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IV.2 Qualitätsvalidierung
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IV.2 Qualitätsvalidierung

Die Analyse der publizistischen Versorgung hat bereits gezeigt, dass die öffentlichen Sender im Bereich der Informationsvermittlung eine überragende Stellung einnehmen. Das Privatfernsehen hat hier nur eine komplementäre Funktion, und zwar überwiegend auf der lokalen Ebene.

Für die Qualitätsvalidierung werden nun aus der Topografie der schweizerischen Fernsehlandschaft die verbreiteten Hauptinformationssendungen ausgewählt, um einerseits das Informationsangebot des Fernsehveranstalters, in das sie eingebettet sind, und andererseits Aufmacherbeiträge der jeweiligen Hauptinformationssendung detailliert zu untersuchen. Die Validierung der Qualität des Informationsangebots des jeweiligen Fernsehveranstalters, der die Hauptinformationssendung produziert, und der Berichterstattung der Hauptinformationssendung selbst erfolgt wie immer anhand der vier Dimensionen Vielfalt, Relevanz, Aktualität und Professionalität. Die empirische Basis bildet jeweils die Analyse des Informationsangebots auf der Basis aller Informationsformate des Fernsehveranstalters während einer natürlichen Woche einerseits und der Aufmacherbeiträge der Hauptinformationssendungen im letzten Quartal 2009 andererseits.

Der Qualitätsindikator Vielfalt (vgl. Kapitel IV.2.1) gründet auf dem Anspruch auf die Universalität der Öffentlichkeit. Er wird anhand der Vielfalt der Informationsformate, der fokussierten Themenbereiche und der geografischen Bezugsräume gemessen. Relevanz (vgl. Kapitel IV.2.2) wird über die Abdeckung der zentralen Informationsbereiche bzw. Gesellschaftssphären Politik, Wirtschaft und Kultur operationalisiert und über die Bezüge, die in der Berichterstattung auf gesellschaftliche Prozesse und auf Organisationen (Makro/Meso) statt auf individuelle Befindlichkeiten (Mikro) gemacht werden. Der Qualitätsindikator Aktualität (vgl. Kapitel IV.2.3) wird einerseits anhand des Angebots an aktuellen, gemischten Nachrichtenformaten untersucht. Andererseits wird dieser Indikator operationalisiert, indem der Anteil der thematisch orientierten Berichterstattung gemessen wird, der aktuelle Ereignisse in längerfristige Ursache- und Wirkungszusammenhänge einordnet und so Kontextwissen vermittelt. Professionelle Qualität (vgl. Kapitel IV.2.4), wie sie hier gemessen wird, bedeutet einen kognitiv-normativen Stil in der Berichterstattung. Diese Qualitätsvalidierung ist in Bezug auf die Rundfunkmedien von besonderer Bedeutung, da die öffentlichen Sender wie auch die konzessionierten privaten Sender einen expliziten Leistungsauftrag haben, für den sie mit Gebührengeldern teilweise finanziert werden.

Sprachregionale Arenen und Auswahl der Fernsehveranstalter für die Informationsangebotsanalyse bzw. Auswahl der Fernsehtitel für die Inhaltsanalyse

Der Fernsehmarkt der Schweiz ist im Informationsbereich – noch stärker als beim Radio – vom öffentlichen Rundfunk geprägt. Bei allen Informationsformaten ist die Abdeckungsquote durch die öffentlichen Sender wesentlich höher als durch die privaten. Die Nutzungszahlen übersteigen hier in allen Sprachregionen die der privaten um ein Vielfaches (s.o.).

Die deutschsprachige Schweiz weist sechs Nachrichten- und fünf Forumssendungen auf (vgl. Darstellung IV.2.1). Auffallend ist, dass das Format Magazin nur einmal vertreten ist (Rundschau/SF1). Auch in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz gibt es hier nur jeweils zwei Sendungen dieses Formats. Charakteristisch für die französischsprachige Schweiz ist, dass im Fernsehbereich lokale private Sender eine nur sehr marginale Rolle spielen. Sämtliche wesentliche Informationsformate stammen hier aus dem öffentlichen Bereich. Insgesamt finden sich in der französischsprachigen Schweiz eine Nachrichtensendung, zwei Magazine und eine Forumssendung. Anders ist die Situation in der italienischsprachigen Schweiz. Hier spielt hinsichtlich der Anzahl der Sendungen der einzig relevante private Sender Tele Ticino eine beachtliche Rolle. Drei Forumssendungen stammen von Tele Ticino und nur eine (Contesto) vom öffentlichen Sender TSI. Allerdings ist zu bedenken, dass die öffentlichen Formate ein Vielfaches der Nutzung der privaten Sendungen aufweisen.

Wie Darstellung IV.2.1 zeigt, weisen die Nachrichtensendungen über alle Sprachregionen hinweg die höchste Abdeckungsquote auf. In der deutsch- und italienischsprachigen Schweiz folgen dann kurz dahinter die Forumssendungen, ein Format, das in der französischsprachigen Schweiz mit nur einem Titel (Infrarouge/TSI) und einer Abdeckungsquote von lediglich 7% unterrepräsentiert ist. Die beiden Magazinsendungen der französischsprachigen Schweiz (Geopolitis und Mise au point), beide von TSR, haben eine deutlich höhere Abdeckungsquote als die Forumssendung und sind ähnlich hoch wie in der italienisch- (17%) und sogar etwas höher als in der deutschsprachigen Schweiz (12%).

Auswahl der Fernsehveranstalter für die Informationsangebotsanalyse bzw. Auswahl der Fernsehtitel für die Aufmacheranalyse

Um die Qualität des Informationsangebots und der Hauptinformationssendungen zu überprüfen, wird aus allen Fernsehtiteln, die gemäss der Kriterien des Informationsformats mit gesellschaftspolitischem Fokus und der Reichweite von mindestens 0.5% der sprachregionalen Bevölkerung erfasst worden sind (vgl. vorangehendes Kapitel «Publizistische Versorgung»), eine Auswahl getroffen (vgl. Darstellung IV.2.2). Diese Auswahl orientiert sich am Aufkommen der Informationsformate in den drei Sprachregionen und bedeutet in diesen eine proportionale Reduktion. Berücksichtigt werden jeweils die umfangreichsten und am weitesten verbreiteten Hauptinformationssendungen des öffentlichen sowie privaten Fernsehens und das gesamte Informationsangebot der Fernsehveranstalter, die die jeweilige Hauptinformationssendung produzieren.

Untersuchungsleitend war hier, aus allen Sprachregionen mindestens eine Hauptinformationssendung bzw. das gesamte Informationsangebot eines öffentlichen sowie eines privaten Fernsehsenders zu analysieren. Das auf diese Weise ausgewählte Sample umfasst insgesamt 8 Fernsehtitel, hinsichtlich der Sprachregionen 4 deutschsprachige, 2 französischsprachige und 2 italienischsprachige, die alle dem Format der Nachrichtensendung entsprechen.

Diese Auswahl der Fernsehtitel und -veranstalter führt zu einer Untervertretung der deutsch- und zu einer Übervertretung der italienischsprachigen Schweiz. 72% der Bevölkerung der Schweiz lebt in der deutsch-, 24% in der französisch- und 4% in der italienischsprachigen Schweiz. Bei der Auswahl der Medien im Fernsehbereich sind 50% der Titel aus der deutsch-, 25% aus der französisch- und 25% aus der italienischsprachigen Schweiz.

Durch das dargestellte Vorgehen wurden folgende Programme für die Analyse des Informationsangebots ausgewählt: Die ersten Programme des öffentlichen Fernsehens SF1, TSR1, LA1 sowie Tele M1,Tele Züri, Léman Bleu und Tele Ticino als Vertreter der privaten Anbieter. Für all diese Anbieter wurden im Rahmen der Informationsangebotsanalyse alle Sendungen der Formate Nachrichten, Magazin und Forum erfasst. Für die vertiefende Aufmacheranalytik wurden aus diesem Sample folgende Sendungen ausgewählt (vgl. Darstellung IV.2.2): Öffentliches Fernsehen: Tagesschau und 10vor10 von SF1, Le Journal von TSR1, Telegiornale sera von LA1; Privatfernsehen: Aktuell von Tele M1, Züri News von Tele Züri, Journal von Léman Bleu, Ticino News von Tele Ticino. Um einen Vergleich von privaten und öffentlichen Fernsehveranstaltern auch für die französischsprachige Schweiz vornehmen zu können, wurde die Informationssendung Journal von Léman Bleu einbezogen, obwohl diese – wie alle Informationssendungen der französischsprachigen Privatsender – die Universumsgrenze von 0.5% der Bevölkerung nicht erreicht.

Lesehilfe IV.2.1
Lesehilfe IV.2.1

Abdeckungsquote – Sprachregionale Auswahl der Hauptinformationssendungen für die Inhaltsanalyse

Die Darstellung zeigt die Abdeckungsquote der sprachregionalen Bevölkerung des gesamten Fernsehsamples (Sample; hell eingefärbt) und des für die Inhaltsanalyse ausgewählten Fernsehsamples (Auswahl = Hauptinformationssendungen; dunkel eingefärbt) pro Informationsformat mit gesellschaftspolitischem Fokus. Die Balken zeigen das Verhältnis der kumulierten Nutzungszahlen zur sprachregionalen Bevölkerung (Quelle: Mediapulse). In den Balken ist die Anzahl der gemäss den Erfassungskriterien berücksichtigten Fernsehtitel angegeben (Sample: n = 25; Auswahl: n = 8). Eine Besonderheit ergibt sich durch die Sendung Journal von Léman Bleu. Diese Sendung hat eine Nutzungszahl, die unter 0.5% der Bevölkerung der französischsprachigen Schweiz ab 15 Jahren liegt. Um ein vollständiges Sample zu haben, so dass in jeder Sprachregion mindestens eine öffentliche und eine private Hauptinformationssendung analysiert werden, wurde diese Sendung in die Qualitätsvalidierung aufgenommen. Daher ist der entsprechende Balken (Nachrichten) in der französischen Schweiz mit «2» gekennzeichnet. Die Abdeckungsquote rührt aber allein von der öffentlichen Sendung Le Journal (TSR1).

Lesebeispiel: In der italienischsprachigen Schweiz gibt es im Jahr 2009 zwei Nachrichtenformate, die über 0.5% der sprachregionalen Bevölkerung abdecken und insgesamt eine Abdeckungsquote von 23% der Bevölkerung der italienischsprachigen Schweiz aufweisen. Beide werden als Hauptinformationssendungen inhaltsanalytisch überprüft.

Lesehilfe IV.2.2
Lesehilfe IV.2.2

Hauptinformationssendungen – Sprachregionale Auswahl für die Inhaltsanalyse

Die Darstellung zeigt die Hauptinformationssendungen mit gesellschaftspolitischem Fokus, die gemäss den Erfassungskriterien für die Inhaltsanalyse ausgewählt wurden (n = 8).

Lesebeispiel: In der französischsprachigen Schweiz wurden im Fernsehen die Hauptinformationssendungen Journal von Léman Bleu und Le Journal von TSR1 untersucht.