der Pressetypen weist die Gratispresse im Human Interest-Ressort den geringsten Anteil redaktioneller Eigenleistung (30%) und den höchsten Anteil ungezeichneter Beiträge (69%) auf.

Lesehilfe II.2.32
Lesehilfe II.2.32

Newsressort – Quellentransparenz und redaktionelle Eigenleistung

Die Darstellung zeigt für das Newsressort jeden Pressetyps die prozentualen Anteile von redaktioneller Eigenleistung, Agenturleistungen sowie ungezeichneten Beiträgen. Sie basiert auf allen Beiträgen des Newsressorts der Wochenstichprobe vom 23. bis zum 29. November 2009 (n = 1910).

Lesebeispiel: Im Vergleich der Pressetypen weist die Gratispresse im Newsressort den geringsten Anteil redaktioneller Eigenleistung (9%) und den höchsten Anteil ungezeichneter Beiträge (76%) auf.

Lesehilfe II.2.33
Lesehilfe II.2.33

Standardressorts – tatsachen- und meinungsbetonte Darstellungsformen

Die Darstellung zeigt für die Standardressorts (Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Human Interest und News) jeden Pressetyps die prozentualen Anteile tatsachen- (Bericht, Meldung) und meinungsbetonter (Kommentar, Leitartikel, Reportage, Porträt, Interview, Rezension) Darstellungsformen (n = 11368).

Lesebeispiel: Im Vergleich der Pressetypen weisen die Sonntagspresse und das Magazin mit 7% Kommentaren/Leitartikeln, 9% Reportagen/Porträts, 6% Interviews und 4% Rezensionen den höchsten Anteil meinungsbetonter Darstellungsformen in den Standardressorts auf.

Lesehilfe II.2.34
Lesehilfe II.2.34

Politikressort – Berichterstattungsstil der Beiträge

Die Darstellung zeigt die prozentualen Anteile von kognitiv-normativen und moralisch-emotionalen Beiträgen für das Politikressort jeden Pressetyps sowie deren jeweilige Abweichung vom Durchschnittswert kognitiv-normativer Berichterstattung in der Gattung Presse. Sie basiert auf allen Beiträgen des Politikressorts der Tagesstichprobe vom 25. November 2009 (n = 811).

Lesebeispiel: Im Vergleich der Pressetypen weist die Boulevardpresse im Politikressort mit 68% den geringsten Anteil kognitivnormativer Berichterstattung auf. Sie liegt damit 22% unter dem Durchschnittswert in der Gattung Presse.

Lesehilfe II.2.35
Lesehilfe II.2.35

Wirtschaftsressort – Berichterstattungsstil der Beiträge

Die Darstellung zeigt für das Wirtschaftsressort jeden Pressetyps die prozentualen Anteile von kognitiv-normativen und moralisch-emotionalen Beiträgen sowie deren jeweilige Abweichung vom Durchschnittswert kognitiv-normativer Berichterstattung in der Gattung Presse. Sie basiert auf allen Beiträgen des Wirtschaftsressorts der Tagesstichprobe vom 25. November 2009 (n = 318).

Lesebeispiel: Im Vergleich der Pressetypen weisen die Sonntagspresse und das Magazin im Wirtschaftsressort mit 89% den geringsten Anteil kognitiv-normativer Berichterstattung auf. Sie liegen damit 6% unter dem Durchschnittswert in der Gattung Presse.

Lesehilfe II.2.36
Lesehilfe II.2.36

Newsressort – Berichterstattungsstil der Beiträge

Die Darstellung zeigt für das Newsressort jeden Pressetyps die prozentualen Anteile von kognitiv-normativen und moralisch-emotionalen Beiträgen sowie deren jeweilige Abweichung vom Durchschnittswert kognitiv-normativer Berichterstattung in der Gattung Presse. Sie basiert auf allen Beiträgen des Newsressorts der Tagesstichprobe vom 25. November 2009 (n = 507).

Lesebeispiel: Im Vergleich der Pressetypen weist die Boulevardpresse im Newsressort mit 74% den geringsten Anteil kognitivnormativer Berichterstattung auf. Sie liegt damit 11% unter dem Durchschnittswert in der Gattung Presse.

Lesehilfe II.2.37
Lesehilfe II.2.37

Frontseite – Berichterstattungsstil der Beiträge

Die Darstellung zeigt für die Frontseiten jeden Pressetyps die prozentualen Anteile von kognitiv-normativen und moralisch-emotionalen Beiträgen sowie deren jeweilige Abweichung vom Durchschnittswert kognitiv-normativer Berichterstattung in der Gattung Presse. Sie basiert auf allen Beiträgen der Frontseitenanalyse vom 5. Oktober bis zum 31. Dezember 2009 (n = 4895).

Lesebeispiel: Im Vergleich der Pressetypen weist die Boulevardpresse auf ihren Frontseiten mit 50% den geringsten Anteil kognitiv-normativer Berichterstattung auf. Sie liegt damit 30% unter dem Durchschnittswert in der Gattung Presse.

Lesehilfe II.2.38
Lesehilfe II.2.38

Presseagenda Schweiz – Berichterstattungsstil der Top-20-Kommunikationsereignisse

Die Darstellung zeigt die 20 grössten Kommunikationsereignisse (KE) der Pressearena Schweiz. Die KE sind nach ihrem Anteil an der Gesamtberichterstattung dieser Top-20-KE hierarchisiert. Die gestapelten Balken geben für jedes KE den Anteil kognitiv-normativer und moralisch-emotionaler Berichterstattung an der Gesamtberichterstattung der Top-20-KE an. Die Darstellung basiert auf allen Beiträgen der Frontseitenanalyse vom 5. Oktober bis zum 31. Dezember 2009 zu den Top-20-KE (n = 1296).

Lesebeispiel: Das Kommunikationsereignis Minarettinitiative erhält im Untersuchungszeitraum die höchste Aufmerksamkeit (Rang 1) in der Schweizer Pressearena. Auf die Minarettinitiative entfallen 14.2% der Berichterstattung der Top-20-KE. Beiträge mit einem kognitiv-normativen Berichterstattungsstil nehmen 10.6% der Gesamtberichterstattung der Top-20-KE ein (bzw. 75% innerhalb des KE).