IV.1 Publizistische Versorgung
Jens Lucht
In den 1960er Jahren hat das Fernsehen das Radio als audiovisuelles Hauptinformationsmedium abgelöst. Das Radio hat sich tendenziell zum Hintergrund- und Begleitmedium entwickelt, während das Fernsehen zwar in erster Linie zur Unterhaltung, aber in starkem Masse auch zur Information genutzt wird (Lucht, 2006, S. 92). Die Entwicklung zur heutigen Fernsehlandschaft im Zuge der sogenannten Dualisierung, d.h. der Zulassung des privaten Rundfunks, vollzog sich – wie im Radiobereich – in drei Schritten (RVO Versuchsphase ab 1982, Einführung RTVG 1991 und Neufassung RTVG 2007). Im Unterschied zum Pressewesen zeichnet sich das Rundfunkwesen durch eine deutlich stärkere rechtliche Regulierung der Organisationsform, der Distribution und der Ansprüche an die Inhalte aus. Das Fernsehen war rechtlich ebenso wie das Radio bis 1983 rein öffentlich organisiert. Die SRG genoss eine faktische Monopolstellung. Allerdings gab es bereits seit den beginnenden 1980er Jahren einzelne öffentlich konzessionierte Versuche, zunächst auf lokaler Ebene, privates Fernsehen zu machen. Diese Konzessionen beruhten auf der «Kabelrundfunkverordnung», die 1977 erlassen wurde und die begrenzte Verbreitung von nichtkommerziellen privaten Programmen gestattete.
Startschwierigkeiten des dualen Fernsehsystems
Der erste Schritt auf dem Weg zur heutigen Rundfunklandschaft erfolgte 1982 mit der vom Bund erlassenen Rundfunkverordnung (RVO). Sie ermöglichte eine fünfjährige Versuchsphase mit privaten Radio- und Fernsehveranstaltern. Am 1. November 1983 erhielten, auf der Basis der RVO, sieben Fernsehversuche und drei Bildschirmdienste eine Konzession. Inhaltlich forderte die RVO von den privaten lokalen Fernsehsendern, genau wie im Radiobereich, einen Beitrag zur Vielfalt, d.h. neue Programminhalte und -formen im lokalen Bereich (wie z.B. Berichterstattung über lokale Kultur oder Einbeziehung von Bürgern in die Sendungen) bei Wahrung der journalistischen Standards, wie sie für den öffentlichen Rundfunk verbindlich sind. Die konzessionierten Sender sollten damit einen Beitrag zur Partizipation der Bürger leisten sowie zu deren Integration in den Lokalraum beitragen. Hier waren die Anforderungen an die privaten Fernsehsender analog zu jenen an den öffentlichen Rundfunk formuliert, der auf sprachregionaler und nationaler Ebene einen Integrationsauftrag hat. Zunächst wurde das Privatfernsehen fast ausschliesslich in der Deutschschweiz betrieben.
Allerdings hatten diese Privatsender im Unterschied zu den Privatradios mit einigen Startschwierigkeiten zu kämpfen. Da ihnen Werbung zunächst untersagt war, erwies sich die Produktion der Programme – bei deutlich höheren Produktionskosten im Fernsehbereich als beim Radio nicht nur hinsichtlich der Produktion, sondern auch hinsichtlich der Werbung für das eigene Programm – als sehr schwierig. Hauptsächlich wurden die Sender dieser Anfangszeit mit privatem Engagement betrieben und produzierten häufig kein tägliches Programm. Ein zweites Problem stellte die Konkurrenz ausländischer privater Fernsehsender dar. Mit Ausnahme von Österreich etablierte sich in den angrenzenden Ländern ab Mitte der 1980er Jahre privates Fernsehen. Die privaten ausländischen Programme wurden zunehmend auch in die Schweizer Kabelnetze eingespeist und erreichten mit der Zeit ansehnliche Sehbeteiligungen: Seit 1989 ist mit Sat.1 der erste deutsche Privatsender in Deutschschweizer Kabelnetzen zu empfangen, seit 1990 RTL und Eurosport sowie seit 1991 ProSieben.
Des Weiteren wurden in dieser Anfangsphase gleichzeitig die Werbemöglichkeiten der SRG-Programme ausgedehnt. Zudem ist der Rundfunkwerbemarkt der Schweiz im Vergleich zum Ausland klein. Europaweit entfallen etwa 30% des Hauptmedienwerbemarkts (nur Print, Radio, Fernsehen und Online) auf die TV-Werbung. In der Schweiz lag dieser Wert deutlich darunter, auch wenn in den letzten Jahren ein relativer Anstieg der Fernsehwerbung zu verzeichnen ist und dieser Wert jetzt über 20% liegt. (Quelle: Stiftung Werbestatistik, Media Focus). Daher war die Entwicklung des privaten Fernsehens in der Schweiz schleppend; und diese Bedingungen stellen das Privatfernsehen in der Schweiz noch heute vor grosse Probleme.
Das Scheitern des sprachregionalen und nationalen privaten Fernsehens
Die zweite Phase begann mit dem neuen Radio- und Fernsehgesetz (RTVG), das 1991 verabschiedet wurde und 1992 in Kraft trat. Der Grundgedanke des RTVG war, dass private und öffentliche Rundfunkveranstalter zum Leistungsauftrag beizutragen haben. So wurden die wesentlichen Merkmale der Versuchsphase hinsichtlich der Anforderungen an die publizistische Qualität fortgeschrieben (Beitrag zur freien Meinungsbildung, Berücksichtigung von Information, Bildung und Unterhaltung, Forderung nach Vielfalt bei Wahrung der journalistischen Standards, Förderung von schweizerischem Kulturschaffen). Lokale und regionale Fernseh- und Radiosender wurden darüber hinaus verpflichtet, einen Beitrag «zur Meinungsbildung über Fragen des lokalen und regionalen Zusammenlebens» und «zur Förderung des kulturellen Lebens im Versorgungsgebiet zu leisten» (Art. 21 RTVG 1991; Künzler, 2009, S. 188). Das Werbeverbot wurde gelockert und die Restriktionen hinsichtlich der Konzessionsgebiete vermindert. Ein wichtiger Schritt war zudem die Einführung des sogenannten «Gebührensplittings», das auch die Subventionierung kleinerer Sender in wirtschaftsschwachen Räumen mit Hilfe von Konzessionsgeldern ermöglichte. Schliesslich wurden die Empfangsgebiete der privaten Sender durch das RTVG ausgeweitet, so dass sich die (werbe-)wirtschaftlichen Möglichkeiten der Sender verbesserten.
Dies führte zur Gründung und Konzessionierung mehrerer privater TV-Sender. So startete z.B. am 3. Oktober 1994 Tele Züri mit seinem Programm, am 6. Januar 1995 ging Tele M1 auf Sendung und am 1. März 1995 nahm TeleBärn seinen Sendebetrieb auf (Prognos, S. 62).
Wenig später kam es zu einem weiteren Entwicklungsschub auf dem Schweizer TV-Markt. Mit Tele 24 (1998) und TV3 (1999) wurden zwei sprachregionale Programme in der deutschsprachigen Schweiz lanciert, die über Kabel und Satellit ausgestrahlt wurden, also national zu empfangen waren. Beide Sender gingen mit guter Kapitalausstattung in die Produktion (Tele 24 hatte als Betreiber hauptsächlich die Belcom AG, die von Roger Schawinski gegründet wurde, TV3 wurde von Tamedia betrieben). Beide Sender scheiterten jedoch innerhalb kürzester Zeit (Ende 2001), weil sich die Programme als nicht refinanzierbar erwiesen.
Ebenso erging es dem fast gleichzeitig gestarteten ersten ausländischen Programmfenster in der Schweiz. Aufgrund des Erfolgs eines Schweizer Werbefensters, das der deutsche Sender RTL am 1. Januar 1993 startete, entschloss sich RTL 1999 zusammen mit ProSieben ein gemeinsames Schweizer Programmfenster zu produzieren, das sich ebenfalls als wirtschaftlicher Fehlschlag entpuppte. Bereits sieben Monate nach Sendebeginn wurde das Fenster im März 2000 wieder geschlossen.
Offensichtlich ist der in Sprachregionen unterteilte Schweizer Markt zu klein, um neben den etablierten SRG-Programmen noch Platz für weitere sprachregionale Sender zu bieten. Entscheidend dürfte aber die sehr werberelevante, weil stark unterhaltungsorientierte TV-Konkurrenz aus den Nachbarländern, vornehmlich aus Deutschland, sein. Bis zu 60% der Bevölkerung schaut je nach Tageszeit diese TV-Programme, was den Markt für einheimische Privatvollprogramme zu schmal werden lässt. So blieben auf sprachregionaler/nationaler Ebene nur Spartenkanäle (wie z.B. Viva Schweiz oder Star TV) übrig.
Weitere Liberalisierung des Fernsehmarkts
Gerade aufgrund des Erfolgs ausländischer Programme auf dem Schweizer Fernsehmarkt und der damit verbundenen eingeschränkten Möglichkeiten der einheimischen Fernsehsender und der zunehmenden technischen Konvergenz (Empfangsgeräte, digitale Verbreitungstechnik) wurde das RTVG von Medienunternehmen und politischen Akteuren als unzureichend kritisiert. Somit wurde in einem dritten Schritt die Neufassung des RTVG 2007 verabschiedet, das die Rundfunklandschaft der Schweiz heute bestimmt. Es sieht weitere deutliche Liberalisierungen für private Veranstalter vor und verankert den Service Public bei der SRG. Klassische Service-Public-Funktionen, wie der Beitrag zur freien Meinungsbildung, die Vermittlung von Information, Bildung und Unterhaltung, die Berücksichtigung der Vielfalt des Landes und seiner Bevölkerung sowie die Förderung des einheimischen Kulturschaffens, sind nun gesetzlich eindeutig der SRG zugewiesen (Beck, 2005 S. 156).
Zentral für die privaten Fernsehsender ist die Unterscheidung in konzessionierte und nichtkonzessionierte Anbieter. Konzessionierte private Veranstalter sind verpflichtet, in der Gesamtheit ihrer redaktionellen Sendungen die Vielfalt der Ereignisse und Ansichten angemessen zum Ausdruck zu bringen und jenen konkreten Leistungsauftrag zu erfüllen, der ihnen in der Konzession vorgeschrieben wird (Art. 41, 43), z.B. publizistische Leistungen in Bezug auf den jeweiligen lokalen Raum. An nichtkonzessionierte Sender werden auf der Basis dieser Neufassung nur noch Mindestanforderungen an den Programminhalt gestellt, etwa Achtung der Menschenwürde oder sachgerechte journalistische Darstellung.
Durch die Neufassung des RTVG 2007 wurden die für die privaten Fernsehveranstalter wichtigen Werbevorschriften weiter gelockert; bis zu 15% der Sendezeit dürfen nun für Werbung verwendet werden (Art. 11 RTVG) und Splitscreenwerbung ist für private Fernsehsender erlaubt. Um die Konzentration zu beschränken, bestimmt das Gesetz weiter, dass jeder Veranstalter bzw. jedes Unternehmen maximal zwei konzessionierte Fernsehsender und zwei konzessionierte Radiosender besitzen darf. Zudem wurde der Anteil an Gebühren, den die privaten TV-und Radioveranstalter erhalten, deutlich auf 4% der Gebühreneinnahmen oder 49,8 Mio. Franken erhöht. Im September 2007 schrieb das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) 41 UKW-Radio- und 13 Regionalfernsehkonzessionen aus. Alle konzessionierten Radio- bzw. TV-Sender erhalten erstens privilegierten Zugang zum UKW- bzw. Kabelnetz. Zweitens erhalten 34 der 54 Sender Gebührengelder, darunter alle 13 Fernsehsender. Aufgrund der höheren Kosten im TV-Bereich erhalten die TV-Sender den Löwenanteil in Höhe von 31,4 Mio. Franken (vgl. BAKOM-Medienmitteilung vom 30. August 2007). Ohne diese Gebührenzuschüsse könnten viele private Fernsehsender nicht überleben.
In der zweiten und letzten Tranche der Konzessionsentscheidungen gab das BAKOM am 31. Oktober 2008 bekannt, dass die regionalen Sender Tele Züri und TeleTell keine Konzessionen mehr bekommen, weil ihre Konkurrenten (Tele Top und Tele 1) den Leistungsauftrag besser erfüllen würden. Tele Züri akzeptierte diesen Bescheid, weil sein Programm nach wie vor ins Kabelnetz eingespeist wurde und das BAKOM bei einer Konzessionsvergabe aufwendig herzustellende Programmfenster für die Kantone Schaffhausen und Thurgau verlangt hätte (vgl. BAKOM-Medienmitteilung vom 31. Oktober 2008). Die AZ Medien, zu denen TeleTell gehört, reichten gegen diesen Bescheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Letztlich kam es im April 2009 insofern zu einer aussergerichtlichen Einigung, als die LZ Medien (die wiederum zur NZZ-Gruppe gehören) über die Tele 1 AG den TV-Sender TeleTell übernehmen. Bis auf Weiteres sendet TeleTell unter ihrem bisherigem Namen (Medienmitteilung LZ Medien, 1. April 2009).
Wirtschaftliche Entwicklung
Der Anteil an Werbung am gesamten Werbemarkt ist im Fernsehen von 2008 bis 2009 zwar relativ gesehen gestiegen. Da der Gesamtwerbemarkt 2009 von knapp 5,8 Mrd. auf 5,13 Mrd. Franken eingebrochen ist, bedeutet dies für den Fernsehsektor jedoch einen Verlust von gut 5%. Bereits im Zeitraum von 2007 bis 2008 war nach insgesamt sechs Jahren Anstieg (die Fernsehwerbung hatte wie die Presse 2002 einen Einbruch zu verkraften) ein erster Verlust zu verzeichnen (–2.5%, Quelle: Stiftung Werbestatistik). Die privaten Sender haben am gesamten Fernsehwerbungsvolumen (595 Mio. Franken) einen Anteil von 63 Mio. Franken, der im Vergleich zu 2008 gewachsen ist. Die Werbefenster der privaten Sender aus dem Ausland generieren wesentlich mehr Einnahmen als die schweizerischen Privatsender: Sie erzielen 179 Mio. Franken (alle Zahlen 2009; Quelle: Stiftung Werbestatistik). Der Löwenanteil von 354 Mio. Franken geht an die SRG; dieser Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken.
In einer diachronen Perspektive zeigt sich, dass vor allem die ausländischen Werbefenster die Gewinner des Schweizer Werbemarkts sind und die Werbeliberalisierungen durch das RTVG 1991 und 2007 den privaten Veranstaltern aus der Schweiz wenig nützte. Diese schweizerischen privaten Veranstalter sind heute ungefähr auf dem Einnahmenstand von 1999, ebenso die SRG. In dieser Zeit konnten die ausländischen Werbefenster von 95 Mio. auf 179 Mio. Franken zulegen (Quelle: Stiftung Werbestatistik). Künftig wird der Fernsehwerbemarkt nach einer Studie der Publicom AG, wenn überhaupt, dann von zurückhaltendem Wachstum geprägt sein, wobei sich die bisher eingeschlagenen Pfade bestätigen. Am ehesten sind Werbekunden bereit, weiter in ausländische TV-Werbefenster zu investieren, da diese aufgrund ihrer Reichweite und ihrer Unterhaltungsangebote besonders gut für Werbeeinsätze geeignet sind. Die SRG-Programme können ihre Stellung halten, für die privaten Regionalsender sehen die Prognosen so aus, als würde das Werbevolumen schrumpfen (Grossenbacher, 2010). Privates Fernsehen ist in der Schweiz auch zukünftig ein schwieriges Geschäft.
Im Fernsehbereich sind Konzentrationstendenzen auf dem medienwirtschaftlichen Sektor weniger zu befürchten: Erstens ist der Fernsehsektor – wie der Radiosektor – prinzipiell in öffentliche und private Sender unterteilt. Zweitens verlangt das RTVG, dass jeder private Rundfunkveranstalter maximal je zwei Sendekonzessionen im TV- und im Radiobereich besitzen darf. Und drittens ist im Gegensatz zum Radiobereich der private Fernsehsektor der Schweiz zu wenig ertragsstark.
Die Stellung der SRG ist momentan in der Diskussion, weil sie das Geschäftsjahr 2009, vor allem aufgrund sinkender Werbeeinnahmen, erneut mit einem Defizit abschloss. Seit 2006 hat die SRG jedes Jahr mit einem Defizit abgeschlossen, was bis voraussichtlich 2011 so bleiben wird (vgl. Stadler, 2010). Dies fördert Diskussionen über einen Programmabbau, eine Gebührenerhöhung oder eine weitere Lockerung der Werbevorschriften (Cueni, 2009, S. 10). Im Moment ist nicht absehbar, was sich durchsetzt. Klar ist jedoch, dass die SRG und ihr Service Public bei anhaltender Defizitproduktion in der Diskussion bleiben werden.
Wichtige Ereignisse 2009/2010:
- Die Tele 1 AG (LZ Medien) übernimmt den Fernsehsender TeleTell.
- Die SRG schliesst das Geschäftsjahr 2009 erneut mit einem Defizit ab.
Fernsehnutzung in der Schweiz
Die Schweiz ist kein Fernsehland. Wenn auch die Fernsehnutzung in den letzten 20 Jahren kontinuierlich gestiegen ist, blieb die Nutzung in der Schweiz einiges unter dem europäischen Durchschnitt. Mit nur 20% sogenannten «Vielsehern» (mehr als 2,5 Stunden am Tag) liegt es in dieser Kategorie weit hinter Spitzenreiter Zypern (knapp 60%) oder einem Fernsehland wie Grossbritannien mit knapp 45% Nutzung zurück. Dabei wird das Fernsehen in der Deutschschweiz im täglichen Durchschnitt deutlich weniger lang genutzt als in den beiden anderen Sprachregionen. Die Deutschschweiz ist die Region in Europa, in der am wenigsten ausgiebig ferngesehen wird (Quelle: BfS, Hasebrink/Herzog, 2009, S. 144). Es bestätigt sich für die Schweiz der Einfluss der Nutzungskulturen der Nachbarländer, denn Deutschland hat eine geringere Nutzung als Frankreich, das wiederum eine geringere Fernsehnutzung als Italien aufweist. Exakt gleich verhält es sich mit den Sprachregionen.
Das Fernsehen hat sich zu einem Medium der älteren Generationen entwickelt. Während die Alterskohorte der über 60-Jährigen im Schnitt mehr als 200 Minuten täglich vor dem Fernseher verbringt, sind dies bei der Gruppe der 15- bis 29-Jährigen nur 90 Minuten. Bei dieser Kohorte ist allerdings gleichzeitig die höchste Internetnutzung zu beobachten, d.h., dass diese Altersgruppe andere Medienbouquets nutzt (Quelle: BfS).
Bezüglich der genutzten Inhalte kam es in den letzten drei Jahrzehnten zu gründlichen Veränderungen. Im Zuge der Dualisierung des Rundfunksystems, d.h. der Zulassung privater Anbieter auf dem Rundfunkmarkt, kamen neue Programminhalte und -formate auf, wie z.B. Infotainmentsendungen, Reality-TV oder Gameshows, die vom Publikum stark genutzt werden. Gleichzeitig ermöglichten die Fortschritte in der Kabeltechnik und über Satellit eine Vervielfältigung der Übertragungsmöglichkeiten und ein deutlich erweitertes Programmangebot.
Allerdings zeigten sich in der Schweiz nach der Dualisierung und der Verbesserung der Übertragungstechniken im Vergleich zu anderen Ländern atypische Entwicklungen. War der Nutzungsgrad ausländischer Programme auch in Zeiten der terrestrischen Übertragung in der Schweiz schon hoch, erhöhte sich dieser Anteil ab Ende der 1980er Jahre durch die Dualisierung im Ausland und durch den Ausbau der Kabelnetze weiter. Anfang der 1990er Jahre betrug der Marktanteil ausländischer Sender fast 70% (Quelle: BfS), während der Anteil der (wenigen) Schweizer privaten Sender erst durch das Aufkommen der sprachregionalen/nationalen Sender ab Ende der 1990er Jahre auf ein messbares Niveau kam. Dieser Anteil betrug aber auch während der «Hoch-Zeit» in den Jahren 2000 und 2001 (Tele 24, TV3) nur knapp 8% (Quelle: BfS). In der Schweiz spielt privates einheimisches Fernsehen von den Nutzungszahlen her im Vergleich mit dem benachbarten Ausland nur eine geringe Rolle. Die Dualisierung des Rundfunks in den angrenzenden Nachbarstaaten und die damit verbundenen neuen Unterhaltungsformate sorgten aber für einen Nutzungsanstieg der Unterhaltungsprogramme ausländischer, meist privater Anbieter.
Heute hat sich der Fernsehmarkt in der Schweiz auf etwa ein Drittel Programmnutzung der SRG-Programme eingependelt (deutschsprachige Schweiz 33.9%, französischsprachige Schweiz 30.7% und italienischsprachige Schweiz 34%; Quelle: Mediapulse). Private Schweizer Sender haben nur in der deutschsprachigen Schweiz mit 6% Marktanteil einen namhaften Anteil (private Sender in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz je 1.7%). Der Rest entfällt auf die Nutzung ausländischer Programme. Hinsichtlich der Marktanteile der öffentlichen Programme bewegt sich die Schweiz damit im europäischen Vergleich im unteren Drittel (Quelle: BfS).
In Bezug auf die Nutzung der ausländischen Programme lässt sich seit den beginnenden 2000er Jahren ein sich in den letzten drei Jahren verstärkender Trend der Nutzung sogenannter «Herkunftsmedien» aus den nichtbenachbarten Herkunftsländern der Arbeitsmigration feststellen. Die Nutzung der Programme, die nicht von den privaten und öffentlichen Sendern aus dem direkt benachbarten Ausland stammen, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die Programme dieser Gruppe stammen zu einem grossen Teil aus der Türkei oder aus Ex-Jugoslawien. Sie haben in der deutschsprachigen Schweiz einen Marktanteil von 10.8% erreicht (2.9% Zuwachs von 2008 bis 2009; Quelle: SF Programmbilanz 2009). Begünstigt durch den Ausschluss vom Wahlrecht, dem die Immigranten unterliegen, kann dieser Marktanteil von Programmen aus der Türkei und aus den Ländern Ex-Jugoslawiens zu einer Leopardisierung der politischen Öffentlichkeit in der Schweiz führen und erschwert damit die Integration. Es ist zu erwarten, dass die Nutzung dieser Programme noch zunehmen wird, wenn es nicht gelingt, diese Bevölkerungsgruppen medial zu integrieren, d.h. attraktive Angebote auch in den herkömmlichen Fernsehprogrammen zu schaffen.
Diese allgemeinen Nutzungszahlen lassen sich jedoch nicht einfach auf den hier interessierenden Bereich der Informationsendungen übertragen. Offensichtlich suchen die Schweizerinnen und Schweizer Informationen vorwiegend in einheimischen Programmen. Dies zeigt sich bei den Hauptnachrichtensendungen sehr deutlich: Nachrichten werden überwiegend bei den öffentlichen Schweizer Sendern nachgefragt. Die Tagesschau (SF1) hat einen Marktanteil von 54.1%, LeJournal (TSR1) von 60.1% und das Telegiornale sera (LA1) von 48.4%. Damit erreichen diese Sendungen auch im internationalen Vergleich einen hohen Marktanteil, wenn auch ihre Nutzung sukzessive sinkt. Die zentrale Nachrichtensendung in Deutschland, die ARD-Tagesschau, kann einen Marktanteil von lediglich 32% am deutschen Fernsehmarkt auf sich verbuchen (Quellen: Mediapulse, Norddeutscher Rundfunk). Im Informationsbereich spielen auch die lokalen Nachrichten der privaten Veranstalter eine grössere Rolle im Vergleich zu ihrer sonstigen Nutzung. Zur Erstausstrahlung der lokalen Nachrichten der privaten Sender (in der Regel ab 18.00 Uhr) steigt der Marktanteil in der deutschsprachigen Schweiz auf 15.2%. Auch in der italienischsprachigen Schweiz steigt der Marktanteil von Tele Ticino in dieser Zeit auf 5.7% (Quelle: Mediapulse), während die privaten Sender der französischsprachigen Schweiz auch hier ausgesprochen schwach bleiben und sich kein signifikanter Anstieg messen lässt.
Diese Nutzungsbefunde werden auch durch Befragungen bestätigt. Auf die Frage, welche Medien man in erster Linie zur Unterhaltung und welche zur Information nutze, ist das Bild beim Fernsehen recht eindeutig. Zum einen zeigt die Befragung, dass das Fernsehen das überragende Unterhaltungsmedium ist. Die ausländischen Sender haben hierbei ebenfalls eine herausragende Stellung: 77% der Befragten gaben an, diese Sender in erster Linie für Unterhaltung zu nutzen, 21% für Informationszwecke. Die SRG-Programme werden zwar auch zu 55% zur Unterhaltung genutzt, aber 37% gaben an, sie in erster Linie zu Informationszwecken zu nutzen. Damit stellen die SRG-Sendungen die zweitwichtigste Informationsquelle nach den Zeitungen (57%) dar (vgl. Bonfadelli, 2010, S. 8). Die privaten Sender werden nur zu 6% zur Information genutzt und spielen damit im lokalen Bereich eine deutlich schwächere Rolle als die lokalen Privatradiosender (34%). Das Bild der Fernsehnutzung in der Schweiz lässt sich wie folgt zusammenfassen: Eine im europäischen Vergleich eher schwache Stellung der öffentlichen Sender insgesamt, die aber im Informationsbereich wiederum sehr stark genutzt werden. Eine ausserordentlich starke Nutzung von ausländischen Sendern, die aber im Informationsbereich eine eher untergeordnete Rolle spielen und der Unterhaltung dienen. Und eine insgesamt schwache Stellung der privaten TV-Sender der Schweiz, die im lokalen Bereich eine gewisse Rolle spielen, die hier aber auch deutlich schwächer ist als die lokalen Radiostationen.
Fernsehveranstalter, Informationsangebot und Hauptinformationssendung
In der Schweiz gibt es insgesamt 8 öffentliche und 99 private Fernsehprogramme. Die privaten Fernsehsender teilen sich in 2 sprachregionale Musik- bzw. Unterhaltungssender (TVM3 und 3+), 13 konzessionierte lokale Sender (alle mit Gebührenanteil) und in 84 lediglich angemeldete Sender auf. Die letzte Gruppe, die hauptsächlich über Kabel verbreitet wird, umfasst ausländische Sender, grössere lokale Sender (wie z.B. Tele Züri), Spartensender und kleine Lokalsender (Stadtfernsehen).
Für die Untersuchung der publizistischen Versorgung – wie auch für die darauf abstellende Qualitätsvalidierung der Informationssendungen (vgl. Kapitel IV.2) – interessieren weder Spartenkanäle (z.B. 3+) noch das Gesamtprogramm (inklusive Unterhaltung) der Vollkanäle. Für die Untersuchung hingegen ist das Informationsangebot der Fernsehanbieter relevant. Um eine Vergleichbarkeit zwischen den unterschiedlich strukturierten Gattungen Fernsehen und Radio einerseits und im Vergleich zu Presse sowie Online andererseits zu erleichtern, stehen Informationssendungen im Zentrum, die einen vielfältigen Informations- bzw. Nachrichtenjournalismus betreiben. Diese Informationsformate mit gesellschaftspolitischem Fokus werden den Pressetiteln bzw. Newssites gegenübergestellt.
Für die folgende Darstellung der publizistischen Versorgung bzw. der Topografie des Informationsjournalismus der Schweiz durch schweizerische Fernsehveranstalter werden neben den Hauptinformationssendungen auch alle diejenigen Informationssendungen berücksichtigt, deren Nutzungsquote mindestens 0.5% der jeweiligen sprachregionalen Bevölkerung über 15 Jahren beträgt und einen vielfältigen Informationsjournalismus betreiben (also keine Sendungen, die sich ausschliesslich etwa mit Wirtschaft, Kultur, Sport oder Human Interest beschäftigen). Diese Nachrichtenformate werden der Topografie des Informationsjournalismus im Fernsehen zugrunde gelegt.
Untersuchte Informationsformate
Für die Darstellung der publizistischen Versorgung werden alle Hauptinformationssendungen der Fernsehveranstalter und alle weiteren Informationssendungen berücksichtigt, deren Nutzungsquote mindestens 0.5% der jeweiligen sprachregionalen Bevölkerung über 15 Jahren beträgt, und die einen vielfältigen Informations- bzw. Nachrichtenjournalismus praktizieren. Dieses Grundsample umfasst alle Fernsehsendungen, die als Informationsformate mit gesellschaftspolitischem Fokus bezeichnet werden.
Für die vergleichende Informationsangebotsanalytik werden hingegen neben den ausgewählten Hauptinformationssendungen alle Informationssendungen (der Formate Nachrichten, Magazin und Forum) der jeweiligen öffentlichen und privaten Programmanbieter berücksichtigt, egal ob sie sich jeweils spezifisch auf Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Human Interest konzentrieren oder in Form von News (gemischte Inhalte) alles zusammen behandeln. Denn das Gesamtinformationsangebot ergibt sich beim Rundfunk, nicht wie bei Presse und Online, aus dem einzelnen Medientitel und seiner Strukturierung in Ressorts, sondern aus allen Informationsformaten eines Programmanbieters.
Für die Aufmacheranalytik bei Fernsehen und Radio, die der Fronseitenanalytik bei Presse und Online entspricht, werden dann nur noch die Hauptinformationssendungen der jeweiligen öffentlichen und privaten Programmveranstalter untersucht.
Topografie der schweizerischen Fernsehlandschaft
Die jüngst angepasste und eingeführte Gesetzgebung und die sinkenden Werbeeinnahmen bzw. das Defizit der SRG zeigen eine Fernsehlandschaft in Bewegung und unter Veränderungsdruck. Die Untersuchung der bedeutendsten Fernsehtitel in Form von Informationsformaten mit gesellschaftspolitischem Fokus und einer Nutzungsquote von mindestens 0.5% der sprachregionalen Bevölkerung über 15 Jahren bestätigt darüber hinaus den gezeigten Befund, dass die Reichweite des Fernsehens in der Bevölkerung schrumpft. Insofern schrumpft auch bei allen drei Informationsformaten (Nachrichten, Magazin und Forum) die Abdeckungsquote der Bevölkerung (vgl. Darstellung IV.1.1). Davon sind vor allem die Nachrichtensendungen der öffentlichen und privaten Anbieter betroffen. So sank z.B. die Nutzerzahl der Tagesschau (SF1) von 1 181 400 im Jahr 2001 auf 868 000 im Jahr 2009. Im selben Zeitraum gingen die Nutzer von Züri News (Tele Züri) von 79 920 auf 66 900 zurück. Im Jahr 2009 bewegen sich die Abdeckungsquoten zwischen gut 40% (Magazine) und knapp 80% (Nachrichten). Letzteres entspricht ungefähr der Abdeckungsquote, die die Abonnementszeitungen 2009 auf sich vereinigen.
Grundsample der Topografie der schweizerischen Fernsehlandschaft
Das Grundsample von 2001 bis 2009 umfasst, mit geringen Veränderungen, über die Stichprobenjahre hinweg insgesamt 26 verschiedene Fernsehtitel; hinsichtlich der Sprachregionen 14 deutschsprachige, 4 französischsprachige und 8 italienischsprachige Titel sowie in Bezug auf die Informationsformate 11 Nachrichtensendungen, 5 Magazine und 10 Forumssendungen.
Insgesamt zeigt sich, dass in allen Sprachregionen alle Informationsformate vorkommen (vgl. Darstellung IV.1.1). Es zeigen sich aber insofern deutlich Unterschiede, als dass sich die französischsprachige Schweiz durch eine besonders geringe Dichte verschiedener Formate auszeichnet. Hier finden sich lediglich eine Nachrichtensendung, zwei Magazine und eine Forumssendung, die die Quote von 0.5% des sprachregionalen Universums erreichen. Dies rührt daher, dass alle diese Sendungen (in der Reihenfolge der Informationsformate: Le Journal, Geopolitis, Mise au point, Infrarouge) aus dem öffentlichen Bereich (TSR) kommen. Die privaten Sender sind in der französischsprachigen Schweiz mit ihren Informationsangeboten alle unter der Universumsgrenze von 0.5% der Bevölkerung. Ebenfalls auffallend ist die grosse Zahl von Forumssendungen in der italienischsprachigen Schweiz, von denen nur eine Sendung (Contesto) aus dem öffentlichen Bereich (TSI) stammt, während der Rest (Matrioska, Piazza del Corriere, Pop Politik) von Tele Ticino gesendet werden. Dies resultiert daher, dass solche Diskussionssendungen auch für private Veranstalter ohne grossen Aufwand und daher recht günstig produziert werden können. Allerdings zeigt die Abdeckungsquote auch hier die überragende Stellung der öffentlichen Sender. Contesto, die Forumssendung von TSI, hat viermal mehr Zuschauer als die drei privaten Forumssendungen zusammen.
Im Nachrichtenbereich zeigen sich die Sprachregionen, bis auf die generelle Ausnahme der französischsprachigen Schweiz, diversifiziert. In der deutschsprachigen Schweiz schwankt die Zahl zwischen sechs Hauptnachrichtensendungen (2001 und 2009) und fünf (2005), in der italienischsprachigen Schweiz bleibt diese Zahl bei zwei konstant. In der deutschsprachigen Schweiz zeigt sich im öffentlichen Bereich insofern eine Besonderheit, als dass hier mit 10vor10 neben der Tagesschau ein längeres Nachrichtenformat existiert. Diese Formatform wird in den anderen Sprachregionen durch die öffentlichen oder privaten Sender nicht angeboten. Betrachten wir die Reichweite, so zeigt sich im Nachrichtenbereich besonders deutlich die überragende Stellung der öffentlichen Anbieter. Die Tagesschau und 10vor10 von SF1 haben eine über 10-mal höhere Reichweite als die privaten Nachrichtensendungen zusammen.
Auffallend ist die generell geringe Zahl von Magazinen. Vor allem die deutschsprachige Schweiz hat nur eine Sendung dieses Formats (Rundschau). Dieses Ergebnis fügt sich in den internationalen Trend des «Magazinsterbens» ein (Lucht, 2006, S. 219ff.). Magazine sind aufwendig und daher teuer herzustellende Formate, die grosse Rechercheleistung hinsichtlich Inhalt und Bildmaterial erfordern. Daher ist ein Trend dahingehend festzustellen, dass dieses vertiefende Format seltener hergestellt und gesendet wird. Gerade dieses Format kann aber zu einem vertieften Verständnis gesellschaftlicher und politischer Zusammenhänge beitragen und ist somit unverzichtbarer Bestandteil eines öffentlichen Leistungsauftrags. Insofern zeigt sich die schweizerische Fernsehlandschaft hinsichtlich dieses Formats ausbau- und entwicklungsfähig.
Verfügbarkeit der Fernsehdaten
Obige Darstellung beinhaltet insofern ein Messproblem für die privaten Fernsehsender, als hier nicht sichergestellt ist, dass für die Jahre 2001 und 2005 alle programmlichen Veränderungen adäquat erfasst werden konnten. Ausgehend vom Sample für 2009 stellte sich heraus, dass die Programmdokumentationen für die Sender nicht vorhanden bzw. sehr schlecht sind. Weder konnten entsprechende Programmzeitschriften für die Jahre 2001 und 2005 gefunden werden, die die Programminhalte der Fernsehsender exakt wiedergaben, noch brachte hier eine Anfrage an alle relevanten Sender Erfolg. Trotz zweimaligen Nachfassens war die Rücklaufquote mit 9% sehr gering. Bei den Rückläufen zeigte sich, dass die Sender zum Teil selbst keine Programmdokumentierung aufwiesen. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass in Einzelfällen Sendungen mit politischem Fokus, die früher bei Privatsendern existierten, nicht erhoben wurden, auch wenn die Wahrscheinlichkeit hierfür eher gering ist.
Redaktionelle Ausstattung
In Bezug auf die redaktionelle Ausstattung der Nachrichtensendungen zeigt sich im Fernsehbereich ein ähnliches Bild wie im Radiosektor. Die finanzielle Situation der privaten Sender in der Schweiz schlägt sich in der redaktionellen Ausstattung nieder. Während dem öffentlichen Schweizer Fernsehen der SRG für insgesamt 8 Programme 450 redaktionelle Mitarbeiter zur Verfügung stehen, weisen die privaten Sender Tele Basel 15, TeleBärn 17, Tele Ticino 10 und Léman Bleu 11 redaktionelle Mitarbeiterstellen auf (Quelle: BAKOM). Eine gewisse Ausnahme bildet Tele Züri, das rund 29 redaktionelle Mitarbeiterstellen im Informationsbereich hat. Dennoch wird insgesamt deutlich, dass eine ausreichende Recherchetätigkeit von den privaten Sendern nicht geleistet werden kann. Hinsichtlich des Formatangebots stehen die Nachrichtensendungen oder das Forum aufgrund der geringeren Kosten klar im Vordergrund.
Fazit
Die Fernsehlandschaft der Schweiz zeigt sich in zweifacher Hinsicht dreigeteilt. Zum einen ist der Fernsehmarkt in die drei Gruppen öffentliche, private (die ganz überwiegend auf lokaler Ebene vorhanden sind) und ausländische Sender unterteilt. Die ausländischen Sender werden in der Schweiz überdurchschnittlich stark genutzt (über alle Sprachregionen hinweg etwa 60% Marktanteil), was zum einen den Werbemarkt vor allem für die einheimischen privaten Sender stark verkleinert und zum anderen auch Charakteristika einer den Nachbarländern affinen Nutzung in den jeweiligen Sprachregionen sichtbar werden lässt. So ist z.B. die Fernsehnutzung in der italienischsprachigen Schweiz am höchsten, gefolgt von der französischsprachigen und der deutschsprachigen Schweiz (die die Region in Europa mit der niedrigsten Fernsehnutzung überhaupt darstellt). Dies entspricht der Reihenfolge der Fernsehnutzung in Italien, Frankreich und Deutschland. Auffallend ist der Nutzungsanstieg von Sendern, die nicht aus dem direkt benachbarten Ausland stammen, insbesondere aus der Türkei und dem Balkan.
Im Informationsbereich dominieren jedoch die Formate der öffentlichen Sender, da ausländisches Fernsehen überwiegend zur Unterhaltung genutzt wird. Das private Schweizer Fernsehen erfüllt im Informationsbereich lediglich eine Komplementärfunktion auf lokaler Ebene und trägt zur gesellschaftlichen und politischen Information der Bevölkerung nur wenig bei. Die Informationsangebote der öffentlichen Sender werden auch im internationalen Vergleich stark genutzt. Sie decken alle Informationsformate (Nachrichten, Magazine und Forumssendungen) ab. Allerdings sind die vertiefenden Formate – vor allem die Magazine – im Vergleich zum Radio deutlich schwächer vertreten. Insgesamt aber sinkt die Nutzung der Informationsformate der öffentlichen und privaten Anbieter.
Weiterführende Literatur
Beck, Daniel, 2005: Marktgerechter Service Public? Rundfunkregulierung in der Schweiz und die Vorgaben einer europäischen Wettbewerbspolitik, in: Das schweizerische Mediensystem im Wandel, hg. von Künzler, Matthias, Bern/Stuttgart/Wien, S. 149–164.
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Westdeutscher Verlag.
Bonfadelli, Heinz, 2010: UNIVOX-Bericht «Kommunikation und Medien» 2009 im Auftrag des gfs-zürich, Zürich.
Cueni, Philipp, Der SRG geht demnächst das Geld aus – 7 Szenarien zu den möglichen Folgen, Edito, 2009, Nr. 3, S. 10–11.
Hasebrink, Uwe/Herzog, Anja, 2009: Mediennutzung im internationalen Vergleich, in: Internationales Handbuch Medien, hg. vom Hans-Bredow-Institut, Baden-Baden, S. 131–154.
Koschnik, Wolfgang J., 2010: Privatfernsehen in der Schweiz. Medialexikon Schweiz, www.medialine.de, Zugriff: 15. März 2010.
Künzler, Matthias, 2009: Die Liberalisierung von Radio und Fernsehen. Leitbilder der Rundfunkregulierung im Ländervergleich, Konstanz.
Lucht, Jens, 2006: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk: ein Auslaufmodell? Grundlagen – Analysen – Perspektiven, Wiesbaden.
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Stadler, Rainer, Das SRG-Finanzloch wächst und wächst, Neue Zürcher Zeitung, 28. April 2010.
Vorträge/Interviews:
Grossenbacher, René, Werbetrends 2010. Vortrag am 21. April 2010 am IPMZ/Universität Zürich.