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IV.2 Qualitätsvalidierung
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IV.2.2 Relevanz

Der Qualitätsindikator Relevanz begründet sich durch den Anspruch, dass das Allgemeine gegenüber dem Privaten, das Gesellschaftliche gegenüber dem Individuellen und Partikulären Vorrang hat. Relevanz wird einerseits erreicht durch eine Fokussierung auf politische, wirtschaftliche und kulturelle Informationssendungen und Themen. Andererseits ist für die Produktion relevanter Information das jeweilige Gewicht der Thematisierung auf der Makro-, Meso- und Mikroebene entscheidend (Makro: gesamtgesellschaftliche Vorgänge; Meso: Organisationen/Institutionen; Mikro: Personen). Eine Berichterstattung ist dann relevant, wenn sie sich in ausreichendem Mass auf gesamtgesellschaftliche (Makro) oder organisational-institutionelle (Meso) Vorgänge konzentriert. Ein Blick auf die Welt, der sich hauptsächlich an Personen orientiert, fördert hingegen in der Summe eine subjektive, partikuläre Weltsicht von geringerer Relevanz. Das gilt dann besonders stark, wenn sich das Persönliche mit dem Privaten verbindet, das heisst privatisierende Personendarstellungen überhand nehmen. Diese Qualitätsvalidierung wird auf zwei Ebenen vorgenommen:

1. Informationsangebotsanalytik: Das Informationsangebot wird zuerst hinsichtlich der Bedeutung inhaltlich spezialisierter Hardnewssendungen (politische, wirtschaftliche und kulturelle Informationsvermittlung), von Formaten mit gemischter Informationsvermittlung (News) und von softnewsvermittelnden Sendungen (Sport und Human Interest) bewertet. Des Weiteren werden dann das öffentlichkeitsrelevante Politik-, Wirtschafts-, Kultur- und Newsangebot hinsichtlich der formalen Vielfalt in Gestalt der Formate Nachrichten, Magazin und Forum detailliert validiert. Inwieweit also werden die Themenbereiche mit gesamtgesellschaftlicher Relevanz in Form von aktuell informierenden Nachrichten, hintergrundvermittelnden Magazinen bzw. Diskussion ermöglichenden Foren behandelt? Diese Informationsangebotsanalytik basiert auf allen identifizierten Informationsformaten im Rahmen der Wochenstichprobe vom 23. bis zum 29. November 2009.

2. Aufmacheranalytik: Diese untersucht die redaktionell via Anmoderation hervorgehobenen Hauptbeiträge hinsichtlich ihrer Akzentuierung von Makro-, Meso- und Mikrobezügen. Sie stützt sich auf alle Aufmacherbeiträge im Zeitraum des letzten Quartals 2009. Darüber hinaus werden die 20 bedeutendsten Kommunikationsereignisse basierend auf allen Aufmacherbeiträgen in diesem Zeitraum untersucht. Der Relevanzindikator dieser Kommunikationsereignisagenden prüft folgende Fragen: Auf welche Gesellschaftssphären (Politik, Wirtschaft, Kultur, Human Interest usw.) beziehen sich die grössten Kommunikationsereignisse der verschiedenen TV-Angebote? Zu welchem Anteil werden Sphären von gesellschaftlicher Relevanz (Politik, Wirtschaft und Kultur) bzw. partikulärer Relevanz (Sport, Unterhaltung) akzentuiert? Auf welcher Sozialebene werden die Kommunikationsereignisse gerahmt? Wird das Geschehen mehrheitlich mikroperspektivisch (Personen) beleuchtet oder dominieren stärker relevante meso- oder makroperspektivische Zugänge (Organisationen, Institutionen, Gesellschaft)? Was tragen die verschiedenen Angebote zu diesen Themen bei? Welche spezifischen Kommunikationsereignisse kennzeichnen die Agenden öffentlicher und privater Anbieter? Und schliesslich: In welchem Ausmass unterscheiden sich die relevantesten Kommunikationsereignisse in den Sprachregionen? Wie stark werden relevante Kommunikationsereignisse in allen Sprachregionen auf die Agenda gesetzt, so dass die Integrationsfunktion öffentlicher Kommunikation greift?

IV.2.2.1 Informationsangebotsanalytik

Esther Kamber

Im Rahmen des Vergleichs des Informationsangebots werden pro Fernsehveranstalter in einem ersten Schritt alle Sendungen erfasst, die klar abgrenzbare Einheiten bilden, einen festen Sendeplatz im Programm haben und als Nachrichten-, Magazin- oder Forumsformat identifiziert werden können. In einem zweiten Schritt werden diese Informationsformate inhaltlich analysiert und gemäss ihrer Ausrichtung auf gemischte News, Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport oder Human Interest klassifiziert.

Damit werden in der Informationsangebotsanalytik alle Informationsformate, d.h. über die Informationsformate mit gesellschaftspolitischem Fokus – zumeist Nachrichten mit gemischten News – hinaus, auch diejenigen berücksichtigt, die sich speziell auf Wirtschaft, Kultur, Sport und Human Interest konzentrieren (vgl. Kapitel IV.1). Erst dadurch wird das Spektrum des Informationsangebots im Fernsehen sichtbar und die Informationsangebote zwischen den Gattungen vergleichbar.

Informationsangebot und Informationsformate

Das Informationsangebot im Fernsehen wird aufgrund der zunehmenden Vermischung von Information und Unterhaltung (Infotainment) wie folgt eruiert und inhaltlich klassifiziert.

Als Informationsformate im engeren Sinn werden Sendungstitel berücksichtigt, die die klassischen Formate der Informationsvermittlung und Meinungsbildung darstellen. Anhand formaler Kriterien werden die Informationsformate Nachrichten, Magazin und Forum unterschieden und ihr Aufkommen gemessen.

Ausserdem werden alle eruierten Informationsformate des Typs Nachrichten, Magazin und Forum inhaltlich evaluiert und als Sendungen gemäss ihrem Fokus auf die Gesellschaftssphären Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Human Interest bzw. auf News (gemischte Inhalte) klassifiziert.

Die gemischten News im Format der Nachrichten sind beim Fernsehen – wie beim Radio – die gängigste Weise der Informationsvermittlung. Im Zuge der Diversifizierung der Medieninhalte hat sich das Format Nachrichten auch spezialisiert, indem Sendungen aus dem Bereich Wirtschaft oder Sport ebenfalls im Nachrichtenformat stattfinden. Das vertiefende Format des Magazins sowie das Forum als Format der Diskussion sind im Fernsehen inhaltlich unterschiedlich ausgerichtet. Sie können sich beide innerhalb einer Sendung oder über diese hinweg verschiedenen Themen zuwenden (ihr Inhalt wird dann als gemischte News klassifiziert), oder sich ausschliesslich auf bestimmte Gesellschaftssphären fokussieren.

Der Qualitätsindikator der Relevanz bezieht sich in der Informationsangebotsanalytik zuerst auf das Gewicht öffentlichkeitsrelevanter Inhalte (News, Politik, Wirtschaft und Kultur) im Informationsangebot. Weitergehend wird dann die formale Vielfalt in Gestalt des Aufkommens der Formate Nachrichten, Magazine und Foren innerhalb der öffentlichkeitsrelevanten Informationsbereiche News, Politik, Wirtschaft und Kultur untersucht. Durch hintergrundvermittelnde Magazine und Diskussion ermöglichende Foren wird den Kernbereichen öffentlicher Kommunikation besondere Relevanz verliehen.

Informationsformate im Vergleich des öffentlichen und privaten Fernsehens

Der Gesamtüberblick zeigt im Vergleich öffentlicher und privater Fernsehveranstalter das jeweilige Profil des Informationsangebots (vgl. Darstellung IV.2.10). Während sich das öffentliche Fernsehen vor allem über ein umfangreiches Nachrichtenangebot mit mehreren Tagesausgaben profiliert, programmieren die privaten Fernsehanbieter überdurchschnittlich häufig Foren. Foren dienen zum einen der öffentlichen Kontroverse. Sie können aber je nach Konzept und Inszenierung der Medienmacher die Politisierung von aktuellen Fragen und weitergehend die moralisch-emotionale Aufladung der Kommunikation sowie eine Konfliktstilisierung und Skandalisierung befördern. Dabei bilden sie für Interessen und ideologische Konzepte vertretende Öffentlichkeitsakteure eine Plattform, die sie ihrerseits mit denselben Inszenierungslogiken gezielt nutzen können, gerade weil das Fernsehen ein Medium mit grosser Verbreitung ist. Foren haben aber zum anderen auch zunehmend einen partikulären und privaten Charakter und befördern allenfalls die persönlichen und privaten Inszenierungen. Foren sind daher auch ein Einfallstor für die Personalisierung und Privatisierung öffentlicher Kommunikation. Beides macht sie zu einem Gefäss, das der Boulevardisierung bzw. dem Infotainment ausgesetzt ist. Diese Möglichkeiten der aufmerksamkeitsgenerierenden Inszenierung einerseits und der vergleichsweise günstigen Produktion von Foren andererseits macht dieses Format für private Fernsehanbieter besonders attraktiv.

Im Folgenden interessieren hinsichtlich der Qualität öffentlicher Kommunikation jene Nachrichten-, Magazin- und Forumsformate, die sich inhaltlich auf die Kernbereiche öffentlicher Kommunikation, d.h. auf News, Politik, Wirtschaft oder Kultur beziehen.

Relevanzerzeugung durch Formatvielfalt in den Informationsbereichen: News, Politik, Wirtschaft und Kultur

Inwieweit werden in den für die öffentliche Kommunikation wesentlichen Informationsbereichen nicht nur Nachrichtenformate produziert, sondern auch die vertiefenden Formate des Magazins und des Forums? Die Zumessung von Relevanz bemisst sich dabei an ihrer Ausrichtung auf die Kernbereiche öffentlicher Kommunikation – News, Politik, Wirtschaft und Kultur – und darin am zeitlichen Aufkommen von Nachrichten, Magazinen und Foren. Denn nur wenn der Sendeumfang eine ausgedehnte Darstellung und Einordnung des Geschehens erlaubt, können auch die Inhalte angemessen behandelt werden.

Im bedeutendsten Informationsbereich der News konzentriert sich der grösste Teil des Wochenangebots auf die Nachrichtenformate (vgl. Darstellung IV.2.11). Während die Privatsender eine Nachrichtenausgabe pro Sendetag produzieren, werden in den öffentlichen Informationsprogrammen mehrere Ausgaben gesendet, jeweils am Morgen, Mittag, Abend und in der Nacht. Entsprechend sind der zeitliche Umfang und damit die Gewichtung des Typs Nachrichten gegenüber den Formaten Magazin und Forum im Newsangebot der öffentlichen Sender grösser. Nicht nur der Umfang der Nachrichten, sondern auch die Magazine und Foren als Gefässe mit vertiefender Informationsvermittlung (News) schaffen bessere Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige öffentliche Kommunikation. Das öffentliche Fernsehen bietet sowohl vertiefende Magazine wie auch, in leicht kleinerem Umfang, Foren an. Die mit deutlich geringeren Ressourcen ausgestatteten Privatfernsehsender vertiefen das aktuelle Geschehen (News) mit Hilfe kostengünstigerer Foren.

Im Vergleich der ersten Programme der öffentlichen Fernsehveranstalter der drei Sprachregionen wird deutlich (vgl. Darstellung IV.2.12), dass im Newsbereich nur das SF1 sowohl ein Magazin (Rundschau) als auch zwei Foren (Arena, Club) anbietet. Beim ersten Programm der italienischen Sprachregion (LA1) wird das aktuelle Geschehen (News) durch ein Magazin (Contesto), aber nicht durch ein Forum vertieft. Das erste Programm der französischen Sprachregion differenziert keine vertiefenden Formate im Newsangebot aus, dafür sendet TSR1 vertiefende Politikformate (vgl. Darstellung IV.2.14).

Die vertiefenden Informationsformate zur Politik sind eine Spezialität der Fernsehveranstalter der französischen Sprachregion (vgl. Darstellung IV.2.13). Wiederum ist es das Privatfernsehen (Léman Bleu), das werktags (Genève à chaud) und am Wochenende (Le Grand Oral) nur politische Foren anbietet, während das erste öffentliche Programm neben den Foren (Infrarouge, Point de rencontre) auch ein politisches Magazin (Mise au point) produziert. Dafür existieren in den anderen beiden Sprachregionen gemischte Magazine und Foren (vgl. Darstellungen IV.2.11 undIV.2.12).

Alle hier ausgewiesenen politischen Nachrichten beziehen sich auf die Sondersendungen zum Abstimmungswochenende bzw. auf reguläre Nachrichtenausgaben, die vollständig den Abstimmungsresultaten gewidmet sind. Das einzige Privatfernsehen, das in Umwidmung seines Sendegefässes Genève à chaud ausgiebig über die Abstimmung berichtet, ist Léman Bleu mit seinem Spéciale Votations (vgl. Darstellung IV.2.13).

Die politischen Nachrichten der sprachregionalen öffentlichen Programme befassen sich ab Sonntagmittag alle mit den Abstimmungsresultaten (vgl. Darstellung IV.2.14). Die Berichterstattung des SF1 ist dabei mit seinem gesamthaft fünf Stunden dauernden Abstimmungsstudio am umfangreichsten vor TSR1, dessen Sendungen Journée votations sich auf etwas mehr als drei Stunden summieren. Der kleinste öffentliche Sender der italienischen Sprachregion berichtet im Rahmen des Telegiornale am Mittag erstmals über das Neueste, sendet am Nachtmittag kurze Speciale Telegiornale flash mit Fokus auf die Risultati votazione. Erst am Abend wird eine lange Sondersendung Democrazia diretta: risultati e commenti votazione programmiert. Insgesamt sendet LA1 damit rund eineinhalb Stunden zum Abstimmungssonntag.

Die Wirtschaftsgefässe im Fernsehen haben überwiegend verlautbarenden sowie beratenden und in geringerem Mass reflektierenden Charakter. Entsprechend ist das Wirtschaftsangebot der Fernsehveranstalter im Wochenprogramm punktuell reflektierend, die kontinuierliche Wirtschaftsberichterstattung aber verlautbarend. Allerdings sind die verlautbarenden Formate kurz, und entsprechend erhalten sie proportional wenig Gewicht. Dies trifft auf das Wirtschaftsangebot der deutschsprachigen Schweiz zu, dessen Börsenberichterstattung häufig im werktäglichen Nachrichtenformat (SF1, Tele M1) und zudem als wöchentliches Magazin (Tele Züri) gesendet wird (vgl. Darstellung IV.2.15).

Beratend sind darüber hinaus einzelne Privatfernsehsender tätig: Tele M1 sendet ein kurzes Anlegermagazin (GeldTipp) und Léman Bleu ein Immobilienmagazin (Les vendredis de l’immobilier). Alle sprachregionalen öffentlichen Programme bieten demgegenüber breitgefächerte, beratende Konsumentenmagazine an. Von den sieben untersuchten Fernsehprogrammen senden vier vertiefende Wirtschafts- und Finanzmagazine von rund einer halben Stunde Dauer. Jene des öffentlichen Fernsehens heissen Eco (SF1) und T.T.C. Toutes Taxes Comprises (TSR1), jene des Privatfernsehens Eco & Co (Léman Bleu) und Future (Tele Ticino). Trotz des stärkeren Gewichts dieser Magazine bleibt die journalistische Einordnung von Wirtschaftsnachrichten insgesamt gering.

Umfangreiche Konsumentenmagazine sind in den ersten Programmen der öffentlichen Fernsehveranstalter verbreitet (vgl. Darstellung IV.2.16): LA1 mit Patti chiari, SF1 mit Kassensturz und TSR1 mit A bon entendeur ABE. Darüber hinaus differenzieren die öffentlichen Fernsehanbieter mit Ausnahme von LA1 auch ein vertiefendes Wirtschafts- und Finanzmagazin aus (s.o.). Trotz dieser Wirtschaftsberatung und teilweise auch Wirtschaftsreflexion ist die wöchentlich halbstündige Vertiefung angesichts der hohen Bedeutung der Wirtschaft für die Gesamtgesellschaft bescheiden. Nur SF1 sendet zudem werktäglich fünfminütigen Börsennachrichten (SF Börse) und ergänzt dadurch sein Wirtschaftsangebot durch Wirtschaftsnachrichten.

Kultur wird im Fernsehen nur in vertiefenden Informationsformaten vermittelt (vgl. Darstellung IV.2.17). Es existieren damit im Gegensatz zu Radio keine Nachrichten in Form von Veranstaltungshinweisen und Neuerscheinungen. Der ähnliche proportionale Anteil von Magazinen und Foren im privaten und im öffentlichen Fernsehen täuscht darüber hinweg, dass die Kulturformate bei den privaten Fernsehveranstaltern äusserst selten sind. Nur gerade Léman Bleu (Quartier libre) und Tele Ticino (Il ponte) senden Kulturformate, die sich mit regionaler Kultur und Migration beschäftigen. Die Privatfernsehsender der deutschsprachigen Schweiz differenzieren keinerlei Kulturformate aus. Im öffentlichen Fernsehen sind demgegenüber umfangreiche vertiefende Kulturformate mit Ausrichtung auf Kultur und Kunst im engeren Sinn sowie auf Religion, Geschichte, Wissenschaft und Medien im Angebot.

Im Vergleich des Kulturangebots der sprachregionalen öffentlichen Fernsehveranstalter zeigt sich ähnlich wie beim Radio (vgl. Kapitel III.2.2.1) eine inhaltliche Vielfältigkeit in der französischen Sprachregion. TSR1 lässt in Foren über Kultur debattieren und sendet vertiefende Magazine. Ausgestrahlt werden ein Sozialmagazin (Temps présent) sowie ein Wissenschaftsmagazin (Nuovo), diskutiert wird in einem Religionsforum (Faut pas croire) und in einem Forum über Medien (Tard pour bard). LA1 aktualisiert vor allem geschichtlich-kulturelle Aspekte zum einem mit regionalem Fokus (La Storia del Regionale) und zum anderen mit breiter Optik auf Themen des 20. Jahrhunderts (Il filo della storia). Zwei weitere Sendungen befassen sich mit Kultur und Kunst im engeren Sinn (Festa mobile, Storie). Das Kulturangebot von SF1 konzentriert sich vornehmlich auf das Wochenende und befasst sich mit Philosophie, Kunst und Kultur (Foren: Sternstunde Philosophie, Sternstunde Kunst und Magazin: Bekanntmachung). Im werktäglichen Programm steht die Wissenschaft im Fokus des Magazins Einstein und in den deutschen, österreichischen und schweizerischen Koproduktionen unter dem Titel nano.

Fazit

Die Programmierung von Informationsformaten im privaten und öffentlichen Fernsehen unterscheidet sich hauptsächlich durch die höhere Bedeutung von Forumsformaten im Privatfernsehen. Die privaten Sender programmieren mehr Foren, die kostengünstiger sind und Inszenierungslogiken stärker unterliegen. Demgegenüber werden vom öffentlichen Fernsehen in allen Inhaltsbereichen wesentlich mehr Magazine ausdifferenziert, und sowohl die Umfänge der Nachrichten als auch die vertiefenden Formate sind hier deutlich umfangreicher. Dadurch hebt sich die Vermittlungsleistung der öffentlichen Anbieter nicht nur inhaltlich, sondern auch hinsichtlich der Vertiefungsmöglichkeiten deutlich von derjenigen der Privatanbieter ab.

Diese Unterschiede führen tendenziell zu mehr und vertiefender Hardnews- sowie gemischter Informationsvermittlung in den öffentlichen Informationsangeboten. Vor allem am Privatfernsehen der französischsprachigen Schweiz Léman Bleu (das allerdings teilweise von der öffentlichen Hand mitgetragen wird, vgl. Kapitel IV.1) zeigt sich aber, dass eine qualitativ hochwertige Ausdifferenzierung von Informationsformaten auch im privaten Bereich realisiert werden kann. Generell ist vor dem Hintergrund der zunehmenden gesellschaftlichen Bedeutung der Wirtschaft die Programmierung von hintergrundvermittelnden Wirtschaftsgefässen allerdings gering, die verlautbarenden und beratenden Formate hingegen sind verbreitet.

Alle öffentlichen Veranstalter differenzieren gewichtige Nachrichtenformate aus und bieten mit Hilfe von Magazinen auch eine vertiefende Informationsvermittlung an. TSR1 ist bezüglich der inhaltlichen Vielfältigkeit und Spezialisierung auf Kultur im Allgemeinen sowie auf Religion, Wissenschaft und Medien vor SF1 führend. Auffallend ist schliesslich der Unterschied bei der Ausdifferenzierung von vertiefenden Politikformaten beim TSR1 – der sich auch beim französischsprachigen Privatfernsehen manifestiert – im Gegensatz zur gemischten Vertiefung (News) bei den öffentlichen Anbietern der anderen beiden Sprachregionen.

IV.2.2.2 Aufmacheranalytik

Linards Udris

Auch bei den redaktionell besonders hervorgehobenen Aufmacherbeiträgen bemisst sich die Relevanz daran, inwieweit die für das Funktionieren der Gesellschaft besonders bedeutsamen Bereiche Politik, Wirtschaft und Kultur thematisiert werden. Ausserdem kommt Relevanz dadurch zustande, dass der Berichterstattungsfokus auf der Makro- (Gesellschaft) und der Mesoebene (Organisationen/Institutionen) beleuchtet wird. Allerdings sind Personalisierung und Privatisierung (Mikroebene) ein beliebtes mediales Stilmittel, Aufmerksamkeit zu erzeugen und zu binden. Dementsprechend ist auch beim Fernsehen zu erwarten, dass im Rahmen der redaktionell hervorgehobenen Aufmacherbeiträge ein erhöhtes Mass personalisierender und privatisierender Darstellungen auftritt. Dies wird erstens anhand aller Aufmacherbeiträge und zweitens anhand der Kommunikationsereignisse untersucht.

Relevanz

Relevant sind Thematisierungen auf der Ebene der Gesamtgesellschaft und von gesellschaftlichen Teilbereichen, den Gesellschaftssphären (also die Makroebene). Ebenfalls von Bedeutung sind Thematisierungen von entsprechenden Institutionen und Organisationen (also die Mesoebene). Liegt der Fokus der Berichterstattung auf Einzelpersonen (also auf der Mikroebene), gilt es verschiedene Arten der Personenthematisierung zu unterscheiden. Die anonyme Thematisierung von Personen (Mikroebene anonym) ist häufig ein rhetorisches Mittel der Problemthematisierung, und die Berichterstattung über Personen in ihren Funktionsrollen (Mikroebene rollennah) im Rahmen von Institutionen und Organisationen ist von einer auf das Private und Partikuläre abhebenden Thematisierung (Mikroebene rollenfern) zu unterscheiden. Insgesamt nimmt die Relevanz der Berichterstattung mit einer Gewichtung ab, die sich von Makro-Meso auf Meso-Mikro verlagert und einen hohen Anteil an privater Personenfokussierung (Mikroebene rollenfern) aufweist.

Aufmacherbeiträge: Beitragsfokus auf Sozialebenen

In welchem Ausmass fokussieren Aufmacherbeiträge auf die stärker relevante Ebene der Gesamtgesellschaft (Makro) sowie Institutionen und Organisationen (Meso) oder auf die weniger relevante Ebene der Einzelpersonen (Mikro)? In Verbindung mit den thematisierten Gesellschaftssphären (Politik, Wirtschaft, Kultur) müssen dabei sorgfältige Unterscheidungen getroffen werden. Auf der einen Seite kann eine Human Interest-Berichterstattung dann Relevanz erlangen – z.B. «Un ponte di shopping: Milanesi prendono d’assalto i centri commerciali in Ticino» –, wenn dadurch Erwartungen an politische Akteure zur Problemlösung, in diesem Beispiel im Bereich der Verkehrspolitik, gerichtet werden. Auf der anderen Seite können Mikrobezüge auf Personen dann relevant sein, wenn sie Personen in ihren Funktionsrollen ins Zentrum stellen (z.B. Politiker, Amtsdirektoren usw.). Eine privatisierende Berichterstattung führt hingegen stets vom Allgemeininteresse weg. Die Verdrängung des Allgemeinen durch das Private – z.B. US-Präsident Obama, der auf einer Dienstreise in Afrika seinen Halbbruder trifft – geht auf Kosten einer Darstellung von Strukturen und Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen.

Die Nachrichtensendungen des öffentlichen Fernsehens, das bereits im Gesamtprogramm stärker als das Privatfernsehen die zentralen Sphären Politik, Wirtschaft und Kultur berücksichtigt (vgl. Kapitel IV.2.1.1), fokussieren am häufigsten auf die Makro- und Mesoebene (vgl. Darstellung IV.2.19). 40% aller Beiträge in den öffentlichen Sendern beziehen sich auf die Makroebene, 20% auf die Meso- und schliesslich 35% auf die Mikroebene – 5% der Beiträge lassen sich nicht eindeutig zuordnen. In den privaten Sendern hingegen sind nur 20% aller Beiträge auf die Makroebene fokussiert, während nicht nur die Meso- (28%), sondern vor allem die Mikroebene (47%) deutlich häufiger dargestellt werden. Die umfangreiche Berichterstattung der privaten Fernsehanbieter auf der Mikroebene fokussiert zudem stark auf private Aspekte (Mikro rollenfern) und nimmt häufig die Perspektive von Betroffenen ein, während Rollen- bzw. Amtsträger anteilsmässig etwas weniger häufig als im öffentlichen Fernsehen thematisiert werden.

Im Gattungsvergleich ist die Personalisierung und Privatisierung der Berichterstattung, die bei den öffentlichen Sendern etwa jeden dritten, bei den privaten Sendern knapp jeden zweiten Beitrag prägt, beim Fernsehen ein häufiges Phänomen. Das Bildmedium Fernsehen stützt sich stark auf Narrationen, die Personen ins Zentrum stellen. Dies ist vor allem bei den Privatsendern mit ihren zahlreichen Beiträgen des Human Interest ersichtlich (vgl. Kapitel IV.2.1.2). Nur die Gattung Online verwendet insgesamt eine noch stärker personalisierte Berichterstattung.

Personalisierung und Privatisierung sind im Fernsehen Phänomene, die aber nicht nur die generell personenzentrierte Human Interest-Berichterstattung, sondern auch die Berichterstattung über die Gesellschaftssphäre Politik betreffen (vgl. für Deutschland beispielsweise Donsbach/Büttner, 2005). Wieder ist dieses Phänomen im Vergleich zur Presse und zum Radio besonders ausgeprägt, und nur die Onlinemedien zeichnen sich durch eine noch höhere Personalisierung der Politikberichterstattung aus. Eine solche Personalisierung der Politikberichterstattung lässt sich im Fernsehen auch bei den Nachrichtensendungen der SRG beobachten. Die verschiedenen privaten Anbieter sind diesbezüglich sehr heterogen. Wenn sie überhaupt die Politik thematisieren, dann fokussieren Tele Ticino und Léman Bleu weniger auf Personen: So liegen die Werte dieser Privatsender in der Politikberichterstattung etwas unter dem Durchschnitt der öffentlichen Sender (rund 27%). Zumindest bei Léman Bleu, der teilweise von der öffentlichen Hand mitgetragen wird (vgl. Kapitel IV.1), scheint die für einen Privatsender hohe Orientierung an relevanten Themen gleichzeitig für eine zurückhaltende Personalisierung der (Politik-)Berichterstattung zu sorgen. Bei den Ticino News von Tele Ticino, die ansonsten eine hohe Orientierung an Human Interest-Themen aufweisen, spielt die Fokussierung auf den «scudo fiscale» und die italienische Politik eine Rolle für die relativ hohe Thematisierung von Makrovorgängen.

Dafür zeichnen sich die Züri News und Aktuell durch eine ausgeprägte Personalisierung und vor allem Privatisierung der Politikberichterstattung aus, die mehr als die Hälfte der Beiträge betrifft. In eigenen Reportagen informiert beispielsweise Tele Züri über die bäuerlichen Fähigkeiten von Christine Stocker, Ehefrau des SVP-Regierungsratskandidaten und Landwirts Ernst Stocker und mit einem Preis ausgezeichnete «Melkkönigin vom Zürichsee» (14. November 2009). Oder Tele M1 berichtet nach der Wahl von Doris Leuthard zur Bundespräsidentin über ihren Besuch im Heimatkanton emotionalisierend und privatisierend als «Triumphfahrt in den Aargau», an der sie «wie ein Popstar» gefeiert werde und «wie ein Maikäfer» strahle (3. Dezember 2009).

Fazit

Die Analyse der Aufmacherbeiträge hinsichtlich der unterschiedlichen Bedeutung der Bezüge zu den Sozialebenen Makro, Meso und Mikro zeigt eine im Vergleich zum Radio häufigere Personalisierung der Berichterstattung. Zwar fokussieren die öffentlichen Sender mit einer vergleichsweise intensiven Politik- und Wirtschaftsberichterstattung gleichzeitig öfter auf die Ebene der Gesellschaft und der Organisationen, während die Privaten durch ihre Orientierung an Human Interest-Themen viel eher ihre Aufmacherbeiträge mit partikulären und personalisierten Elementen darstellen. In der relevanten Politikberichterstattung hingegen ähneln zwei der privaten Sender (Tele Ticino und Léman Bleu) den öffentlichen Sendern. Die zwei untersuchten Privatsender der deutschsprachigen Schweiz hingegen sind durch eine deutlich höher personalisierte und privatisierte Berichterstattung charakterisiert.

Aufmacherbeiträge: Relevante Themen

Hinsichtlich der Qualitätsdimension der Relevanz interessieren über den Charakter der Berichterstattung in den Aufmacherbeiträgen hinaus die wichtigsten Kommunikationsereignisse des Fernsehens im letzten Quartal 2009. Sie bilden eine Aufmerksamkeitslandschaft ab, die sich aus dem Zusammenspiel der einzelnen Fernsehsendungen und -typen im Zuge der jeweiligen Themendynamiken ergibt. Allerdings tragen die Fernsehsendungen und -typen in unterschiedlichem Mass zu dieser Agenda der wichtigsten 20 Kommunikationsereignisse bei.

Der Anspruch auf Relevanz zielt dabei vor allem darauf, inwieweit Kommunikationsereignisse aus Politik, Wirtschaft und Kultur die Agenda bestimmen und inwiefern bei der Thematisierung dieser Gesellschaftssphären das Allgemeine (Makro- und Mesoebene) statt das Persönliche und Partikuläre (Mikroebene) im Zentrum steht.

Aus Darstellung IV.2.20 wird ersichtlich, dass die Fernsehagenda vorwiegend durch Themen aus der Politik bestimmt wird. Gerade im Vergleich zum Radio fällt jedoch auf, dass auch Sport- und Human Interest- sowie Politikthemen mit starken Elementen des Human Interest hohe Resonanzchancen erhalten. So schaffen es die Thematisierung der Fussball-WM 2010, der Erfolg der schweizerischen U17-Fussballmannschaft an der WM in Nigeria, der Skandal um gekaufte Fussballspiele sowie – im Gattungsvergleich einzigartig – ein reines Wetterereignis (Kälterekord vor Weihnachten) auf die Fernsehagenda. Ebenso erhält die Verhaftung Roman Polanskis intensive Aufmerksamkeit.

Während eine kulturelle Themenbildung auf der Ebene der Topagenda nicht stattfindet, finden einige (politisierte) Wirtschaftsthemen Eingang in die Agenda. Doch auch im Fernsehen wird die Wirtschaftskrise nur anhand kurzfristiger Ereignisse aktualisiert (Druck auf den Finanzplatz Tessin, Doppelbesteuerungsabkommen mit Frankreich), während weiterführende Ursachenforschungen und Lösungsdebatten über die Regulierung der Finanzbranche nicht auf die Agenda der grössten Kommunikationsereignisse gelangen. Die Krise wird hingegen vor allem in Form von konkreten Auswirkungen für breite Bevölkerungsgruppen anhand des Konjunkturverlaufs in der Schweiz thematisiert (Arbeitslosigkeit, Ausgaben für Geschenke an Weihnachten usw.).

Prominent sind schliesslich auch diejenigen Politik- und Wirtschaftsereignisse, die sich als Konflikt um Personen darstellen lassen; daran beteiligen sich auch die Nachrichtensendungen der SRG, im Gattungsvergleich wiederum stärker als im Radio (vgl. unten). Dies trifft besonders auf die Libyenaffäre und die Personaldiskussion um die Leitung der Post zu (Affäre Béglé), in denen Rücktrittsforderungen an Amtsträger und die damit verbundene Sieg/Niederlage-Dynamik die Aufmerksamkeit vorantreiben. Auch die Schweinegrippe wird vor allem mit Bezug auf Individuen und ihre Schicksale thematisiert, zum Teil konfliktstilisierend anhand von einzelnen Ärzten, die sich gegen die Impfpflicht wehren, zum Teil Betroffenheit vermittelnd anhand von Opfern der Schweinegrippe, besonders eines Säuglings, der an der Krankheit verstirbt.

Überwiegend mit Bezug auf gesellschaftliche Prozesse (Makro) werden auf der anderen Seite die weltweite Klimapolitik, die Gesundheitsreform in der Schweiz, der Konjunkturverlauf in der Schweiz, der Druck auf den Finanzplatz Tessin und die Diskussion über ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Frankreich thematisiert. Zusätzlich sind auch gesellschaftsrelevante Themen, d.h. Kommunikationsereignisse mit einem hohen Makroanteil, gleichzeitig durch die Fokussierung auf einzelne Amtsträger zu einem gewissen Grad personalisiert (Krieg in Afghanistan bzw. Präsidentschaftswahlen und – durch die Vermittlung der Perspektive von Menschenrechtsaktivisten und ihre Erinnerungen an die Vorgänge vor 20 Jahren – die Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich des Endes des Kalten Krieges).

Fazit

Die im Vergleich zum Radio stärkere Personalisierung der Berichterstattung im Fernsehen zeigt sich einerseits in der höheren Resonanz von Sportereignissen und andererseits in der personalisierenden und skandalisierenden Berichterstattung über politische und wirtschaftliche Themen von gesamtgesellschaftlicher Relevanz. Zu diesem Ergebins tragen die Privatsender etwas stärker bei, aber auch die öffentlichen Anbieter pflegen eine im Gattungsvergleich stark personalisierte Berichterstattung.

Aufmacherbeiträge: Themenbildung bei den öffentlichen und privaten Anbietern im Vergleich

Die spezifische Themenbildung in den Nachrichtensendungen öffentlicher und privater Anbieter zeigt sich, wenn pro Typ die Abweichung vom Durchschnitt der gesamten Fernseharena berechnet wird. Auf diese Weise lässt sich feststellen, inwieweit die einzelnen Fernsehtypen und auch -sendungen unterschiedliche Aufmerksamkeitslandschaften ausbilden und was sie zur Themendynamik insgesamt beitragen.

Die überwiegende Vernachlässigung von Politik führt bei den Privatsendern gleichzeitig zu einer Konzentration auf einige wenige (nationale) politische «Topthemen» (vgl. Darstellung IV.2.21). Innerhalb der nur schwach ausgeprägten Politikagenda der Privatsender nehmen die Minarettinitiative, die Schweinegrippe und – fast exklusiv in der italienischsprachigen Schweiz – der Druck auf den Finanzplatz Tessin eine hohe Bedeutung ein. Auffallend ist ebenfalls die starke Beteiligung der privaten Fernsehsender an identitätspolitischen und sicherheitspolitischen Fragen – neben der Minarettinitiative auch Integrationspolitik, Innere Sicherheit BWIS –, bei denen die Berichterstattung (auch) diffuse Ängste vor dem Fremden und vor (politischer) Gewalt thematisiert. Entsprechend ist die Berichterstattung der privaten Fernsehanbieter bei diesen Themen durch einen stärker moralisch-emotionalen Stil geprägt (vgl. Kapitel IV.2.4). Politische oder politisierte Themen auf nationaler Ebene gelangen bei Privatsendern also vor allem durch personalisierbare Konflikte mit Sieg/Niederlage-Dynamiken oder durch die Darstellung von Betroffenheit, die entsprechend moralisch-emotional aufgeladen wird, auf die Agenda.

Auf der anderen Seite ist die Aufmerksamkeit für die insgesamt 20 grössten Kommunikationsereignisse bei den öffentlichen Sendern erstens gleichmässiger verteilt, zweitens thematisieren die öffentlichen Sender vor allem relevante Vorgänge im Ausland deutlich häufiger und nachhaltiger als die privaten (für ähnliche Befunde zur Auslandsberichterstattung in anderen Ländern vgl. etwa Peter/de Vreese, 2004; Woelke, 2007; Krüger, 2009). Wenn sich auch die Aufmerksamkeitslandschaft des öffentlichen Fernsehens von den Privatsendern hinsichtlich der Relevanz in diesen beiden Punkten positiv unterscheidet, so lassen sich doch Affinitäten auch des öffentlichen Fernsehens für Themen mit boulevardeskem Charakter beobachten. So ist die Aufmerksamkeitslandschaft der SRG-Programme im Fernsehen durch weniger Relevanz geprägt als im Radio, weil die öffentlichen Sender im Fernsehen mehreren Themen Beachtung schenken, die besonders diesen medialen Logiken entsprechen (Betroffenheit und Ängste, personalisierbare Konflikte und Skandale usw.). Vergleicht man die Rangpositionen auf den Agenden der SRG, so sind exakt solche Themen auf der Agenda der öffentlichen Fernsehsender deutlich näher an der Spitze als auf der Agenda der öffentlichen Radiosender: die Schweinegrippe (Rang 2 im Fernsehen bzw. 4 im Radio), die Libyenaffäre (Rang 4 bzw. 8), die Verhaftung Roman Polanskis (Rang 11 bzw. nicht unter den grössten 20 Kommunikationsereignissen), der Kälterekord vor Weihnachten (Rang 18 bzw. nicht unter den grössten 20 Kommunikationsereignissen), die U17-Fussball-WM (Rang 6 bzw. 18), die Fussball-WM 2010 (Rang 13 bzw. nicht unter den grössten 20 Kommunikationsereignissen) und identitätspolitische Fragen (Minarettinitiative Rang 1 bzw. 2; Integrationspolitik 14 bzw. nicht unter den grössten 20 Kommunikationsereignissen).

Aufmacherbeiträge: Spezielle Themen der TV-Typen

Trotz dieser im Vergleich zum Radio tendenziell stärkeren Fokussierung der öffentlichen Sender auf Themen, die auch bei den privaten Anbietern hohe Ränge einnehmen, zeigen sich doch unterschiedliche Aufmerksamkeitslandschaften bei diesen beiden Typen, wenn wir statt der gemeinsam thematisierten Ereignisse auf das jeweils Spezifische fokussieren und die je spezifische Fernsehagenda der öffentlichen und privaten Anbieter miteinander vergleichen. Hierfür werden aus den Agenden der Fernsehtypen diejenigen Kommunikationsereignisse ausgewählt, die nur in einem der zwei Typen zu den 20 grössten der jeweiligen Agenda gehören (vgl. Darstellung IV.2.22).

Diese Untersuchung führt eindeutig unterschiedliche Akzentsetzungen zwischen den beiden Typen zutage. Themen, die es exklusiv auf die Agenda der grössten 20 Themen der privaten Sender schaffen, betreffen überwiegend den Human Interest wie Prominenz, Wetter, Unfälle sowie Mord und Totschlag (z.B. der Lebenswandel von Carl Hirschmann oder die Explosion von Gasflaschen in Safenwil). Auch dort, wo Politik- und Wirtschaftsthemen exklusiv auf der Agenda der privaten Sender auftauchen, haben sie einen hohen personalisierenden und privatisierenden Charakter, wie das Beispiel der Berichterstattung über die Affäre um den ehemaligen Direktor der Tessiner Elektrizitätswerke (AET-Affäre Brunett) oder über das Privatleben von Politikern bei den Zürcher Regierungsratswahlen oder den Gefühlen von Bundespräsidentin Leuthard auf ihrer «Triumphfahrt» in den Aargau zeigt (Präsidialwahlen) (Aktuell, 3. Dezember 2009, vgl. oben).

Exklusiv auf der Agenda der öffentlichen Sender erscheinen, wie auch bei den vergleichbaren öffentlichen Sendern im Radio, mehrheitlich stärker reflexive und prozessorientierte Kommunikationsereignisse, wenn auch nicht unbedingt auf den Spitzenrängen der Kommunikationsereignishierarchie. Dies trifft nicht nur auf Ereignisse und Themen im Ausland zu wie etwa die weltweite Klimapolitik, das Erinnerungsereignis zum Ende des Kalten Krieges, den Reformprozess im Iran und den Krieg in Afghanistan. Auch auf nationaler Ebene tragen die öffentlichen Sender deutlich mehr zu einer (reflexiven und) nachhaltigeren Thematisierung von Vorgängen bei, wie etwa bei den Gesundheitsreformen und der Beschaffung von Kampfjets (Rüstungsprogramm). Einige dieser Themen werden jedoch, anders als im Radio, personalisiert dargestellt (vgl. oben), und die öffentlichen Sender setzen, auch anders als im Radio, stärker episodische, konfliktstilisierte Kommunikationsereignisse auf ihre Agenda. Dies betrifft beispielsweise die Affäre Béglé bei der Post, den Fussballwettskandal oder das Terrorattentat in einem Flugzeug im Landeanflug auf Detroit.

Fazit

Insgesamt ist die Fernsehagenda von politischen Themen gesellschaftsweiter Relevanz geprägt, zu denen vor allem die öffentlichen, teilweise auch die privaten Sender beitragen. Während die Privatsender sich aber auf einige wenige «Topthemen» konzentrieren, die personalisierend, skandalisierend und emotionalisierend aufgemacht werden können, und auch sonst Themen aus Sport und Human Interest bevorzugen, leisten die Sendungen der öffentlichen Fernsehanstalten einen höheren Beitrag zur Beleuchtung relevanter Vorgänge. Allerdings ist diese Leistung im Vergleich zu den entsprechenden öffentlichen Sendern im Radio insofern geringer, als die Berichterstattung personalisierter, konflikt- und skandalzentrierter und gleichzeitig auch episodischer ist (vgl. Kapitel IV.2.3.2).

Aufmacherbeiträge: Sprachregionale Themenschwerpunkte

Die Existenz von sprachregionalen Medienarenen stellt die schweizerische Gesellschaft dann vor besondere Herausforderungen, wenn diese einzelnen Medienarenen je eigene Relevanzstrukturen ausbilden und kaum mehr Vorgänge von gesellschafsweitem Interesse thematisieren würden. Während eine Orientierung an schweizweiten statt lokalen, partikulären Vorgängen bei den regional oder lokal konzessionierten Privatsendern weniger zu erwarten ist, kommt dem gebührenfinanzierten öffentlichen Fernsehen hingegen die besondere Aufgabe zu, einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration der verschiedenen Landesteile zu leisten.

Zur Prüfung sprachregional übergreifender Relevanzstrukturen in der öffentlichen Kommunikation werden die sprachregionalen Agenden des Fernsehens einerseits miteinander verglichen sowie andererseits je kontrastiert mit der Schweizer Fernsehagenda insgesamt.

Dieser Vergleich zwischen den sprachregionalen Agenden der deutsch-, der französisch- und der italienischsprachigen Schweiz zeigt, dass sich die Fernsehagenden der drei Sprachregionen in der Tendenz ähneln (vgl. Darstellungen IV.2.23, IV.2.24 und IV.2.25), dass diese Ähnlichkeit aber im Vergleich zu anderen Mediengattungen (v.a. Radio) deutlich weniger ausgeprägt ist. Vier grosse und ein mittelgrosses relevantes Kommunikationsereignis mit Schweizbezug finden im letzten Quartal des Jahres 2009 zwar in allen drei Sprachregionen Aufmerksamkeit (die Minarettinitiative, die Schweinegrippe, die Libyenaffäre, die Verhaftung Roman Polanskis sowie der Druck auf den Finanzplatz Tessin). Zusätzlich zeigt sich die hohe Bedeutung des Sports für die gesellschaftsweite Koorientierung. Die Erfolge der schweizerischen Nationalmannschaften (Fussball-WM 2010 Südafrika bzw. Qualifikationsspiele und U17-Fussball-WM in Nigeria) werden in allen drei Sprachregionen intensiv thematisiert. Zu diesen Themen tragen sowohl die öffentlichen als auch die privaten Sender bei – dies im Gegensatz zum Druck auf den Finanzplatz Tessin, dem die Privatsender in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz kaum Resonanz erteilen. Als einziges relevantes Kommunikationsereignis mit globalem Bezug findet die Klimapolitik anlässlich der Konferenz in Kopenhagen und dank der öffentlichen Sender Resonanz in allen drei Landesteilen. Darüber hinaus gibt es aber kaum (relevante) Themen, die landesweit hohe Resonanz zu erzielen vermögen.

Dies liegt nur teilweise an den privaten Sendern, die durch eine stärkere Human Interest-Orientierung und ihre regionale Fokussierung weniger zu nationalen und/oder internationalen relevanten Themen beitragen. Auch die Agenden der öffentlichen Fernsehsender unterscheiden sich zwischen den Sprachregionen stärker, als dies beim Radio zu beobachten ist (vgl. Kapitel III.2.2.2). Ausserdem sind nicht alle vergleichbaren Hauptnachrichtensendungen der SRG in den drei Sprachregionen gleich affin für landesweite Probleme. Während die Tagesschau auf ihrer spezifischen Agenda der grössten 20 Kommunikationsereignisse insgesamt 13 Kommunikationsereignisse aufweist, die sich als relevant für die ganze Schweiz beschreiben lassen (Politik, Wirtschaft, Kultur), geraten solche Themen in Le Journal (insgesamt acht) und im Telegiornale sera (insgesamt sieben) deutlich weniger auf die Agenda.

Im Vergleich der Sprachregionen beschäftigt sich die Fernseharena der Deutschschweiz, wie bereits in der Presse und im Radio gezeigt, tendenziell am meisten mit Ereignissen, die die ganze Schweiz betreffen. Insofern ist besonders SF1 affiner für Politikprozesse von landesweitem Interesse (z.B. Gesundheitsreformen, Rüstungsprogramm).

Zusätzlich sorgen die Privatsender in der Deutschschweiz dafür, dass der Lebenswandel von Carl Hirschmann – bei den Züri News auf Rang 3 der Agenda – in der ganzen Deutschschweiz zum Thema wird. Auch Tele M1 trägt durch seine starke Regionalfokussierung und Boulevardisierung kaum etwas zu einer sprachregional übergreifenden Agenda bei. Im Gegensatz hierzu thematisiert Tele Züri Politikthemen von landesweiter Bedeutung. Dabei handelt es sich jedoch vorwiegend um Themen mit starken Human Interest-Aspekten (z.B. Prozess zum Lawinenunglück an der Jungfrau, Schweinegrippe) sowie um ausländer- und sicherheitspolitische Themen. Diese Thematisierung von emotional aufgeladenen Fragen wird freilich auch durch die Nachrichtensendung 10vor10 von SF1 vorangetrieben, die insofern Gemeinsamkeiten mit dem Privatfernsehen aufweist (vgl. Kapitel IV.2.3.2).

Die Agenda der französischsprachigen Schweiz ist weniger an Themen von landesweitem Interesse orientiert. Dies liegt nicht unbedingt nur am Journal des Privatsenders Léman Bleu, der durch seine Fokussierung auf die Regionalpolitik nur einige wenige nationale Themen behandelt. Auch Le Journal von TSR1 tendiert zu einer Konzentration auf wenige relevante nationale «Topthemen». Zwar geraten wirtschafts- und finanzpolitische Fragen nur wegen Le Journal überhaupt auf die Agenda der französischsprachigen Schweiz (Druck auf Finanzplatz Tessin, Doppelsteuer Schweiz–Frankreich), doch sorgt das öffentliche Fernsehen in der Tendenz für eine stärkere Fokussierung auf (sprach-)regionale Themen (Pitbullattacke in der Westschweiz, Lebenswandel der Söhne Ismailovs). Gleichzeitig widmet das öffentliche Fernsehen der französischsprachigen Schweiz – im Vergleich etwa zur deutschsprachigen Schweiz – Themen aus Sport und Human Interest (Kälterekord vor Weihnachten) mehr Aufmerksamkeit.

In der italienischsprachigen Schweiz verdrängt die Orientierung an der eigenen Region und am Human Interest Themen von nationaler, politischer und wirtschaftlicher Relevanz. Der Privatsender Tele Ticino sorgt mit den Ticino News für eine durch Skandal und Human Interest geprägte Agenda (AET-Affäre Brunett; «Killer von Losone»), die regionaler ausgerichtet und damit selbstbezogen ist. Dazu gehört auch die starke Thematisierung des Drucks auf den Finanzplatz Tessin mit einer Fokussierung auf regionale Akteure. Auch für das Telegiornale sera von LA1 reduziert sich das Nationale vor allem auf Sportereignisse. Auf der anderen Seite werden ausländerpolitische Fragen, wie sie in der Agenda der deutsch- und französischsprachigen Schweiz vorkommen und vor allem einem politischen Akteur Resonanz verleihen, in der italienischsprachigen Schweiz schwächer thematisiert.

Fazit

Die Integration einer national verfassten Gesellschaft setzt voraus, dass über dieselben Themen gesprochen und diskutiert wird. Vergleicht man die Agenden der Fernsehnachrichtensendungen in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz, dann werden nur wenige hohe aufmerksamkeiterzeugende Themen gemeinsam thematisiert. Gemessen daran, wird die Schweiz durch Souveränitätsprobleme (Libyenaffäre, Druck auf den Finanzplatz Tessin) Bedrohungen (Schweinegrippe, Konjunktur, Klimawandel), identitätspolitische Debatten (Minarettinitiative), Human Interest (Verhaftung Roman Polanskis) und Sportereignisse zusammengehalten.

Unterschiede zwischen den Sprachregionen zeigen sich vor allem in der stärker national orientierten Agenda der Deutschschweizer Nachrichtensendungen von SF1, weniger bei Tele Züri und kaum bei Tele M1. Die schwächere Berücksichtigung national relevanter Themen und die etwas höhere Selbstbezogenheit der jeweiligen Sprachregion (französisch- und italienischsprachige Schweiz) lassen sich dabei auch auf eine dort ausgeprägtere Orientierung an Human Interest-Themen zurückführen, die auch die öffentlichen Sender betrifft. Zusammen genommen schränkt also, neben der unterschiedlichen Intensität der Fokussierung auf die eigene Sprachregion, auch ein höherer Grad an der per se stärker (sprach-)regional gebundenen Boulevardisierung den Beitrag zu national relevanten Themen ein.

Lesehilfe IV.2.10
Lesehilfe IV.2.10

Informationsformate – Gewichtung im privaten und öffentlichen Fernsehen

Die Darstellung zeigt die prozentualen Anteile der zeitlichen Dauer, die die Informationsformate Nachrichten, Magazin und Forum für jeden Fernsehtyp erhalten. Sie basiert auf allen Informationsformaten der Wochenstichprobe vom 23. bis zum 29. November 2009 (Summe Stunden = 116).

Lesebeispiel: Im öffentlichen Fernsehen dominiert das Format Nachrichten (63%).

Lesehilfe IV.2.11
Lesehilfe IV.2.11

Newsangebot – Informationsformate im privaten und öffentlichen Fernsehen

Die Darstellung zeigt die prozentualen Anteile der zeitlichen Dauer, die die Informationsformate Nachrichten, Magazin und Forum im Informationsbereich News für jeden Fernsehtyp erhalten. Sie basiert auf allen Informationsformaten des Informationsbereichs News der Wochenstichprobe vom 23. bis zum 29. November 2009 (Summe Stunden = 66).

Lesebeispiel: Das private Fernsehen gewichtet Forumsformate (33%) im Newsangebot stärker als das öffentliche Fernsehen (5%).

Lesehilfe IV.2.12
Lesehilfe IV.2.12

Newsangebot – Informationsformate des öffentlichen Fernsehens nach Sprachregionen

Die Darstellung zeigt die prozentualen Anteile der zeitlichen Dauer, die die Informationsformate Nachrichten, Magazin und Forum im Newsangebot des öffentlichen Fernsehens für jede Sprachregion erhalten. Sie basiert auf allen Informationsformaten des Informationsbereichs News der Wochenstichprobe vom 23. bis zum 29. November 2009 (Summe Stunden = 51).

Lesebeispiel: Das Newsangebot des öffentlichen Fernsehens in der französischsprachigen Schweiz wird gänzlich, also zu 100%, im Nachrichtenformat aufbereitet.

Lesehilfe IV.2.14
Lesehilfe IV.2.14

Politikangebot – Informationsformate des öffentlichen Fernsehens nach Sprachregionen

Die Darstellung zeigt die prozentualen Anteile der zeitlichen Dauer, die die Informationsformate Nachrichten, Magazin und Forum im Politikangebot des öffentlichen Fernsehens für jede Sprachregion erhalten. Sie basiert auf allen Informationsformaten des Informationsbereichs Politik der Wochenstichprobe vom 23. bis zum 29. November 2009 (Summe Stunden = 11).

Lesebeispiel: Das Politikangebot des öffentlichen Fernsehens in der deutsch- und der italienischsprachigen Schweiz wird gänzlich, also zu 100%, im Nachrichtenformat aufbereitet.

Lesehilfe IV.2.13
Lesehilfe IV.2.13

Politikangebot – Informationsformate im privaten und öffentlichen Fernsehen

Die Darstellung zeigt die prozentualen Anteile der zeitlichen Dauer, die die Informationsformate Nachrichten, Magazin und Forum im Informationsbereich Politik für jeden Fernsehtyp erhalten. Sie basiert auf allen Informationsformaten des Informationsbereichs Politik der Wochenstichprobe vom 23. bis 29. November 2009 (Summe Stunden = 16).

Lesebeispiel: Das private Fernsehen gewichtet Forumsformate im Politikangebot am stärksten (83%). Magazinformate kommen hier nicht vor.

Lesehilfe IV.2.15
Lesehilfe IV.2.15

Wirtschaftsangebot – Informationsformate im privaten und öffentlichen Fernsehen

Die Darstellung zeigt die prozentualen Anteile der zeitlichen Dauer, die die Informationsformate Nachrichten, Magazin und Forum im Informationsbereich Wirtschaft für jeden Fernsehtyp erhalten. Sie basiert auf allen Informationsformaten des Informationsbereichs Wirtschaft der Wochenstichprobe vom 23. bis zum 29. November 2009 (Summe Stunden = 7).

Lesebeispiel: Das private Fernsehen bereitet den Informationsbereich Wirtschaft in Form von Nachrichten- (16%) und Magazinformaten (84%) auf.

Lesehilfe IV.2.16
Lesehilfe IV.2.16

Wirtschaftsangebot – Informationsformate des öffentlichen Fernsehens nach Sprachregionen

Die Darstellung zeigt die prozentualen Anteile der zeitlichen Dauer, die die Informationsformate Nachrichten, Magazin und Forum im Wirtschaftsangebot des öffentlichen Fernsehens für jede Sprachregion erhalten. Sie basiert auf allen Informationsformaten des Informationsbereichs Wirtschaft der Wochenstichprobe vom 23. bis zum 29. November 2009 (Summe Stunden = 4).

Lesebeispiel: Das Wirtschaftsangebot des öffentlichen Fernsehens in der französisch- und der italienischsprachigen Schweiz wird gänzlich, also zu 100%, im Magazinformat aufbereitet.

Lesehilfe IV.2.17
Lesehilfe IV.2.17

Kulturangebot – Informationsformate im privaten und öffentlichen Fernsehen

Die Darstellung zeigt die prozentualen Anteile der zeitlichen Dauer, die die Informationsformate Nachrichten, Magazin und Forum im Informationsbereich Kultur für jeden Fernsehtyp erhalten. Sie basiert auf allen Informationsformaten des Informationsbereichs Kultur der Wochenstichprobe vom 23. bis zum 29. November 2009 (Summe Stunden = 16).

Lesebeispiel: Das private Fernsehen bereitet sein Kulturangebot stärker in Form von Forumsformaten (32%) auf als das öffentliche Fernsehen, das das Magazinformat (79%) stärker gewichtet.

Lesehilfe IV.2.19
Lesehilfe IV.2.19

Aufmacherbeiträge – Beitragsfokus auf Sozialebenen

Die Darstellung zeigt die prozentualen Anteile der thematisierten Sozialebenen für die Aufmacherbeiträge der Fernsehtypen. Sie basiert auf allen Beiträgen der Aufmacheranalytik vom 5. Oktober bis zum 31. Dezember 2009, mit Ausnahme der Kategorie «nicht anwendbar» (n = 2447).

Lesebeispiel: Im Vergleich der Fernsehtypen hat das Privatfernsehen in seinen Aufmacherbeiträgen mit 17% den höchsten Anteil privatisierender Berichterstattung (Mikro-rollenfern).

Lesehilfe IV.2.20
Lesehilfe IV.2.20

Fernseharena Schweiz – fokussierte Sozialebenen der Top-20-Kommunikationsereignisse

Die Darstellung zeigt die 20 grössten Kommunikationsereignisse (KE) der Fernseharena Schweiz. Die KE sind nach ihrem Anteil an der Gesamtberichterstattung dieser Top-20-KE hierarchisiert. Die gestapelten Balken geben für jedes KE den Anteil der fokussierten Sozialebenen an der Gesamtberichterstattung der Top-20-KE an. Die Darstellung basiert auf allen Beiträgen zu den Top-20-KE der Aufmacheranalytik vom 5. Oktober bis 31. Dezember 2009 (n = 763).

Lesebeispiel: Das Kommunikationsereignis Minarettinitiative erhält im Untersuchungszeitraum die höchste Aufmerksamkeit (Rang 1) in der Schweizer Fernseharena. Auf die Minarettinitiative entfallen 18.9% der Berichterstattung der Top-20-KE. Die Thematisierung dieses KE auf der Makroebene nimmt 11% der Gesamtberichterstattung der Top-20-KE ein (bzw. 58% innerhalb des KE).

Lesehilfe IV.2.21
Lesehilfe IV.2.21

Fernsehagenda Schweiz – Aufmerksamkeitslandschaften der Fernsehtypen bei den Top-20-Kommunikationsereignissen

Die Darstellung zeigt die 20 grössten Kommunikationsereignisse (KE) der Fernseharena Schweiz. Die KE sind nach ihrem Anteil an der Gesamtberichterstattung dieser Top-20-KE hierarchisiert. Die Balken zeigen für jeden Fernsehtyp die Abweichung vom durchschnittlichen Anteil des KE an der Gesamtberichterstattung der Top-20-KE. Die Darstellung basiert auf allen Beiträgen zu den Top-20-KE der Aufmacheranalytik vom 5. Oktober bis zum 31. Dezember 2009 (n = 763).

Lesebeispiel: Das Kommunikationsereignis Schweinegrippe erhält im Untersuchungszeitraum die zweithöchste Aufmerksamkeit (Rang 2) in der Schweizer Fernseharena. Auf die Schweinegrippe entfallen 10.9% der Berichterstattung der Top-20-KE (vgl. Darstellung IV.2.20). Innerhalb der Agenda des Privatfernsehens beträgt die Resonanz dieses KE 15.1% und ist damit um 4.2%-Punkte höher als in der Fernseharena Schweiz.

Lesehilfe IV.2.22
Lesehilfe IV.2.22

Agenden der Fernsehtypen – spezifische Themenschwerpunkte

Die Darstellung zeigt die 20 grössten Kommunikationsereignisse (KE) pro Fernsehtyp gemessen am Anteil an der Gesamtberichterstattung dieser Top-20-KE innerhalb eines Fernsehtyps. Abgebildet werden davon diejenigen KE, die nur in einem der beiden Fernsehtypen zu den Top-20-KE gehören. Die Darstellung basiert auf allen Beiträgen der Aufmacheranalytik vom 5. Oktober bis zum 31. Dezember 2009 zu den Top-20-KE in den jeweiligen Fernsehtypen (n = 813, davon 609 Beiträge bei den öffentlichen, 204 bei den privaten Fernsehsendern).

Lesebeispiel: Das KE Lebenswandel von Carl Hirschmann zieht im Untersuchungszeitraum innerhalb der Top-20-KE der Agenda des Privatfernsehens im Untersuchungszeitraum 4.9% der Resonanz auf sich. Dieses KE – wie auch zehn weitere – gehört nur beim Privatfernsehen, nicht aber bei den öffentlichen Anbietern zu den Top-20-KE.

Lesehilfe IV.2.23
Lesehilfe IV.2.23

Fernsehagenda der Deutschschweiz – Top-20-Kommunikationsereignisse

Die Darstellung zeigt die 20 grössten Kommunikationsereignisse (KE) des Fernsehens in der Deutschschweiz. Die KE sind nach ihrem Anteil an der Gesamtberichterstattung dieser Top-20-KE hierarchisiert. Die dunkelgrauen Balken geben für jedes KE den Anteil der Berichterstattung an der Gesamtberichterstattung der Top 20 innerhalb des Fernsehens der Deutschschweiz an, die hellgrauen Balken den Anteil auf der Agenda des Fernsehens aller Sprachregionen zusammen. Die Darstellung basiert auf allen Beiträgen der Aufmacheranalytik vom 5. Oktober bis 31. Dezember 2009 zu den Top-20-KE (Fernseharena Deutschschweiz n = 296; Fernseharena Schweiz n = 734).

Lesebeispiel: Das Kommunikationsereignis Schweinegrippe erhält im Untersuchungszeitraum die zweithöchste Aufmerksamkeit. Auf die Schweinegrippe entfallen in der Fernseharena Deutschschweiz 12.5% der Berichterstattung der Top-20-KE und damit eine um 1.6%-Punkte höhere Resonanz im Vergleich zur Fernseharena Schweiz (10.9%).

Lesehilfe IV.2.24
Lesehilfe IV.2.24

Fernsehagenda der französischsprachigen Schweiz – Top-20-Kommunikationsereignisse

Die Darstellung zeigt die 20 grössten Kommunikationsereignisse (KE) des Fernsehens in der französischsprachigen Schweiz. Die KE sind nach ihrem Anteil an der Gesamtberichterstattung dieser Top-20-KE hierarchisiert. Die orangefarbenen Balken geben für jedes KE den Anteil der Berichterstattung an der Gesamtberichterstattung der Top 20 innerhalb des Fernsehens der französischsprachigen Schweiz an, die hellgrauen Balken den Anteil auf der Agenda des Fernsehens aller Sprachregionen zusammen. Die Darstellung basiert auf allen Beiträgen der Aufmacheranalytik vom 5. Oktober bis zum 31. Dezember 2009 zu den Top-20-KE (Fernseharena französischsprachige Schweiz n = 315; Fernseharena Schweiz n = 714).

Lesebeispiel: Das Kommunikationsereignis Klimapolitik UNO erhält im Untersuchungszeitraum hohe Aufmerksamkeit und ist auf Rang 4 platziert. Auf die Klimapolitik entfallen in der Fernseharena französischsprachige Schweiz 8.6% der Berichterstattung der Top-20-KE und damit eine um 2.2%-Punkte höhere Resonanz im Vergleich mit der Fernseharena Schweiz (6.4%).

Lesehilfe IV.2.25
Lesehilfe IV.2.25

Fernsehagenda der italienischsprachigen Schweiz – Top-20-Kommunikationsereignisse

Die Darstellung zeigt die 20 grössten Kommunikationsereignisse (KE) des Fernsehens in der italienischsprachigen Schweiz. Die KE sind nach ihrem Anteil an der Gesamtberichterstattung dieser Top-20-KE hierarchisiert. Die roten Balken geben für jedes KE den Anteil der Berichterstattung an der Gesamtberichterstattung der Top 20 innerhalb des Fernsehens der italienischsprachigen Schweiz an, die hellgrauen Balken den Anteil auf der Agenda des Fernsehens aller Sprachregionen zusammen. Die Darstellung basiert auf allen Beiträgen der Aufmacheranalytik vom 5. Oktober bis zum 31. Dezember 2009 zu den Top-20-KE (Fernseharena italienische Schweiz n = 211; Fernseharena Schweiz n = 675).

Lesebeispiel: Das Kommunikationsereignis «Druck auf den Finanzplatz Tessin» erhält im Untersuchungszeitraum die höchste Aufmerksamkeit. Darauf entfallen in der Fernseharena italienischsprachige Schweiz 21.3% der Berichterstattung der Top-20-KE und damit im Vergleich mit der Fernseharena Schweiz eine um 12.8%-Punkte höhere Resonanz (8.5%).