Abdeckungsquote
Verhältnis der kumulierten Auflage- bzw. Nutzungszahlen einer Mediengattung, eines Medientyps oder eines Medientitels zur jeweiligen Bevölkerungszahl einer Sprachregion (Bevölkerung ab 15 Jahre).
Abschichtung
Siehe Schichtung.
Aktualität, Aktualitätsprinzip
Aktualität ist ein Qualitätsanspruch, der auf der Norm basiert, dass Informationsmedien zwar aktuell berichten, aber auch Kontext- und Hintergrundinformation bereitstellen sollen. Aktualität bemisst sich daher nicht bloss daran, über Ereignisse zuerst bzw. rasch zu berichten (vgl. Rager 2000, S. 80). Vielmehr soll der schnelle Nachrichtenfluss im weltumspannenden sowie im auf Realzeit getakteten Informationsgeschäft nicht zu einer punktualistischen, kontextlosen Berichterstattung führen. Um den Qualitätsanspruch der Aktualität zu überprüfen, wird deshalb in diesem Jahrbuch die Temporalität analysiert und dazu auf die von Iyengar (1991) eingeführte Unterscheidung von «episodic frame» und «thematic frame» zurückgegriffen. Qualitativ gut ist eine thematisch orientierte Berichterstattung, die aktuelle Ereignisse entlang der Zeitachse verortet und Wirkungszusammenhänge aufzeigt. Eine episodisch orientierte Berichterstattung stellt das aktuelle Geschehen dagegen auf Messers Schneide der Gegenwart dar und beleuchtet nur die unmittelbaren Ereignisse. Aktualität ist eine der in diesem Jahrbuch untersuchten Qualitätsdimensionen.
Aufmacher, Aufmacheranalytik
Siehe Frontseite/Aufmacher, Frontseiten-/Aufmacheranalytik.
Ausgewogenheit, Ausgewogenheitsprinzip
Ausgewogenheit ist ein im Aufklärungsverständnis verankerter Anspruch an die Qualität öffentlicher Kommunikation. Die in der Öffentlichkeit debattierenden Akteure werden mit dieser Norm zu Fairness und Verbindlichkeit angehalten, damit Argumente gegen Argumente und nicht Personen gegen Personen antreten, Vereinseitigungen verhindert werden und Emotionen sowie Privates/Intimes die Selbstaufklärung auf der Basis vernünftiger Diskurse nicht trüben. In diesem Sinne sind auch die Darstellungslogiken der Personalisierung, Privatisierung und Konfliktstilisierung der Qualität der öffentlichen Diskussion abträglich. Mit dem Ausgewogenheitsprinzip ist zudem ein spezieller Habitus in der öffentlichen Diskussionsführung verbunden, der sich an Objektivität (Faktentreue, Sachgerechtigkeit) bzw. am Objektivitätsprinzip orientiert.
Berichterstattungsstil
Siehe Professionalität, kognitiv-normativer Diskursstil, moralisch-emotionaler Diskursstil.
Betreibergesellschaft
Der Verlag bzw. Herausgeber eines Medientitels wird als Betreibergesellschaft bezeichnet. Die Besitzer der Verlage bzw. diejenigen, die über die Aktienmehrheit verfügen, sind die Kontrolleure. Für eine partizipative Öffentlichkeit ist es relevant, dass der Anteil einzelner Topverlage am Gesamtmedienmarkt nicht überdimensional hoch wird. Denn Besitzkonzentration bis hin zur Monopolstellung kann eine Homogenisierung der Medieninhalte zur Folge haben. Der Bundesrat hat am 16.2.2011 die Ablehnung der Motion von Nationalrat Beat Jans zur Offenlegung der Besitzverhältnisse von Medienunternehmen beantragt. Im Sinne einer unverfälschten Meinungs- und Willensbildung sei zwar Transparenz bei Unternehmen wichtig, die zu den relevanten Anbietern im Bereich der Medien gehören. Doch zum einen gelte diese Offenlegungspflicht hauptsächlich gegenüber den zuständigen Behörden, nicht gegenüber der Öffentlichkeit. Zum anderen sehe die Bundesverfassung bei den audiovisuellen Medien eine Bundeskompetenz mit Regulierungsmöglichkeiten wie der erwähnten Auskunftspflicht ausdrücklich vor, doch fehle diese im Bereich der Printmedien. Hier werde lediglich die Pressefreiheit als Teil der Medienfreiheit geschützt. Es fehlen die verfassungsrechtlichen Grundlagen, um eine allgemeine Offenlegungspflicht bezüglich der Besitz- und Eigentumsverhältnisse bei allen marktmächtigen Medienunternehmen auf dem Gesetzeswege vorzuschlagen.
Boulevardisierung
Der Begriff Boulevardisierung beschreibt einen Entwicklungsprozess in Form einer verstärkten Orientierung der Massenmedien an den Funktionslogiken des Boulevardgenres. Kennzeichnend ist ein Rückgang an Hardnews (auf Recherche abgestützte politische, wirtschaftliche und kulturelle Berichte/Reportagen/Kommentare) zugunsten einer Aufwertung der Softnews (Human-Interest-Themen, Skandale, Privates und People-Storys). Der Begriff Boulevardmedien geht auf die Zeit der Französischen Revolution zurück, als die Strassencafés und Promenaden – die «Boulevards» – das Forum zur Diskussion von Gerüchten und Neuigkeiten bildeten. Aus dieser Tradition resultiert ein Medienformat, das sich an den Mustern der alltäglichen Klatschkommunikation orientiert. Dazu zählen unter anderem die gezielte Meinungsmache sowie personalisierende, privatisierende und skandalisierende Darstellungsformen.
Differenzsemantiken
Differenzsemantiken sind wichtige Elemente zur kommunikativen Konstruktion sozialer Ordnung. Sie definieren gesellschaftliche Unterschiede und alimentieren dadurch Konflikte. Differenzsemantiken lassen sich in vier Typen untergliedern: 1. Segmentäre Differenzsemantiken betonen Unterschiede auf der Basis von u. a. ethnischen Merkmalen (z. B. Schweizer vs. Ausländer). 2. Stratifikatorische Differenzsemantiken fokussieren auf Unterschiede, die auf Macht, Besitz und Einfluss basieren (z. B. Viel- vs. Normalverdiener). 3. Funktionale Differenzsemantiken betonen Unterschiede zwischen den Handlungsfeldern (z. B. Werkplatz vs. Finanzplatz; Politik vs. Wirtschaft). 4. Temporale Differenzsemantiken schliesslich betonen Unterschiede entlang der Zeitachse, d. h. zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (z. B. der «Kalte Krieg» und die Zeit danach).
Episodische Berichterstattung
Die Unterscheidung zwischen «episodic frame» und «thematic frame» geht auf Iyengar (1991) zurück und ermöglicht eine Analyse der Temporalität der Berichterstattung. Eine episodisch orientierte Berichterstattung stellt das aktuelle Geschehen auf Messers Schneide der Gegenwart dar und beleuchtet nur die unmittelbaren Ereignisse. Als thematisch wird dagegen eine qualitativ hochstehende Berichterstattung bezeichnet, die aktuelle Ereignisse entlang der Zeitachse verortet und Ursache- und Wirkungszusammenhänge aufzeigt. Anhand der Unterscheidung von thematischer vs. episodischer Berichterstattung wird in diesem Jahrbuch die Qualitätsdimension der Aktualität bewertet.
Eventisierung
Der Begriff Eventisierung beschreibt einen Entwicklungsprozess, bei dem der gesteigerte Aktualitätsdruck im Medienwesen zu einer zunehmenden Orientierung an Einzelereignissen führt. Statt einer Vermittlung von längerfristigen Prozessen und Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen dominiert eine episodische Berichterstattung, die einzelne Ereignisse und Fälle ins Zentrum stellt und damit ein isoliert betrachtetes Geschehen vermittelt. Auf Basis der Unterscheidung zwischen thematischer und episodischer/eventisierender Berichterstattung wird in diesem Jahrbuch die Qualitätsdimension der Aktualität überprüft.
Forumsfunktion der Öffentlichkeit
Die Forumsfunktion bildet neben der Legitimations- und Kontrollfunktion sowie der Integrationsfunktion eine der drei Leistungsfunktionen öffentlicher Kommunikation, die für die demokratische Selbststeuerung unabdingbar sind. Die öffentliche Kommunikation erfüllt ihre Forumsfunktion, wenn sie eine offene Plattform zur Auswahl und Diskussion jener Probleme bildet, die politisch bearbeitet werden sollen. Die Problemauswahl und -diskussion soll primär auf der Basis von Argumentationen stattfinden und auch zivilgesellschaftliche Akteure in ausreichendem Mass berücksichtigen. Mit allen ihren über Kommunikationsflüsse verbundenen Arenen (Medienarena) bildet die öffentliche Kommunikation auf diese Weise den Entdeckungszusammenhang gesellschaftlicher Probleme, die einer politischen Debatte und Lösung bedürfen, und sie sorgt, abgestützt auf die elementaren Grundrechte der Meinungs-, Versammlungs-, Presse- bzw. Medienfreiheit, für eine begründbare Rationalitätserwartung gegenüber der Auswahl und Bearbeitung dieser Probleme.
Frame, Framing, Frameanalyse
Ein Frame (deutsch: Bezugsrahmen) bezeichnet eine Deutungsperspektive, die ein Kommunikationsereignis oder Thema auf der Basis bestimmter Interpretationen strukturiert und damit die Informationsverarbeitung und Meinungsbildung anleitet. Das Framing von Minaretten als Ausdruck einer «schleichenden Islamisierung» legt beispielsweise eine andere Haltung nahe als das Framing «Religionsfreiheit». Mit dem Konzept der Frames kann sowohl die journalistische Nachrichtenproduktion als auch deren Rezeption und Wirkung beschrieben und erklärt werden. Die Frameanalyse erfasst die in Medienbeiträgen vorherrschenden Framings spezifischer Ereignisse, über die berichtet wird.
Frontseite/Aufmacher, Frontseiten-/Aufmacheranalytik
Auf den Frontseiten (Presse/Online) und in den Aufmacherbeiträgen (Radio/TV) manifestieren sich die wichtigsten redaktionellen Entscheide über die Agenda eines Mediums. Diese prominent platzierten Beiträge sind ein valider Indikator für die redaktionellen Auswahl- und Interpretationslogiken und geben Aufschluss darüber, welchen Themen und Darstellungsformen die Redaktionen besondere Bedeutung verleihen. Das Instrument zur Analyse dieser prominent platzierten Beiträge ist die Frontseiten- (Presse/Online) und Aufmacheranalytik (Radio/TV). Die Frontseite ist bei den Pressetiteln die erste Seite der jeweiligen Zeitungsausgabe bzw. die Startseite bei den Onlinemedien. Das Pendant beim Radio und Fernsehen sind die Aufmacherbeiträge, die mittels Schlagzeilen oder Anmoderation als die wichtigsten Beiträge der jeweiligen Sendung hervorgehoben werden.
General Interest
Als General-Interest-Medien werden diejenigen Medientitel bezeichnet, die in ihren Inhalten eine prinzipiell unbegrenzte Themenvielfalt mit aktuellen Bezügen aufweisen und eine regelmässige Erscheinungsform (mindestens einmal pro Woche) haben (z. B. Tages- und Wochenzeitungen). Special-Interest-Medien hingegen spezialisieren sich in ihren Inhalten auf einzelne Themenbereiche bzw. auf bestimmte Stoff- und Lebensgebiete (z. B. Mode-, Automagazine, Fachzeitschriften usw.).
Hardnews
Hardnews beziehen sich auf die besonders relevanten Sphären Politik, Wirtschaft und Kultur. Sie dienen der Meinungsbildung in Bezug auf die gemeinsam zu lösenden Probleme (Forumsfunktion), der Legitimation und Kontrolle der Herrschaftsträger (Legitimations- und Kontrollfunktion) sowie der Integration der Bürgerinnen und Bürger (Integrationsfunktion). Davon zu unterscheiden sind Softnews (Sport, Human Interest, Skandale/Affären, People-Storys), die sich hauptsächlich an den Unterhaltungsbedürfnissen des Publikums orientieren, der Aufmerksamkeitsmaximierung dienen und in der Regel billiger zu produzieren sind.
Informationsangebot, Informationsangebotsanalytik
Im Gegensatz zur Frontseiten- und Aufmacheranalytik untersucht die Informationsangebotsanalytik das gesamte Informationsangebot eines Medientitels bzw. eines Programmveranstalters auf der Basis einer Stichprobe (Presse/Radio/TV: 1 Woche; Online: 1 Tag). Das Informationsangebot gliedert sich beim einzelnen Pressetitel in die verschiedenen Ressorts. Vom Standpunkt einer qualitativ guten Publizistik interessiert hier insbesondere die Bedeutung der gesellschaftlich besonders relevanten Kernressorts Politik, Wirtschaft und Kultur. Das Informationsangebot der elektronischen Medien (Radio/TV) umfasst alle Informationsformate eines Programmveranstalters, die der Informationsvermittlung und der Meinungsbildung dienen (Nachrichten, Magazine, Forumssendungen). Hier interessiert unter anderem das Gewicht der Programmierung von Nachrichten als Gefässe der Informationsvermittlung sowie eine angemessene Berücksichtigung von hintergrundvermittelnden, meinungsbildenden und diskursiven Formaten (Magazine, Foren) in den jeweiligen Medientypen und -titeln.
Informationsformat
Der Begriff des Informationsformats bezieht sich ausschliesslich auf die elektronischen Mediengattungen Radio und Fernsehen. Gemeint sind Sendungstitel, die den klassischen Formaten der Informationsvermittlung und Meinungsbildung entsprechen. Zu den Informationsformaten zählen Nachrichten, Magazin und (Diskussions-)Forum. Denn hinsichtlich der Qualitätsvalidierung öffentlicher Kommunikation sind jene Sendungstitel von besonderer Bedeutung, die Informationen aus dem gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Bereich vermitteln, dem General Interest verpflichtet sind und zur Meinungsbildung beitragen.
Informationsmedien
Regelmässig (mindestens einmal wöchentlich) erscheinende General-Interest-Medien, die sich mit einem vielfältigen Informationsangebot an ein breites Publikum richten und die gesellschaftlichen Kernbereiche Politik, Wirtschaft und Kultur regelmässig auf die Agenda setzen. Dazu zählen General-Interest-Medien im Presse- und Onlinebereich sowie die Informationsformate der elektronischen Medien (Radio/TV).
Informationsportal
Siehe Onlineportal.
Infotainment
Der Begriff, ein Neologismus aus den Worten «Information» und «Entertainment», wird zur Charakterisierung einer Entwicklung verwendet, durch die in thematischer, stilistischer, gestalterischer und/oder bildästhetischer Hinsicht mediale Auswahl- und Darstellungslogiken aus den Bereichen «Unterhaltung» und «Information» verschmelzen. Die Verbreitung von Infotainment ist an die Dualisierung des Rundfunks geknüpft. Die damit verbundene kommerzielle Konkurrenz der Anbieter elektronischer Medien führte zu einer forcierten Etablierung neuer Formate ebenso wie zu einer Vermischung bereits etablierter politiknaher wie politikferner Formate. Die Inszenierungslogiken des Infotainments bei der Thematisierung und Darstellung von Politik und Wirtschaft bedienen sich der Personalisierung, Emotionalisierung, Konfliktstilisierung und der Skandalisierung.
Integrationsfunktion der Öffentlichkeit
Die Integrationsfunktion bildet neben der Legitimations- und Kontrollfunktion sowie der Forumsfunktion eine der drei grundlegenden Leistungsfunktionen öffentlicher Kommunikation, die für die demokratische Selbststeuerung unabdingbar sind. Die öffentliche Kommunikation erfüllt ihre Integrationsfunktion, wenn sie der gesellschaftlichen Selbstbeobachtung sowie der Selbstwahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger als Mitglieder dieser Gesellschaft dient. Zur Erfüllung dieser Funktion darf die öffentliche Kommunikation nicht vom Partikulären geleitet sein. Sie soll stattdessen Themen von gesamtgesellschaftlicher – z. B. sprachregional übergreifender – Relevanz bereitstellen.
Kernressort
Ressorts sind Berichterstattungsbereiche, die auf der Seite der Produktion die Redaktion strukturieren und das Produkt gliedern. Die für die Leistungsfunktionen öffentlicher Kommunikation – d. h. die Legitimations- und Kontrollfunktion, die Integrationsfunktion und die Forumsfunktion – zentralen Kernressorts sind die Ressorts «Politik» (Ausland, Inland und Region), «Wirtschaft» und «Kultur» (u. a. Feuilleton). Diese sind auf die Beobachtung der gesellschaftlich relevanten Sphären sowie ihrer Institutionen, Organisationen und Rollen spezialisiert.
Als kognitiv-normativ bezeichnet man einen sachlich-argumentativen Berichterstattungsstil. Im Gegensatz zum moralisch-emotionalen Stil fördert der kognitiv-normative Diskursstil den Meinungsbildungsprozess, bei dem sich das bessere Argument durchsetzen soll. Die Unterscheidung zwischen einem kognitiv-normativen und einem moralisch-emotionalen Diskursstil ist in diesem Jahrbuch ein Indikator zur Validierung der Qualitätsdimension der Professionalität.
Kommunikationsereignis (KE), Kommunikationsereignisanalytik
Kommunikationsereignisse bestehen aus allen Beiträgen, die in sachlicher, sozialer, zeitlicher und räumlicher Hinsicht dasselbe thematisieren. In der Zeitdimension werden spezifische Ereignisse oder Vorgänge zu einer fortlaufenden Geschichte gefügt, die sich über kurze (Tod Papst Johannes Pauls II.) oder lange Zeit (Klimawandel) erstrecken kann. In der Sachdimension beziehen sich Kommunikationsereignisse auf spezifische Ereignisse (Fussball-WM 2010), Vorgänge (Gesundheitsreform Schweiz) oder abstrakte Probleme (globale Wirtschaftskrise). In der Raumdimension fokussiert das Kommunikationsereignis auf einen bestimmten geografischen Geltungsraum (z. B. die Schweiz). Schliesslich aktualisieren Kommunikationsereignisse in der Sozialdimension spezifische Akteursensembles (z. B. Muammar al-Gadaffi, Hillary Clinton, Barack Obama, Ban Ki-moon). Zentral für die Methodik der Kommunikationsereignisanalytik ist die induktive Vorgehensweise. Das bedeutet, es wird nicht nach vorgefassten Themen gesucht, sondern die Kommunikationsereignisse werden aus der Perspektive der journalistischen Weltbeobachtung rekonstruiert.
Konfliktstilisierung
Unter Konfliktstilisierung wird ein Prozess verstanden, bei dem im Wettbewerb um knappe Aufmerksamkeit in der öffentlichen Kommunikation vermehrt auf das Mittel der Zuspitzung von Konflikten gesetzt wird. Mediale Konfliktstilisierung rekurriert auf die Bedeutung des Konflikts als Nachrichtenwert. Sie ist ein Inszenierungsmittel, das sowohl von den Medienmachern als auch von den in den Medien auftretenden Öffentlichkeitsakteuren eingesetzt wird (Medialisierung). Konfliktstilisierung erfolgt durch Personalisierung und Emotionalisierung sowie durch die Darstellung einer Sieg-Niederlage-Dynamik.
Kontrolleur
Siehe Betreibergesellschaft.
Legitimations- und Kontrollfunktion der Öffentlichkeit
Die Legitimations- und Kontrollfunktion bildet neben der Forumsfunktion und der Integrationsfunktion eine der drei grundlegenden Leistungsfunktionen öffentlicher Kommunikation, die für die demokratische Selbststeuerung unabdingbar sind. Die öffentliche Kommunikation erfüllt ihre Legitimations- und Kontrollfunktion, wenn die Staatsgewalten und die rechtsstaatlichen Institutionen, ihre Prozesse und Rollenträger im Medium öffentlicher Kommunikation kontrolliert und kritisiert werden. Die Legitimations- und Kontrollfunktion setzt das Transparenzprinzip des Politischen voraus. Darin kommt die auf die Aufklärungszeit zurückreichende Norm zum Ausdruck, dass «alle auf das Recht anderer Menschen bezogenen Handlungen, deren Maxime sich nicht mit der Publizität verträgt, unrecht sind» (Kant 2008 [1795]).
Makro-, Meso-, Mikroebene
Eine Berichterstattung auf der Makroebene bezieht sich auf die Gesellschaft insgesamt oder auf ihre gesellschaftlichen Teilsphären (u. a. Politik, Wirtschaft, Kultur). Eine Berichterstattung auf der Mesoebene fokussiert Organisationen oder Institutionen (z. B. einzelne Märkte). Mikrozentriert ist die Berichterstattung, wenn einzelne Personen ins Zentrum gerückt werden. Dies kann entweder anonym, rollennah (als Funktionsträger) oder rollenfern (als Privatperson) geschehen. Auf der Basis der Unterscheidung von Makro-, Meso- und Mikroebene wird in diesem Jahrbuch die Relevanz der Medienberichterstattung bewertet. Dabei nimmt die Relevanz der Berichterstattung mit einer Gewichtung ab, die sich von der Makro-/Mesoebene auf Meso/Mikro verlagert und die einen hohen Anteil an privaten Personenfokussierungen (Mikroebene rollenfern) aufweist.
Medialisierung
Der Begriff der Medialisierung beschreibt einen Prozess innerhalb von Mediengesellschaften, der dazu führt, dass Akteure (Personen, Organisationen) innerhalb gesellschaftlicher Sphären (z. B. Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Sport) ihr Handeln immer stärker an der medialen Logik ausrichten. Aufgrund der medialen Durchdringung der Gesellschaft führt die Medialisierung dadurch zu einer Ausrichtung politischen und wirtschaftlichen Handelns an den Selektions- und Interpretationslogiken des Mediensystems.
Medienarena
Medienarenen werden durch Medien konstituiert, die im Wettbewerb um gleiche Publikumsmärkte und in einem wechselseitigen Beobachtungszusammenhang stehen. Medienarenen in modernen Gesellschaften sind weitgehend deckungsgleich mit politischen und sprachlichen Räumen. Die Medienarena der Schweiz ist in die drei grossen Sprachregionen Deutschschweiz, Suisse romande und Svizzera italiana aufgeteilt. Diese Teilarenen bilden den Ausgangspunkt für diese Studie, um dann auch die Frage nach der Integrationsfunktion öffentlicher Kommunikation zu stellen. Inwiefern kann in der sprachregional gegliederten Schweiz von einer sprachregional übergreifenden, gesamtschweizerischen Medienarena gesprochen werden? Medienarenen sind durch folgende Merkmale gekennzeichnet: 1. In der Sachdimension zeichnen sich Medienarenen durch in hohem Mass konvergente Themenhaushalte aus, weil sich die Medien wechselseitig beobachten und die wichtigsten Kommunikationsereignisse nach vergleichbaren Relevanzgesichtspunkten auswählen. 2. In der Zeitdimension zeigt sich eine hohe Antwortbereitschaft zwischen den Medien der jeweiligen Arena (Responsivität). Das heisst, es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Thematisierungsleistungen parallel ablaufen. 3. In der Sozialdimension ist die Kommunikationsdynamik einer Medienarena durch charakteristische Akteursgruppen gekennzeichnet, die hohe Beachtung geniessen und repetitiv Resonanz auslösen (z. B. Bundesräte, Schweizer Grosskonzerne usw.). 4. In der sozialräumlichen Dimension schliesslich sind Medienarenen durch eine Zentrierung ihrer Aufmerksamkeitsstrukturen auf spezifische politische Geltungsräume charakterisiert (z. B. Schweizer Nationalstaat).
Mediengattung, Gattung
Eine Mediengattung ist durch das Ensemble von Medientypen und -titeln definiert, die durch gleiche Vermittlungsformen Öffentlichkeit herstellen. In diesem Jahrbuch werden die folgenden vier Gattungen untersucht: Presse, Radio, Fernsehen und Onlinemedien. Im Einzelnen handelt es sich dabei um regionale und überregionale (Sonntags-)Zeitungen und um Wochenmagazine (Presse), um die Informationsformate des öffentlichen und privaten Radios, um die Informationsformate des öffentlichen und privaten Fernsehens sowie um die Newssites und die Onlineportale.
Medienkonzentration
Medienkonzentration bezeichnet eine in ökonomischer bzw. publizistischer Hinsicht übermässig starke Stellung von einzelnen Medienunternehmen (Anbieterseite) bzw. Medien (Angebotsseite). Die dazugehörige Forschung bezog sich bis zur Zulassung privater Rundfunkanbieter auf einen einzigen Medientyp, die Printmedien. Mittlerweile werden unter dem Begriff auch multimediale oder crossmediale Konzentrationsformen subsumiert (z. B. Zeitungen und Fernsehprogramme). Zudem sind vertikale Zusammenziehungen zu beobachten (z. B. TV-Produktion und Fernsehveranstalter in einem Konzern). Medienkonzentration im engeren Sinn und in wirtschaftlicher Perspektive bedeutet eine Marktbeherrschung, die durch Wettbewerbs- und Kartellrecht reguliert werden kann. Bei der Bewertung des Ausmasses der Medienkonzentration kommt es darauf an, die relevanten Märkte zu bestimmen, also die nationalen, regionalen und lokalen Verbreitungs- bzw. Ausstrahlungsgebiete der Medien zu erfassen und diesbezüglich den vorhandenen Wettbewerb mit dem daraus erwachsenen Angebot abzugleichen. Für die allgemeine sektorübergreifende Wettbewerbspolitik ist in der Schweiz die Wettbewerbskommission (WEKO) zuständig. Da Medien teilweise öffentliche und meritorische Güter herstellen, erweitert sich die Frage nach der Medienkonzentration auf jene der Meinungsmacht. Verhindert werden soll die Meinungsmacht eines einheitlich kontrollierten Unternehmens, die es erlauben würde, die Marktstellung zu nutzen, um die öffentliche Meinungsbildung gezielt zu beeinflussen. Wenngleich die Forschung zur Medienkonzentration ein intensiv bearbeiteter Bereich innerhalb der Medienökonomie ist, so ist es problematisch für die Datensammlung und -auswertung, dass keine hinreichende Auskunftspflicht der Medienunternehmen besteht und entsprechend lückenhafte Medienstatistiken vorliegen. Seitens der Forschung ist der Kenntnisstand über den Rundfunk am grössten, hingegen sind etwa Fragen zu den Auswirkungen der Internationalisierung der Medienbranche weitestgehend unbeantwortet.
Medienpopulismus
Medienpopulismus bedeutet die Ausrichtung der Medien an den (vermeintlichen) Bedürfnissen eines möglichst breiten Publikums und damit an Nachrichtenwerten. Dabei werden Medieninhalte besonders mit Elementen der Personalisierung, Privatisierung, Konfliktstilisierung und Skandalisierung aufbereitet. Das Phänomen erhält gerade dadurch seine Bedeutung, dass der Medienpopulismus dem politischen Populismus hohe Resonanzchancen bietet (Mazzoleni 2008).
Medienstruktur, Medienstrukturanalyse
Medienstrukturen werden als Ensemble von Elementen im Medienwesen sowie als Arrangement der Beziehungen dieser Elemente untereinander definiert. Medienstrukturen haben einen entscheidenden Einfluss darauf, wie Medieninhalte entstehen. Wesentliche Strukturelemente im Medienwesen sind die Medienorganisationen bzw. -unternehmen und ihre Organisations- und Produktionsstrukturen sowie die einzelnen Medientitel selbst. Entscheidend für das Beziehungsarrangement dieser Elemente sind unter anderem die ökonomischen Bedingungen, die Abhängigkeiten in Form von Informationszulieferanten, die Verfügbarkeit redaktioneller Ressourcen, die regulatorischen Umfeldbedingungen sowie die Besitzverhältnisse in Form von Betreibergesellschaften und Kontrolleuren. In diesem Sinn verstandene Medienstrukturen geben Auskunft über die Marktsituation, Konzentrationstendenzen, ökonomische Verflechtungen und die publizistische Versorgung des Publikums mit unterschiedlichen Mediengattungen, -typen und -titeln.
Medientitel
Medientitel sind einzelne Zeitungen, Magazine, Radio- bzw. Fernsehsendungen oder Newssites, die sich mit einem spezifischen Angebot, zu spezifischen Zeiten oder rund um die Uhr an ein spezifisches Publikum wenden (z. B. Tages-Anzeiger, Rendez-vous, 10vor10, 20minutes.ch). Im Rahmen dieses Jahrbuchs wurden 146 Medientitel der Gattungen Presse, Radio, TV und Online im Hinblick auf die publizistische Versorgung der Schweiz untersucht. 46 Medientitel wurden einer detaillierten Qualitätsvalidierung unterzogen und hinsichtlich der Qualitätsdimensionen Vielfalt, Relevanz, Aktualität und Professionalität bewertet.
Medientyp, Typ
Die vier Mediengattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online lassen sich je in verschiedene Medientypen aufgliedern. Für die Zuordnung zu den verschiedenen Medientypen waren in diesem Jahrbuch die Selbstetikettierung und die Merkmale der jeweiligen Medientitel ausschlaggebend (vgl. Anhang 1: Methodik). Im Bereich der Gattung Presse wurden folgende Typen unterschieden: Abonnementszeitungen, Boulevardzeitungen, Gratiszeitungen sowie Sonntagszeitungen und Magazine. Bei den Gattungen Radio und Fernsehen wurde zwischen öffentlichen und privaten Anbietern unterschieden. Schliesslich wurden bei der Gattung Online Abonnement-Online, Boulevard-Online, Gratis-Online sowie Onlineportale der audiovisuellen Medien und der Telekommunikationsunternehmen (z. B. Bluewin) differenziert. Die Onlineportale wurden keiner inhaltlichen Qualitätsvalidierung unterzogen.
Beim moralisch-emotionalen Berichterstattungsstil steht die Vermittlung emotionaler Betroffenheiten (= Emotionalisierung) oder nicht hinterfragbarer, «sakrosankter» Standpunkte im Zentrum (= Moralisierung). Eine stark emotionalisierende wie eine stark moralisierende Berichterstattung sind zwar ein Mittel zur Aufmerksamkeitsmaximierung, sie behindern aber den Meinungsbildungsprozess, bei dem sich das bessere Argument durchsetzen soll. Die Unterscheidung zwischen einem kognitiv-normativen vs. einem moralisch-emotionalen Berichterstattungsstil ist in diesem Jahrbuch ein Indikator zur Validierung der Qualitätsdimension der Professionalität.
Nachrichtenagentur
Organisationen, die Nachrichten zentral sammeln oder produzieren, sichten und festen Beziehern, insbesondere den Medienorganisationen, gegen Bezahlung weiterliefern. Die zentrale Nachrichtenagentur der Schweiz ist die Schweizerische Depeschenagentur AG (sda). Seit der Schliessung des Schweizer Dienstes der ehemaligen Nachrichtenagentur Associated Press (AP) hat die sda eine faktische Monopolstellung für Nachrichten mit Bezug zur Schweiz.
Nachrichtenwert
Nachrichtenwerte sind journalistische Auswahl- und Interpretationsregeln, die steuern, welche Ereignisse von Medienredaktionen als besonders berichterstattungswürdig betrachtet und gemäss welchen Routinen sie aufbereitet werden. Mit dem neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit, d. h. der Kommerzialisierung des Mediensystems, haben sich die journalistischen Auswahl- und Interpretationsregeln fundamental verändert. Nachrichtenwert besitzen vor allem jene Ereignisse, die Publikumsaufmerksamkeit maximieren, d. h. hohe Auflagenzahlen, Einschaltquoten oder Klickraten versprechen. Diese ökonomische Logik verstärkt den Einsatz der Mittel Personalisierung, Skandalisierung, Privatisierung, Konfliktstilisierung und Eventisierung. Der Einsatz dieser Mittel führt oft zu Widersprüchen in Bezug auf die Einhaltung publizistischer Qualitätsnormen.
Neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit
Insbesondere seit den 1970er Jahren haben sich die Medien in der Schweiz von ihren herkömmlichen Trägern, den Parteien, Verbänden, Kirchen und den sozial eingebetteten Verlegerfamilien in Stadt und Land, gelöst. Seit der Dualisierung des Rundfunks in die Segmente öffentlicher und privater Radio- sowie Fernsehveranstalter in den 1980er Jahren bilden die Medien ein weitgehend eigenständiges Teilsystem der Öffentlichkeit, das sich primär am Medienkonsumenten und nicht (mehr) am Staatsbürger orientiert und entsprechende Auswahl-, Interpretations- und Darstellungslogiken entwickelt hat.
Newssites
Der Begriff der Newssites (kurz für: «News Website») wird für Onlineangebote verwendet, die aktuelle Nachrichten vermitteln, täglich mindestens ein Update erfahren, selbst Information «produzieren» und dem General Interest verpflichtet sind. Die in diesem Jahrbuch untersuchten Onlineangebote, die diesen Kriterien genügen, entstammen alle dem Pressebereich. Von den drei Medientypen der Newssites (Abonnement-Online, Boulevard-Online, Gratis-Online) sind die Onlineportale zu unterscheiden.
Objektivität, Objektivitätsprinzip
Objektivität ist ein im Aufklärungsverständnis des 18. Jahrhunderts verankerter Qualitätsanspruch, der die Teilnehmer des öffentlichen Räsonnements auf die präzise, faktengetreue und sachgerechte Darstellung von Sachverhalten, die sorgfältige Begründung von Normen und die Berücksichtigung bereits genannter Argumente auch unabhängig von eigenen, persönlichen Interessen verpflichtet. Dieser grundsätzliche Habitus der Diskussionsführung hat sich in den Binnennormen des Journalismus im Qualitätskriterium der Professionalität niedergeschlagen. Das Objektivitätsprinzip ist mit dem Ausgewogenheitsprinzip verbunden.
Öffentlichkeit, öffentliche Kommunikation
Öffentlichkeit besteht aus einer Vielzahl von Kommunikationsforen, deren Zugang prinzipiell offen und nicht an Mitgliedschaftsbedingungen gebunden ist und in denen sich individuelle und kollektive Akteure vor einem Publikum zu verschiedenen Themen äussern. In modernen, ausdifferenzierten Gesellschaften vollzieht sich öffentliche Kommunikation am folgenreichsten als Medienöffentlichkeit. Medienvermittelte öffentliche Kommunikation wird auf Dauer gestellt und institutionell auf der Basis von Medienorganisationen abgesichert. Demokratie ist ohne funktionstüchtige Öffentlichkeit undenkbar. Die Öffentlichkeit dient der Wahrnehmung und Diskussion der allgemeinverbindlich zu lösenden Probleme (Forumsfunktion). Sie erfüllt eine Legitimations- und Kontrollfunktion gegenüber den Staatsgewalten und sie ist Voraussetzung dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Gesellschaft jene Loyalität ausbilden können, die für die Akzeptanz von Mehrheitsentscheiden nötig ist (Integrationsfunktion). Die Qualität der Demokratie ist somit untrennbar mit der Qualität öffentlicher und insbesondere der medienvermittelten Kommunikation verknüpft.
Onlineportal
Onlineportale (auch: Informationsportale) sind in Abgrenzung zu Newssites Onlineangebote, die in der vorliegenden Studie keiner Qualitätsvalidierung unterzogen werden. Solche Portale bieten zwar Information an, aber die redaktionelle Tätigkeit und die Aufbereitung aktueller Nachrichten sind stark limitiert (ausschliessliche Übernahme der Informationsangebote Dritter). In der empirischen Evaluation der publizistischen Versorgung durch die Gattung Online zeigten sich zwei unterschiedliche Typen solcher Onlineportale: Zum einen handelt es sich um die Newssites der Rundfunkmedien, die vor allem Inhalte ihrer «Muttermedien» übernehmen (Bild- und Tonmaterial) sowie Programmübersichten, Podcasts und weiteres Dokumentationsmaterial zur Verfügung stellen. Zum anderen sind Onlineportale von branchenfremden Anbietern zu unterscheiden, die gemischte Dienstleistungen anbieten. Neben Agenturmeldungen und multimedialen Formaten stehen hier Dienstleistungen wie E-Mail u. a. im Zentrum.
Personalisierung
Bezeichnung für einen Nachrichtenfaktor und für eine Tendenz der medialen Darstellung. Als Nachrichtenfaktor steht Personalisierung für die empirisch vermittelte Erkenntnis, dass Themen und Ereignisse, bei denen Individuen handeln oder von Handlungen betroffen sind oder bei denen sich gesellschaftlich relevante Prozesse an Personen festmachen lassen, eine höhere Chance haben, die Aufmerksamkeit der Medien oder des Publikums zu erreichen. Diesen funktionalen Eigenschaften stehen dysfunktionale gegenüber (Eisenegger/Wehmeier 2010). Als Folge der Personalisierung verschiebt sich der Berichterstattungsfokus weg von der Makro-/Mesoebene (Systeme, Institutionen, Organisationen) auf die Meso-/Mikroebene (Organisationen, Personen). Eine zu ausgeprägte Personalisierungstendenz hat zur Folge, dass gesellschaftliche Systemprobleme, Strukturen und Verhältnisse auf der Makroebene aus dem Blick geraten (Imhof 2010). Personalisierung kann damit die Relevanz der Berichterstattung beeinträchtigen. Diese Negativtendenz nimmt in dem Mass zu, wie die Berichterstattung auf Privatpersonen, d. h. auf Individuen in rollenfernen Zusammenhängen, fokussiert (Mikroebene rollenfern).
Politische Werbung
Politische Werbung bezeichnet eine Form von Werbung, bei der politische Akteure finanzielle Ressourcen einsetzen, um ihre Botschaften über mediale Kanäle zu verbreiten. Zu diesen Kanälen gehören besonders Inserate in Printmedien und die Aussenwerbung (v. a. in Form von Plakaten). Politische Werbung in den Mediengattungen Radio und Fernsehen ist dagegen in der Schweiz verboten oder zumindest streng reglementiert.
Politischer Populismus
Politischer Populismus kann sowohl als Kommunikationsstil wie auch als Ideologie verstanden werden (Jagers/Walgrave 2007). Als Kommunikationsstil oder «weiche» Form des Populismus bedeutet er die Ausrichtung an den (vermeintlichen) Bedürfnissen einer möglichst breiten Wählerschaft und der Medien. Dazu gehören in der politischen Kommunikation der Einsatz stark emotionalisierender und komplexitätsreduzierter Botschaften oder die Ausrichtung auf charismatische Parteiexponenten. Die «harte» Form des Populismus, verstanden als Ideologie, trennt die Gesellschaft klar in mindestens zwei homogene Gruppen: das (benachteiligte) «Volk» auf der einen Seite und auf der anderen Seite die (korrupte) «politische Elite» sowie – beim Rechtspopulismus – diejenigen Minderheiten (v. a. Ausländer), die nicht zum «Volk» gehören. In der politischen Kommunikation äussert sich dies etwa im Einsatz von moralisierenden und konfliktträchtigen Ausgrenzungsbotschaften und Differenzsemantiken sowie Skandalisierungen. Damit findet der politische Populismus Resonanzchancen gerade in kommerzialisierten Medien, die sich an Nachrichtenwerten ausrichten (Mazzoleni 2008). Vgl. Medienpopulismus.
Privatisierung
Privatisierung umschreibt einen Prozess, der Personen in verstärktem Mass jenseits ihrer funktionalen Rollenbezüge in den Fokus öffentlicher Kommunikation rückt (Mikroebene rollenfern). Das enthüllte Private und Intime war immer schon ein beliebtes Mittel zur Erregung öffentlicher Aufmerksamkeit, insbesondere dann, wenn sich das Private mit dem Skandalösen verbinden lässt. In der Folge des neuen Strukturwandels der Öffentlichkeit haben privatisierende Personendarstellungen in der öffentlichen Kommunikation stark zugenommen. Dadurch wird das allgemein Relevante durch das Partikuläre zurückgedrängt und das Prinzip der Relevanz der Berichterstattung beeinträchtigt.
Professionalität, Professionalitätsprinzip
Professionalität ist ein Qualitätsanspruch, der sich auf das Gebot der Objektivität bezieht. In den Binnennormen des Journalismus (vgl. etwa www.impressum.ch) wird Objektivität (Professionalitätsprinzip) mit den Ansprüchen auf Sachgerechtigkeit, Sachlichkeit, Neutralität, Faktentreue, Transparenz, Ausgewogenheit und thematische Kompetenz eingefordert. Professionalität ist eine der vier in dieser Studie untersuchten Qualitätsdimensionen und wird über vier Indikatoren operationalisiert: Bedeutung eines sachlich-argumentativen (kognitiv-normativen) gegenüber einem emotionalisierenden (moralisch-emotionalen) Berichterstattungsstil; Quellentransparenz und Eigenleistungsanteile (Verhältnis redaktionelle Beiträge vs. Agenturbeiträge) sowie das Verhältnis zwischen tatsachen- und meinungsbezogenen Darstellungsformaten.
Public Relations
Public Relations (PR/Öffentlichkeitsarbeit) sind neben der absatzorientierten Marktkommunikation der zweite Teilbereich der Organisationskommunikation. Im Kern kann PR als Management der Reputation von Organisationen verstanden werden und ist auf die Durchsetzung von Partikularinteressen in der Öffentlichkeit ausgerichtet. Als Teilbereiche von PR lassen sich Medienarbeit, Investor Relations, interne Kommunikation, Public Affairs und Community Relations unterscheiden, die je nach angesprochener Zielgruppe bzw. Teilöffentlichkeit differenziert werden. In der Wirtschaftsberichterstattung kann unterschieden werden zwischen einem quantitativen PR-Einfluss und einem qualitativen PR-Einfluss. Der quantitative PR-Einfluss bemisst sich daran, zu welchem Anteil die Wirtschaftsberichterstattung von PR-Inputs initiiert wird. Der qualitative PR-Einfluss bemisst sich daran, ob die Deutungsperspektive (Frame) eines PR-Inputs hinsichtlich Themenschwerpunkt und Bewertungstonalität weitgehend übernommen oder ob eine journalistische Transformation geleistet wird.
Publizistische Versorgung
Publizistische Versorgung bedeutet in dieser Untersuchung die Grundversorgung des Publikums mit weitverbreiteten Medientiteln der Gattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online. Durch die Erfassung der publizistischen Versorgung der am weitesten verbreiteten Medientitel lässt sich zeigen, wie die Sprachregionen medial erschlossen werden. Darüber hinaus lässt sich anhand der Medienunternehmen (und bei Aktiengesellschaften des dahinterstehenden Kontrolleurs) sowie der Medientitel zeigen, wer diese publizistische Versorgung leistet und inwieweit hier Konzentrationstendenzen festzustellen sind (vgl. Medienkonzentration).
Qualität, Qualitätsdimension
Die Qualitätsanforderungen an die öffentliche Kommunikation gehen auf die Aufklärungsbewegung im 18. Jahrhundert zurück. Deren Qualitätsnormen begleiten die Moderne seither und sind auch für dieses Jahrbuch leitend. Es handelt sich um die Qualitätsmerkmale Universalität, Ausgewogenheit, Objektivität und Relevanz. Die Universalitätsansprüche sollen den prinzipiellen Ausschluss von Personen und Gruppen, Meinungen und Themen verhindern. Sie werden mit dem Begriff Vielfalt zum Ausdruck gebracht. Mit dem Anspruch auf Ausgewogenheit verbindet sich sowohl die angemessene Berücksichtigung dieser Vielfalt als auch die Norm der Fairness. Die klassischen Objektivitätsansprüche münden in Begriffe wie Professionalität, Sachgerechtigkeit, Neutralität und Faktentreue. Und in den Anforderungen an die Relevanz und der damit verbundenen Aktualität steckt der Anspruch, dass die für die Allgemeinheit bedeutenden Dinge und nicht das Private, Episodische und Partikuläre im Zentrum der öffentlichen Auseinandersetzungen stehen sollen. Ohne die Universalitäts-, Ausgewogenheits-, Objektivitäts- und Relevanznormen können die drei Leistungsfunktionen der Öffentlichkeit nicht erfüllt werden. Ein systematischer Ausschluss von Personen, Organisationen oder Minderheiten, Meinungen und Themen sowie die Nichtbeachtung der Objektivitäts- und Relevanznormen verhindern die Meinungsbildung über die gemeinsam zu lösenden Probleme (Forumsfunktion), die Kontrolle und Legitimation der staatlichen Institutionen (Legitimations- und Kontrollfunktion) und die Integration der Bürgerinnen und Bürger (Integrationsfunktion). Demokratie ist ohne diese Normen schlechthin nicht möglich. Die vier hier untersuchten zentralen Qualitätsdimensionen sind jene der Vielfalt, Relevanz, Aktualität und Professionalität.
Qualitativer PR-Einfluss
Siehe Public Relations.
Quantitativer PR-Einfluss
Siehe Public Relations.
Regelkreis demokratischer Selbststeuerung
Im Modus aktivierter Öffentlichkeit, d. h. bei intensiven Problematisierungen in der Medienarena, entsteht Definitionsmacht, die Druck auf das politische System ausübt. Wenn dieser Druck gross genug ist, muss sich die Politik des Problems annehmen, und die in der öffentlichen Kommunikation entstandene Definitionsmacht verwandelt sich im Parlament in politische Macht, die auf allgemeinen Wahlen gründet. Die Politik reguliert dann in der Sprache des Rechts und mittels administrativer Macht. Diese Verwandlung von Definitionsmacht in politische Macht, in Rechtsetzung und in administrative Macht bildet den aktiven Regelkreis demokratischer Regulierung bei intensiven Problematisierungen. Im Modus passiver Öffentlichkeit, d. h. in der einfachen Beobachtung des politischen Systems, kommt der medienvermittelten Öffentlichkeit eine Legitimations- und Kontrollfunktion zu. In dieser Abfolge passiver und aktiver Öffentlichkeit vollziehen sich fortlaufend die Integration der Gesellschaft und die demokratische Selbstregulierung (Dahrendorf 1969; Habermas 1992, S. 399–467; Imhof 2005).
Reichweite
Die Reichweite gibt an, wie viele Personen in einem bestimmten Zeitintervall (i. d. R. pro Tag) von bestimmten Mediengattungen, -typen bzw. -titeln erreicht werden. Von der Reichweite zu unterscheiden ist die Nutzungszeit, die angibt, wie lange eine Mediengattung, ein -typ oder -titel am Tag durchschnittlich genutzt wird.
Relevanz, Relevanzprinzip
Der Qualitätsindikator Relevanz gründet auf dem Anspruch, dass das Allgemeine gegenüber dem Privaten bzw. das Gesellschaftliche gegenüber dem Individuellen und Partikulären Vorrang hat. Relevanz ist eine der vier zentral untersuchten Qualitätsdimensionen in diesem Jahrbuch. Relevant sind Thematisierungen auf der Ebene der Gesamtgesellschaft und ihrer Teilbereiche (Makroebene). Ebenfalls von Bedeutung sind Thematisierungen von Institutionen und Organisationen (Mesoebene). Liegt der Fokus der Berichterstattung auf Einzelpersonen (Mikroebene), gilt es, verschiedene Arten der Thematisierung zu unterscheiden: Die anonyme Thematisierung von Personen (Mikroebene anonym) ist häufig ein rhetorisches Mittel der Problemthematisierung. Die Berichterstattung über Personen in ihren Funktionsrollen im Rahmen von Institutionen und Organisationen (Mikroebene rollennah) ist von einer auf das Private und Partikuläre abhebenden Thematisierung (Mikroebene rollenfern) zu unterscheiden. Insgesamt nimmt die Relevanz der Berichterstattung mit einer Gewichtung ab, die sich von der Makro-/Mesoebene auf die Meso-/Mikroebene verlagert und einen hohen Anteil an privater Personenfokussierung (Mikroebene rollenfern) aufweist. Darüber hinaus bezieht sich der Anspruch auf das Allgemeine und Gesellschaftliche in der öffentlichen Kommunikation auf die Thematisierung der zentralen Sphären der Politik, Wirtschaft und Kultur (in Gestalt von Hardnews) gegenüber Sport und Human Interest (Softnews).
Reputation
Reputation bezeichnet das Ansehen, das eine Person oder Organisation für ihren spezifischen Beitrag zur Realisierung kollektiv geteilter Ziele und Werte in der Öffentlichkeit geniesst. Positive Reputation entsteht, wenn Akteure dauerhaft die Erwartungen wichtiger Bezugsgruppen erfüllen und wenn die Information der Erwartungskonformität in Prozessen öffentlicher Kommunikation diffundiert. Umgekehrt wird Reputation zersetzt, wenn Erwartungen wiederholt oder fundamental enttäuscht werden. Es können grundlegend drei Reputationsdimensionen unterschieden werden: 1. Funktionale Reputation bemisst sich an der Kompetenz zur und am Erfolg bei der Erreichung teilsystemspezifischer Zwecke (Politik: Wahlerfolge; Wirtschaft: Wachstum, Profit). 2. Soziale Reputation wird an der sozialen Verantwortlichkeit und moralischen Integrität eines Akteurs festgemacht. 3. Expressive (emotionale) Reputation bezieht sich auf die innere und äussere «Anmut» eines Akteurs. Von Bedeutung sind in dieser dritten Dimension die Faszinationskraft, die Eigenständigkeit und die Glaubwürdigkeit der spezifischen Identität eines Akteurs (Eisenegger 2005; Eisenegger/Imhof 2008).
Ressort
Ressorts sind Berichterstattungsbereiche vorab der Gattungen Presse und Online, die die Redaktion auf der Seite der Produktion strukturieren und das Medienprodukt inhaltlich gliedern. Die klassischen Ressorts «Politik» (Ausland, Inland und Region), des Handelsteils bzw. der «Wirtschaft» und des Feuilletons bzw. der «Kultur» sind auf die Beobachtung der gesellschaftlich relevantesten Sphären und ihrer Institutionen, Organisationen und Rollen spezialisiert. Neben diesen klassischen Ressorts wurde auch das Ressort «Sport» zu einem festen Bestandteil der Medienberichterstattung. Das «Vermischte» (Seiten mit vermischten Meldungen) erweitert sich im Zuge des neuen Strukturwandels der Öffentlichkeit immer mehr zu einem Angebot für Subjektives, Lebensweltliches, Privates und Intimes und verdichtet sich zu einem eigenständigen Ressort des «Human Interest». Darüber hinaus ist vermehrt eine Entdifferenzierung, also eine Zusammenführung von Stoffgebieten, zu beobachten: Meist auf Kosten der in den klassischen Ressorts Politik, Wirtschaft und Kultur differenzierten Berichterstattung überformen «neuste Nachrichten» die Gliederung der Medienprodukte. Dieses gemischte Nachrichtenressort wird hier als «News» bezeichnet.
Schichtung des Medienangebots/Medienkonsums
Unter Schichtung des Medienangebots wird eine Orientierung der Medien an sozioökonomischen bzw. schichtenspezifischen Merkmalen (Einkommen/Bildung) ihrer Zielgruppen verstanden.
Segmentierung des Medienangebots/Medienkonsums
Unter Segmentierung wird eine Orientierung der Medien an kulturellen, ethnischen und demografischen Merkmalen ihrer Zielgruppen verstanden.
Skandal, Skandalisierung
Der Begriff Skandal bezeichnet empörungsträchtige Enthüllungen. Er markiert den «Sündenfall» im Fluss korrekten Handelns, d. h. den Einbruch von Unordnung in die soziale Ordnung (Imhof 2002, S. 73). Der Begriff der Skandalisierung bezeichnet die öffentliche Anprangerung eines Normverstosses durch einen Skandalisierer. Im neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit ist eine Veränderung der tripolaren Struktur des Skandals zu beobachten. Während sich die klassische Akteurskonstellation aus einem Skandalisierer, einem Skandalmedium und einem Skandalisierten zusammensetzt, übernehmen häufiger die Medien auch die Rolle des Skandalisierers. Die Empörungsbewirtschaftung ist zu einem wichtigen Instrument im medialen Wettbewerb um knappe Aufmerksamkeit geworden. Entsprechend multiplizieren sich die Skandale.
Softnews
Siehe Hardnews.
Standardressort
In unterschiedlicher Gewichtung sind die Ressorts Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Human Interest und News feste Elemente der Medienberichterstattung. Diese Standardressorts werden in Printmedien anhand ihrer Seitenüberschriften und/oder Bundstrukturen gekennzeichnet. Standardressorts sind von Spezialseiten bzw. Beilagen zu unterscheiden, die eine thematische Zentrierung (Auto, Mode usw.) aufweisen und nur unregelmässig erscheinen.
Strukturwandel der Öffentlichkeit
Siehe Neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit.
Temporalität
Siehe Aktualität, episodische Berichterstattung, thematische Berichterstattung.
Thematische Berichterstattung
Die Unterscheidung zwischen «episodic frame» und «thematic frame» geht auf Iyengar (1991) zurück und ermöglicht eine Analyse der Temporalität der Berichterstattung. Thematisch orientiert ist eine qualitativ hochstehende Berichterstattung, die aktuelle Ereignisse entlang der Zeitachse verortet und Ursache- und Wirkungszusammenhänge aufzeigt. Eine episodisch orientierte Berichterstattung stellt das aktuelle Geschehen dagegen auf Messers Schneide der Gegenwart dar und beleuchtet nur die unmittelbaren Ereignisse. Anhand der Unterscheidung einer «thematischen» vs. «episodischen» Berichterstattung wird in diesem Jahrbuch die Qualitätsdimension der Aktualität bewertet.
Universalität, Universalitätsprinzip
Universalität ist ein auf die Aufklärung zurückgehender Anspruch an die Qualität öffentlicher Kommunikation. Wenn die Vernunft an die Stelle der Herkunft gesetzt wird, dann darf kein Thema, keine Meinung und kein Akteur prinzipiell von der öffentlichen Kommunikation ausgeschlossen sein. Das Universalitätsprinzip soll also den prinzipiellen Ausschluss von Personen, Gruppen, Organisationen, Positionen und Themen verhindern. Weder die Auswahl der allgemeinverbindlich zu lösenden Probleme (Forumsfunktion) noch die Validierung der rechtsstaatlichen Institutionen (Legitimations- und Kontrollfunktion) oder die Selbstwahrnehmung der Bürger (Integrationsfunktion) wären ohne die Norm der Universalität öffentlicher Kommunikation gewährleistet. Das Universalitätsprinzip hat sich im Qualitätsanspruch der Vielfalt niedergeschlagen. Diese wird in Form der Dimensionen Meinungsvielfalt, Themenvielfalt und Akteursvielfalt operationalisiert.
Unternehmenskommunikation
Bezeichnung für die Gesamtheit aller in einem Unternehmen stattfindenden sowie von einem Unternehmen ausgehenden Informations- und Kommunikationsprozesse. Der Begriff stellt damit einen Oberbegriff für verschiedene Teilbereiche dar, z. B. die auf Märkte und Produkt-/Dienstleistungsabsatz zielende Marktkommunikation und die auf spezifische Zielgruppen oder die (Medien-)Öffentlichkeit gerichtete Kommunikation/PR (vgl. Public Relations).
Vielfalt
Vielfalt ist ein Qualitätsanspruch, der sich auf das Gebot der Universalität bezieht und eine der vier in dieser Studie untersuchten Qualitätsdimensionen darstellt. Hinsichtlich des Anspruchs auf Vielfalt sind drei Aspekte von besonderer Bedeutung für die Qualität öffentlicher Kommunikation. 1. Meinungsvielfalt: Im Regelkreis demokratischer Selbststeuerung ist die Meinungsvielfalt in der öffentlichen Kommunikation unabdingbar für die Meinungsbildung und Entscheidungsfindung. 2. Akteursvielfalt: Zur Problemerkennung und für die Problemthematisierung ist eine Berücksichtigung der Vielfalt der relevanten Akteure notwendig. 3. Themenvielfalt: Für die Wahrnehmung der Gesellschaft mit all ihren Teilbereichen ist eine angemessene Themenvielfalt in der öffentlichen Kommunikation unverzichtbar. Die Akteurs- und Meinungsvielfalt in der öffentlichen Kommunikation wird in diesem Jahrbuch im Rahmen der Vertiefungsstudie zur Ausschaffungsinitiative (Fremdproblematisierung) untersucht. Die Themenvielfalt wird in den Standardressorts der Gattungen Presse und Online sowie in den Informationsformaten der Gattungen Radio und Fernsehen ebenso analysiert wie im Rahmen der Themenagenden (Kommunikationsereignishierarchien) von Presse, Radio, Fernsehen und Online. Dabei wird die Vielfalt mit dem Relevanzprinzip verbunden. Eine qualitativ besonders hochstehende Berichterstattung ist in dieser Hinsicht eine solche, die vielfältig die gesellschaftlich besonders relevanten Kernsphären der Politik, Wirtschaft und Kultur beleuchtet.
Literatur
Dahrendorf, Ralf, 1969: Aktive und passive Öffentlichkeit, in: Das Publikum, hg. von Martin Löffler, München: C.H. Beck.
Eisenegger, Mark, 2005: Reputation in der Mediengesellschaft. Konstitution – Issues Monitoring – Issues Management, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Eisenegger, Mark / Imhof, Kurt, 2008: Funktionale, soziale und expressive Reputation – Grundzüge einer Reputationstheorie, in: Theorien der Public Relations. Grundlagen und Perspektiven der PR-Forschung, hg. von Ulrike Röttger, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 243–264.
Eisenegger, Mark / Wehmeier, Stefan (Hg.), 2010: Personalisierung der Organisationskommunikation. Theoretische Zugänge, Empirie und Praxis, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Habermas, Jürgen, 1992: Zur Rolle von Zivilgesellschaft und politischer Öffentlichkeit, in: Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats, Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 399–467.
Imhof, Kurt, 2002: Medienskandale als Indikatoren sozialen Wandels, in: Skandalisierungen in den Printmedien im 20. Jahrhundert. Öffentlichkeit und Offenbarung. Eine interdisziplinäre Mediendiskussion, hg. von Kornelia Hahn, Konstanz: UVK, S. 73–98.
Imhof, Kurt, 2005: Medien und Öffentlichkeit, in: Mediensoziologie. Grundfragen und Forschungsfelder, hg. von Michael Jäckel, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 273–293.
Imhof, Kurt, 2010: Personalisierte Ökonomie. Personalisierung der Organisationskommunikation. Geschäft mit der Eitelkeit oder sozialer Zwang?, in: Personalisierung der Organisationskommunikation. Theoretische Zugänge, Empirie und Praxis, hg. von Mark Eisenegger / Stefan Wehmeier, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 29–50.
Iyengar, Shanto, 1991: Is Anyone Responsible? How Television Frames Political Issues, Chicago: Univ. of Chicago Press.
Jagers, Jan / Walgrave, Stefaan, 2007: Populism as political communication style: An empirical study of political parties’ discourse in Belgium. In: European Journal of Political Research, Jg. 46, H. 3, S. 319–345.
Kant, Immanuel, 2008 [1795]: Zum ewigen Frieden, in: Zum ewigen Frieden und andere Schriften, Frankfurt am Main: Fischer, S. 152–204.
Mazzoleni, Gianpietro, 2008: Populism and the Media, in: Twenty-First Century Populism. The Spectre of Western European Democracy, hg. von Daniele Albertazzi / Duncan McDonnell, Basingstoke: Palgrave Macmillan, S. 49–64.
Rager, Günther, 2000: Ethik – eine Dimension von Qualität?, in: Medienethik zwischen Theorie und Praxis. Normen für die Kommunikationsgesellschaft, hg. von Christian Schicha / Carsten Brosda, Münster: LIT, S. 76–89.