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1. Medienarena Schweiz
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1. Medienarena Schweiz

Publizistische Versorgung

  • Rückläufige Nutzung von Informationsmedien: Bei den relevanten Informationstiteln der drei Mediengattungen Presse, Radio und Fernsehen ist die potenzielle Abdeckung der sprachregionalen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren in der letzten Dekade teilweise stark rückläufig. Das heisst, gemessen an der Wohnbevölkerung nimmt die Auflage bzw. die Nutzung der Informationstitel ab; am stärksten betroffen sind die Informationssendungen des Fernsehens. Die hier interessierenden Newssites und Onlineportale der Gattung Online sind, ausgehend von einem sehr tiefen Niveau, von 2007 bis 2009 deutlich gewachsen. Das Wachstum schwächt sich von 2009 auf 2010 jedoch bei den wichtigsten Vermittlern des Informationsjournalismus im Internet, den Online-Newssites der Abonnementszeitungen ab und bleibt insgesamt auf demselben Niveau (dies zeigen die Wochennutzungswerte von NET-Metrix wie auch die von uns daraus errechneten Tagesnutzungswerte von 2007 bis 2010. Allerdings zeigt der Vergleich unserer auf Wochenwertbasis errechneten Tagesnutzungswerte mit den erstmals von NET-Metrix für das Jahr 2010 ermittelten Tagesnutzungen, dass unsere Werte etwas höher ausfallen. Deshalb sind diese beiden Tagesnutzungswerte nicht vergleichbar). Bereits seit 2005 verlieren die Online-Newssites laufend hinsichtlich der Nutzungsdauer. Zudem ist die Abdeckungsquote der Wohnbevölkerung durch Newssites und Onlineportale weit hinter der der anderen drei Mediengattungen zurückgeblieben. Im Vergleich der Nutzungshäufigkeit der Mediengattungen liegt das Fernsehen vor der Presse, gefolgt von Radio und schliesslich Online. Den (physischen) Zeitungen wird in diesen Befragungen allerdings hinsichtlich der Informationsfunktion nach wie vor die grösste Bedeutung zugeschrieben, was auch dem abrufbaren Informationsgehalt von Zeitungen entspricht. Dies und die im internationalen Vergleich noch immer hohe Anzahl von Pressetiteln rechtfertigt es, die Schweiz weiterhin als Presseland zu bezeichnen. (Diese Aussage wurde korrigiert. Weitere Informationen sowie sämtliche von der Korrektur betroffenen Passagen finden sie hier).
  • Informationspresse unter Druck: Trotz der immer noch hohen Bedeutung der Presse in der Schweiz ist die Informationspresse in der letzten Dekade den grössten Veränderungen unterworfen. Als Teil der privatwirtschaftlich organisierten Mediengattung Presse ist sie konjunkturellen Schwankungen stark ausgesetzt und verliert durch die zwei Konjunktureinbrüche zwischen 2001 und 2010 einen Drittel der werbebasierten Finanzierungsgrundlagen, was einen Rückgang um rund 0,8 Milliarden Franken bedeutet. Gleichzeitig führen die Auflagenverluste zu geringeren Verkaufserlösen, wodurch die Werbeattraktivität nochmals zurückgeht. Vor allem aber hat die Einführung der Gratismedien off- und online zu einer Schwächung der Kaufzeitungen geführt. Aufseiten der Gratismedien offline reduziert sich nach der Marktbereinigung im Jahr 2010 die Zahl der Gratistitel zwar auf drei, ihre Abdeckungsquote erreicht aber hohe 30% der Schweizer Wohnbevölkerung, wobei nun die KontrolleureTamedia AG und Ringier AG den Markt für tägliche Gratiszeitungen beherrschen.
  • Grundversorgung durch sprachregionalen und lokal-regionalen Rundfunk: Im Rundfunkbereich zeigt sich in allen drei Sprachregionen eine stabile Grundversorgung mit Informationssendungen durch öffentliche Veranstalter. Allerdings ist die Abdeckung der Bevölkerung rückläufig, vor allem beim öffentlichen Fernsehen, was auch mit noch nicht genau zu beziffernden Nutzungsverschiebungen ins Internet zusammenhängt (v. a. zeitversetzte Nutzung von Informationsformaten). Die privaten Rundfunkveranstalter vermögen sich vor allem im Radiobereich mit ihren Informationssendungen so zu stabilisieren, dass sie die sprachregionale Wohnbevölkerung zu über 0,5% potenziell erreichen. Sie tragen damit ebenfalls zur Versorgung in den regionalen und lokalen Räumen bei. Allerdings ist die Abdeckungsquote der Informationssendungen von Privatveranstaltern verglichen mit jener der SRG SSR gering. Über die drei Sprachregionen hinweg erreichen die Informationstitel des Privatfernsehens potenziell nicht einmal ein Zehntel der Bevölkerung ab 15 Jahren, die von den Informationstiteln des öffentlichen Fernsehens abgedeckt wird. Beim Radio, das beträchtlich mehr private Veranstalter aufweist als das Fernsehen, erlangen die Informationstitel der privaten Radiostationen immerhin ein Drittel der Abdeckungsquote der öffentlichen.
  • Wachstum der Online-Newssites der Abonnementszeitungen schwächt sich ab: Das Segment der für die öffentliche Kommunikation wesentlichen Websites im Internet ist schmal, und die wesentlichen Newssites aus den traditionellen Pressehäusern hinken hinter der Nutzung von Onlineportalen her, die neben Information vor allem Dienstleitungen anbieten (Replay, Agenturticker, Mailservices usw.). Auch was die Informationstitel im Onlinebereich insgesamt betrifft, ist die Abdeckungsquote gegenüber den anderen drei Mediengattungen trotz Wachstum zwischen 2007 und 2009 nach wie vor gering und das Wachstum der Newssites der Abonnementszeitungen schwächt sich ab (dies zeigen die Wochennutzungswerte von NET-Metrix wie auch die von uns daraus errechneten Tagesnutzungswerte von 2007 bis 2010. Allerdings zeigt der Vergleich unserer auf Wochenwertbasis errechneten Tagesnutzungswerte mit den erstmals von NET-Metrix für das Jahr 2010 ermittelten Tagesnutzungen, dass unsere Werte etwas höher ausfallen. Deshalb sind diese beiden Tagesnutzungswerte nicht vergleichbar). Wird ferner berücksichtigt, dass der Informationskonsum im Internet sehr selektiv und stark von Suchmaschinen gesteuert ist, dann wird klar, dass sich hier keine vergleichbare Publikumsbindung erzielen lässt. Leider sind für die Gattung Online die Finanzierungsgrundlagen schwer zu eruieren. Insgesamt zeigt sich für die hinsichtlich der Finanzierung erfassten Websites (also nicht für die hier primär untersuchten Newssites allein), dass sowohl die Werbeeinnahmen als auch die Verkaufserlöse gegenüber denen der anderen drei Mediengattungen äusserst gering sind, obwohl seit 2007 leichte Steigerungen festzustellen sind. (Diese Aussage wurde korrigiert. Weitere Informationen sowie sämtliche von der Korrektur betroffenen Passagen finden sie hier).
  • Konzentration der Informationsmärkte: Die Untersuchung der Konzentration auf dem Gesamtmarkt der Informationstitel aller vier Gattungen (Presse, Radio, Fernsehen und Online) zeigt, dass die SRG SSR aufgrund ihres Leistungsauftrages im Radio- und Fernsehbereich der dominante Kontrolleur ist. Allerdings bringt die SRG SSR dort auch ein mit dieser Stellung verbundenes Informationsangebot hervor, das die Grundversorgung in allen drei Sprachregionen garantiert. Von den drei weiteren wichtigen Kontrolleuren hat die Tamedia AG eine Marktstellung erreicht (18% Marktanteil), die erstens weit vor der der Konkurrenten liegt (Ringier AG: 9% und NZZ-Gruppe: 5%) und ihr zweitens eine mächtige Position verschafft – vor allem in der Suisse romande, in der sie 74% des französischsprachigen Pressemarktes kontrolliert. Wenn im September 2011 20 minuti in der Svizzera italiana lanciert und dadurch diese Gratiszeitung auf die gesamte Schweiz ausdehnt wird, wird sich die marktdominante Stellung der Tamedia AG nochmals verstärken.

Qualitätsvalidierung

  • Partielle Qualitätseinbusse gegenüber dem Vorjahr: Die Frontseitenanalytik zeigt in der Schweizer Medienarena gegenüber dem Vorjahr einen partiellen Qualitätsverlust. In der Vielfaltsdimension hat die Softnewsberichterstattung 2010 zu-, die Hardnewsberichterstattung dagegen um 5 Prozentpunkte (PP) abgenommen. In der Aktualitätsdimension zeigt sich ein Bedeutungsverlust der thematischen, d. h. einordnenden Berichterstattung (–9 PP), während die episodisch-kurzfristige Darstellung der Ereignisse über alle Mediengattungen hinweg an Gewicht gewonnen hat. Ausgeglichen ist die Qualitätsbilanz in der Relevanzdimension. Hier konnte in der Medienarena Schweiz im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Zunahme von gesellschaftlich relevanten Makrobeiträgen (+2 PP) sowie eine Abnahme privatisierender Personendarstellungen gemessen werden (–4 PP). Dieser qualitätssteigernde Effekt wird allerdings abgeschwächt durch eine deutliche Zunahme der personalisierenden Betroffenheitsberichterstattung im Zusammenhang mit Katastrophen, Unfällen und Kriminalität (+3 PP) sowie eine intensivere Personalisierung von Rollenträgern in Politik und Wirtschaft (+4 PP). Lediglich in der Professionalitätsdimension lässt sich eine gewisse Qualitätsverbesserung beobachten. Die moralisch-emotionale Berichterstattung hat abgenommen, während der sachlich-argumentative Stil an Gewicht gewonnen hat (+12 PP). Diese qualitätssteigernde Versachlichungstendenz muss allerdings relativiert werden aufgrund der hohen Anteile an episodischen Kurzmeldungen, die zumeist aus sachlich gehaltenen Agenturberichten stammen.
  • Softnewszuwachs bei Online und Gratiszeitungen: Der grösste qualitätsverschlechternde Softnewszuwachs zeigt sich in der Gattung Online (+7 PP) sowie bei den Gratiszeitungen (+9 PP). Obwohl auch im öffentlichen Radio und in den Abonnementszeitungen (beide +4 PP) Softnewszunahmen zu verzeichnen sind, schneiden diese beiden Medientypen in der Qualitätsdimension relevanter Vielfalt am besten ab. Gross sind die Qualitätseinbussen im Übergang von Online zu Offline: Die Softnewsanteile sind auf den Newssites generell höher als bei den physischen Offlineausgaben. Im hinteren Mittelfeld rangieren die privaten Fernseh- und Radiostationen, was das Verhältnis von Hardnews und Softnews anbelangt. Die grössten Defizite in der Vielfaltsdimension und die entsprechend grössten Softnewsanteile zeigen sich bei den Boulevardmedien off- und online sowie bei den Gratismedien off- und online. Die besten Qualitätswerte in der Dimension relevanter Vielfalt erreichen die Medientitel Neue Zürcher Zeitung, Echo der Zeit (DRS1), Rendez-vous (DRS1) sowie Le Temps (88%, 87%, 86% und 82% Hardnews). Die Schlusslichter in dieser Hinsicht bilden Blick.ch, Aktuell (Tele M1), Le Matin und der Blick (23%, 30%, 32% und 35% Hardnews).
  • Öffentliches Radio und Abonnementszeitungen mit höchster Relevanz: In der Relevanzdimension schneiden das öffentliche Radio und die überregionalen Abonnementszeitungen am besten ab. Hier sind die grössten Makroanteile zu verzeichnen (49% bzw. 43%), d. h., es gibt eine Berichterstattung, die sich auch komplexeren Themen von gesellschaftlicher Relevanz zuwendet. Ebenfalls hohe Makroanteile verzeichnen die Sonntagspresse und das Magazin (43%) sowie – im Vergleich zum öffentlichen Radio aber bereits auf deutlich tieferem Niveau – das öffentliche Fernsehen (38%). Die Online-Newssites generell, die Boulevardmedien sowie die Gratismedien off- und online weisen die tiefsten Relevanzwerte mit geringen Makro-Meso-Anteilen, aber hohen Anteilen einer personalisierenden und privatisierenden Berichterstattung auf. Das Privatradio zeigt im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme der relevanten Makroberichterstattung. Diese erfolgt aber kaum einordnend und bleibt auf den lokal-kommunalen Raum beschränkt. Bei den privaten Radio- und Fernsehsendern zeigt sich ein generell hoher Anteil an aufmerksamkeitsheischender Betroffenheitsberichterstattung mit Fokus auf die Opfer von Verbrechen, Unfällen und Katastrophen. Auf Titelebene sind es Echo der Zeit (DRS1), Neue Zürcher Zeitung, Rendez-vous (DRS1) und Corriere del Ticino, die die höchsten Makroanteile und damit hohe Relevanzwerte aufweisen (60%, 56%, 55% und 53% Makro). Umgekehrt die höchsten Mikroanteile und somit die grössten Qualitätsdefizite weisen Blick.ch (79%), der SonntagsBlick (70%), der Blick (69%) sowie Aktuell (Tele M1, 64%) auf.
  • Weniger Einordnung und grosse Unterschiede: In der Aktualitätsdimension haben die Einordnungsleistungen im Vergleich zum Vorjahr beim öffentlichen Fernsehen (–13 PP), bei Gratis-Online (–10 PP) und den privaten Radiosendern (–10 PP) am stärksten abgenommen. Die neuerliche Zunahme einer kurzfristig-episodischen Berichterstattung bei den Gratiszeitungen hat zur Folge, dass die Einordnungsleistung hier nun gegen Null tendiert. In den Gratismedien erscheint die Welt als ein in Einzelereignisse zergliedertes Universum. Ursachen werden kaum noch aufgezeigt, Phänomene nicht mehr eingeordnet und erklärt. Dasselbe gilt auch für die privaten Radiosender. Die geringen einordnenden Anteile der Gratiszeitungen off- und online werden nur noch von den Newssites der Boulevardzeitungen unterboten. Hohe einordnende Berichterstattungsanteile weisen das weltanschaulich geprägte Magazin Weltwoche (56% thematische Berichterstattung), die Sonntagszeitungen (24%), die öffentlichen Radiosender (26%) sowie die überregionalen Abonnementszeitungen (23%) auf. Umgekehrt erweisen sich in der Aktualitätsdimension (Einordnungsleistung bei der Tagesaktualität) die Onlinemedien im Allgemeinen sowie die Gratis- und die Boulevardmedien off- und online am qualitätsdefizitärsten. Im Einzelnen schneiden (neben der Weltwoche) folgende Medientitel in der Aktualitätsdimension am besten ab: Echo der Zeit (DRS1, 43%), Tribune de Genève (41%) und Il Caffè (40%). Qualitätsdefizitär erweisen sich umgekehrt die Medientitel Lematin.ch (1%), Radiogiornale (Radio 3iii, 1%), 20minutes.ch (2%) und 20 minutes (2%), allesamt mit verschwindend geringen Anteilen an einordnenden Beiträgen.
  • Moralisierung und Emotionalisierung online sowie im Boulevard: In der Professionalitätsdimension (sachlich-argumentativer versus moralisch-emotionaler Stil) sind die Qualitätsdefizite bei den Onlinemedien generell (13% moralisch-emotionale Berichterstattung) sowie den Boulevardmedien off- und online (37% bzw. 29% moralisch-emotional) am grössten. Hier zeigen sich die grössten Anteile eines emotional-moralischen Berichterstattungsstils, bei dem die Meinungen «gemacht» erscheinen und die sachliche Argumentation in den Hintergrund rückt. Speziell bei den Onlinemedien und den Gratiszeitungen zeigt sich eine Tendenz, Agenturmeldungen mit wenig Aufwand moralisch-emotional aufzuladen und sie mit reisserischen Titeln anzureichern. Ebenfalls überdurchschnittlich hohe Anteile an einer moralisierenden und emotionalisierenden Berichterstattung weisen die Sonntagszeitungen sowie das weltanschaulich geprägte Magazin Weltwoche auf (30%). Vor allem beim Magazin wird dadurch die Meinungsvielfalt stark eingeschränkt. Qualitätsdefizitär mit hohen moralisch-emotionalen Anteilen sind auch die Gratismedien off- und online sowie das Privatfernsehen. Die besten Werte in der Professionalitätsdimension liessen sich bei den Abonnementszeitungen (93% kognitiv-normativ), dem öffentlichen Radio (97%) und Fernsehen (93%) sowie im Privatradio (97%) feststellen. Während im öffentlichen Radio die hohen Anteile eines kognitiv-normativen Stils allerdings Ausdruck eines rechercheintensiven und einordnenden Journalismus sind, sind sie beim Privatradio eine Folge des hohen Anteils nüchtern vermeldeter Agenturberichte. Auf Titelebene sind es der Blick (55%), Blick.ch (47%), der SonntagsBlick (33%) sowie die SonntagsZeitung (30%), die die grössten Anteile an moralisch-emotionaler Berichterstattung und somit die grössten Qualitätsdefizite aufweisen. Umgekehrt schneiden in dieser Qualitätsdimension Le 12h30 (RSR, 1% moralisch-emotional), die Neue Zürcher Zeitung (1%) und Le Temps (1%) am besten ab.
  • Öffentliches Radio und überregionale Abonnementszeitungen als «Qualitätsgewinner»: In der Summe aller Qualitätsindikatoren schneidet das öffentliche Radio gefolgt von den überregionalen Abonnementszeitungen (Neue Zürcher Zeitung, Le Temps) und – bereits mit gewissem Abstand – dem öffentlichen Fernsehen am besten ab. Hier zeigen sich die grössten Hardnewsanteile, ein hohes Gewicht an relevanter Makro-Meso-Berichterstattung, überdurchschnittlich viel Einordnung sowie ein sachlich-argumentativer Berichterstattungsstil, der Meinungsvielfalt zulässt und Anschlusskommunikation ermöglicht.
  • Gattung Online, Boulevard- und Gratismedien mit grössten Qualitätsmängeln: Am grössten sind die Qualitätsdefizite über alle Indikatoren hinweg betrachtet in der Gattung Online als Ganzer sowie bei den Boulevard- und den Gratismedien off- und online. Im unteren Mittelfeld der Qualitätseinstufung sind die privaten Radio- und Fernsehsender zu finden. Negativ wirken sich hier vor allem die hohen Softnewsanteile mit Akzent auf Verbrechen, Unfällen und Katastrophen aus sowie die kaum einordnende, am Newsticker orientierte Berichterstattung. Im Mittelfeld deutlich hinter den überregionalen Abonnementszeitungen rangieren die regionalen Abonnementszeitungen. Sie weisen teilweise hohe Softnewsanteile auf, bewegen sich stark auf den weniger relevanten Meso- und Mikroebenen, und die Berichterstattung ist zu weiten Teilen episodisch orientiert. Dies trifft insbesondere auf die Berner Zeitung zu.
  • Themenagenda 2010: Die Agenda der Medienarena Schweiz wird im Jahr 2010 vor allem durch Sportereignisse (Fussball-WM, Olympia), politische Themen (Bundesratswahlen), Affären und Skandale (Libyenaffäre, Steueraffäre), Katastrophen (Erbeben in Haiti, Ölpest, Vulkanausbruch) und wirtschaftspolitische Themen (Konjunkturverlauf Schweiz, UBS-Krise) dominiert. Eine nachhaltige Kulturberichterstattung findet wie schon im Vorjahr nicht statt. Gesamthaft fällt die im Vergleich zum Vorjahr noch grössere Bedeutung von Softnewsthemen auf. So schafft es die Fussball-WM in Südafrika auf Rang 1 der Agenda, und daneben findet sich eine intensive Berichterstattung über Katastrophen, weitere Sportanlässe und Affären – Ereignisse mit Softnewscharakter, die die Themenagenda der Schweizer Medienarena zu mehr als einem Drittel bestimmen. Abgesehen vom Nahostkonflikt und vom Stabilitätspakt der EU gelangen internationale Politik- und Wirtschaftsthemen nicht auf die Topagenda. Dies bestätigt die schwindende Auslandsberichterstattung in der Schweizer Medienarena (vgl. fög 2010, S. 57–60).
  • Sprachregionale Themenunterschiede: Im Untersuchungsjahr 2010 wird die Schweiz über die drei grossen Sprachregionen hinweg primär über den Sport, die Bundesratswahlen, Identitätsprobleme und eine gemeinsam geteilte Krisenwahrnehmung zusammengehalten. Im Vergleich zum Vorjahr haben Softnewsthemen und insbesondere der Sport als Fixpunkte der gesamtschweizerischen Koorientierung an Bedeutung gewonnen. In wirtschaftspolitischer Hinsicht ist die Svizzera italiana – die vergleichsweise binnenorientierteste Medienarena – am meisten sensibilisiert. Bezüglich identitätspolitischer Auseinandersetzungen hat die Deutschschweiz den Führungsplatz inne, während in der französischsprachigen Schweiz der überdurchschnittliche Anteil an Softnewsthemen (Sport, Human Interest) ins Gewicht fällt. Hier macht sich der grosse Einfluss qualitätsschwächerer Medientitel (Gratis- und Boulevardzeitungen; Online) bemerkbar.
  • Integrationsfunktion: Die Abonnementszeitungen, vor allem aber das öffentliche Radio erfüllen eine wichtige Integrationsfunktion in der Schweiz. Wie in der Vorjahresuntersuchung fällt auf, dass primär die öffentlichen Radiosender die drei grossen Sprachregionen mit Informationen von nationaler, aber auch internationaler Relevanz versorgen. Dagegen ist der Beitrag zur nationalen Koorientierung mit relevanten Themen erwartungsgemäss bei den lokal orientierten privaten Radio- und Fernsehstationen gering. Aber auch die Gratis- und Boulevardzeitungen sowie die Newssites fallen bezüglich ihrer Integrationsfunktion ab.