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Politische Kommunikation
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In dieser Rubrik publizieren wir Analysen zu folgenden Themenbereichen:

  • Resonanz- und Reputationsentwicklung politischer Akteure und Institutionen
  • Wahl- und Abstimmungsanalysen
  • Analysen zu wichtigen gesellschaftspolitischen Kommunikationsereignissen

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 9.05.2012: Wahlberichterstattung: BDP-Resonanz stark durch Widmer-Schlumpf geprägt

Das Wahlforschungsprojekt „Selects“ hat gezeigt, dass bei den Eidgenössischen Wahlen 2011 Wählerinnen und Wähler einzelne Parteien mit bestimmten Themen verknüpfen. Umfragen zeigen, dass beispielsweise die SVP die „Themenführerschaft“ beim Migrations-Thema innehat und die SP bei der Sozialpolitik. Die BDP hingegen wird mit keinem Thema identifiziert. Dies wird von Kommentatoren unter anderem so interpretiert, dass die BDP vorwiegend ein „Wahlverein“ für Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf sei (vgl. auch Tages-Anzeiger vom 8.5.2012). 

Im Rahmen des Selects-Projekts wurde neben Umfragen auch eine Analyse der Medienberichterstattung durchgeführt. Erste Ergebnisse dieser Medienanalyse zeigen, dass die Parteien in den letzten sechs Wochen vor den Wahlen sehr unterschiedliche Aufmerksamkeit in den Medien erhalten.
 







Lesehilfe: Von allen Aussagen von oder über Parteien erhält die BDP 6%. Von all diesen Aussagen der BDP oder über die BDP betreffen 49% das BDP-Bundesratsmitglied Widmer-Schlumpf und 7% Parteipräsident Grunder. Von anderen Parteivertretern ist Hassler der resonanzstärkste und damit „zentrale Parteivertreter“ mit 2% der BDP-Resonanz. Andere restliche Parteivertreter erhalten 17% und die BDP als Kollektiv 25%.

Deutlich ist, dass von allen Parteien die Medienresonanz der BDP am stärksten von ihrer Bundesrätin geprägt ist. Beinahe die Hälfte der BDP-Resonanz ist Resonanz für Widmer-Schlumpf. Diese mediale Fokussierung auf Widmer-Schlumpf sorgt auch dafür, dass die Medienresonanz der BDP insgesamt steigt und deutlich höher ist als diejenige der anderen neuen kleinen Partei, der Grünliberalen.

Die Grünliberalen präsentieren sich vor allem als diffuses Kollektiv ohne viele verschiedene wahrnehmbare Köpfe, mit Ausnahme ihres Parteipräsidenten und Ständerätin Verena Diener.

Die grösseren Parteien auf der anderen Seite vermögen sich mit verschiedenen einzelnen Parteivertretern Resonanz zu verschaffen. Dort fällt jedoch auf, dass die SVP in den Medien stärker als (homogenes) Kollektiv Resonanz findet statt über viele verschiedene Personen. Dies ist auch Ausdruck davon, dass die Kampagne der SVP von allen Parteien am meisten Aufmerksamkeit erhält. Daneben aber erhält Christoph Blocher von den anderen SVP-Parteivertretern die stärkste Resonanz, mehr noch als der SVP-Parteipräsident Brunner. Diese Fokussierung auf einen solchen „zentralen Parteivertreter“ ist bei der SVP besonders ausgeprägt.

Die Resonanz für SP und CVP schliesslich ist im Vergleich etwa zur FDP wiederum etwas stärker geprägt durch ihre Bundesrätinnen (15% respektive 12%). Bei der SP widerspiegelt dies den Rücktritt von Micheline Calmy-Rey, bei der CVP die prominente Verknüpfung von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard mit der ebenfalls prominent thematisierten Umwelt- und Atompolitik. Von dieser Bundesrats-Fokussierung und der Aufmerksamkeit für die Parteipräsidenten abgesehen, ist bei beiden Parteien, wie auch der FDP, die Resonanz für andere verschiedene Parteienvertreter gleichmässiger, d.h. auf mehrere Köpfe verteilt. Das heisst: Neben diesem Spitzenpersonal (Bundesräte, Parteipräsidenten) gibt es für diese Parteien keine zentralen Parteivertreter, die ähnlich Resonanz finden wie etwa Christoph Blocher bei der SVP.

Nur die Grünen – und dies bei insgesamt schwächerer Resonanz – erhalten vor allem über Nationalrat Jo Lang in der Armeefrage hohe Aufmerksamkeit.

Weitere Ergebnisse zur Medienberichterstattung zu den Eidgenössischen Wahlen werden im „Jahrbuch Qualität der Medien 2012“ im Herbst 2012 veröffentlicht.  

 29.2.2012: Teure und provokative Kampagnen erhöhen Medienaufmerksamkeit

Die Forschungsstelle sotomo hat jüngst eine detaillierte Studie zu den Werbeausgaben bei Wahlen und Abstimmungen vorgelegt. Die Studie zeigt, dass die finanziellen Mittel der Parteien, Verbände und Komitees sehr ungleich verteilt sind. Gleichzeitig wird festgestellt, dass ein hoher Werbeaufwand nicht unbedingt zum Erfolg an der Urne führt. Dabei wird jedoch die Rolle der Medien ausgeblendet und nicht beachtet, dass politische Werbung durch die Medien deutlich verstärkt werden kann und sich auf diese Weise die Themen und Botschaften von Kampagnenakteuren leichter durchsetzen können.
Unsere Fallstudie zu vier Abstimmungen hat sich dieser Problematik angenommen und zeigt das Zusammenspiel zwischen „paid media“ (Werbung) auf der einen Seite und „free media“ (redaktionelle Inhalte) auf der anderen. Die beiden Initiativen der SVP (und bei der Minarettinitiative auch der EDU) finden deutlich mehr Medienresonanz als andere Initiativen. Der Vergleich mit der Initiative zum Exportverbot von „Kriegsmaterial“ und zur Steuergerechtigkeitsinitiative zeigt, dass dort vor allem für die Gegenkampagnen hohe Werbeausgaben getätigt wurden, während es bei der Minarett- und der Ausschaffungsinitiative fast nur die Pro-Kampagnen der Initianten gab. Die höchst asymmetrischen Kampagnenressourcen erklären aber noch nicht die starke Medienresonanz für Vorlagen der SVP gegenüber den Vorlagen von anderen politischen Akteuren, bei denen ebenfalls viel Werbung betrieben wird und die Ressourcen sehr ungleich verteilt sind. Mitentscheidend für die starke Medienresonanz ist der provokative, tabubrechende Charakter der Kampagnen. Bei der Minarett- und der Ausschaffungsinitiative werden die stark beworbenen, provokativen Plakate und Inserate selbst zum Thema, treiben die Berichterstattung an und verbreiten so wesentliche Botschaften der Initianten. Bei der Initiative zum Exportverbot von „Kriegsmaterial“ und zur Steuergerechtigkeitsinitiative fehlt hingegen das Geld (Pro-Kampagne) und dort, wo sehr viel Geld für die Werbung eingesetzt wird, fehlt die Provokation (Kontra-Kampagne). Gerade also die Kombination aus finanzstarken und gleichzeitig provokativen Kampagnen vermag die Agenda der Medien mitbestimmen.
>>> Zur Hauptanalyse

 24.11.2011: Zwischenbericht zur Analyse der eidgenössischen Wahlen 2011

Die vorliegenden Ergebnisse sind Zwischenresultate einer laufenden Analyse zur Wahlberichterstattung. Diese Anfang 2012 abgeschlosssene Analyse wird unter anderem von FORS/Selects und dem Schweizerischen Nationalfonds unterstützt.

Konfliktthemen im Wahlkampf 2011
In der Berichterstattung über innenpolitische Vorgänge vermochte in den Wochen vor den diesjährigen Eidgenössischen Wahlen kein Konflikt-Thema zu dominieren, das als genuines Kern-Thema einer bestimmten Partei gelten könnte. Stattdessen führten mehrere mit der Finanz- und Wirtschaftskrise verbundene „externe“ Ereignisse wie die Reaktionen auf den „starken Franken“, der „Fall Adoboli“ oder die Zuspitzung der Schuldenkrise europäischer Staaten dazu, dass Parteien vor allem zu Fragen der (De-)Regulierung Stellung beziehen mussten (z.B. „too big to fail“, Hilfspaket etc.). Auch unvorhergesehene Krawalle und Ausschreitungen setzten die Parteien unter Druck („Kriminalität“). Durch diese „Zerhackung“ der Kampagnen war keine Partei in der Lage, „ihr“ Thema erfolgreich und nachhaltig auf die Agenda zu setzen. Insbesondere schaffte es dieses Mal die SVP nicht, das Migrations-Thema zum dominierenden Wahlkampf-Thema zu machen.


Resonanz politischer Parteien im Wahlkampf 2007 und 2011
Im Zeitvergleich von 2007 und 2011 fällt auf, dass 2007 die provokative Kampagne der SVP im Bereich der Migrationspolitik („Schäfchen“-Plakate) und mit Fokus auf Christoph Blocher („SVP wählen – Blocher stärken“) die Berichterstattung entscheidend beeinflusste und die SVP weitaus am meisten Resonanz erhielt. Dieser Mechanismus – Provokation und Reaktion – spielt in der Berichterstattung zu den Wahlen 2011 nur noch teilweise. Zwar erzielt nach wie vor die SVP am meisten Resonanz, nach wie vor auch wegen ihrer provokativen Kampagne, doch führen die verhalteneren Reaktionen anderer Parteien und der Medien zu einer nun gleichmässiger verteilten Parteien-Resonanz. 2011 stärker profitieren können die Sozialdemokraten und die BDP: Bei beiden Parteien sorgen sowohl die bevorstehenden Bundesratswahlen für eine relativ starke Resonanz (Nachfolge Calmy-Rey, mögliche Abwahl Widmer-Schlumpf) als auch die Krisen-Ereignisse (Positionierung der SP und von Widmer-Schlumpf bei Regulierungsfragen).

Weitere Resultate zur Wahlberichterstattung wurden am Mediensymposium von SRG SSR präsentiert. Die vollständigen Resultate sowie die begleitende Präsentation von Kurt Imhof können hier eingesehen werden.

 

 

 

 

 30.03.2011: Die Ausschaffungsinitiative im Spiegel der Medien

Die Studie zur Resonanz der Ausschaffungsinitiative liefert mediensoziologische Gründe, weshalb die Initiative - und nicht der Gegenvorschlag - sich letztlich an der Urne durchsetzen konnte: Obwohl der Gegenvorschlag die meiste Zustimmung und Resonanz in der Medienöffentlichkeit erfährt, wird er gleichzeitig mit Problembezügen begründet, welche die Hauptanliegen der Ausschaffungsinitiative teilen oder zumindest nicht zurückweisen: So wird die hauptsächliche Problemdeutung der Initiative – „kriminelle Ausländer“ als dringliches, lösungsbedürftiges Problem – kaum bestritten. Dies bedeutet, dass auch jenseits der SVP eine solche Problematisierung des Fremden akzeptiert wird. Unterschiede zeigen sich primär in den Lösungsvorschlägen. Somit hat die medienvermittelte Debatte partei- und medienübergreifend die Dringlichkeit des Problems "krimineller Ausländer" verstärkt, was letztlich den Wahlausgang mit beeinflusst haben dürfte. Zum Bericht...

 23.12.2010: Analyse zur Departementsrochade vom 22.9.2010

Eine Analyse zur Medienberichterstattung über die Departementsrochade im Nachgang zu den Bundesratsersatzwahlen vom 22.9.2010 zeigt unter anderem folgende Befunde:

1. Erodiertes Vertrauen in Bundesrätin Widmer-Schlumpf
Eveline Widmer-Schlumpf erleidet im Zusammenhang mit der Departementsverteilung medial den höchsten Vertrauensverlust. Ihr wird die Hauptverantwortung für den wahrgenommenen Missstand zugeschrieben, dass ein Jahr vor der Gesamterneuerungswahl vier Bundesräte das Departement wechseln und so die Handlungsfähigkeit der Regierung unterminiert werde. Kritik kommt dabei primär von Seiten der SPS – also jener Partei, die Bundesrätin Widmer-Schlumpf 2007 ins Amt verholfen hat. Ebenfalls gerügt wird die neue Vorsteherin des Finanzdepartements von ihrer ehemaligen Partei SVP. Die Skandalisierung von Bundesrätin Widmer-Schlumpf hat Deutungsmuster gegen die Bundesrätin gesetzt, die bei der Gesamterneuerungswahl des Bundesrates 2011 reaktiviert werden können.

2. Wahrnehmung einer zerstrittenen Exekutive verstetigt sich.
Stark im Fokus der Medienberichterstattung steht die Wahrnehmung, dass auch im neu zusammengesetzten Bundesrat Konflikt statt Kollegialität bestimmend ist. Vor dem Hintergrund, dass die Kandidaten für die vakanten Sitze im Vorfeld der Ersatzwahlen stark entlang von Typisierungen im Zusammenhang mit der inhaltlich verstandenen Konkordanz (Konsens- und Kompromissfähigkeit) bewertet wurden (vgl. Analyse zu den Bundesratsersatz-wahlen 2010), ist die Debatte somit auch Ausdruck enttäuschter Erwartungen und verstetigt das Bild einer zer-strittenen Exekutive.

3. Wahrnehmung einer zunehmend populistisch agierenden SPS erhält Aufwind
Die zentralen Konfliktlinien in der Debatte um die Departementsverteilung verlaufen zwischen Akteuren der SPS und Akteuren der Mitteparteien. Die SPS und namentlich Parteipräsident Christian Levrat sind massgeblich für das Agenda-Setting und die Skandalisierung der Debatte verantwortlich. Der konfliktive Stil der SPS wird nur von wenigen Medien, von diesen dafür in deutlichen Worten geharnischt: „Levrat macht den Blocher“ (Tages-Anzeiger, 1.10.2010) und „Die SP macht das Land ein Stück unregierbarer“ (NZZ am Sonntag, 3.10.2010) sind Ausdruck der Kritik am populistischen Kommunikations-stil der Sozialdemokraten. Zum Bericht...

 03.11.2010: Wahlen - Die Rolle von Konflikten, Resonanz und Reputation

Die Autoren der jüngst der Öffentlichkeit vorgestellten Wahl-Studie FORS/Selects kommen zum Befund, dass „Identität und Kultur“ als zentrale Konfliktlinien auf Kosten von sozio-ökonomischen Konflikten an Bedeutung zugenommen haben. Dies erkläre den Wahlerfolg für SVP und Grüne. Das Jahrbuch Qualität der Medien kann ebenfalls zeigen, dass besonders Identitätskonflikte auch ausserhalb von Wahlkampfphasen die Medienagenden bestimmen. Zudem zeigen frühere Untersuchungen des fög zum letzten Wahlkampf, dass die Resonanz und die Reputation in den Medien mitentscheidende Faktoren für den Wahlausgang sind. Zwar wurde sie wegen ihres Politikstils und ihrer Politikinhalte von Medien, politischen Kontrahenten und zivilgesellschaftlichen Akteuren negativ bewertet, aber gleichzeitig wurden durch diese Konflikt-Stilisierung der SVP ein klares Profil und darüber hinaus Handlungsfähigkeit und Durchsetzungsfähigkeit zugeschrieben. Zum Bericht...

 01.11.2010: Analyse zu den Bundesratsersatzwahlen 2010

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