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Medien und Qualität
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Unter dieser Rubrik publizieren wir regelmässig Analysen zur Qualität der Medien.  

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 12.4.2012: Gleich viel Medienresonanz für Car-Crash im Wallis wie für Finanzmarktkrise

Das Carunglück im Wallis wuchs innerhalb der ersten vier Tage zum wichtigsten Kommunikationsereignis in der Schweizer Medienarena. Inwiefern genügend gesamtgesellschaftliche Relevanz gegeben war, wurde verschiedentlich in Frage gestellt. Eine Position ging dahin, dass die öffentliche Betroffenheit über den Tod der 22 Kinder dermassen gross war, dass die Medien nichts anderes als ihre Pflicht taten. Dem wurde entgegengesetzt, dass die durchaus gerechtfertigte Betroffenheit einer Trauergemeinschaft nicht auf die Gesellschaft und damit das Medienpublikum als Ganzes übertragen werden kann. Relevanz für eine Gemeinschaft dürfe nicht mit Relevanz für die Gesellschaft verwechselt werden. (Diskussion Rothenbühler, Imhof Duell Aktuell).

Anhand nebenstehender Grafik lässt sich zeigen, wie intensiv das Carunglück im Wallis medial bewirtschaftet wurde. Startend am Unglückstag, dem 14. März, löste das Kommunikationsereignis eine regelrechte Betroffenheitslawine aus. Innerhalb von nur neun Tagen erschien das Ereignis 110 mal auf den Frontseiten der wichtigsten Schweizer Presse- und Onlinemedien und wurde im Radio und TV prominent in Aufmacherbeiträgen zum Thema gemacht. Damit steht dieses Ereignis, zumindest die Anzahl Beiträge betreffend, in Konkurrenz zur Diskussion über die Finanzmarktkrise oder dem Regierungsprogramm Obamas.

In der Regel wird besonders intensiv über Ereignisse berichtet, die überraschend und spektakulär erscheinen. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass nicht nur der Neuigkeitswert bzw. die Verpflichtung zur Aktualität die Massenmedien veranlasst, gewisse Ereignisse intensiver zu beobachten als andere. Insbesondere Ereignissen, die als besonders tragisch bzw. moralisch verwerflich erachtet werden widerfährt – zumindest für kurze Zeit - überproportionale mediale Aufmerksamkeit (vgl. auch Terroranschlag in Marokko, Mord an Lucie Trezzini, Pädophilie Fälle in der katholischen Kirche).

Neben des Neuigkeitswerts entscheiden also nicht zuletzt der Sensationswert und der moralische Gehalt darüber, wie stark ein Ereignis bewirtschaftet wird. Ereignisse, die emotional betroffen machen, zeichnen sich regelhaft durch eine hohe Berichterstattungsintensität aus. Dafür weisen diese Ereignisse eine umso kürzere Halbwertszeit auf. In diesen Fällen kann von einem regelrechten Hype gesprochen werden.

 8.3.2012: Starker Krisenfokus der Schweizer Medienagenda 2011

Die Schweizer Presse hat sich im Jahr 2011 überaus stark den ökonomischen und politischen Krisen im internationalen Raum gewidmet. Erstmalig seit 1999 figurieren dabei in einem Wahljahr nicht die Eidgenössischen Wahlen auf Rang 1, sondern ein internationales Krisenereignis. Im Sog dieses alles überragenden Krisenfokus' haben auch die Frankenstärke und die Konjunktursorgen in der Schweiz überdurchschnittlich viel Resonanz erhalten. Auch die Krisenbewältigung der UBS und die Bankgeheimnisdebatte wurden in der Schweizer Medienöffentlichkeit mit Argusaugen beobachtet. Darüber hinaus lag der Fokus der Berichterstattung 2011 stark auch auf den krisenhaften Umwälzungsprozessen im Norden Afrikas und dem Nahen Osten.  

Mediensample: Neue Zürcher Zeitung, Tages-Anzeiger, Blick, Le Temps, Le Matin

 2.3.2012: Zu den Auswirkungen des sda-Monopols

Eine Vertiefungsanalyse des Jahrbuchs “Qualität der Medien – Schweiz Suisse Svizzera” (Ausgabe 2011) hat sich u.a. mit der Monopolstellung der sda auseinandergesetzt. Der Vergleich der Presseberichterstattung von insgesamt 22 Pressetiteln im Untersuchungszeitraum 2009–2010 zeigt, dass der sda-Einfluss in der Pressearena nach der Etablierung der Monopolstellung im Frühjahr 2010 signifikant zugenommen hat. Weitere Befunde des Jahrbuchs zeigen zudem, dass verstärkt Online Newssites Agenturmeldungen verwenden (oder leicht redaktionell bearbeiten) um Content zu generieren. Der unter Aktualitätsdruck stehende Online ist also viel stärker von Agenturmeldungen abhängig als die Presseredaktionen. Zur Vertiefungsanalyse...

 8.12.2011: Ghadhafi-Bilder in den Medien – Wie viel ist zu viel?

Die Veröffentlichung der Todesbilder des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar Ghadhafi hat auch in der Schweiz zu einer medienethischen Kontroverse geführt. Was dürfen und müssen Medien zeigen? Wo werden die Grenzen des ethisch Vertretbaren überschritten? Eine Analyse zu dieser Problematik zeigt, dass es Vertreter der Boulevardpresse und die überwiegende Zahl von Online-Newssites sind, welche sich nicht an ethische Richtlinien hielten. Im Gegensatz dazu war die Berichterstattung der meisten Abonnements- und Sonntagszeitungen an ethischen Kriterien orientiert. Die Nachrichtensendungen des TV liegen zwischen diesen Polen. Zum Bericht...

 25.10.2011: Die Zottel-Entführung in den Medien

 21.10.2011: Top-10-Agenda 2010 Presse / Online

Interessiert Sie, welche Themen die unten aufgeführten Online- und Pressetitel im Jahr 2010 prominent auf die Agenda gesetzt haben? Klicken Sie auf den Link des entsprechenden Medientitels und Sie gelangen zur Top-10-Frontseitenagenda des jeweiligen Titels.
Es bestätigt sich, dass vor allem Gratis- und Boulevardmedien off- und online einen qualitätsdefizitären Informationsjournalismus betreiben, der durch viel Softnews und wenig Einordnung gekennzeichnet ist.

Onlinetitel (Aufsteigend nach Hardnews-Anteil, 2010)
1. Blick.ch: Hardnews: 23.5%, Einordnung 5.3%
2.
20minutes.ch: Hardnews: 38.1%, Einordnung 1.9%
3.
Lematin.ch: Hardnews: 39.0%, Einordnung 1.1%
4.
24heures.ch: Hardnews: 42.2%, Einordnung 3.1%
5.
20minuten.ch: Hardnews: 47.7%, Einordnung 11.1%
6.
Tribune de Genève online: Hardnews: 48.5%, Einordung 2.9%
7.
tagesanzeiger.ch: Hardnews: 63.3%, Einordung 12.6%
8.
NZZ Online: Hardnews: 79.2%, Einordnung 12.6%

Pressetitel (Aufsteigend nach Hardnews-Anteil, 2010)
1. Blick: Hardnews: 34.5%, Einordnung 4.5%
2.
20 Minuten: Hardnews: 44.1%, Einordnung 5.3%
3.
Tages-Anzeiger: Hardnews: 78.4%, Einordnung 16.4%
4.
Neue Zürcher Zeitung: Hardnews: 87.7%, Einordnung 17.2%

Anmerkung: Abgebildet sind auflagen- resp. nutzungsstarke Medientitel, die im Rahmen des Jahrbuchs Qualität der Medien einer Qualitätsvalidierung unterzogen wurden.

Vorgehen: Frontseitenbeiträge sind das Schaufenster für die zentralen Inhalte der Medienprodukte. Sie sollen die Schwerpunkte des publizistischen Angebots adäquat anzeigen und haben eine Repräsentationsaufgabe für den Gesamtinhalt eines Informationstitels. Darüber hinaus lassen sich auf der Basis dieser Beiträge die Themenlandschaften der Medientitel untersuchen. Zu diesem Zweck werden alle Beiträge auf den Frontseiten, die in sozialer, zeitlicher und sachlicher Hinsicht dasselbe thematisieren, zu Kommunikationsereignissen in Form kontinuierlicher Berichterstattungsfolgen gebündelt. Auf diese Weise lassen sich medienspezifische Themenlandschaften gewinnen und die charakteristischen Aufmerksamkeitsstrukturen der Medientitel werden ersichtlich.

 03.11.2010: "Wehe dem, der die Kritiker kritisiert!"

Am 23.10.2010 ist im „Magazin“ und einen Tag später am 24.10.2010 auf „tagesanzeiger.ch“ der Beitrag Am 23.10.2010 ist im „Magazin“ und einen Tag später am 24.10.2010 auf „tagesanzeiger.ch“ der Beitrag „Die Qualität unserer Presse“ von Pietro Supino, dem VR-Präsidenten der Tamedia AG, erschienen. Der Beitrag setzt sich kritisch mit der Medienkritik im allgemeinen und dem „Jahrbuch Qualität der Medien – Schweiz Suisse Svizzera“ im besonderen auseinander. Kurt Imhof hat eine ausführliche Replik auf diesen Beitrag verfasst. Da im „Magazin“ vom 19.11.2010 nur eine Entgegnung in Form eines Leserbriefs erscheint, publizieren wir die Replik hier in ihrer vollen Länge.

 02.11.2010: Analyse zur Medienresonanz des ersten Jahrbuchs Qualität der Medien

Das erste Jahrbuch "Qualität der Medien" (Ausgabe 2010) hat wunschgemäss eine grosse Mediendebatte ausgelöst. Insgesamt 110 Beiträge in der Schweizer Medienarena haben sich bis am 23.10.2010 mit dem Jahrbuch befasst. Am meisten Beiträge sind in Onlinemedien erschienen (47), gefolgt von der Presse (44). In Onlinemedien wurden überwiegend Kurzmeldungen oder Agenturbeiträge zum Jahrbuch publiziert. Dagegen haben sich die Gattungen Presse, TV und Radio häufiger mit eigenständigen Beiträgen mit dem Jahrbuch auseinandergesetzt. Häufigster Aufhänger der Medienbeiträge zum Jahrbuch war der Konnex von Medienqualität und Demokratie, gefolgt von der Frage, wie stark Gratismedien die publizistische Qualität in der Schweiz bestimmen. Bemerkenswert ist, dass das Jahrbuch in den Pendlerzeitungen - also jenem Medientyp mit den grössten Qualitätsdefiziten - keine Resonanz gefunden hat. Zum Bericht...

 28.08.2010: Niedergang der Auslandberichterstattung

Die Krise der Informationsmedien verändert den Aufmerksamkeitsfokus der Redaktionen. Ausgerechnet im Zeitalter der Globalisierung sorgt der Abbau von Korrespondentennetzen für eine verringerte und qualitativ schlechtere Ausland-Berichterstattung. Welche Bedeutung die internationale, nationale und regionale Berichterstattung bei verschiedenen Medientypen hat, lesen Sie detailliert im Jahrbuch "Qualität der Medien", Kapitel I.2.1.