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Kapitel I: Medienarena (Auszug)
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I. Medienarena

Zusammenfassung

Mark Eisenegger, Esther Kamber

Publizistische Versorgung

  • Bedeutung der Mediengattungen für die Informationsfunktion: Unter den vier Mediengattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online hat das Fernsehen insofern grosse Bedeutung, als es am meisten genutzt wird, und zwar vor der Presse und dem Radio. Das Internet bildet hinsichtlich der Nutzungshäufigkeit das Schlusslicht. Diese Rangfolge der Mediengattungen wird auch durch die in diesem Jahrbuch bei allen relevanten Informationstiteln gemessene potenzielle Abdeckung der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren bestätigt. Allerdings wird, wie eine Befragung ergeben hat, den Zeitungen hinsichtlich der Informationsfunktion die grösste Bedeutung zugeschrieben. Dies und die im internationalen Vergleich noch immer hohe Zahl von Pressetiteln rechtfertigt die Bezeichnung der Schweiz als Presseland.
  • Rückläufige Nutzung von Informationsmedien sowie Verschiebungen hinsichtlich Nutzungskanälen, -inhalten und -gewohnheiten: Trotz der Rangfolge der Gattungen Fernsehen, Presse, Radio und Internet hinsichtlich der Nutzungshäufigkeit von Informationsmedien haben sich Nutzungsverschiebungen zwischen den vier Mediengattungen ergeben. Der Online ist, ausgehend von einem tiefen Niveau, von 2007 bis 2009 deutlich gewachsen, und die drei traditionellen Gattungen konvergieren im Internet. Dabei häufen sich die Anzeichen, dass sich nicht nur die Vermittlungskanäle, sondern auch die vermittelten Inhalte und Nutzungsgewohnheiten verändern. Für die öffentliche Kommunikation entscheidend ist dabei, dass ein allgemeiner Trend der abnehmenden Nutzung von Informationsmedien der drei traditionellen Gattungen Presse, Radio und Fernsehen festzustellen ist. Dabei spielt nicht nur die Unterhaltung, sondern auch die stärker personell und privat gefärbte Kommunikation im digitalen Raum sowie die selektive Informationsbeschaffung im Internet eine wesentliche Rolle. (Diese Aussage wurde korrigiert. Weitere Informationen sowie sämtliche von der Korrektur betroffenen Passagen finden sie hier).
  • Informationspresse unter Druck: Trotz der immer noch hohen Bedeutung der Presse in der Schweiz war die Informationspresse, wie sie in diesem Jahrbuch im Zentrum steht, in der letzten Dekade den grössten Veränderungen unterworfen. Als Teil der privatwirtschaftlich organisierten Mediengattung Presse ist sie den konjunkturellen Schwankungen stark ausgesetzt und verlor durch die zwei Konjunktureinbrüche 2001 und 2008 ein Drittel der werbebasierten Finanzierungsgrundlagen, was einen Rückgang um rund 0,8 Milliarden Franken bedeutet. Gleichzeitig führen die Auflagenverluste zu geringeren Verkaufserlösen, wodurch die Werbeattraktivität nochmals zurückgeht. Der zudem festzustellende Rückgang an Abonnementstiteln und ihrer Abdeckungsquote vollzieht sich nicht unabhängig vom Siegeszug der Gratispresse und von Onlineangeboten.
  • Folgenreiche Etablierung der Gratispresse: Die Gratispresse brachte ihre Titel von Beginn an in hohen Auflagen auf den Markt, ohne eine Nachfrage und darüber Einnahmen generieren zu müssen. Entsprechend bewirkte der Verdrängungskampf auf dem Gratismarkt eine vorübergehende Flutung des Pressemarktes mit solchen Gratisangeboten. In der Hochphase 2009 entfiel auf die fünf Gratistitel fast ein Viertel der gesamten Abdeckungsquote (47%), während die restlichen 46 Pressetitel die Wohnbevölkerung zu 159% abzudecken vermochten. Nach der Marktbereinigung im Jahr 2010 reduziert sich die Zahl der Gratistitel auf drei und ihre Abdeckungsquote auf hohe 30%, wobei nun die starken Kontrolleure Tamedia AG und Ringier AG die einzigen Anbieter von Gratistiteln sind.
  • Grundversorgung durch sprachregionalen und lokal-regionalen Rundfunk: Im Rundfunkbereich zeigt sich in allen drei Sprachregionen eine stabile Grundversorgung mit Informationssendungen durch öffentliche Veranstalter. Allerdings ist die Abdeckung der Bevölkerung rückläufig, vor allem beim Fernsehen, was auch mit Nutzungsverschiebungen ins Internet zusammenhängt. Zudem vermögen sich die privaten Rundfunkveranstalter besonders im Radiobereich mit ihren Informationssendungen zu etablieren. Diese tragen ebenfalls zur Versorgung in den regionalen und lokalen Räumen bei, auch wenn aus medienpolitischen und marktbedingten Gründen die Bevölkerungsabdeckung durch die Informationssendungen der Privatveranstalter gegenüber jener durch Sendungen der SRG SSR geringer ist.
  • Wachstum des Online auf tiefem Niveau: Das Segment der für die öffentliche Kommunikation wesentlichen Websites im Internet ist schmal, und die wesentlichen Newssites aus den traditionellen Pressehäusern (Newssites der Abonnementszeitungen) hinken hinter der Nutzung von Onlineportalen her, die neben Informationen vor allem Dienstleitungen anbieten (Replay, Agenturticker, Mailservices usw.). Auch was die Mediengattung Online als solche betrifft, ist, wie erwähnt, die Abdeckungsquote gegenüber den anderen drei Gattungen klein und zudem schwächt sich das Wachstum bei den Newssites der Abonnementszeitungen vom Jahr 2009 auf das Jahr 2010 ab (dies zeigen die Wochennutzungswerte von NET-Metrix wie auch die von uns daraus errechneten Tagesnutzungswerte von 2007 bis 2010. Allerdings zeigt der Vergleich unserer auf Wochenwertbasis errechneten Tagesnutzungswerte mit den erstmals von NET-Metrix für das Jahr 2010 ermittelten Tagesnutzungen, dass unsere Werte etwas höher ausfallen. Deshalb sind diese beiden Tagesnutzungswerte nicht vergleichbar). Wird ferner berücksichtigt, dass der Informationskonsum im Internet sehr selektiv und stark von Suchmaschinen gesteuert ist, dann wird klar, dass sich hier keine den anderen Gattungen vergleichbare Publikumsbindung erzielen lässt. Schliesslich sind für den Online die Finanzierungsgrundlagen schwer zu eruieren. Insgesamt zeigt sich für die Websites (also nicht für die interessierenden Newssites allein), dass sowohl die Werbeeinnahmen als auch die Verkaufserlöse gegenüber denen der anderen drei Mediengattungen äusserst gering sind, obwohl seit 2007 leichte Steigerungen festzustellen sind. (Diese Aussage wurde korrigiert. Weitere Informationen sowie sämtliche von der Korrektur betroffenen Passagen finden sie hier).  
  • Konzentration der Informationsmärkte: Die Untersuchung der Konzentration auf dem Gesamtmarkt der Informationstitel aller vier Gattungen (Presse, Radio, Fernsehen und Online) zeigt, dass die SRG SSR aufgrund ihres Leistungsauftrages im Radio- und Fernsehbereich der dominante Kontrolleur ist. Allerdings bringt die SRG SSR auch ein mit dieser Stellung verbundenes Informationsangebot im Radio- und Fernsehbereich hervor, das die Grundversorgung in allen drei Sprachregionen garantiert und hier insbesondere die Benachteiligung kleiner, ökonomisch wenig interessanter Sprachregionen ausgleicht. Von den drei weiteren wichtigen Kontrolleuren hat die Tamedia AG eine Marktstellung erreicht (18%), die erstens weit vor jener der Konkurrenten liegt (Ringier AG: 9% und NZZ-Gruppe: 5%) und ihr zweitens eine mächtige Position – vor allem in der Suisse romande – verschafft. Dabei stellt sich auch hinsichtlich der bereits bestehenden Dominanz im Gratiszeitungsmarkt, der sich für die Tamedia AG mit der Lancierung von 20 minuti in der Svizzera italiana im Herbst 2011 auf die gesamte Schweiz ausdehnt, die Frage, inwieweit diese Expansionen in Widerspruch geraten mit der Forderung nach Vielfalt der öffentlichen Kommunikation in einer Demokratie.

Qualitätsvalidierung

  • Partielle Qualitätseinbusse gegenüber der Vorjahresuntersuchung: Gesamthaft zeigt sich gegenüber dem Vorjahr ein partieller Qualitätsverlust. In der Vielfaltsdimension hat die Softnewsberichterstattung zu-, die Hardnewsberichterstattung dagegen um 5 Prozentpunkte (PP) abgenommen. In der Aktualitätsdimension zeigt sich ein Bedeutungsverlust der thematischen, d. h. einordnenden Berichterstattung (–9 PP), während die episodisch-kurzfristige Darstellung der Ereignisse über alle Mediengattungen hinweg an Gewicht gewonnen hat. Ausgeglichen ist die Qualitätsbilanz in der Relevanzdimension. Hier konnte in der Medienarena Schweiz im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Zunahme von gesellschaftlich relevanten Makrobeiträgen (+2 PP) sowie eine Abnahme privatisierender Personendarstellungen gemessen werden (–4 PP). Dieser qualitätssteigernde Effekt wird allerdings abgeschwächt durch eine deutliche Zunahme der personalisierenden Betroffenheitsberichterstattung im Zusammenhang mit Katastrophen, Unfällen und Kriminalität (+3 PP) sowie eine intensivere Personalisierung von Rollenträgern in Politik und Wirtschaft (+4 PP). Lediglich in der Professionalitätsdimension lässt sich eine gewisse Qualitätsverbesserung beobachten. Die moralisch-emotionale Berichterstattung hat abgenommen, während der sachlich-argumentative Stil an Gewicht gewonnen hat (+2 PP). Diese vermeintlich qualitätssteigernde Versachlichungstendenz muss allerdings aufgrund der hohen Anteile an episodischen Kurzmeldungen relativiert werden.
  • Softnewszuwachs bei Online und Gratiszeitungen: Der grösste qualitätsverschlechternde Softnewszuwachs zeigt sich in der Gattung Online (+9 PP) sowie beim Typus der Gratiszeitungen (+7 PP). Obwohl auch im öffentlichen Radio und in den Abonnementszeitungen (beide +4 PP) Softnewszunahmen zu verzeichnen sind, schneiden diese beiden Medientypen in der Qualitätsdimension relevanter Vielfalt am besten ab. Gross sind die Qualitätseinbussen im Übergang von Offline zu Online: Die Softnewsanteile sind auf den Newssites generell höher als bei den physischen Offlinependants. Was das Verhältnis von Hardnews und Softnews anbelangt, rangieren die privaten Fernseh- und Radiostationen im hinteren Mittelfeld. Die grössten Defizite in der Vielfaltsdimension und die entsprechend grössten Softnewsanteile zeigen sich bei den Boulevardmedien off- und online sowie bei den Gratismedien off- und online. Die besten Qualitätswerte in der Dimension relevanter Vielfalt erreichen die Medientitel Neue ZürcherZeitung, Echo der Zeit (DRS1), Rendez-vous (DRS1) sowie Le Temps (88%, 87%, 86% bzw. 82% Hardnews). Die Schlusslichter in dieser Hinsicht bilden Blick.ch, Aktuell (Tele M1), Le Matin und der Blick (23%, 30%, 32% bzw. 35% Hardnews).
  • Öffentliches Radio und Abonnementszeitungen mit höchster Relevanz: In der Relevanzdimension schneiden das öffentliche Radio und die überregionalen Abonnementszeitungen am besten ab. Hier sind die grössten Makroanteile zu verzeichnen (49% bzw. 43%), d. h., es gibt eine Berichterstattung, die sich auch komplexeren Themen von gesellschaftlicher Relevanz zuwendet. Ebenfalls hohe Makroanteile verzeichnen die Sonntagspresse und das Magazin (43%) sowie – im Vergleich zum öffentlichen Radio aber bereits auf deutlich tieferem Niveau – das öffentliche Fernsehen (38%). Die Online-Newssites generell, die Boulevardmedien sowie die Gratismedien off- und online weisen die tiefsten Relevanzwerte mit geringen Makro-Meso-Anteilen, aber hohen Anteilen einer personalisierenden und privatisierenden Berichterstattung auf. Das Privatradio zeigt im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme der relevanten Makroberichterstattung. Diese erfolgt aber kaum einordnend und bleibt auf den lokal-kommunalen Raum beschränkt. Bei den privaten Radio- und Fernsehsendern zeigt sich ein generell hoher Anteil an aufmerksamkeitsheischender Betroffenheitsberichterstattung mit Fokus auf die Opfer von Verbrechen, Unfällen und Katastrophen. Auf Titelebene sind es Echo der Zeit (DRS1), Neue Zürcher Zeitung, Rendez-vous (DRS1) und Corriere del Ticino, die die höchsten Makroanteile und damit hohe Relevanzwerte aufweisen (60%, 56%, 55% bzw. 53% Makro). Umgekehrt die höchsten Mikroanteile und somit die grössten Qualitätsdefizite weisen Blick.ch (79%), der SonntagsBlick (70%), der Blick (69%) sowie Aktuell (Tele M1, 64%) auf.
  • Weniger Einordnung u. a. beim öffentlichen Fernsehen: In der Aktualitätsdimension haben die Einordnungsleistungen im Vorjahresvergleich beim öffentlichen Fernsehen (–13 PP), Gratis-Online (–10 PP) und den privaten Radiosendern (–10 PP) am stärksten abgenommen. Die neuerliche Zunahme einer kurzfristig-episodischen Berichterstattung bei den Gratiszeitungen hat zur Folge, dass die Einordnungsleistung hier nun gegen Null tendiert. In den Gratismedien erscheint die Welt als ein in Einzelereignisse zergliedertes Universum. Ursachen werden kaum noch aufgezeigt, Phänomene nicht mehr eingeordnet und erklärt. Dasselbe gilt für die privaten Radiosender. Die geringen einordnenden Anteile der Gratiszeitungen off- und online werden nur noch von den Newssites der Boulevardzeitungen unterboten. Hohe einordnende Berichterstattungsanteile weisen das weltanschaulich geprägte, aber in der Meinungs- und Themenvielfalt stark eingeschränkte Magazin (Weltwoche, 56% thematische Berichterstattung), die auf Thesenjournalismus spezialisierten Sonntagszeitungen (24%), die öffentlichen Radiosender (26%) sowie die überregionalen Abonnementszeitungen (23%) auf. Umgekehrt erweisen sich in der Aktualitätsdimension die Onlinemedien im Allgemeinen sowie die Gratis- und die Boulevardmedien off- und online am qualitätsdefizitärsten. Im Einzelnen schneiden (neben der Weltwoche) folgende Medientitel in der Aktualitätsdimension am besten ab: Echo der Zeit (DRS1, 43% thematische Berichterstattung), Tribune de Genève (41%) und Il caffè (40%). Hier gibt es hohe Anteile einer einordnenden Berichterstattung. Qualitätsdefizitär sind umgekehrt die Medientitel Lematin.ch (1%), Radiogiornale (Radio 3iii, 1%), 20minutes.ch (2%) und 20 minutes (2%), allesamt mit verschwindend geringen Anteilen an einordnenden Beiträgen.
  • Moralisierung und Emotionalisierung Online sowie im Boulevard: In der Professionalitätsdimension (sachlich-argumentativer versus moralisch-emotionaler Stil) sind die Qualitätsdefizite bei den Onlinemedien generell (13% moralisch-emotional) sowie bei den Boulevardmedien off- und online (37% bzw. 29% moralisch-emotional) am grössten. Hier zeigen sich die grössten Anteile eines emotional-moralischen Berichterstattungsstils, bei dem die Meinungen «gemacht» erscheinen und die sachliche Argumentation in den Hintergrund rückt. Speziell bei den Onlinemedien und den Gratiszeitungen zeigt sich eine Tendenz, Nachrichten mit wenig Aufwand emotional-moralisch aufzuladen und sie mit reisserischen Titeln anzureichern. Ebenfalls überdurchschnittlich hohe Anteile an einer moralisierenden und emotionalisierenden Berichterstattung weisen die Sonntagszeitungen sowie das weltanschaulich geprägte Magazin Weltwoche auf (30%). Vor allem beim Magazin wird dadurch die Meinungsvielfalt stark eingeschränkt. Qualitätsdefizitär mit hohen moralisch-emotionalen Anteilen sind auch die Gratismedien off- und online sowie das Privatfernsehen. Die besten Werte in der Professionalitätsdimension liessen sich bei den Abonnementszeitungen (93% kognitiv-normativ), dem öffentlichen Radio (97%) und Fernsehen (93%) sowie im Privatradio (97%) feststellen. Während im öffentlichen Radio die hohen Anteile eines kognitiv-normativen Stils allerdings Ausdruck eines rechercheintensiven und einordnenden Journalismus sind, sind sie beim Privatradio eine Folge des hohen Anteils nüchtern vermeldeter Agenturmeldungen. Auf Titelebene sind es der Blick (55% moralisch-emotional), Blick.ch (47%), der SonntagsBlick (33%) sowie die SonntagsZeitung (30%), die die grössten Anteile an moralisch-emotionaler Berichterstattung und somit die grössten Qualitätsdefizite aufweisen. Umgekehrt schneiden in dieser Qualitätsdimension Le 12h30 (RSR, 1% moralisch-emotional), die Neue Zürcher Zeitung (1%) und Le Temps (1%) am besten ab.
  • Öffentliches Radio und überregionale Abonnementszeitungen als «Qualitätsgewinner»: In der Summe aller Qualitätsindikatoren schneidet das öffentliche Radio gefolgt von den überregionalen Abonnementszeitungen und – bereits mit gewissem Abstand – dem öffentlichen Fernsehen am besten ab. Hier zeigen sich die grössten Hardnewsanteile, ein hohes Gewicht an relevanter Makro-Meso-Berichterstattung, überdurchschnittlich viel Einordnung sowie ein sachlich-argumentativer Berichterstattungsstil, der Meinungsvielfalt zulässt und Anschlusskommunikation ermöglicht.
  • Online, Boulevard- und Gratismedien mit den grössten Qualitätsmängeln: Am grössten sind die Qualitätsdefizite über alle Untersuchungsbereiche hinweg betrachtet in der Gattung Online als Ganzer sowie den Boulevard- und Gratismedien off- wie online. Im unteren Mittelfeld der Qualitätseinstufung sind die privaten Radio- und Fernsehsender zu finden. Negativ wirken sich hier vor allem die hohen Softnewsanteile mit Akzent auf Verbrechen, Unfällen und Katastrophen aus sowie die kaum einordnende, am Newsticker orientierte Berichterstattung.
  • Themenagenda 2010: Die Agenda der Medienarena Schweiz wird im Jahr 2010 vor allem durch Sportereignisse (Fussball-WM, Olympia), politische Themen (Bundesratswahlen), Affären und Skandale (Libyenaffäre, Steueraffäre), Katastrophen (Erdbeben in Haiti, Ölpest, Vulkanausbruch) und wirtschaftspolitische Themen (Konjunkturverlauf Schweiz, UBS-Krise) dominiert. Eine nachhaltige Kulturberichterstattung findet wie schon im Vorjahr nicht statt. Gesamthaft fällt die im Vergleich zum Vorjahr noch grössere Bedeutung von Softnewsthemen auf. So schafft es die Fussball-WM in Südafrika auf Rang 1 der Agenda, und daneben findet sich eine intensive Berichterstattung über Katastrophen, weitere Sportanlässe und Affären – Ereignisse mit Softnewscharakter, die die Schweizer Medienarena zu mehr als einem Drittel bestimmen. Abgesehen vom Nahostkonflikt und vom Stabilitätspakt der EU gelangen internationale Politik- und Wirtschaftsthemen dagegen nicht auf die Topagenda. Dies bestätigt die schwindende Auslandsberichterstattung in der Schweizer Medienarena (vgl. fög 2010, S. 57–60).
  • Onlinemedien mit Akzent auf Softnewsthemen: Die Onlinemedien haben wie im Vorjahr die am stärksten softnewsorientierte Themenagenda. In dieser Hinsicht fallen vor allem Blick.ch, Lematin.ch, 20minutes.ch sowie 20minuten.ch negativ auf (Softnewsanteile in der Top-20-Themenagenda von bis zu 63%). Auffallend ist die ausserordentlich intensive Bewirtschaftung von Sportereignissen. Stark fokussiert wird darüber hinaus auf Katastrophen, Konflikte und Verbrechen. Das (öffentliche) Radio und die (Abonnements-)Presse schenken im Gattungsvergleich gesellschaftsrelevanten Themen am meisten Beachtung (u. a. Eurostabilitätspakt, Konjunkturverlauf Schweiz, Gesundheitsreform). Im privaten Fernsehen wird eine überproportional starke Bewirtschaftung von jenen Themen deutlich, die sich zur Personalisierung eignen und attraktives Bildmaterial liefern.
  • Sprachregionale Themenunterschiede: Im Untersuchungsjahr 2010 wird die Schweiz über die drei grossen Sprachregionen hinweg primär über den Sport, die Bundesratswahlen, Identitätsprobleme und eine gemeinsam geteilte Krisenwahrnehmung zusammengehalten. Im Vergleich zum Vorjahr haben Softnewsthemen und insbesondere der Sport als Fixpunkte der gesamtschweizerischen Koorientierung an Bedeutung gewonnen. In wirtschaftspolitischer Hinsicht ist die italienischsprachige Schweiz – die vergleichsweise binnenorientierteste Medienarena – am meisten sensibilisiert. Bezüglich identitätspolitischer Auseinandersetzungen hat die Deutschschweiz den Führungsplatz inne, während in der französischsprachigen Schweiz der überdurchschnittliche Anteil an Softnewsthemen (Sport, Human Interest) auffällt. Hier macht sich der grosse Einfluss qualitätsschwächerer Medientitel (Gratis- und Boulevardzeitungen, Online) bemerkbar.
  • Integrationsfunktion: Die Abonnementszeitungen, vor allem aber das öffentliche Radio erfüllen eine wichtige Integrationsfunktion in der Schweiz. Wie in der Vorjahresuntersuchung fällt auf, dass primär die öffentlichen Radiosender die drei grossen Sprachregionen mit Informationen von nationaler, aber auch internationaler Relevanz versorgen. Dagegen ist der Beitrag der lokal orientierten privaten Radio- und Fernsehstationen zur nationalen Koorientierung mit relevanten Themen gering. Aber auch die Gratis- und Boulevardzeitungen sowie die Newssites fallen bezüglich ihrer Integrationsfunktion ab.