6.5 Die doppelte Schwachstelle: Fehlerhäufigkeit und Corrections Management
Fragestellung
Journalismus ist gerade in Zeiten des Internets äusserst schnelllebig und damit auch fehleranfällig. Das Vertrauen in den Journalismus und dessen Glaubwürdigkeit schwinden zunehmend. Diese Studie untersucht nun erstmals in der Schweiz und in Italien, wie fehleranfällig die Medienberichterstattung ist, und vergleicht die Ergebnisse mit einer Vorgängerstudie aus den USA. Ermittelt wurden dabei Fehler, soweit sie von den jeweiligen Informationsquellen wahrgenommen wurden. In jeder der untersuchten Zeitungen wurden stichprobenmässig 200 Artikel herausgefiltert und die Personen ermittelt und befragt, die in den Beiträgen als wichtigste Quellen genannt sind.
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Grosse Zahl an wahrgenommenen faktischen Fehlern: Die Befragten stellten in der Schweiz mehr Berichterstattungsmängel fest als in Italien oder den USA. Faktische Fehler wie falsch geschriebene Namen, falsche Adressen oder unpräzise Angaben zum Ort des Geschehens bemängelten die Befragten in 60% der untersuchten Schweizer Beiträge, in Italien dagegen in 52% und in den USA in 48% der Fälle. Bezüglich der Schwere der ermittelten Fehler beurteilten die Befragten in der Schweiz im Vergleich zu denen in Italien oder den USA die Mängel als weniger gravierend. Zudem ist die Bereitschaft der Quellen, sich erneut als Informationslieferanten zur Verfügung zu stellen, in der Schweiz deutlich höher als in Italien oder in den USA. Die Forschungsergebnisse für Italien haben angesichts einer niedrigen Rücklaufquote allerdings eher explorativen Charakter.
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Regionale Unterschiede in der Schweiz: Vergleicht man die in der Studie analysierten Schweizer Printtitel Aargauer Zeitung, Basler Zeitung, Berner Zeitung, Südostschweiz sowie den Zürcher Tages-Anzeiger, so zeigen sich leichte regionale Qualitätsunterschiede bezüglich Anzahl und Schwere der wahrgenommenen Fehler. Während die Befragten bei der Südostschweiz in knapp 57% aller Beiträge faktische Fehler monieren, sind es beim Tages-Anzeiger durchschnittlich fast 63%. Rechnet man die subjektiven Fehler mit hinzu – also zum Beispiel, ob der Beitrag von den Informationsquellen als übertrieben und sensationalistisch beurteilt wird –, so zeigt sich ein analoges Bild: Der diesbezüglich wahrgenommene Fehleranteil liegt beim Tages-Anzeiger um 10 Prozentpunkte höher als bei der Südostschweiz.
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Fehler schaden der Glaubwürdigkeit: Die Anzahl und die Schwere der Fehler wirken sich negativ auf die Glaubwürdigkeit einer Zeitung aus. Insbesondere die von den Befragten ermittelte durchschnittliche Schwere der faktischen Fehler und die Einschätzung der Glaubwürdigkeit der Zeitung korrelieren negativ. Diese Beziehung zwischen der Schwere der wahrgenommenen Fehler und der Glaubwürdigkeit einer Zeitung ist in der Schweiz am stärksten ausgeprägt.